Silvestergedanken

von Arzani92
KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
Ben Beckman der Rote Shanks Lorenor Zorro Marco der Phoenix Mihawk "Falkenauge" Dulacre Perona
13.12.2014
27.12.2014
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„Verdammt“, kam es fluchend aus der Küche und mit wissenden Augen schauten sich Mihawk und Zorro an. Die beiden Schwertkämpfer saßen in dem weiten Wohnzimmer, beide in einem der weichen, roten Sessel und es brauchte keine Worte, damit sie wussten, was der jeweils andere dachte.
Perona stand nun schon seit über zwei Stunden in der Küche und versuchte sich an einem extra feinen Dinner für Silvester. Doch ihrer Rate an Flüchen nach schien es nicht so zu funktionieren, wie sie es wollte. Dabei hatte sich das Geistermädchen wirklich verbessert und Zorro musste zugeben, dass man inzwischen guten Gewissens sagen konnte, dass ihr Essen gut schmeckte. Natürlich kam sie nicht an Sanji ran, das kam niemand, trotzdem waren ihre Kochkünste seit einer Weile richtig gut. Wenn er zurück dachte an die Anfangszeit auf Kuraigana, dann wurde ihm fast schon wieder schlecht. Perona hatte alles anbrennen lassen, was man anbrennen konnte und sowohl Salz, wie auch Pfeffer, waren nicht nur einmal in wahrscheinlich der doppelten Menge in den Gerichten gewesen als es normalerweise der Fall war. Das hatte die pinkhaarige Frau jedoch nicht davon abgehalten weiter zu machen und inzwischen war Kochen so etwas wie ihr Hobby geworden, denn arg viel mehr hatte sie hier auch nicht zu tun. Wenn man bedachte, dass sie vor der Ankunft auf Mihawks Schloss nie auch nur einen Kochlöffel in der Hand gehalten hatte, war sie inzwischen fast eine Meisterin. Doch die Menge, die sie sich für den heutigen Tag vorgenommen hatte schien sie trotz allem nicht zu bewältigen.
Immer noch fragte sich der Schwertkämpfer, warum sich Perona überhaupt so eine Mühe machte. Zwar war es Silvester, aber ein einfaches Essen hätte gereicht und die Menge von Zutaten die Mihawk hatte einkaufen müssen konnten sie zu dritt niemals an einem Abend essen. Außer das Geistermädchen hatte vor, die Zeit bis zum Ablauf der zwei Jahre nicht mehr auch nur einen Topf anzurühren. Dann würde die Aktion ja Sinn machen, doch wusste Zorro nur zu gut, dass das nicht der Fall war.
Er seufzte erneut, als ein neuer Fluch aus dem nahegelegenen Raum schallte und ihm bewies, dass Perona heillos überfordert war.

Am liebsten hätte Zorro ihr geholfen, aber er vermutete, dass er keine große Hilfe war. Er konnte nicht kochen, das wusste er und so würde er es nur schlimmer machen. Er war nie in der Situation gewesen großartig für sich selbst kochen zu müssen. Sicher, in der Zeit als er noch als Piratenjäger durch die Blues gezogen war hatte auch er ab und zu einen Topf aufs Feuer gestellt, das war gar nicht anders zu bewerkstelligen gewesen. Allerdings war sein Einfallsreichtum dabei nie besonders groß gewesen und auch die Ergebnisse nicht das, was man jemand anderem vorsetzen würde, wenn man ihn beeindrucken wollte. Seit er in Luffys Crew war übernahm die Aufgabe eh Sanji, was auch gut so war, denn der blonde Koch war eben … ein Koch. So oft sie sich auch anschrien und miteinander stritten, Zorro hätte niemals an der Fähigkeit gezweifelt, dass Sanji kochen konnte. Denn das konnte er. Nur zugeben musste Zorro das ja nicht.
Kurz biss er sich auf die Lippen, weil er absolut nicht wusste, was seine Crew heute machte. Ob sie wohl feiern würden? Ob sie auch jemanden hatten, der für sie kochte oder saßen sie alleine irgendwo, ohne die Annehmlichkeiten guter Gesellschaft?
Obwohl der Pirat nun schon seit ein paar Monaten auf Kuraigana war, hatte er sich immer noch nicht wirklich daran gewöhnt, dass er die Mannschaft nun bis auf weiteres nicht sehen würde. Er vertraute Luffy, das stand eh nicht zur Debatte und er vertraute auch darauf, dass es allen gut ging. Doch grade in letzter Zeit hatte er sie doch vermisst und er hoffte einfach, dass er sich zu viele Sorgen machte. Dabei war es eh ungewöhnlich für ihn so viel über eine Situation nachzudenken.

