Fours Sicht der Dinge - Band 1

GeschichteAllgemein / P12
08.12.2014
27.03.2015
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Vorwort: Zum Nikolaus habe ich von meinen Großeltern das Buch „Die Bestimmung – Fours Geschichte“ bekommen. Diese erzählt Fours Weg zu den Ferox, wie er Tris begegnet und sich beide ineinander verlieben. Dabei ist mir aufgefallen, dass einige Stellen, die ich wichtig finde, nicht in dem Buch vorgekommen sind. Deshalb dachte ich mir, dass ich diese FF schreibe. Die Kapitel sind zwar in chronologisch richtigerReihenfolge, bauen aber nicht zwangsläufig aufeinander auf. Viel Spaß beim Lesen ;)
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Nach dem Essen führe ich meine Initianten in den Trainingsraum. Er ist riesig und mit Holzdielen belegt. In der Mitte ist ein großer Kreis aufgemalt, dort werden später die Kämpfe stattfinden. Es ist schon jetzt leicht vorauszusagen, wer gewinnen wird. Einige Wechsler bringen eine halbwegs gute Voraussetzung mit. An der linken Wand hängt eine Schultafel. Wir benutzen sie, um die Kämpfe anzukündigen und die Bewertungen abzugeben. Zurzeit stehen die Namen der Initianten in alphabetischer Reihenfolge niedergeschrieben. Ich ordne an, dass sich alle Initianten neben den abgenutzten Sandsäcken aufstellen sollen. In der Mitte stehe ich, damit mich alle gut sehen können.
„Wie ich heute Morgen schon gesagt habe, werdet ihr kämpfen lernen“, erkläre ich. „Es geht darum, euch darauf vorzubereiten, im entscheidenden Moment zu handeln, und darum, euren Körper für Bedrohungen und Kämpfe fit zu machen – was ihr auch bitter nötig haben werdet, wenn ihr als Ferox überleben wollt.“ Einige der Initianten haben überhaupt keine Muskeln, wirken klein und schwächlich. Das Training wird sie abhärten und einiges fordern. Außerdem brauchen Ferox Kraft, wir sind schließlich die Beschützer dieser Stadt. „Heute werden wir uns mit Kampftechniken beschäftigen und morgen werdet ihr gegeneinander antreten.“ Wenn ich mir die Initianten so angucke, sind sie dafür noch überhaupt nicht bereit. „Ich rate euch deshalb aufzupassen. Wer nicht flink lernt, wird es später büßen.“ Oder mit anderen Worten: Wer nicht flink lernt, wird fraktionslos. Das ist die harte Realität, aufgrund der neuen Regeln von Eric. Aber ich habe mir vorgenommen, so viele wie möglich von meinen diesjährigen Initianten durchzubringen.

Ich fange an, die Schlagtechniken zu erklären und anschließend vorzuführen, zuerst in die Luft, dann am Sandsack. Ich zeige zwar nur die einfachsten Tritte, aber meine Schüler haben trotzdem Probleme, mir zu folgern. Einige stellen sich erstaunlich gut an, andere scheinen den Ernst der Lage nicht zu begreifen. Wenn sie sich nicht zusammenraufen, werden sie bald keine Fraktion mehr haben. Während alle üben, gehe ich herum und gebe Tipps. Gerade bleibe ich bei Tris stehen. Ich habe Achtung vor ihr, sie ist als Erstes gesprungen. Dass sich eine Stiff als erstes herunterwagt hat es, meines Wissens nach, noch nie gegeben. Ich betrachte sie genauer und dabei fällt mir etwas auf: „Du hast nicht viele Muskeln, das heißt, es ist besser, wenn du deine Knie und Ellbogen einsetzt. Dann verleihst du deinen Schlägen mehr Kraft.“ Und ich fürchte, es ist auch ihre einzige Chance. Sie ist die Kleinste und die Schwächste von allen. Sie muss sich schnell verbessern. Um ihr zu demonstrieren, wo sie die Spannung halten muss, lege ich meine Hand auf ihren Bauch. Als ich sie berühre, durchflutet mich eine warme Welle. Was ist los mit mir? Reiß dich zusammen Four, sage ich zu mir selbst. Meine Hand ist so groß und ihr Bauch ist so klein, dass meine Hand von der eine Seite zur anderen Seite ihres Bauches reicht. Ich spüre, wie ihr Herz heftig schlägt und sie schneller atmet. Zudem starrt sie mich aus ihren großen Augen leicht entsetzt an. Altruan sind Körperkontakt nicht gewohnt, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Es ist wahrscheinlich das erste Mal, dass ein Mann sie so berührt. „Vergiss nie, hier die Spannung zu halten.“ Um meine Worte zu untermalen, ruckle ich mit der Hand auf ihrem Bauch leicht hin und her. Ich bin plötzlich ganz ruhig. Leider muss ich irgendwann meine Hand von ihrem Bauch nehmen. Ich gehe weiter und beobachte die Anderen, gebe hier und da noch ein paar Ratschläge. Später entlasse ich sie zum Abendessen. Ich sehe noch, wie Christina Tris in die Seite knufft, bevor die beiden mit Will und Albert den Trainingsraum verlassen.