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Hotel Transsilvanien - unverhofft kommt oft

KurzgeschichteHumor / P12 / Gen
08.12.2014
08.12.2014
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Mavis ließ ihre Dame quer über das ganze Feld ziehen. Seit Jonny ihr Schach beigebracht hatte, war sie regelrecht besessen davon. Und sie musste sich schließlich mit irgendetwas von ihrer Aufregung ablenken, in einer Woche würde sie endlich mit Jonny nach Hawaii fliegen! Gerade wollte sie ihren Freund schachmatt setzten, als die Eingangstür krachte und eine ziemlich wütend aussehende junge Frau auf schwindelerregend hohen Stilettos hereingestöckelt kam. Sie war auffallend hübsch, mit hochgesteckten, langen schwarzen Locken und wütend blitzenden grünen Augen, die die ganze Lobby absuchten, bis sie Jonathan gefunden hatten. Der hatte sich mittlerweile hinter Mavis verkrochen. „Das ist meine Schwester, Lilja“, murmelte er. Die Frau, Jonathans Schwester, stürmte auf die beiden zu. „Verdammte Scheiße, Jonathan! Hast du ne Ahnung, wie lange ich dich gesucht hab?“ Sie holte aus und fegte das gläserne Schachbrett vom Tisch, dass es in tausend Scherben zersprang und die Figuren in alle Richtungen flogen. „Sie ist ein bisschen…cholerisch.“, sagte Jonny und hob beruhigend die Hände. „Hey, Lil. Komm mal runter, ich bin ja hier.“ „Genau das ist ja das Problem! Ich bin tagelang hier durch den Urwald gestapft und hab mir fast die Schuhe ruiniert, um dich zu finden, und dann sagen mir deine Kumpels vom Bergsteigen, dass du in einen Spukwald abgetaucht bist, also konnte ich da auch noch rumkriechen, und dabei gibt´s da Spinnen! Und dann lande ich hier in nem Geisterschloss voller verkleideter Freaks, die mir weismachen wollen ich dürfte nicht rein weil ich ein Mensch bin! Und du hast mich kein einziges Mal angerufen, obwohl du ein Handy hast, und jetzt sitzt du hier und spielst SCHACH! Also sag mir verdammt noch mal nicht, dass ich runterkommen soll!“, schrie Lilja. „Hey..“, begann Mavis, wurde jedoch sofort von der aufgebrachten Frau unterbrochen, die ihr mit einem manikürten Zeigefinger in die Schulter piekte. „halt dich da mal raus, Gothic-Prinzesschen! Und du“ sie drehte sich wieder zu Jonny um. „was denkst du dir eigentlich dabei?“ „Lil!“, sagte er bittend. „Es tut mir leid. Aber mein Handy hat hier keinen Empfang, und außerdem bin ich erwachsen. Ich kann machen was ich will.“ „Verstehst du denn nicht, dass ich mir SORGEN mache, wenn du wochenlang verschwindest, ohne ein Lebenszeichen von dir zu geben? Ich dachte du wärst abgestürzt oder so!“ „In Zukunft werde ich anrufen.“ „Danke.“, schnaubte sie. „Magst du mir jetzt vielleicht mal erklären, wer diese ganzen Freaks in Monsterkostümen sind?“ „Das…ist eine schwierige Sache. Besser, du setzt dich erst mal.“

Dracula landete elegant vor dem Schloss. Er würde jetzt mit Mavis noch einmal über diese Hawaii-Sache reden müssen. Sie würde nicht ewig dort bleiben können, irgendwann wollte er sie auch mal wieder zu Hause haben. Das mussten sie klären, bevor sie fuhr. Er klopfte an ihrer Tür, bekam aber keine Antwort, als machte er einfach auf. „Mavilein?“  Er erstarrte. Mitten im Zimmer stand eine Frau, die er noch nie gesehen hatte. Ein Mensch. Und zwar mit langen, nassen schwarzen Haaren und nur mit einem dünnen Handtuch bekleidet. Die Frau starrte ihn mit aufgerissenen grünen Augen an, die sich gleich darauf zu Schlitzen verengten. „Ey, was bist´n du für´n Spanner?“, fauchte sie ihn an. Bedrohlich baute er sich vor ihr auf. „Was machst du in meinem Hotel im Zimmer meiner Tochter?“ Sie wich einen Schritt zurück. „Mach dich nicht so wichtig, ich hab nur geduscht.“, brummte sie. Da kam Mavis durch die offene Tür. Dracula zeigte auf Lilja. „Wer ist diese impertinente Person?“, verlangte er zu wissen. „Impertinent am Arsch!“, knurrte Lil. „Das ist Jonnys Schwester Lilja. Ich hab sie bei mir duschen lassen, Paps.“, erklärte Mavis schnell. Dann wandte sie sich an Lil. „Das ist mein Vater, Graf Dracula.“ „In echt jetzt? Cool!“, meinte Lil, einen Augenblick lang beeindruckt. „Könntest du jetzt bitte trotzdem gehen, damit ich mir was anziehen kann?“, fragte sie ihn höflich. „Oder willst du zuschauen?“, setzte sie frech hinzu, als er nicht reagierte. Brummelnd drehte Dracula sich um und zog die Tür hinter sich zu. Lilja seufzte. Das war ja das reinste Irrenhaus hier! Obwohl sie zugeben musste, es war besser als zu Hause rumzuhängen und sich zu langweilen. Und außerdem hatte Mavis gesagt, sie müsste sich als Vampir verkleiden um die anderen Monster nicht zu erschrecken. Das würde sicher Spaß machen, außerdem war es genau ihr Style.

Eine halbe Stunde später erkannte sie ihr Spiegelbild beinahe nicht wieder. Sie trug zwar Klamotten, die sie selbst mitgebracht hatte, eine teure, enge schwarze Hose und ein elegantes rückenfreies schwarzes Oberteil, das Sicht auf ihr Fledermaus – Tattoo gewährte, welches dem Vamp – Image sicher nicht schadete. Doch sie hatte ihre Lippen schwarz nachgezogen, und ihre grünen Augen waren stärker geschminkt denn je. Mascara, Eyeliner, Kajal, Lidschatten, sie hatte mit nichts gespart. Außerdem hatte sie ihr Haar offen, was sie sonst eigentlich auch nie tat, die dicken schwarzen Locken fielen schwer auf ihren Rücken. Auch ihre Fingernägel hatte sie noch schnell schwarz lackiert, und ein zierliches, alt aussehendes Silberkettchen hing um ihr Handgelenk. Doch von ihren Goth – Stilettos hatte sie sich nicht trennen können, zum Glück passten sie gut dazu. Jetzt wühlte sie nach den Kappen, die Mavis ihr gegeben hatte. Sie waren aus Gummi, strahlend weiß und sehr spitz. Vorsichtig öffnete sie den Mund und zog sie über ihre echten Eckzähne. Das Ergebnis war überwältigend.
 
 
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