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Vendetta è dolce e rose sono rosse - Rache ist süß und Rosen sind rot

von Leni398
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Bonifazius Prosper Scipio Wespe
08.12.2014
28.01.2020
22
29.747
2
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Dieses Kapitel
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21.12.2015 870
 
Die Tür auf der anderen Seite des Raumes schwang quietschend auf.
Prosper schaute von der Tischplatte auf. Finster und verletzt schaute er einem großgewachsenen, breitschultrigem Mann in die Augen.
Sich eine Zigarette anzündend setzte dieser sich neben Luna. Er blies Prosper den Zigarettenrauch ins Gesicht.
„Was wollen Sie von mir?“, presste Prosper zwischen einem Hustenanfall hervor.
Ein kaltes Lachen hallte an den kahlen Wänden wieder.
Der Mann vor Prosper lachte laut, lachte über ihn, aber kein Leben war in den Augen.
Die Augen kamen Prosper bekannt vor. Es waren die Augen, die sonst in einem Gesicht mit einem stetigen Lächeln saßen. In Bo's Gesicht.
Prospers Herz blieb stehen. Adrenalin schoss ihm durch die Venen.
Der Junge versuchte sich nichts anmerken zu lassen, was ihm aber anscheinend nicht vollends gelang.
„Na Prosper, hast du's gemerkt?“, sagte Luna mit einem ekligem Grinsen. Der Mann neben Luna legte einen Arm um Luna.
„Ja mein Sohn, ich bin es wirklich.“
„Ich bin nicht dein Sohn und werde es auch nie sein. Bo genau so wenig!“, brüllte Prosper den Personen gegenüber entgegen und versuchte sich gegen die Kabelbinder zu wehren.
Der Kunststoff schnitt in seine Handgelenke und die dicke und warme, rote Flüssigkeit lief seine Finger hinunter.
Ein kleine Blutlache bildete sich auf dem Boden, die Tröpfchenweise von Prospers Blut genährt wurde.
„Prosper das will ich nicht. Deine Mutter wollte euch. Ich nie.“, sagte Prospers Vater abschätzig.
Arroganz in seinen Augen leuchtete auf und die Lippen des Mannes legten sich auf Lunas.
Prosper wurde schlecht.
Krampfhaft versuchte er sich nicht zu übergeben.
„Ich hasse dich!“, schrie Prosper .
Er wusste nicht, ob es Luna oder seinem Vater galt, aber in diesem Schrei steckte alle Wut, die sich in den letzten Minuten aufgestaut hatte.
Tränen rollten Prosper über die Wangen.
Es war keine Traurigkeit.
Es war Wut und die Enttäuschung, die sich in ihm breit machte und seine Kehle zuschnürte.
Prosper war nicht in der Lage klar zu denken. So vieles ließ ihn nicht los. Was wenn er nie wieder hier rauskommen würde?
Er würde Bo, Ida, Viktor und Wespe nie wieder sehen.
Nie wieder sein Gesicht in die Septembersonne halten können.
Nie wieder die salzige Luft Venedigs schmecken können.
Nie wieder mit Scipio rumblödeln können.
Er würde Wespe nie wieder in den Arm nehmen.
Bei diesen Gedanken rollten die Tränen schneller.
Reine Verzweiflung machte sich in seinem Körper breit.
Sie waren im Streit auseinander gegangen.
Nach außen hatten sie so getan, als ob alles in Ordnung wäre, doch war der Streit immer noch da gewesen, als sie das letzte mal zusammen waren.
Er hatte seine beste Freundin abgewiesen und so die wichtigste Person, neben Bo, in seinem Leben verloren.
Prosper musste hier raus.
Musste das reparieren und Wespe sagen, wie Leid ihm alles tut.

Mit schmerzenden Handgelenken rieb er unbemerkt den Kabelbinder an der Metallkante des Stuhls, auf den er gefesselt war.
Der Kunststoff drückte in die offenen Wunden, doch Prospers Entschlossenheit war größer, als der Schmerz.
Vor seinen Augen spielte sich immer noch der Kuss zwischen seinem Vater und Luna ab.
Erst jetzt fiel ihm auf, dass Luna für 15 Jahre doch recht alt aussah.
Ihr Körper schien voll entwickelt und auch an ihren Gesichtszügen ließ sich nichts kindliches ausmachen.
Unbemerkt rieb er weiter den Kabelbinder durch. Zwischendurch fühlte er immer wieder, wie weit er war.
Es war ein langwieriger und mühseliger Prozess.
Die Personen vor ihm lösten sich von einander. Prosper stoppte und blickte weiter auf die Tischplatte.
Er musste Zeit schinden.
„Luna, wie alt bist du wirklich?“, fragte er. Es war das einzige, was ihm einfiel.
„15, hab ich dir doch schon gesagt.“, sagte das Mädchen genervt.
Prosper ließ nicht locker: „Ich meine, wie alt dich das Karussell gemacht hat. Du kannst nicht leugnen, dass du nicht darauf gefahren bist. Ich sehe, dass du deutlich älter bist, als du vorgibst.“
„Ich hab mich auf 26 altern lassen, Kleiner.“, sagte Luna herablassend.
„Prosper, was tut das zur Sache, ich war doch nur zum Schein mit dir zusammen, du hast doch eh keine Chance bei mir.
„Hältst du echt so viel von dir? Glaubst du echt ich will nach all dem noch was von dir?“, fragte Prosper und rieb weiter den Kabelbinder auf.
Er war halb durch.
„Prosper du bist im Gegensatz zu mir ein kleiner, unerfahrener Junge. Ich kann mit dir spielen wie ich will. Du bist hormongesteuert, wie alle Jungs in deinem Alter.“
Luna sah ihn weiter von oben herab an.
„Ich bitte dich, du bist sogar ein Jahr später als ich geboren, also kannst du wohl kaum mehr Erfahrung haben als ich. Und nur weil ich ein Mann bin, heißt es nicht, dass ich nur an Sex denke und auf alles hereinfalle, was Titten hat. Ich hab auch zufällig Gefühle und vielleicht sollte dir das mal klar werden, dass du nicht alleine auf der Welt bist!“
Prosper war sauer.
'Was glaubt diese Kuh eigentlich.'
'Dass sie schnipst und ich springe?!'
'Das kann ihr so passen. Ich werde ihr keinen einzigen Gefallen tun und meinem Vater auch nicht.'
'Ich hasse alle beide.'
Der Kabelbinder war durch.
Langsam streifte Prosper ihn ab und ließ ihn fallen. Seine Hände waren endlich frei.
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