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Eine andere Welt

von HilLiz
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Mio Akiyama Ritsu Tainaka
07.12.2014
07.10.2017
25
58.371
4
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29.01.2016 2.573
 
Schlafend drein blickend, lief ich den Gang der Reinblüter entlang. Am anderen Ende sah ich schon Azusa, die ungeduldig auf der Stelle trat. Bei ihr angekommen, begrüßte sie mich mit einem Guten Morgen.
„Morgen“, gähnte ich zurück und streckte mich erst einmal ausgiebig, bevor wir unseren Weg Richtung Klassenzimmer fortsetzten.
„Lange Nacht gehabt?“, fragte sie mich.
„Ja, ich konnte ewig nicht einschlafen. Und dann hatte ich immer wieder den gleichen seltsamen Traum.“
Azusa drehte ihren Kopf und schaute mich fragend an.
„Na ja, da war eine Person und die hat immer meinen Namen gerufen. Doch wollte ich mich ihr nähern, entfernte sie sich, rief dennoch weiter nach mir. Ein total verrückter Traum.“
„Konntest du die Person erkennen?“
„Nee, die war vollkommen verschwommen. Ich konnte bloß eine Silhouette ausfindig machen. Aber sie muss weiblich gewesen sein, denn die Stimmlage konnte unmöglich von einem Mann stammen“, meinte ich, während wir an unzähligen Elite-Gefährten vorbeigingen.
„Glaubst du etwa an Omen?“, fragte ich nur wenige Sekunden später.
„Wie kommst du denn darauf?“
„Weil du meinen Traum so hinterfragst.“
„Achwo, nein. Mich hat es bloß interessiert“, sagte die Verlobte von Yui.
„Aber merkwürdig ist es schon“, gab ich von mir.
Mittlerweile standen wir schon vor meinem Klassenzimmer.
„Jetzt sag mir nicht, dass du an so etwas glaubst“, lächelte sie.
„Nein...also nicht wirklich“, stotterte ich vor mich hin.
„Das war bloß ein Traum, mehr nicht. Na ja, muss jetzt zum Unterricht, bis nachher.“
„Ja, bis später.“

Als ich das Klassenzimmer betrat, war mehr als die Hälfte der Klasse noch gar nicht anwesend. Das war sonst nie der Fall. Bis zum Stundenklingeln kamen auch keine Gefährten mehr dazu. Von unser 13-köpfigen Gruppe saßen nur noch fünf, mich eingeschlossen, auf ihren Plätzen.
Yamanaka-Sensei schien nicht überrascht, als sie das Zimmer betrat und sich an ihren Tisch stellte.
„Wie ich sehe, ist auch diese Klasse davon betroffen. Unter diesen Umständen macht es keinen Sinn zu unterrichten.“
Wir schauten sie fragend an und ich war etwas überrascht über ihre Wortwahl.
„Wie schon gesagt, seit ihr nicht die einzige Klasse in denen Gefährten fehlen. Entweder sind diese bei ihren Meistern geblieben oder machen einen, der jetzt zusätzlichen, Kampfkurse mit. Ich lasse euch die Wahl, ob ihr zu einen der Kurse geht oder zurück zu euren Meistern. Wobei ich euch das erste herzlichst empfehlen würde. Damit ihr euch später in ernsten Situationen beweisen könnt. Die Zeiten für die Kurse könnt ihr am Aushang vor der Sporthalle finden. Es ist egal welchem Jahr ihr angehört, die Trainingskurse sind für alle Jahrgänge offen.“

Sie sammelte ihre Unterlagen zusammen und wartete darauf, dass wir das Zimmer verließen. Langsam ging ich den Hauptgang entlang, immer noch unentschlossen, ob ich zu Mio gehen sollte oder zu einem der Kampfkurse.
Am Ende entschied ich mich für den Kurs, der würde mich im Moment weiterbringen. So machte ich mich auf den Weg zur Trainingshalle.

