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Vendetta è dolce e rose sono rosse - Rache ist süß und Rosen sind rot

von Leni398
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Bonifazius Prosper Scipio Wespe
08.12.2014
28.01.2020
22
29.747
2
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07.11.2015 1.394
 
Er war einfach weg.
Wespe weinte bei Scipio an der Schulter, der ihr unbeholfen den Rücken tätschelte.
Auch er wusste nicht was er tun sollte. Luna war ebenfalls verschwunden.
Wie vom Erdboden verschluckt.
Wort wörtlich, denn das letzte Mal hatte er sie vor dem Eingang der Halle mit dem Nachbau des Karussells gesehen. „Er taucht schon wieder auf Wespe.“, sagte Scip tröstend und drückte das Mädchen an sich.
„Ach ja?“, schniefte sie. „Er war direkt neben mir. Ich hätte besser auf ihn aufpassen müssen. Es ist meine Schuld!“
„Jetzt fang nicht so an!“, sagte Scipio, empört über Wespes Aussage, fuhr er fort: „Du trägst keine Schuld und, dass du sie dir selbst gibst bringt Prosper nicht zurück. Niemand in diesem Raum wird dir die Schuld geben und wir holen in zurück, das verspreche ich dir.“
Wespe nickte und sah Bo nach, der die Treppe hoch ins Wohnzimmer gestürmt war.
Der blonde Junge hatte noch keine Miene verzogen und noch nichts dazu gesagt, dass sein großer Bruder verschwunden war.
Bo kramte Kissten und Taschen auseinander.
Auf der Suche nach etwas.
„Bo was soll das hier alles?“, fragte Mosca erstaunt, doch er verstummte, als er Bo's ernstes und entschlossenes Gesicht sah. „Ich hole Prosper zurück. Mosca, ich brauche die Pläne vom Tunnelsystem. Ich muss ihn finden. Wir können Prop nicht im Stich lassen. Wir brauchen ihn hier, ich brauche ihn.“, sagte Bo.
Moreno ging zu ihm und legte ihm die Hände auf die Schultern. Bo blieb stehen und blickte den großen Mann erstaunt an.
„Das ist uns hundertprozentig klar Bo und wir wollen Prosper genauso wieder finden wie du, aber wir können nicht einfach so los suchen.“, versuchte Moreno Bo zu beruhigen.
„Ich weiß, deshalb brauch ich ja die Pläne. Ich kann nicht hier rumsitzen und darauf warten, dass er alleine wieder kommt, weil das tut er vielleicht nicht mehr.“, sagte Bo verzweifelt. Wespe fing wieder an zu weinen.
Riccio stand auf und nahm Bo in den Arm.
Er hatte noch gar nichts gesagt.
Meistens wusste er nicht was er in ernsten Situationen sagen sollte und fühlte sich dann nutzlos.
Doch dieses Mal, wusste Riccio, dass er nichts sagen musste, dass eine Umarmung genug ausdrücken würde.
Bo atmete ruhiger und befreite sich aus der Umarmung Riccios.
Dankbar nickte der Junge seinem Freund zu.
„Ich denke Prop wird alleine wieder auftauchen.“, meldete sich Scipio zu Wort.
„Er ist clever und hat eine von Moscas Karten dabei. Bis auf die Tatsache, dass er seine Taschenlampe Luna gegeben hat, die jetzt auch weg ist...“, den letzten Teil fügte er düster hinzu. „Also was du eigentlich sagen willst,“, sagte Mosca zuversichtlich, „ist, dass Prosper schon wieder auftauchen wird, wenn er nicht ernsthaft verletzt ist und sich nicht bewegen kann.“
Wespe brach erneut in Tränen aus und rannte aus dem Raum. „Scheiße, das wollte ich nicht.“, betroffen sah Mosca zu Scipio, der ihn vorwurfsvoll anschaute.
„Wespe so wollte ich das doch nicht sagen!“, rief Mosca und lief ihr hinterher.
In der Küche saß sie am Küchentisch und weinte hemmungslos.
„Hey Wespe, das war anders gemeint, als ich es gesagt hab. Ich will doch auch, dass Prosper schnell wieder auftaucht.“, sagte er und legte einen Arm um sie.
„Ich weiß Mosca, ich kann nur den Gedanken, dass ihm was passiert sein könnte nicht ertragen. Ida und Victor werden so sauer sein.“, erwiderte Wespe mit Tränen erstickter Stimme. Dankbar nahm sie das Taschentuch, was Mosca ihr reicht.
Im Wohnzimmer zupfte Bo Moreno am Ärmel.
Der große Mann sah ihn lächelnd an.
„Du Moreno? Ida und Victor wissen nichts von unserer Entdeckung und es ist schon spät, also werden sie auch gleich das mit Prosper heraus finden. Es wäre glaube ich besser, wenn du ihnen alles erklärst.
Ich meine, zu erfahren, dass Kinder in Einsturz gefährdetem Gebiet alleine unterwegs sind, und dass dabei auch noch ihr ältester Adoptivsohn verschwunden ist, ist ziemlich krass.
Ich finde wir sollten das mit dem alleine unter Venedig unterwegs weglassen. Du bist ja die meiste Zeit eh dabei gewesen. So können wir uns auch ein bisschen mehr auf Prosper konzentrieren und Ida und Viktor können uns das andere nicht vorwerfen.“ sagte Bo und unterstrich alles mit einem schiefen Grinsen.
