Weihnacht bei Tyler, Smith & Noble

GeschichteAbenteuer, Familie / P18
Donna Noble Human Doctor Jackie Tyler Rose Tyler Wilfred Mott
12.12.2014
02.01.2015
7
15838
7
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Es ist Vorweihnachtszeit in Petes Welt: Das frisch verheiratete Ehepaar Smith wohnt noch immer mit bei den Tylers in der Villa und die hiesige Version von Donna ist persönliche Assistentin von John Smith bei Torchwood, das unter der Leitung seines Schwiegervaters Pete Tyler steht.
John hatte im Keller von Torchwood seltsame Boxen gefunden, die miteinander quantenverschränkt sind, so wie er erklärt: Sie funktionieren wie ein Portal. Eine der Boxen steht in Petes Arbeitszimmer in der Villa, das andere bei John im Büro bei Torchwood, und so verfügen sie über einen bequemen Briefkasten.  
Donna weiß zwar mittlerweile Bescheid, was Johns voriges Leben - das Leben des Doktors - angeht und dass Rose und Jackie aus jenem anderen Universum stammen, jedoch sind das alles völlig abstrakte Fakten für sie, von denen sie selbst ihrem Opa Wilf gegenüber noch nichts erzählt hat.


***


So einfach war es dann doch nicht. Er konnte nicht einfach erwarten, dass er das sesshafte Leben eines schnöden Menschen - fast hätte er 'Primaten' gedacht - führen konnte und dann einfach so vergaß, dass er mal ein ganz anderes Leben hatte. John starrte ins tanzende Feuer im Kamin und versuchte nicht sentimental zu werden, denn das war nicht seine Art. Seine Mundwinkel zuckten. Sollte es zumindest nicht sein! Okay, ein bisschen. Manchmal. Eigentlich häufiger. Aber nicht ständig! Doch die Sehnsucht nach seinem alten Heim war gerade heute übermächtig, und niemand war da, der es ihm nachfühlen konnte.

Vorhin im Labor steckte er tief in einem Kabelgewirr und war am Schrauben und Basteln, eine der wenigen Betätigungen, bei der er zeitweise sein Exil vergaß, als sie ihn wieder gepackt hatte, diese Unruhe, die Leere im Kopf - kein Aufleuchten, keine mentalen Streicheleinheiten des großen Gebildes, das mittlerweile über Jahrhunderte hinweg sein stetiger Begleiter gewesen war. Es gab Ausnahmen: vor nicht allzu langer Zeit hatte er auf der Erde fristen müssen, ohne sie, und allein die Hoffnung, dass sich seine Situation bald änderte, hatte ihn aufrechterhalten. Doch nun?

Er nahm einen Schluck Whisky: Ein Hoch auf die Heimatlosigkeit! Er prostete sich selbst zu und spürte die Betäubung tief in seinem Hals, als er schluckte. Wo und wann seine TARDIS wohl war? Reiste sein altes Ich noch immer durch das Universum, erlebte Abenteuer und rettete Zivilisationen? ...nein er durfte diese Gedanken nicht weiterverfolgen, wenn er geistig gesund bleiben wollte. Er war jetzt John und würde es bis zu dem Tag sein, wenn er alt und grau seine letzten Stunden verleben würde.

Ihm fiel es wieder ein, seine Zeit als Lehrer in jenem Internat, in der er menschlich gewesen war und sein Timelord-Dasein vergessen hatte. In jener Zeit war er tatsächlich dazu fähig gewesen, sich ein sesshaftes Leben zu wünschen. Es steckte tief in ihm drin, und er musste nun alles dafür tun, diese Seite aus sich herauszukehren. Dann konnte er glücklich sein, daran musste er einfach glauben. Denn tat er es nicht, würden seine Unausgeglichenheit und Sehnsucht mit der Zeit Überhand nehmen und ihn innerlich auffressen.

Er schloss seine Augen und dachte an Rose, die nicht weit von ihm entfernt saß, und ein Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. Er würde das Leben mit ihr verbringen, würde mit ihr jeden Tag genießen. In seinem früheren Leben hatte er es nicht gewagt, sie zu lieben, und nun war sie seine Frau. Er blickte auf die goldene Flüssigkeit in seinem Glas, dann streckte er die Finger seiner rechten Hand aus und ließ seinen Ehering im Feuerschein aufblitzen. Beinahe hätte er sie verloren. Er hatte bereits geglaubt, sie sei ihm genommen - der Fixpunkt, den sie in seinem Leben darstellte, war verschwommen gewesen, fast nicht mehr vorhanden. Und dann hatten sie es beide doch noch geschafft, alle Hindernisse überwunden und hatten sich einen gemeinsamen Anfang erkämpft.

Er war sich ihrer Anwesenheit nur zu bewusst, wie eine Flamme, die in seinem Hinterkopf nur für ihn brannte - hell und leidenschaftlich, sein ganz persönlicher Himmelskörper am Firmament. Oh, sie wusste ihn zu entflammen - und gleichzeitig war Rose in der Lage, seine unruhige Seele zur Ruhe zu bringen, sie war sein Anker. Tief aufatmend setzte er sein Glas wieder an die Lippen und ließ die letzten Tropfen Whisky langsam seine Kehle hinunterlaufen.

