Oma Enid

von MaryKaty
KurzgeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P6
10.12.2014
10.12.2014
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10.12.2014 983
 
Ich öffnete die Tür der Wohnung meiner Oma, zog mir die Schuhe aus und ging hinein, dabei  machte ich die Tür leise wieder zu. "Hallo Oma, ich bin wieder da!" Ich trug die Tüten voller Einkäufe in die Küche und schaute meine Oma an. Sie hatte Übergewicht und saß im Rollstuhl, aber ihr Gesicht hatte sehr liebevolle und freundliche Züge. Sie drehte ihren Kopf leicht zu mir und lächelte. "Danke dir Kimberly. Du bist sehr lieb", sie kam mit ihren Rollstuhl angerollt und schaute was in den Tüten war. Mit meiner Hilfe taten wir die Sachen in die Schränkte, danach kochte ich etwas Tee und saß mit ihr am Küchentisch und schaute aus den Fenster. "Kelso ist nicht hier, er arbeitet wieder so viel.", sagte ich schroff und schaute sie an. Sie trank ein Schluck Tee und lächelte. "Wieso nennst du ihn immer noch so? Er ist dein Opa." "Er ist nicht mein Opa... wir sind nicht mal verwandt. Und er ist ein riesen Idiot.", murmelte ich und schaute wieder aus den Fenster. Ich war vor einigen Jahren von Papa Harrison und Papa Jason adoptiert. Harrison war Oma Enid und Bob Kelso´s homosexueller Sohn. Ich liebe meine Eltern und stehe offen dazu. Oma Enid habe ich sehr lieb gewonnen, denn ich komme fast jeden Tag sie besuchen, was ich zu Bob Kelso nicht sagen konnte. Er kam meistens spät Nachts nachhause, ignorierte meine Oma und machte mit vielen anderen Frauen rum. Er dachte, dass sie es nicht wusste, aber sie konnte sich denken, dass er mit anderen Frauen es rumtrieb. "Wieso verlässt du ihn nicht? Er ist ein Idiot! Er betrügt dich, mit so vielen Frauen. Er hat dir sogar Tabletten gegeben, damit du keine Lust auf Sex hast! Wieso sagst du nichts?" Meine Wut auf ihn wurde größer und größer. Am liebsten würde ich ein Hammer nehmen und auf ihn draufschlagen. Oma Enid sah die Wut in meinen Augen und legte ihre Hand auf meine. "Sei nicht sauer auf ihn. Ich bin alt, fett und nicht mehr so attraktiv wie damals. Ich nehme es ihm nicht übel.", sie lächelte mich an. Ihre Augen wanderten wieder zum Fenster und ihr Blick wurde leicht traurig. "Kimberly. Ich war heute beim Arzt. Mein Übergewicht kann man nicht mehr stoppen. Ich werde bald sterben." Mir stockte der Atmen und ich hielt ihre Hände fester. "Oma....nein Oma... dass schaffen wir. Du gehst doch zu dieser Abnehmkur.", flüsterte ich und Tränen bildeten sich in meinen Augen. Sie schaute mich an und lächelte. "Es ist okay.", sie streichelte meine Wange. "Meine Zeit ist gekommen. Ich habe ein wunderbaren Mann geheiratet, ich habe ein wunderbares Kind bekommen, und habe nun eine wunderbare Enkelin." Ich biss die Zähne zusammen. "Ein wunderbaren Mann? Ein Vollidioten hast du geheiratet!!", meine Stimme wurde höher als ich es wollte. "Es wäre ihm sogar recht wenn du stirbst, dann müsste er nicht mehr alles für dich bezahlen und könnte jederzeit mit irgendwelchen Schlampen herum ficken!", ich fing an zu weinen. Trauer und Wut mischten sich in meiner Brust und verschnürte mir den Hals. Ich wollte nicht glauben dass sie sterben würde, ich wollte es nicht. Sie nahm mein Hand und lächelte weiterhin, ihr Blick zum Fenster gerichtet und genoss die Wärme der Sonne auf ihrer Haut. Sie schwieg und ließ mich weinen. Ich weinte und weinte. Ich schrie und fluchte gegen Kelso. Ich haute auf den Tisch und stampfte mit den Fuß. Doch egal was ich tat, sie hielt meine Hand fest und lächelte. Es wurde dann Abend, als ich mich endlich beruhigte. Ich keuchte und schniefte, putzte mir die Nase und trocknete mir die Augen. Ich sah sie an und ihr Blick war sanft. "Kochst du uns was zu Abend? Bob wird auch bald kommen. Er hat mich heute Morgen angerufen und gesagt, dass wir alle zusammen essen." Man hörte die Freude in ihrer Stimme. Oma Enid freute sich immer, wenn Kelso sie mal beachtete. Der einzige Tag, wo er sie wirklich beachtete, war ihrer Hochzeitstag, mehr aber nicht. Während ich kochte, hörte ich wie das Telefon klingelte. Oma Enid ging dran: "Oh Hallo Ted. Freut mich wieder von dir zuhören. Wie geht es dir? Ach wirklich? Toll. Und was gibt es?" Kurzes Schweigen hüllte den Raum, dann sagte sie: "Ach wirklich? Das ist aber schade. Naja da kann man nichts machen. Bis dann Ted", sagte sie leise und legte auf. Sie schob ihren Rollstuhl zurück in die Küche. Ich legte das Essen auf den Tisch und schaute sie an. "Was ist los?" Sie blickte mich an und lächelte leicht. "Er hat wieder abgesagt. Ted sagte, dass er viel zu tun hat. Egal. Vielleicht ein nächstes mal.", langsam nahm sie die Gabel in die Hand und fing an zu essen. Wieder war ich voller Wut und Hass gegen ihn, schluckte dies aber mit einen Löffel voller Suppe runter. Nach den Essen brachte ich Oma Enid ins Bett. Ich deckte sie zu und küsste ihre Wange. "Gute Nacht Oma. Ich geh nachhause, ja?" Ich machte das Licht aus und wollte gehen, als mich mit leiser Stimme aufhielt. "Kimberly..", flüsterte sie und ich drehte mich zu ihr um. "Ja Oma?" Sie blickte mich lächelt an. "Weißt du, egal wie oft Bob mich betrogen hatte, mich ignoriert hat, mich abgeschoben hat zu dieser Abnehmkur, mir Tabletten gab um mich ruhig zu stellen oder über mich geredet hat." Sie wurde kurz stumm. "Ich werde ihn für immer lieben."
Auf einmal konnte ich nichts gemeines gegenüber Kelso sagen. Mir kamen wieder die Tränen und auch ein kleines Lächeln  überspielte meine Lippen. Ich nickte, flüsterte ein Gute Nacht und ging nachhause.
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