Lange Zeit, in Gedanken zu schwelgen, hatte er jedoch nicht, denn ein lautes Scheppern riss ihn aus seinem nachdenklichen Zustand. Der Krach kam so plötzlich, dass es ihn aufrecht sitzen ließ und etwas besorgt wandte er sich zu der Tür, die zur Küche führte. Kurz meinte sich Zorro verhört zu haben, doch als erneut ein Schluchzen zu ihnen durchdrang, wusste er, dass dem nicht so gewesen war.
Bevor er jedoch reagieren konnte, hatte sich Mihawk erhoben und verschwand mit schnellem Schritt aus dem Wohnzimmer. Sein Blick war stechend und kurz lief es Zorro eiskalt den Rücken herunter. Obwohl sich der Grünhaarige nicht sicher war, ob er ihm folgen sollte, drängte sich etwas in ihm auf, es trotzdem zu tun. Zudem er es einfach nicht ertragen konnte, wenn eine Frau weinte. Da spielte es wirklich keine Rolle, dass diese Frau Perona und meistens eine schreckliche Nervensäge war. Mit einem kleinen Ruck erhob er sich aus dem Sessel und bevor er durch die Tür raus auf den Gang verschwand schnellte sein Blick zu der Uhr, die über dem Kamin hing. Es waren noch gute zwei Stunden bis Mitternacht. Eigentlich hatten sie schon vor einer Weile essen wollen, doch das interessierte Zorro irgendwie nicht wirklich. Er war froh, wenn Perona heute überhaupt noch etwas hinbekommen würde. Nein, eigentlich war ihm auch das egal. Er wollte nur, dass das Mädchen sich nicht komplett selbst übernahm.

Mit zwei Schritten war der Schwertkämpfer auf dem Gang und grade als er nach links abbiegen wollte, hörte er ein lautes „Jetzt reicht es!“ von rechts. Das war eindeutig Mihawks Stimme gewesen und auch der darauffolgende kurze Schrei von Perona kam von rechts, dabei war sich Zorro zu hundert Prozent sicher gewesen, dass die Küche links lag. Doch er zuckte nur mit den Schultern und folgte der Richtung aus der die Stimmen gekommen waren. So falsch konnte das nicht sein.
Der kurze Weg den Gang runter führte ihn an steinernen Wänden vorbei, bis er vor einer Holztür zum stehen kam. Unter dem Türspalt lugte ein Lichtstreifen hervor und grade als er sie aufmachen wollte, schepperte es erneut.
„Lass mich! Lass mich, du Idiot. Negativ Hollows, Negativ Hollows, Negativ Hollows! Nein … hör auf damit, Mihawk! Negativ Hollows!“
Peronas Stimme war getränkt mit Schluchzern und erstickten Tränen. Mit einer einzigen Bewegung riss Zorro die Türe auf und bekam grade mit, wie zwei von Peronas Geister auf Mihawk zurasten. Jedoch schafften sie es nicht durch den Mann durchzufliegen, denn mit einer Handbewegung wehrte er sie ab. Sein Blick fixierte das pinkhaarige Mädchen, das auf dem Boden saß, um sie herum lagen verstreut Töpfe, Scherben und diverse Essensreste. Ihre Klamotten waren verschmiert mit Soße und ihre Haare hingen zottelig um ihr Gesicht herum.

