Can you hear me screaming?

von jo-hanna
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12
Robin "Puck" Goodfellow
07.12.2014
18.07.2015
5
6894
7
Alle Kapitel
37 Reviews
Dieses Kapitel
10 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Der Wilde Wald schien schöner denn je. Ich hatte es mir auf einem der mächtigen Bäume bequem gemacht und sah nun auf meine Umgebung herab. Die Sonne hatte sich einen Weg durch das dichte Blätterdach gebahnt und warf ein fleckiges Schattenmuster auf den grasbedeckten Boden. Die verschiedensten, exotischsten Pflanzen mit den farbenfrohesten Blüten wuchsen an den Rändern, aber je schöner sie waren, desto gefährlicher, tödlicher. Wie eine, die in einem feurigen Orange glühte, und immer weiter in das finstere Gestrüpp hinein führte - eine Falle, von der ich lieber nicht wissen wollte, wo sie endete. Eine andere, mit einer riesigen Blüte in sanften, aber strahlenden Fliederfarben stellte auf den ersten Blick keine Gefahr dar, doch wenn man genauer hinsah, konnte man die fingerlangen, messerscharfen Dornen, an denen getrocknetes Blut klebte, erkennen. Blumenelfen tanzten wie bunt leuchtende Pünktchen um uralte Baumstämme, die so dick waren, das es zehn Mann gebraucht hätte, um einen Kreis um sie zu bilden, herum und erinnerten mich beinahe an harmlose Glühwürmchen. Aber nichts hier war harmlos. Daran erinnerte mich auch das schmerzhafte Ziehen an meinem Kopf, als eine Blumenelfe mir gerade aus bloßer Bosheit an den Haaren zog. Ich schleuderte sie weit weg, als ich sie zu fassen bekam und hörte sie mit ihrer piepsigen Stimme etliche Beleidigungen rufen, während sie zu den anderen zurückflog.
Das hier war das Nimmernie. Das Land, das aus der unkontrollierbaren Phantasie der Menschen entsprungen war, aus ihren Wünschen und Träumen, die sich jedoch oftmals als Albträume entpuppten. Einer schrecklicher als der andere. Nur die Sommerkönigin war der schrecklichste von allen. Mein ganz persönlicher Albtraum. Ihre goldblonden Engelslocken, Augen so blau wie der wolkenloseste Sommerhimmel gepaart mit ihrer Hinterlistigkeit, Bosheit, ihrem Spott und ihrer Eifersucht verkörperten alles, was ich an meinem Zuhause hasste. Niemand war so vollkommen und furchtbar zugleich. Und erst ihre Rosenbüsche. Ich schauderte. Lieber würde ich mich freiwillig einhundert Jahre von Mab in einen Eisblock einschließen lassen, als noch einmal Titania zu begegnen, denn sie hatte mir alles genommen, was mich ausgemacht hatte, wofür ich gelebt hatte. Wofür ich geliebt worden war, was ich geliebt hatte. Nur aus einer dämlichen Laune heraus. Weil sie eifersüchtig war. Auf mich. Die Sommerkönigin eifersüchtig auf mich, eine einfache Sommerfee, die unauffälliger nicht hätte sein können. Fast hätte ich über die Absurdität dieses Satzes gelacht, aber nur fast, unter anderen Umständen, eventuell.
Ich schloss die Augen und hörte das stetige Gekicher der Blumenelfen. Ich würde nie wieder so kichern können, denn das war es, was mir jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde in meinem verdammten Leben fehlte; Titania hatte mir meine Stimme genommen.
Sie hatte sie mir gestohlen, aus dem einfachen Grund, dass sie zu schön klang. Niemand sollte eine schönere Stimme als die Königin selbst haben, natürlich nicht.
Und das war der Grund, weshalb ich hier auf meinem Baum im Wilden Wald saß und nichts in Ordnung war. Immer wenn ich zu reden versuchte, schnürte sich mein Hals zu und drohte mich zu ersticken. Ein Fluch. Ich krallte meine Finger in den Baum fest. Ich war verflucht, weil ich zu schön gesungen hatte.
Die stumme Fee, nannten sie mich nun. Und die Widersinnigkeit dieser Worte schürte Hass in mir auf. Ich war nicht stumm, sondern verflucht. Es gab keine stummen Feen, denn bei uns gab es keine Genschäden oder sonst was. In dieser Welt gab es Flüche, die es in sich hatten und mich wieder einmal an meinen Artgenossen zweifeln ließen. Unsere Natur war grausam und gemein, sowohl Sommer als auch Winter.
Und deswegen hasste ich alles hier so sehr, denn es erinnerte mich an den Grund, weshalb ich nicht mehr singen konnte wie früher. Sogar mein Lachen war lautlos. Meine Stimme war weg. Und doch fragte ich mich, wenn ich ihnen in die Augen schaute und sie mich verspotteten, weil ich nicht mehr vollkommen, eine Ausgestoßene war.
Ich sammelte dann meinen Hass auf das gesamte Feenvolk in meinen Augen, während ich sie ansah und dachte: Könnt ihr mich schreien hören? Könnt ihr die Verzweiflung, Wut, Enttäuschung, Verletzlichkeit und den Hass in meinen stummen Schreien hören? Hört ihr meine Rache?

***
Hallo ☺, falls das hier überhaupt jemand liest.
Das ist meine erste FF in dieser Kategorie und ich hoffe sie gefällt euch. Natürlich ist dieses Kapitel hier noch etwas kurz, aber das ist ja nur der Prolog. Die (hoffentlich) bald folgenden Kapitel werden länger.
Ich würde mich natürlich wahnsinnig über ein Review freuen, um zu wissen wie euch die Idee usw. gefällt. Außerdem motiviert jedes einzelne Review (sei es noch so kurz) mich unglaublich.
Ach ja, es wird außerdem keine festen Uploadzeiten geben, da ich auch enorm viel für die Schule lernen und muss. :(
Aber ich versuche, es jede zweite Woche Samstag oder Sonntag. ;)

Johanna ♥
Review schreiben