Moreno lachte leise.
„Klar komme ich mit.“, sagte er verständnisvoll.
Keine zehn Minuten später machten sich Bo und Wespe auf den Heimweg. Moreno begleitete sie und Scipio, Mosca und Riccio, der Begleitschutz, wie sie sich nannten, trabten hinterher.
Mit jedem Schritt wurden Bo's Schritte schwerer.
Ihm war schlecht vor Nervosität und Angst, dass Ida und Viktor ihn dann nicht mehr bei sich habe wollten.
Ida und Viktor waren nicht oft böse auf die drei gewesen, oder auf einen von ihnen.
Trotzdem war die Angst und der Respekt groß, dass sie doch sauer sein könnten. Vor allem mit Viktor war nicht zu spaßen, wenn er sauer war.
Vor der Haustür fühlten sich Bo's Beine an wie Blei. Er wollte am liebsten weit weg rennen, um das Gewicht los zu werden. Moreno legte dem Jungen eine Hand auf die Schulter und Bo fasste all seinen Mut zusammen und drückte auf die Klingel. Es schellte und einen Augenblick später wurde die Tür von Ida aufgerissen, gefolgt von Viktor.
„Wo wart ihr so lange?“, rief sie besorgt und zog Bo in ihre Arme. Der ließ sich in die Arme nehmen, zeigte aber keine Reaktion. Sofort ließ Ida ihren jüngsten Sohn los und sah ihn prüfend an: „Bo was ist los und wo ist Prop?“
Erst jetzt fielen ihr Wespes verheultes Gesicht und Scipios, Moscas und Riccios betretene Mienen auf.
Auch den unbekannten Mann, der sie aus ernsten dunklen Augen anblickte, bemerkte Ida erst jetzt.
Moreno reichte Ida und Victor die Hand: „Guten Tag. Ich bin Moreno Vrabano, Moscas Vater. Prosper ist aus einem bestimmten Grund nicht nach hause gekommen.“
„Moment! Was soll das heißen, hat der Junge was angestellt?“, meldete sich nun Victor, doch Scipio beruhigte ihn halbwegs. „Nein, nein Boss: Aber das sollten wir nicht hier draußen besprechen.“
Seit Scipio bei Victor die Ausbildung zum Polizisten machte, war Victor nur noch „Boss“.
„Na gut, dann kommt alle rein.“, sagte Victor überrascht und ließ sie alle ins Haus.
Ida schloss Wespe, der schon wieder die Tränen kamen in ihre Arme und wog sie tröstend hin und her.
Im Wohnzimmer saßen alle mit einer Tasse Tee auf den gemütlichen Sofas und Bo ergriff zaghaft das Wort.
Er erzählte von Anfang an. Wie sie die unterirdischen Gänge gefunden und dort unten dann Moscas Vater getroffen hatten. Von der Entdeckung des Karussels, was eine bloße Kopie des Originals auf der Isola Segreta war. Dann versagte Bo die Stimme.
Seinen großen Bruder zu verlieren war für den 8-jährigen der schlimmste Albtraum. Bis jetzt hatte er es noch nicht ausgesprochen, dass genau dieser Albtraum wahr geworden war.
Moreno erzählte weiter. Von der Begegnung mit Barbarossa, wie dieser ihnen gedroht hatte. Keine Einzelheit ließ er aus. Erst als Wespe entdeckt hatte, dass Prop verschwunden ist hielt er inne und sah zu den Kindern, die alle niedergeschlagen drein blickten.
Ida begann zu weinen und Viktor drückte sie an sich. Eine einsame Träne rollte auch ihm über die Wange.
„Es tut mir leid Boss. Ich hätte niemals mit Prosper runter gehen sollen.“, sagte Scipio bedrückt und Riccio fügte hinzu: „Ich hab euch doch gleich gesagt, dass die Idee komplett für'n Arsch war.“
Mosca boxte ihm hart gegen den Oberarm und Riccio zischte mit schmerzverzerrtem Gesicht: „Was schlägst du mich?“. Mosca sah ihn warnend an und Riccio verstummte schlagartig.
„Ich werde sofort auf der Arbeit anrufen und ein Sonderkommando für die Suche nach Prosper zusammenstellen.“, sagte Viktor und wischte sich die Tränen aus den Augen.
Er gab Ida einen kurzen Kuss auf die Wange und ging aus dem Wohnzimmer.
In der Küche hörte man Victor mit der Bereitschaft telefonieren.
Morgen früh wollte er ein Meeting ansetzten um rechtzeitig mit der Suche anzufangen.
Ida liefen die Tränen die Wangen herunter und Bo strich abwechselnd ihr und Wespe tröstend über den Rücken.
Der Junge wollte stark bleiben und zwang sich nicht zu weinen.
Scipio blieb die Nacht da und half Victor bei der Zusammenstellung eines Teams.
Mosca, Riccio und Moreno hatte er gebeten zu gehen.
Schlafen konnte diese Nacht aber keiner und besonders Bo wurde von seinen Gedanken, was alles passiert sein könnte, und ob er seinen großen Bruder je wieder sehen würde, wach gehalten.
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