„Was ist denn hier los!“, kam es unwillkürlich von Zorro, der die Szene nicht wirklich gänzlich aufnehmen konnte. Er hatte ja vieles erwartete, sicher auch angebranntes Essen und vielleicht einen kaputten Teller, aber nicht dieses Chaos das ihn empfing. Dazu kam eine aufgelöste Perona, die sichtlich am Ende mit ihren Nerven war, was schon ihr unglücklicher Versuch zeigte Mihawk anzugreifen. Sie wusste eigentlich genau, dass er jede ihrer Attacken mühelos abwehren konnte. Jedoch ging keiner auf den Schwertkämpfer ein. Stattdessen konnte er Falkenauge dabei zusehen, wie er auf das Geistermädchen zuging und sich vor ihr in die Hocke begab.
„Könntest du endlich aufhören zu versuchen mich anzugreifen?“, kam es leise aus dem Mund des schwarzhaarigen Mannes und alles was er als Antwort bekam war ein Kopfschütteln und ein erneutes Schluchzen.
„Warum lässt du mich nicht … lass mich. Lass mich machen …“

Perona versuchte nach dem Mann vor ihr zu schlagen, ihre Hände tasteten blind in der Luft herum, bekamen sein Hemd zu fassen und krallten sich an dem weichen Stoff fest. Dabei zog sie daran und im nächsten Moment vergrub sie ihr Gesicht an der Brust des Schwertkämpfers. Ihr ganzer Körper schüttelte sich mit den Schluchzern und insgesamt war es ein erschreckend klägliches Bild, das man so nicht von dem Mädchen gewohnt war. Perona aus der Fassung zu bringen war nichts einfaches, aber dass sie all ihre Würde zu vergessen schien, hatte Zorro noch nie erlebt.
„Ich lasse dich nicht!“, war Mihawks sehr neutrale Antwort. „Du glaubst doch nicht wirklich, dass du heute noch ein Gericht fertig bekommst?“
„Ich schaff das!“, kam es gedämpft von dem Geistermädchen. Sie hatte ihr Gesicht immer noch in der Brust des Anderen vergraben und scheinbar machte Mihawk auch keine Anstalten sie wegzudrücken. Auch das war etwas Ungewöhnliches. Normalerweise ließ der Schwertkämpfer keinen an sich heran.
„Nein!“
Mit einem Satz hatte er sich erhoben und die Pinkhaarige dabei mit hochgezogen. Dabei hatte es sie etwas von Mihawk weggedrückt, trotzdem hatten ihre Hände das Hemd nicht losgelassen. Ihr Gesicht war fleckig von den Tränen und ihre Lippe zitterte unverhältnismäßig stark. Gelbe Augen blitzen sie erbarmungslos an.
„Geh hoch und zieh dir etwas anderes an.“

Urplötzlich ließ Perona den weichen Stoff los und drehte sich um. Wieder schimmerten Tränen in ihren Augen, kurz streifte ihr Blick den Zorros und er konnte tiefsitzende Verletzlichkeit darin erkennen. Dann setzte sie an, aus dem Raum zu stürmen. Bevor sie sich jedoch überhaupt bewegen konnte, hatte Mihawk sie am Handgelenk gepackt und hinderte sie daran. Seine Augen sprachen Bände und sagten ihr unmissverständlich, dass die Pinkhaarige gar nicht daran denken sollte, einfach abzuhauen ohne seine Worte in die Tat umzusetzen. Doch sie schien das gänzlich zu ignorieren. Vielleicht sah sie es auch einfach nicht, weil sich ein dichter Schleier an Tränen über ihr Blickfeld legte.
„Lass mich los!“, kam es schreiend aus ihrem Mund und in ihrer Stimme war starkverwurzelte Verbitterung zu hören, doch der Samurai zuckte noch nicht mal mit der Wimper. Stattdessen schüttelte er den Kopf. Dann wurde seine Miene erstaunlich sanft, während er ihr Kinn leicht anhob, damit Perona ihn ansah. Ihr Tränenfluss stoppte unwillkürlich.
„Du stehst jetzt seit fast drei Stunden in der Küche. Geh hoch und zieh dich um. Wenn du wiederkommst ist das Essen fertig.“
Ausgelöst durch die Worte fing der schmale Körper an zu zittern und Zorro konnte deutlich sehen, wie ein Schluchzer nach dem anderen sie überrollte. Hicksend und erstickt durch die Tränen, die wieder angefangen hatten zu fliesen, war ihre Stimme fast nicht mehr zu hören.
„Ich wollte doch nur … auch … irgendwas machen …“
Mihawk jedoch unterbrach sie bevor sie weiterreden konnte, in dem er sie einmal kurz zu sich zog, ihr über den Kopf strich und sie dann wieder losließ.
„Musst du aber nicht …“ murmelte er, dann wurde seine Stimme wieder resoluter, „geh hoch und zieh dir etwas sauberes an!“

