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Eine andere Welt

von HilLiz
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Mio Akiyama Ritsu Tainaka
07.12.2014
07.10.2017
25
58.371
4
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Dieses Kapitel
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25.04.2015 4.713
 
Es war mittlerweile einen Monat vergangen, seit dem Vorfall mit Yui, und glücklicherweise ist bis jetzt noch kein weiterer passiert. Ich hatte die Test´s bestanden und war schon mitten im Gefährten-Training involviert. Mit Mio verstand ich mich auch immer besser. Yui hatte vom Arzt strengstes Ausgehverbot erteilt bekommen, weshalb wir die beiden Verlobten nur im Krankentrakt zu Gesicht bekamen. Den diesen durfte Yui auch nicht verlassen, bis die Verletzungen vollkommen verheilt waren.

Heute war Montag und ich hatte den besten Wochenstart mit Sport. Juhu...
Ich liebte Sport, aber dass war die reinste Folter hier! Azusa sagte zwar, wenn man länger dabei wäre, würde man sich daran gewöhnen, doch bis jetzt ist bei mir noch nicht so wirklich der Funke über gesprungen.

Sprints bis zum ab kotzen, Kampftraining und der reinste Armee-Abklatsch, von Wände hochklettern bis unter Drähten und Netzen lang kraxeln war alles dabei. Und dass alles mit einem Lehrer, der dir beide Ohren ab schrie, auch wenn er 50 Meter weit weg stand.

Ab und zu kam Mio vorbei und schaute mir beim Training zu. Dass schienen etliche Meister zu machen, denn das Arial, wovon sie das Trainingsgelände perfekt überblicken konnten, war nie leer und manchmal herrschte dort Hochbetrieb, wenn die vom 2. Trainingsjahr auch mit in der Halle trainierten.

Die hatten nicht so einen Schreihals, als Trainer, so wie ich. Man konnten die sich glücklich schätzen.

Heute war Mio wieder Anwesend, unterhielt sich mit den anderen Meistern und trank dabei ein Glas Wein.

„Tainaka! Wie lange willst du noch hier, wie angewurzelt stehen bleiben! Los, bewege deinen Arsch, sonst trete ich dir gleich in diesen“, brüllte mein Lehrer mich an und ich zuckte dabei leicht zusammen.
Zu sehr war ich auf die Schwarzhaarige konzentriert und hatte nicht bemerkt, dass er neben mich getreten war.

Ohne ein Wort, drehte ich weiter meine Runden in der Halle und langsam musste ich mir eingestehen, dass ich immer mehr Interesse für Mio empfand. Oh man, ich träumte sogar von ihr und dass ist mir bei niemanden zuvor passiert.
Ich wollte es mir nicht eingestehen, aber ich glaubte ich hatte mich in sie verliebt und zwar richtig.
Immer freute ich mich wie ein kleines Kind, wenn Mio mir zusah, generell wenn sie in meiner Nähe war.

Dabei war es abzusehen, dass wir nie etwas zusammen haben könnten. Sie war eine Reinblüterin und ich ein stinknormaler Gefährte, dass biss sich wie verrückt. Abgesehen davon, vermehren sich Reinblüter nur unter sich, um ihre Rasse zu schützen und zu sichern. Und bis jetzt kam es auch noch  nie vor, dass sich ein Reinblüter mit einem normalen Vampir, geschweige einem Gefährten zusammen getan hatte.
Obwohl man munkelte, dass Mugi was mit ihrer Lehrerin haben soll. Gerüchte die jemand mal aus lauter Langeweile in die Welt gesetzt hatte, oder? Und wenn es so wäre, soll doch jeder glücklich werden mit wem er möchte.

Während wir unsere Runden drehten, baute der Lehrer einen Parcours auf. Er stand an einem Schaltkasten und drückte den ein oder anderen Knopf. Hier ging alles automatisch. Schon öffnete sich eine Luke im Boden und ein Wasserbecken kam zum vorschein.