***


"Was wollen wir denn an Weihnachten essen?" fragte Jackie nun bereits zum x-ten Mal, als gäbe es nicht immer wieder den großen gefüllten Puter und die üblichen Beilagen, die das Essen zu einem echten Weihnachtsmahl machten.

Rose lümmelte sich an einem Ende des Sofas, während ihre Mutter das andere in Beschlag genommen hatte. Es war eigentlich immer richtig gemütlich im großen Wohnzimmer der Tylers, fand Rose, nur jetzt, zur Vorweihnachtszeit, war es noch einen Tick schöner: alles war geschmückt, im Kamin prasselte ein Feuer, das eine so angenehme Atmosphäre erzeugte, und die Schalen der Mandarinen verbreiteten den frischen Duft von Citrusfrüchten.

"Du weißt doch: Geflügel, Rosenkohl und Klöße sind das non plus Ultra." murmelte sie müßig. Vom Sessel am Kamin her war eh mit keiner Antwort zu rechnen - John war heute Abend recht unleidlich und wohl nicht in Stimmung, so glaubte sie. Zumindest sah es so aus, denn er hatte sich den Sessel so hingeschoben, dass er in den knisternden Kamin starren konnte und ihnen halbwegs den Rücken zudrehte.

Ein Glas Whisky befand sich in Johns Hand, daran hatte er ab und zu genippt - Rose hatte sein Profil im Feuerschein ausmachen können und wie hypnotisiert beobachtet, wie sein Kehlkopf sich beim Schlucken auf und ab bewegte. Irgendwie fand sie es ziemlich erotisch, so intim, diese winzige Bewegung. Am liebsten hätte sie ihre Lippen genau an jene Stelle gelegt. Und ihn dann geküsst, noch bevor der Whisky ganz heruntergeschluckt war, nur um das Prickeln des betäubenden Alkohols auf der Zunge spüren zu können...

"Das hört sich aber nicht so überzeugend an", kam es vom anderen Ende des Sofas zurück. Ihre Mutter brauchte die simple Bestätigung, dass alles seine Ordnung hatte, um sich in diesem noch immer recht neuen Leben wohl zu fühlen. Obwohl es jetzt ja schon eine ganze Weile her war, dass sie hier in der Villa lebten, ohne finanzielle Sorgen, sogar mit Hauspersonal - das war schon ein gewaltiger Unterschied zu früher.

Unruhig rückte Rose sich zurecht, zu lebhaft war die Vision ihres Kusses noch immer vor ihren Augen. Wie sich ihre geöffneten Lippen berührten, sie mit ihrer Zungenspitze seine Mundhöhle inspizierte, jeden köstlichen Tropfen aufleckte - immer tiefer, intensiver... Rose brachte sich mit einem Ruck wieder in die Gegenwart zurück.

"Wie wärs mal mit etwas ganz anderem, Fisch zum Beispiel?" Rose wollte ihre Mutter nur necken, Lust auf einen Karpfen oder ähnliches hatte sie wirklich nicht. Johns Silhouette dort drüben war zum Anbeißen, in Gedanken fuhr sie mit den Fingern die Kurven seines Gesichts entlang; der Stirn, dann seiner leicht gebogenen Nase, dem sinnlichen Mund, dann weiter an seinem geschwungenen Kinn entlang... Sie stellte sich vor, wie er sich ihren Berührungen entrückt hingab, leise seufzte und sich räkelte.

"Bäh, keinen Fisch! - Hast ja Recht, schließlich gibts Puter ja auch nur an Feiertagen, dann sollte man ihn auch dann genießen!" Jackie drehte ihren Kopf zu Rose herüber und schaute sie etwas irritiert an. Diese verlagerte ihr Gewicht etwas und schaute weiter zum Kamin hinüber.

Wo blieb Pete bloß? Der war wohl noch immer in seinem Arbeitszimmer zugange, dachte Rose. Er sollte gefälligst mal Schluss machen, schließlich war Feierabend! Und sich mal um seine Frau kümmern, dann nervte ihre Mutter sie wenigstens nicht mit banalem Zeugs! Sie fühlte sich in Stimmung, fuhr sich gedankenverloren mit ihrer Hand an der Innenseite ihres Oberschenkels entlang, wie um sich zu kratzen, um dann sanft noch einmal drüberzufahren, und wieder zurück. Sie atmete geräuschvoll aus, fühlte sich berührt, zart strich eine Feder über ihre Schenkel, so dass sie sich mit dem Rücken in das Sofakissen presste und ihre Augen schloss.

Ihr wurde ziemlich warm und mit einer schnellen Bewegung schlug sie die Beine andersherum übereinander. Als sie hochschaute, erhaschte sie noch einen Blick ihrer Mutter, die sie gerade beobachtet hatte, und wurde knallrot - wie peinlich! In jenem Moment kam zum Glück Pete herein und setzte sich zu Jackie, daher rückte Rose wieder in die Senkrechte und versuchte die Unterhaltung wieder aufzunehmen.