Kurz starrte Perona den Schwertkämpfer noch an, dann nickte sie und ging aus der Küche. Dieser hatte sich solange nicht wirklich bewegt und auch Zorro hatte alles nur stumm beobachtet. Jetzt allerdings schaute er sich kritisch in der Küche um. Er hatte ehrlich gesagt keine Ahnung wie Mihawk aus diesem Chaos noch ein Essen zaubern wollte, aber er fragte nicht. Stattdessen schnappte er sich einen Besen und wischte die Scherben und den restlichen Dreck, der auf dem Boden rumlag, auf. Aus dem Augenwinkel konnte er erkennen, wie Mihawk die verschiedenen Zutaten musterte und dann eines der Messer aus dem Messerblock zog. Kurz fuhr er mit dem Finger über die Klinge und schüttelte daraufhin erneut den Kopf.
„Erinner mich dran, dass ich die Küchenmesser morgen schärfe.“
Als Antwort kam ein Nicken seitens des Grünhaarigen, danach nahm Stille erneut die Küche ein. Nur die Geräusche, die das Arbeiten erzeugten, waren zu hören. Während der Strohhutpirat stumm vor sich hinarbeitete und dann, als der Boden wieder sauber war, Mihawk zuschaute, weil er nichts mehr zu tun hatte, kam ihm wieder in den Sinn, wie wenig er seinen aktuellen Lehrmeister einschätzen konnte. Früher hatte er in ihm immer nur den Menschen gesehen, den er besiegen musste um das Versprechen gegenüber Kuina einzulösen. Im East Blue dann, auf dem Baratie, war ihm bewusst geworden, dass er sich immer überschätzt und Mihawk unterschätzt hatte. Doch nun, seit er hier auf Kuraigana gelandet war, sah er ihn als Menschen. Als eine Mann, aus Fleisch und Blut, mit Emotionen – wenn auch verborgen und nicht ersichtlich für jeden – Gefühlen und vor allem als einen Mann, der auch Sorge tragen konnte, für sich und für andere. Zorro wusste, dass Mihawk Perona mehr mochte, als er es vor anderen und wahrscheinlich auch vor sich selbst eingestand. Obwohl der Pirat das nicht erklären konnte, konnte er es nachvollziehen. Denn auch Zorro mochte das Geistermädchen mehr, als er es sich eingestand. Sie erinnerte ihn oft an Nami und obwohl sie laut war und uneinsichtig und meistens ziemlich nervig, wurde sie doch immer mehr zu einer Freundin. Einer ziemlich guten Freundin. Auf jeden Fall zu jemandem, den er nicht weinen sehen wollte.
Kurz schluckte Zorro weil die Erkenntnis es nicht einfacher machte. Nicht einfacher, weil Perona mal zu ihren Feinden gehört hatte, auch wenn das inzwischen längst irrelevant war und nicht einfacher, weil es leichter gewesen war, darauf hin zu trainieren einen Mann zu töten, der in seinem Kopf nie Gestalt angenommen hatte. Aber konnte er das immer  noch, wenn er wusste, dass Mihawk ein Mann mit Werten und Ehre war?
Kurz schloss Zorro die Augen – es half nichts, er musste – dann öffnete er sie wieder. Noch war es nicht soweit.