                              
~~~


„Meine Güte ist das voll hier“, murmelte ich, als ich versuchte mich zu meinem Spind vor zu kämpfen. Sonst war die Frauenumkleide nie so überfüllt wie heute. Nach langem drängeln, am Spind angekommen, flog mir als erstes ein Zettel entgegen, als ich die Tür aufmachte.
Ich warte auf dich!, stand mit einer geschwungenen Schrift auf dem, nach Rosen dufteten, Zettel.
„Was zur Hölle!“
Das war eindeutig nicht Mio´s Handschrift. Doch von wem könnte es sonst sein?
Ich beschloss nicht weiter darüber nach zudenken, zog meine Sportsachen an und warf beim verlassen der Umkleide den Zettel in den Papierkorb, der neben der Tür stand.

Überrascht schaute ich zu dem Balkon, auf dem die Meister standen und blickte geradewegs in die Augen von Mio. Wie konnte sie wissen das ich hier her kommen würde, oder war sie etwa schon die ganze Zeit hier gewesen?
Sie lächelte mich an, prostete mir mit ihrem Weinglas zu. Ich nickte nur und grinste. Danach wandte ich mich ab, um mich ein paar Runden warmzulaufen. Schnell fand ich Anschluss an eine 7-köpfige Gruppe, die etwa in meinem Alter war.
Nach einigen grundlegenden Übungen, bekamen wir die ersten Schritte der Selbstverteidigung gelehrt.

Die Zeit verging wie im Flug und langsam wurde der Trubel in der Großen Trainingshalle weniger. Auch mich hatte die Erschöpfung gepackt, schließlich trainierte ich schon seit Früh mit und inzwischen war es schon abends.

Ich sah noch eine Weile auf die Tribüne und beobachte die anderen bei ihrem Training, bevor ich mich zu den Umkleiden aufmachte. Doch bevor ich in dem Tunnel verschwand, schaute ich noch
einmal zu dem Balkon auf, auf dem Mio immer noch stand. Sie nickte mir verstehend zu und verschwand darauf hin.

                                   
~~~


„Ritsu....komm zu mir...ich warte auf dich....auf dich....nur Mut....Ritsu....begleite mich....warte nur auf dich....komm!“
Wie in Nebel getaucht stand ich da, alles weiß und verschwommen. Immer wieder diese Stimme, die nach mir rief. Wer ist das?
„Wer bist du?!“
„Ritsu, komm mit mir.“
Als würde eine Hand meine Wangen liebkosen, berührte mich der Nebel. Doch da war niemand, ich sah keine Menschenseele. Immer wieder diese Stimme, die mir fremd sein sollte, dennoch klang sie so vertraut.
Während ich durch die endlosen Nebelschwaden ging, erblickte ich plötzlich eine schwarze Gestalt. Augenblicklich blieb ich stehen. Wie ein Blitz schoss diese auf mich zu und riss mich um. Unaufhaltsam krachte ich auf den harten Boden , dass es mir die Luft zum atmen nahm. Als ich meine Augen, nach diesem Schreck, wieder öffnete, schaute ich geradewegs in den wolkenlosen Sternenhimmel. Unter mir spürte ich das weiche Gras und vernahm das stimmige zirpen der Grillen um mich herum. Langsam richtete ich mich auf und fand mich auf einer Lichtung wieder, umzäunt von einem Bambuswald. Der Vollmond erhellte die Umgebung und ich stellte fest, dass ich ganz allein war.
Bis mich wieder diese Stimme rief, es dröhnte regelrecht in meinen Ohren und ich musste mir diese krampfhaft zuhalten. Ich fiel auf meine Knie und dachte mein Kopf würde jeden Moment zerplatzen. Meine schmerzverzerrten Schreie hallten durch die Nacht, scheuchte die Krähen in den Wipfeln auf.
Doch plötzlich verblassten die Schmerzen in meinem Kopf. Eine Hand hatte sich auf meine rechte Schulter gelegt. Ich drehte meinen Kopf zu der Quelle und schaute in eisblaue Augen. Das makellose Gesicht wurde von welligem blonden Haar umschmeichelt und ihr Lächeln zog mich sofort in den Bann.
„Du gehörst nur mir“, sagte sie und mit diesen Worten küsste sie mich.


Ich schreckte aus meinem Traum auf und blickte mich etwas orientierungslos um. Ein erleichterter Seufzer kam über meine Lippen, als ich feststellte, dass ich auf Mio´s Couch im Wohnzimmer saß.
„Na, gut geschlafen?“, fragte mich meine Freundin, die anscheinend nichts von meinem Aufschrecken mitbekommen hatte.
Ich lächelte und meinte: „Ja, ein kleinen Nickerchen tut richtig gut.“
Demonstrativ streckte ich mich dabei und Mio musste daraufhin anfangen zu lachen.
„Das ist schön.“

Mir stockte der Atem. Dieses Lächeln, genau dieses Lächeln hatte auch die Frau auf der Lichtung gehabt. Keinen Zweifel, es war identisch, zu Hundert Prozent gleich. Doch die Frau hatte blondes Haar und kein schwarzes, wie Mio.
Ich schüttelte meinen Kopf, wollte den Traum verdrängen, der mich in letzter Zeit immer häufiger heimsuchte und griff stattdessen nach Mio´s Hand. Ich zog sie auf meinen Schoß und gab ihr ein Küsschen auf die Stirn.