"Und wart ihr schon shoppen für Weihnachten?" Da war ein gewisser Bereich direkt zwischen ihren Beinen. "Müsste jetzt auf die letzten Tage hin ziemlich voll sein in den Kaufhäusern!" setzte sie hinzu, wieder ihr Gewicht verlagernd. Zwischen ihren Beinen. Sie musste sehen, was sie der Familie schenkte, eigentlich hatte sie bislang noch nicht viel besorgt. Dort wurde es heiß. Vor allem musste sie unbedingt etwas für John besorgen, sie hatte noch keine zündende Idee gehabt. Es breitete sich über ihre Schenkel aus. Was sollte sie nur schenken? Es wurde ganz heiß - die Hitze breitete sich aus, dass sie unwillkürlich nach Luft schnappte. Was hatte ihre Mutter gerade eben geantwortet? Irgendetwas mit einem Geschenk für Tony? Rose schloss kurz die Augen und schüttelte den Kopf, vielleicht bekam sie ihn ja frei.

"Entschuldige, bin etwas... müde. Was hattest du gerade gesagt?"

Obwohl Rose demonstrativ gähnte und sich streckte, konnte sie den skeptisch-amüsierten Blick von Jackie nicht wirklich ausräumen. Was war bloß gerade mit ihr los, so wuschig war sie ja ewig nicht mehr gewesen, und schon gar nicht in Anwesenheit ihrer Eltern!

Tief in ihrem unteren Bauchraum spürte sie ein Prickeln, so dass sie automatisch wieder die Augen schloss und sich zurücklehnte. So angenehm, wie ein warmer Windhauch, lief ein Schauer durch sie hindurch, nur um von einem stärkeren Gefühl abgelöst zu werden, unheimlich lustvoll, drängend, als hätte er sich zwischen ihre Beine geschmuggelt und würde sie hier auf dem Sofa nehmen...

"...hast du das?" Jackies fragender Tonfall holte sie aus ihrem Tagtraum. Worum ging es gerade in der Unterhaltung? Rose war der Schweiß ausgebrochen und sie starrte ihre Mutter verwirrt an.

"Tut mir Leid, mir ist einfach so warm! Ich glaube ich zieh mir was dünneres an", sie kam vom Sofa hoch, jedoch hatte sie nach einer Sekunde schon wieder vergessen, was sie eigentlich wollte und griff sich ihr kühles Glas Wein und hielt es sich an die Stirn. Dann setzte sie sich wieder unverrichteter Dinge und trank einen Schluck. Sich wieder zurücklehnend, setzte sie das Weinglas auf ihrer Brust ab, nahm noch einen Schluck, und dann noch einen.

Der Wein rann ihre Kehle herab und verbreitete innen eine noch größere Wärme als zuvor. Sie starrte wieder herüber zu John in seinem Sessel, sah nur die Hinterseite seines Kopfes und seine Ohren. Wie gerne würde sie mit ihren Händen über sein Haar streichen und ihre Fingerspitzen langsam seinen Nacken entlang fahren lassen, über seine Schultern, seinen Rücken, immer weiter hinab... ein letzter Schluck und das Glas war leer.

Alonzo kam mit einem großen Maunzer zu ihr auf das Sofa gesprungen und wollte sich bei Rose einrollen. Doch diesmal schob sie ihn ungnädig zur Seite, irgendwie war ihr so gar nicht nach Nähe, was den Kater anging. Beleidigt zog Alonzo wieder ab, er sprang auf die Rückenlehne des Sofas und balancierte hinüber zu Jackie.

Die Wirkung des Weines ließ nicht auf sich warten, und zusammen mit der Wärme vom Kaminfeuer wurde Rose watteweich eingelullt. Ein weiteres Mal schloss sie die Augen, obwohl sie eigentlich gar nicht müde war, und verspürte ein sattes Gefühl der Zufriedenheit tief in ihr drin, es legte sich schwer auf sie wie eine Decke. Lustvoll räkelte sie sich, wünschte sich sehnsüchtig nichts weiter als zu ihrem Liebsten. Ihr Körper wurde bedeckt mit seiner Schwere, er begrub sie unter sich und sie schmeckte seinen tiefen Kuss, der sie wie besinnungslos zurückließ.

Ein Stöhnen entfuhr ihr und mit einem Ruck kam sie wieder in die Wirklichkeit zurück - dieser Schuft! Wie konnte er es wagen, wieder in ihrem Kopf herumzuspuken! Rose war schweißgebadet und fühlte sich total angemacht, fast betrunken vor Wollust. Sie schwankte zwischen Empörung und Lüsternheit, als sie von ihrer Sofaecke aufsprang und die wenigen Meter zu seinem Sessel überbrückte. Dann erstarrte Rose in der Bewegung und fing an zu lächeln - ihr Timelord war in tiefem Schlummer gefangen.
Review schreiben