Inzwischen zog sich ein angenehmer Duft durch die Küche. Der Geruch von Braten und einer passenden Soße erfüllte den Raum und obwohl Zorro gelernt hatte, dass ihn so schnell nichts mehr wundern sollte – vor allem seit er mit Luffy durch die Welt reiste – war es für ihn doch erstaunlich, dass Mihawk wirklich richtig kochen konnte. Aber er führte die Handgriffe so routiniert aus, dass es daran gar keine Zweifel gab. Zudem die fast fertigen Resultate für sich sprachen.
Eigentlich war es auch logisch, denn wer sonst hätte für den Samurai all die Jahre kochen sollen, wenn nicht er selbst? Die Baboons, die hier lebten, würden sich sicher nicht bereitwillig in die Küche stellen und den Kochlöffel schwingen. Dazu kam, dass Mihawk ungefähr bei allem was er tat Wert auf Qualität legte. Das sah Zorro jeden Tag am Schloss, in seinem Training und nun wohl auch am Essen. Dann zuckte er mit den Schultern und machte sich an den vielen Schubladen, die es an der Anrichte gab zu schaffen. Vielleicht würden sie ja doch noch vor Mitternacht essen.
„Ich deck mal den Tisch.“

Als Zorro, beladen mit Tellern, Besteck und Gläsern, den Essensaal betrat, fiel sein Blick erneut auf eine Uhr. Inzwischen fehlten nur noch ein paar Minuten bis Mitternacht und obwohl er nicht wirklich viel auf den Jahreswechsel gab machte es den Schwertkämpfer leicht traurig, dass sie doch nicht rechtzeitig mit dem Essen fertig sein würden. Das lag vor allem daran, dass sich sowohl Perona wie nun auch Mihawk so viel Mühe damit gegeben hatten und immer noch gaben. Fast kam ihm die ganze Anstrengung umsonst vor, auch wenn er wusste, dass es eigentlich nicht wichtig sein sollte.
Trotzallem würde Zorro die nächsten guten eineinhalb Jahre mit dem Samurai und dem Geistermädchen leben und er hatte sich seinen ersten Jahreswechsel mit den zwei anders vorgestellt. Er wusste, dass es auch Luffy nicht gutheißen würde, wenn sie nicht zumindest ein bisschen Spaß hatten, auch wenn sie Silvester nicht zusammen mit der Crew feiern konnten. Aber nun war die Situation nicht mehr zu ändern. Zudem war es pathetisch.
Grade als er die letzten Gabeln an den richtigen Platz stellte, kam von hinten ein leises Klopfen und als er sich umdrehte, stand Perona im Türrahmen. Sie hatte ein sauberes Kleid an, was ihr doch gut stand. Es war schwarz-weiß gerüscht und ließ das Mädchen um einiges älter aussehen. Auf ihrem Kopf thronte ein Hut und ihre Haare fielen in leichten Spiralen um ihr Gesicht. Trotzdem konnte man noch an den Augen sehen, dass sie geweint hatte. Sie waren stark rot gerändert. Perona schluckte minimal, als Zorro nichts sagte und murmelte dann leise.
„Schlimm?“
Kurz verdrehte Zorro die Augen, weil die Frage so typisch weiblich war, dass es nicht anders ging. Dann jedoch grinste er leicht und wuschelte dem Mädchen durch die Haare, so dass der Hut herunter fiel.
„Keine Ahnung. Komm mit!“