„Mhm? Was ist denn plötzlich los mit dir?“
Ich schaute sie an und sagte nur: „Darf ich meiner Freundin keinen Kuss geben?“
Mein Griff um ihre Hüfte wurde fester und ich zog sie näher zu mir, so das ich meinen Kopf auf ihr Dekolleté betten konnte. Ihr Herzschlag drang an meine Ohren, dass mich ungemein beruhigte. Während ich weiter dem dumpfen Schlagen lauschte, fuhr sie mir mit ihren Fingern durch mein Haar.
Beinahe wäre ich wieder ein gedöst, doch ihre Stimme gewährte mir dieses Vorhaben nicht.

„Du, Ritsu?“
„Ja?“
„Gibt es wirklich keinen Weg, um in die Menschenwelt zugehen?“
Ich hob meinen Kopf und schaute sie ungläubig an.
„Ich verstehe nicht recht.“
„Ich möchte aus diesem Loch hier, auch wenn es nur für einige Minuten ist“, murmelte sie und entging meinem Augenkontakt.
„Ich würde dir diesen Wunsch zu gerne erfüllen, aber...“
Sie ließ ihr Hände sinken, die vorher noch mit meinen Haaren verflochten waren, und wollte aufstehen, doch mein Griff um ihre Hüfte verhinderte es.
„Jetzt sei nicht böse, aber die neuen Regeln besagen nun mal, dass Ausgangsperre besteht. Außerdem könnte ich mir niemals verzeihen, wenn dir etwas passieren sollte.“
„Bitte!“, flehte sie mich an und so recht wusste ich nicht wie ich darauf reagieren sollte.
Nun lehnte Mio sich wieder zu mir herunter bis sich unsere Nasen berührten.
Ihre Augen wurden rot und glasklare Tränen traten ans Licht. Unaufhaltsam kullerten diese ihr Gesicht herab und tropften auf mein dunkel-blaues T-Shirt.
Ich konnte ja nicht wissen, dass es ihr so viel bedeutete, die Stufen zur Menschenwelt hinauf zusteigen. Dennoch konnte ich dieses Risiko nicht eingehen und schüttelte meinen Kopf.

Ihr Gesichtsausdruck wandelte sich urplötzlich von traurig in wütend. Ihre Tränen fielen weiterhin, wahrscheinlich aus Frustration. Mio presste ihre Zähne zusammen und ich hätte schwören können ein knacken gehört zu haben. Auf einmal wurde mir etwas mulmig zumute. Ungewollt drückte ich mich tiefer in die Couch, hoffte etwas Abstand von Mio damit zu erreichen.
Doch sie schien meine Angst zu spüren und wich von mir zurück. Wahrscheinlich etwas zu schnell, denn sie verlor den halt und landete nur wenige Meter vor mir auf den Couchtisch. Etwas überrascht darüber schaute sie mich an.
„S...sorry, ich war gerade nicht ich selbst.“
Beschämend blickte sie nach unten und wischte sich die Tränen von ihrem Gesicht. Meine Augen ruhten auf ihr. Ich war noch nicht fähig ihr darauf zu antworten und dachte komischer weise an meinen Traum zurück. An den Engel in Menschengestalt, der mit mir auf der Lichtung war. Moment, was dachte ich da? Engel? Stopp! Wie konnte ich jetzt in so einer Situation an diese unbekannte Frau denken! Hör sofort auf damit!
Ich schüttelte meinen Kopf und, als ich diesen wieder hob, gefror mir das Blut in den Adern. Blondes Haar stach mir in die Augen und auch dieses unvergessliche Lächeln. Da saß nicht mehr Mio auf dem Tisch sondern diese Frau. Ihre Beine über Kreuz, stützte sich elegant auf ihren Händen nach hinten ab. Die eisblauen Augen fixierten mich.

Das konnte doch nicht....dass musste eine Halluzination sein, oder träumte ich wieder? Verdammt, was war denn nur mit mir los!

Langsam und gedämpft drang mein Name zu mir durch und, als ich eine Hand an meiner Wange spürte, öffnete ich meine, vor Verzweiflung geschlossenen, Augen.
„Mio?“, fragte ich und sah wieder meine schwarzhaarige Freundin vor mir.
„Klar, wer sollte ich denn sonst sein?“
„Der blonde Engel“, nuschelte ich vor mich hin.
„Mhm? Wie bitte?“
„Ach nichts.“
Ich lächelte ihre Frage weg und lehnte mich wieder zurück in die Couch.

                              
~~~


„Habt ihr schon gehört, am kommenden Wochenende findet eine öffentliche Trauerfeier der Opfer statt“, sagte Yui, die sich gerade neben ihre Verlobte setzte.
„Geht ihr hin?“, kam die Frage von Ui, die auch an dem Tisch platz nahm.
„Selbstverständlich, du etwa nicht?“
Alle schauten die kleine Schwester von Yui an, die betroffen zur Seite schaute.
„Ich würde auch gerne hingehen, aber Jun ist noch in keiner guten Verfassung. Viel lieber würde ich bei ihr bleiben“, erklärte sie.
Wir nickten verstehend, während Mugi ein Tablett mit Tee und Tassen auf den Tisch abstellte. Wir reichten das Service herum, so das jeder eine Tasse vor sich stehen hatte.

Nach dem Vorfall vor einigen Tagen, trafen wir uns immer öfters bei Mugi und unterhielten uns. Ab und an sahen wir ihren Vater, der kurz vorbei schaute, um nur wenige Sekunden später die Wohnung wieder zu verlassen, da er sehr beschäftigt war. Mugi scherzte ab und zu, dass seine Haare von Tag zu Tag grauer sein würden, wenn er zu Tür herein kam. Was ihr Vater mit einem Lächeln zur Kenntnis nahm und immer als Ausrede einwarf, dass es der Stress sei, der die Harre grau werden ließe.
Ich respektierte diesen Mann voll und ganz, er behielt sein Gesicht in einer, momentan, schweren Zeit. Zu ihm musste man einfach aufsehen und da jeder wusste das Mugi seine Tochter war, konnte man nur erwarten, dass sie dieses Amt tadellos weiterführen würde.

„Ich kann es immer noch nicht wirklich glauben, dass ihr ein Paar seit“, meinte Azusa zu Mio und mir gewandt.
„Dann wird es aber mal Zeit“, scherzte ich, während ich meiner Freundin Tee eingoss.
„Das ist doch toll! Da können wir dann eine Doppelhochzeit feiern.“
„Vergiss es Yui, dass kommt nicht infrage“, lachte Mio und wir stimmten mit ihr ein.

Doch langsam verblasste das Lachen und ehe ich mich versah, saß ich plötzlich alleine an dem Tisch. Verwirrt schaute ich mich um, doch ich sah niemanden, nur wieder dieser Nebel, der alles einzuhüllen schien.
Spielte etwa mein Kopf wieder verrückt oder was war schon wieder los?

Doch dann schlangen sich auf einmal zwei Arme von hinten um mich. Eine der Hände drehte meinen Kopf zur Seite, so das ich nun über meine rechte Schulter blickte. Ich schaute direkt in blaue Augen und da wurde mir klar, wen ich wieder vor mir hatte.
Panik ergriff meinen Körper, denn sofort schreckte ich von ihr zurück. Ich krachte mit dem Rücken an die Tisch kannte, das Geschirr klapperte und als mein Stuhl umfiel und mit einem dumpfen Klang auf dem Boden landete, war der Nebel wie vom Erdboden verschluckt. Stattdessen schauten mich meine Freunde irritiert und besorgt an, während ich versuchte meine hektischen Atemzüge unter Kontrolle zubringen.
„Alles okay?“, fragte mich Mio und legte dabei ihre Handfläche auf meine Wange.

Was war nur los mit mir? Das konnte unmöglich ein Traum gewesen sein, das war Realität.
„Habt...habt ihr sie nicht gesehen?“
Ich schaute meine Freunde an und hoffte das sie nicken würden, doch das taten sie nicht. Jetzt stand ich, als eine totale Idiotin da oder Verrückte, dass würde in dieser Situation eher passen.
„Wen denn? Hast du Fieber, geht es dir nicht gut?“
Nun war es Mugi´s Hand die meine Stirn berührte. Ihr verwunderter Blick sagte alles, nämlich das ich gar kein Fieber hatte.

„Sag mal Mugi, hast du was in den Tee gemischt“, scherzte Yui und ich war froh darüber, dass sie versuchte die Situation mit einem Scherz aufzuheitern.
„Hör auf“, meinte Azusa und stieß sie ermahnend an die Schulter.
„Au, dass tat weh“, schmollte die Braunhaarige und musste daraufhin grinsen.
Auch mir schlich sich ein Lächeln auf die Lippen.
„Macht euch keine Sorgen. Ich hatte wahrscheinlich bloß einen Tagtraum, nichts weiter“, versuchte ich meine Freunde zu beruhigen, sie gingen sogar darauf ein. Außer Mio, sie schaute mich immer noch mit einem besorgten Blick an. Doch bevor sie etwas sagen konnte, wandte ich mich von ihr ab und stellte den umgestürzten Stuhl auf.

Ich hoffte nur, dass sie mich heute und die nächsten Tage nicht darauf ansprechen würde, denn ich wüsste nicht wie ich es ihr erklären sollte.
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