Ein genervtes Stöhnen ging durch unsere Runde. Wie wir alle dieses Becken hassten. Das Wasser war schweinekalt und danach kam immer die 3 Meter hohe Wand, die wir überwinden mussten. Ohne Teamarbeit ging da gar nichts. In den Fingern hatte man kein Gefühl, weshalb es umso schwieriger war, da hinauf zu kommen. Und, wenn wir es in der vorgegebenen Zeit, dort alle nicht drüber waren, hieß es; dass ganze nochmal von vorn.

Das kotze hier jeder an!

Vor allem unser Nesthäkchen. Er war gerade mal 10 und war viel zu klein für diese Wand. Überhaupt war es krass, welche Altersunterschiede es hier gab. Von 10 bis an die 50 war alles dabei, aber größtenteils war die Altersgruppe 16-22 vertreten.
Alle bereiteten sich schon geistig auf die bevorstehende Hölle vor und ich hatte mit meinem weißem T-Shirt, das Los der Woche gezogen.

Was hinter der Wand aufgebaut wurde, konnten wir nicht sehen, dafür war diese zu breit. Wir standen hinter einer weißen Linie und warteten auf das Startsignal.
„So, dass ihr früh am Montag wach werdet, habe ich auch das all beliebte Wasserbecken aufgebaut.“

Mittlerweile hatten sich die Meister und Meisterinnen auf den Balkon bequem gemacht und schienen gespannt zu warten.
„Okay, für das erste Hindernis habt ihr 5 Minuten Zeit. Los“, brüllte er und wie angestochene Bienen rannten wir auf das Becken zu.

Ich sprang mit, als erste ins Wasser und verdammt war das kalt! Es fühlte sich so an, als würde für kurze Zeit mein Herz stehen bleiben und ich würde keine Luft mehr bekommen. Ich prustete und schnappte gierig nach Luft, als ich wieder auftauchte.
Der Stärkste in unserer 13-Mann/Frau großen Gruppe war schon auf der anderen Seite und zog sich gerade die Wand hoch.

Der Großteil war schon drüben, mit mir eingeschlossen und es war natürlich klar wen wir, als zweites auf die Wand gehoben wurde. Per Räuberleiter halfen wir dem kleinsten nach oben.

„Hey, Ritsu.“
Ich drehte meinen Kopf nach oben und blickte in blaue Augen.
„Komm, ich zieh dich hoch“, sagte der Junge mit dem blonden Irokesenschnitt und reichte mir seine, vor Kälte, zitternde Hand.
Ich sprang an die Wand, stieß mich an ihr ab und packte seine Hand. Sein fester Griff tat mir etwas weh, doch das störte mich in diesem Moment recht wenig.

„Danke“, sagte ich, als ich oben angekommen war und half ein Mädchen in jugendlichem Alter hoch.
Nacheinander sprangen wir die Holzwand hinunter und warteten auf das Ergebnis. Mein T-Shirt klebte an meinem Körper und meinen schwarzen BH konnte man deutlich dadurch sehen.
Der kleine Junge neben mir zitterte wie Espenlaub. Er erinnerte mich schon sehr an meinen Bruder und ich konnte nicht anders, als durch sein nasses Haar zu wuscheln und ihn an zulächeln. Er grinste zurück und boxte mir leicht in die Seite.

„Erstaunlich was Teamwork so ausmacht, oder? Ihr habt es geschafft und, dass beim ersten mal, doch ausgeruht wird nicht. Los, es geht weiter.“
Auch, wenn mein Trainer ein Schreihals war, er konnte auch manchmal nette Töne von sich geben.

Das nächste Hindernis war eine schmale, lange Holzlatte. Es war eigentlich klar was wir machen mussten, wir sollten darüber balancieren. Auf der anderen Seite war ein Gerüst aufgebaut, wo Metallhaken herunter hingen. Rüber hangeln und ja nicht abrutschen, sonst grüßt das kalte Nass, dass unter dem Gerüst lauerte.
„Wer in irgendeiner Art und Weiße  herunter fällt, muss noch mal von vorn anfangen. Viel Spaß.“

Sehr witzig.

Nacheinander gingen wir auf das schmale Hindernis und balancierten langsam darüber. Als erstes kam der kleine Junge an dem Gerüst an und wurde von dem Blonden, der mir vorhin geholfen hatte, hoch gehoben, um an die Metallhaken zukommen. