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Vendetta è dolce e rose sono rosse - Rache ist süß und Rosen sind rot

von Leni398
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Bonifazius Prosper Scipio Wespe
08.12.2014
28.01.2020
22
29.747
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01.10.2016 2.025
 
Gähnend saß er am Schreibtisch.
Selbst nach 5 Tagen ununterbrochener Suche, fehlte von Prosper jede Spur.
Es wurde schon dunkel draußen und Zeit nach Hause zu Ida und den Kindern zu gehen.
Wie er sie doch alle liebte und wie viel er dafür geben würde Prosper zu finden.
Er versucht sich nicht auszumalen, was Prosper alles durchleiden musste.
Wie immer dachte er über Prospers Fall nach. Ging alles Stück für Stück durch.
Hatte er auch wirklich nichts übersehen?
Die Gänge unterhalb der Stadt wurden komplett abgesucht und auf weitere Eingänge und Schächte überprüft.
Von Prosper und Luna keine Spur.
Barbarossas Laden wurde komplett auf den Kopf gestellt und die Ergebnisse waren genauso erfreulich, wie ein Tritt in den  Allerwertesten zum Geburtstag.
Auf die Vermisstenanzeigen, die im Fernsehen liefen und auch in der Stadt verteilt waren, gab es keine Antworten.
Niemand hatte etwas gesehen.
Auch Barbarossa wollte niemand gesehen haben.
Alle Hinweise, die ankamen führten ins Nichts.
Viktor machte den Computer aus.
Der Bildschirm, mit dem Bild seiner drei Kinder und Ida wurde langsam schwarz und erlosch.
Erschöpft stand er auf und löschte das Licht.
Fasst war es wie das Erlöschen seiner Hoffnung, seinen Sohn wiederzufinden.
Viktor räusperte sich und wischte die eine Träne, die über seine Wange lief, schnell weg.
Auf der Heimfahrt hing er seinen Gedanken nach, die einzig und allein Prosper und seiner Familie galten.
'Würden sie alle je wieder vereint sein?'
'Würde alles wieder so wie früher werden?'
'Würde Wespe endlich Prosper von ihren Gefühlen erzählen?'
Bei dem letzten Gedanken grinste er verstohlen. Zwar hatte Wespe ihm nie erzählt, was sie für Prosper empfand, aber es war für Viktor einfach offensichtlich.

Viktor stellte das Auto in der Garage ab und schloss die Haustür auf.
„Ich bin zuhause!“, rief er durchs Haus.
Sofort kamen Ida und Wespe aus der Küche und sahen ihn, wie jeden Abend fragend an.
Viktor schüttelte niedergeschlagen den Kopf und verschwand wie jeden Abend in seinem Arbeitszimmer.
Er wollte alleine sein. Er konnte die traurigen Gesichter von Ida und Wespe nicht ertragen und versteckte sich. Nur Bo kam ließ er rein
Er wollte Viktor bei der Suche zu helfen.
Geheimnisse und Rätsel faszinierten den kleinen Jungen und Viktor erkannte sich selbst in Bo wieder.
„Hi Viktor.“, sagte Bo freudig zu dem erschöpften Mann.
Bo stand vor einer Tafel, an der er Hinweise und Fakten aufgelistet hatte. Daneben hing eine große Karte von dem unterirdischen Venedig. Jeden Tag wurde diese von Bo und Mosca erweitert, welcher mit seinem Vater versuchte sich ein klares Bild zu verschaffen.

„Wie geht es eigentlich Scip?“, fragte Bo, was Viktor von seinem PC aufschauen ließ.
„Ach weißt du Bo, er ist ziemlich fertig. Er hat seine kleine Schwester ja sozusagen verloren, als er daneben stand. Er ist nervlich am Ende, aber den biegen wir schon wieder hin, wenn wir Prop und Luna gefunden haben.“
„Hmm...“, machte Bo nachdenklich.
„Viktor, ich will Luna nicht so wirklich wiederfinden. Ich meine sie ist Scip's Schwester, aber ich mag sie nicht und sie macht Wespe traurig.“
„Bo, so einfach ist das nicht.“, sagte Viktor müde lächelnd. „ Man kann nicht nur die Menschen wiederfinden, die man mag, oder die Morde aufklären von Menschen, die gut waren.“
Bo schaut wieder an die Tafel.
Die erwachsenen Welt ist auch einfach viel zu kompliziert.
Kinder denken da einfacher.

Nach zwei Stunden weiterer Recherche und ununterbrochener Suche nach Hinweisen, ging Viktor schlafen.
Alles war still im Haus. Seine Familie schlief schon. Als Viktor das Schlafzimmer betrat sah er Ida schlafend in ihrem gemeinsamen Bett.
Wie jede Nacht hatte sie sich in den Schlaf geweint.
Viktor brach es jedes Mal das Herz sie so traurig und hilflos zu sehen. Leise legte er sich zu ihr und nahm sie in den Arm.
Viktor fiel in einen traumlosen Schlaf.

Ein störendes, ungewohntes Geräusch weckte ihn auf. Irgendwo im Haus schellte ein Telefon.
Für 3 Uhr morgens sehr ungewöhnlich.
Schlagartig war Viktor wach und sprang wie von der Tarantel gestochen auf.
Unten im Arbeitszimmer ging er hektisch und außer Atem ans Telefon.
„Hmm...Ja, Getz hier?“
„Viktor!“, kam es vom anderen Ende der Leitung.
„Ich war noch die Nacht wach weil ich nicht schlafen konnte und hab im Büro Überwachungsvideos angeguckt...“
„Meine Güte Scipio, wieso rufst du mitten in der Nacht an?“, fragte Viktor verwundert.
„Chef, dazu komm ich jetzt. Du wirst nicht glauben was ich auf den Videos gefunden hab. Luna mit einem Mann. Hinten am Hafen an den Lagerhallen.“
Scipio wartet auf Viktors Antwort, doch der hat schon längst aufgelegt.
Viktor sprintete nach oben und zog sich schnell irgendetwas an.
Endlich, nach quälenden Tagen gab es einen Hinweis.
Endlich, gab es wieder Hoffnung.
Die Zeit, in der nichts bewirkt werden konnte, alles still stand und er seine Familie so leiden sehen musste, fühlte sich wie Jahre an und war nun endlich vorbei.
Schnell schrieb er noch eine Nachricht für Ida und lief dann raus in die Nacht.
Gerade als Viktor den Zündschlüssel umdrehte und der Motor seines Autos ansprang, klingelte sein Handy.
„Also Chef, so einfach drauf los zu legen ist doch n bisschen zu spontan.“, sagte Scipio, „Vor allem, was willst du um 3 Uhr Nachts ausrichten.“
„Jetzt wo ich so drüber nachdenke, hast du Recht. Aber ich komme trotzdem rüber in die Wache. Du musst mir das Video zeigen. Bis gleich.“, sagte Viktor und legte auf.

In der Polizeiwache , saß Scipio mit einer Tasse Kaffee im Büro und schaute sich den Ausschnitt aus den Überwachungsvideos schon zum 10. Mal an.
Er wollte seiner Vermutung keine Beachtung geben. Denn, dass was er dachte, war für ihn alles andere als leicht zu begreifen.
Es konnte einfach nicht sein.
Zu so etwas könnte sie nicht in der Lage sein.
Scipio schlug verzweifelt mit der Faust auf die Tischplatte.
Viktor, der gerade ins Büro kam, zuckte bei dem Knall zusammen.
„Na, Na Scip. Du solltest dich doch eigentlich über den Hinweis freuen, und nicht das Büro zerlegen.“, sagte Viktor aufmunternd und zum ersten Mal seit Tagen lächelnd.
Scipios verzweifelter Gesichtsausdruck ließ ihn aber sofort wieder Ernst werden.
„Scipio, was ist?“, fragte er und legte ihm eine Hand auf die Schulter.
„Sieh's dir an, Chef.“, sagte Scipio traurig und klickte auf Play.

Vor Viktors Augen spielte sich eine Scene zwischen Luna und einem Mann ab, der eindeutig nicht Prosper war.
Vor der Tür einer Lagerhalle standen die Beiden, unterhielten sich, küssten sich.
Viktor stoppte das Video, spulte zurück und sah es sich noch weitere drei Mal an. Zwischendurch zoomte er heran um sicher zu gehen, dass es sich bei der weiblichen Person wirklich um Luna handelte.
Seufzend setzte er sich neben Scipio und vergrößerte nun auch die andere Person.
Bekannt kam sie ihm nicht vor.
Der Mann war älter.
Ungefähr so alt wie Viktor selbst.
„Also ich will dir ja jetzt nicht zu nah treten Scipio, aber wir müssen beide zur Fahndung ausschreiben. Luna auch.“, sagte Viktor und sah seinen Kollegen dabei nicht an.
„Also denkst du das gleiche wie ich?“
Scipio blickte Viktor traurig an.
„Hör zu, ich mach es nicht gerne, weil es erstens deine Schwester ist und zweitens Prospers Freundin, aber....“, sagte Viktor, doch Scipio unterbrach ihn.
„Dir ist es doch egal! Es geht um meine Schwester und sie hat nichts damit zu tun. Das könnte sie nicht!“
Scipio brüllte und Tränen der Wut liefen ihm übers Gesicht.
Viktor sprang auf.
Das Gesicht wutverzerrt.
„Egal? Es geht um meinen Sohn. Mir ist es alles andere als egal. Wenn Prosper irgendetwas passiert ist, könnte ich mir das nie verzeihen. Er ist mein Sohn.“.
Viktor schrie.
Schrie Scipio an, der auf seinem Stuhl wie ein Häufchen Elend zusammen sackte.
„Ich kann einfach nicht glauben, dass sie mit Barbarossa zusammenarbeitet. Das ist nicht die Luna, die ich kenne.
Ich erkenne meine eigene Schwester nicht mehr.“, schluchzte er und weinte hemmungslos.
Viktor nahm in in den Arm.
Es war alles zu viel. Zu viele Emotionen auf einmal. Fassungslosigkeit und Enttäuschung durchbohrten Scipio wie Dolche. Völlig überwältigt weinte er an Viktors Schulter und ließ die Umarmung zu.
Es tat gut alles rauszulassen und Viktor auf seiner Seite zu wissen, egal was passierte. Scip wusste, dass er den Rotbart und Luna aufhalten musste, auch wenn sie seine Schwester ist.
„Ich weiß, dass es dir nicht egal ist Viktor. Ich war nur so fassungslos und enttäuscht. Ich erkenne Luna einfach nicht wieder.“
Viktor klopfte ihm auf die Schulter.
„Es tut mir leid. Ich wollt dich nicht anschreien. Ich bin einfach komplett durch. Ida weint jede Nacht und ich muss Prosper einfach wiederfinden. Meine Familie wird daran zerbrechen.
Bo ist der einzige, der stark ist. Ich glaube er hat kein einziges Mal geweint.“, Viktor sah entschuldigend zu Scipio.
Scipio lächelte und sein Chef sah ihn aufmunternd an.
„Also los, schnappen wir uns die Mistkerle.“, sagte Scipio herausfordernd und stellte zwei Fahndungen aus.
Eine für den Unbekannten und eine für seine Schwester.
Es schmerzte ihn, aber Prosper zu finden war es wert.
Prop war wie ein Bruder für ihn und er brauchte ihn noch mehr als Luna.
'Auf falsche Personen kann ich verzichten.', dachte sich Scipio und verdrängte, dass das Thema für ihn noch nicht völlig vom Tisch war.

Zwei Stunden später, saßen die beiden Polizisten immer noch im Büro und arbeiteten eine Strategie aus.
Inzwischen ging die Sonne auf und Viktor fiel jetzt erst auf, wie viel Zeit vergangen war.
Ein Team zur Observierung der Lagerhalle hatte er schon losgeschickt und bekam nun alle halbe Stunde einen Lagebericht.
Scipio und Viktor gähnten herzhaft und beschlossen nach Hause zu fahren und noch ein paar Stündchen zu schlafen.

Gerade als Viktor den Motor abstellte und aus dem Auto stieg, lief, wurde die Küchentür aufgerissen.
Ida stürmte heraus und war komplett aufgelöst.
„Viktor, wo warst du? Wieso verschwindest du einfach so in der Nacht?“, fragte sie ihn, den Tränen nahe.
„Ida, Schatz, beruhige dich.“, sagte Viktor und gähnte noch einmal.
„Ich war auf dem Präsidium, aber ich hab dir einen Zettel hinterlassen. Hast du ihn nicht gefunden?“, sagte Viktor und nahm seine Freundin in den Arm.
„Mach dir keine Sorgen, ich verschwinde nicht so schnell. Lass uns aber erst einmal reingehen. Ich muss dir etwas erzählen.“ Viktor lächelte und Ida sah ihn verwundert an.
Seit Tagen zeigte sich auf seinem Gesicht ein Lächeln und seine Augen strahlten wieder.
„Jetzt erzähl schon.“, sagte Ida ungeduldig, als sie und Viktor mit einer Tasse am Küchentisch saßen.
„Wir haben Luna mit einem unbekannten Mann vor einer Lagerhalle gesehen. Ehrlich gesagt, Scipio hat die ganze Nacht Überwachungsvideos angeguckt und dabei hat er sie gefunden.“, erzählte Viktor und wurde wieder ernst.
„Moment, Luna? Ich versteh nicht ganz. Sie und Prosper sind doch zusammen verschwunden, wenn sie aufgetaucht ist, dann müsste er doch bei ihr sein.“, Ida schaute ihren Gegenüber fragend an.
„Ida, folgendes. Es ist wahrscheinlich, dass Luna mit Barbarossa unter einer Decke steckt. Auf dem Video sieht man sie und einen unbekannten Mann. Naja, Luna und er haben anscheinend ein Verhältnis miteinander.“
Viktor nahm Idas Hände in seine: „Hör zu, wir wissen nicht, was mit Prosper ist, und ob er das weiß, aber das ist auch nicht wichtig. Am wichtigsten ist jetzt, dass wir ihn finden und nach Hause bringen. Ich habe Teams zur Lagerhalle geschickt, die mich benachrichtigen, wenn etwas auffälliges passieren sollte. Der Durchsuchungsbefehl ist schon auf dem Tisch und muss nur noch heute morgen vom Richter unterschrieben werden.“
Ida zitterte am ganzen Körper.
„Bitte lass Prosper nichts passiert sein.“, sagte sie mehr zu sich selbst, als zu Viktor. Dieser stand auf und zog sie an sich.
„Wir werden ihn finden. Das verspreche ich. Ich bringe unseren Sohn nach Hause.“, Viktor gab Ida einen gefühlvollen Kuss und stand auf.
„Heute Abend bin ich wieder da. Ich muss auf das Präsidium. Ich liebe dich mein Schatz.“
Mit diesen Worten ging er zu seinem Auto und fuhr in Richtung Präsidium

„Ich liebe dich auch.“, sagte Ida leise.
Ihm hinterher.
Ob er es noch gehört hatte wusste sie nicht.
Es war das erste Mal, dass er „Ich liebe dich“ gesagt hatte und Ida wusste, es war absolut ehrlich.
So wie sie Viktor liebte, hatte sie nie jemanden geliebt.
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