„Du bist doch ein Blödmann, Zorro!“, zeterte die pinkhaarige Frau, als sie gemeinsam mit dem Schwertkämpfer den Gang zur Küche entlang lief. Sie hatte ihm zweimal verbessert, als er falsch abbiegen wollte und regte sich immer noch darüber auf, dass sie keine richtige Aussage über ihr Aussehen bekommen hatte. Doch ihm machte das nichts wirklich etwas aus, weil er sich eigentlich darüber freute, dass Perona wieder mehr zu ihrem altem Selbst zurück fand. Irgendwie war es leichter mit ihr umzugehen, wenn sie meckerte, als wenn sie in Tränen aufgelöst auf dem Boden saß. Zudem es wirklich still auf Kuraigana wäre ohne diese kleinen Streitereien.
„Ich bin ein Mann, wir sehen sowas nicht.“, war seine genervte Antwort und mit einem Schnauben stieß er die Türe zur Küche auf. Sein Blick lag dabei auf der Pinkhaarigen, weswegen er nicht bemerkte, wie Mihawk ihn kurz interessiert musterte und ein leichtes Grinsen über seine Züge huschte.
„Das würde ich nicht verallgemeinern.“ Die Stimme des Samurai war leicht süffisant. Kurz flogen seine gelben Augen anerkennend über die Gestalt Peronas, dann lächelte er. „Sieht viel besser aus.“
Das Kompliment ließ das Mädchen kurz erröten, dann stieß sie Zorro mit aufgeplusterten Backen in die Seite. „Siehst du! Wenigstens einer hat hier Sinn für Ästhetik!“
Eigentlich wollte Zorro eine Antwort zurück schießen, wurde jedoch in seinem Vorhaben unterbrochen, weil ihm eine Sakeschale in die Hand gedrückt wurde. Auch Perona hatte in Sekundenschnelle ein Weinglas in der Hand und im nächsten Moment ertönte aus dem Wohnzimmer ein leises Läuten, das ankündigte, dass Mitternacht war. Auffordernd wurden die beiden Jüngeren von Mihawk gemustert, der sein eigenes Weinglas erhoben hatte. Er wartete auf eine Regung ihrerseits.
Erst jetzt registrierte Zorro, dass soeben das neue Jahr angebrochen war und auch Perona schien den Wechsel der Jahre nicht bewusst wahrgenommen zu haben. Dann jedoch lächelte sie und stieß mit dem Schwertkämpfer an. Leise klirrten die Gläser und für einen Moment wurde ihr Blick sanft. Man konnte sehen, dass tiefe Dankbarkeit durch ihre Züge floss und das leise „Danke!“ war auch nur für den Samurai bestimmt. Dieser antwortete mit einem leichten Lächeln.

Kurz ließ Zorro den Moment stehen, dann stieß er ebenfalls an und durchbrach so die Stille, die sich ausgebreitet hatte. Laut klang seine Tonschale an den zwei Gläsern und er grinste feixend.
„Frohes neues Jahr!“
„Frohes neues!“, stimmte auch Perona mit ein und Mihawk nickte nur dazu. Zeitgleich nahmen alle drei einen Schluck, als jedoch Perona hustend ihr Getränk fast wieder ausspuckte, musste sich Zorro beherrschen sich nicht an seinem Lachen zu verschlucken, während sie Mihawk mit funkelndem Blick und bitterböser Miene anschaute. Nur wer Falkenauge kannte, konnte den minimalen Schalk in seinen Zügen erkennen.
„Das ist ja Wein. Wie widerlich! Du weißt doch, dass ich keine Wein mag!“, zeterte die Pinkhaarige und doch war alles was sie erntete ein Lachen und eine Hand, die ihr spielerisch durch die Haare fuhr.
„Frohes neues Jahr, Geistermädchen … lasst uns endlich essen!“


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Der erste von drei Beiträgen zu dem OP-Wichteln "We wish you a merry Christmas and a happy new year"  von Kyeira für Kyeira ;-)
Die Vorgaben waren Silvester und ich konnte wählen zwischen Zorro während seiner 2 Jahre auf Kuraigana, Shanks und Ben nach dem Krieg und Ace ... ich konnte mich nicht wirklich entscheiden, deswegen hab ich alle drei gemacht. Hoffe das ist auch okay ;-)

Ich hoffe es gefällt, auch wenn es bis Silvester noch ein bisschen hin ist.
lg Arzani
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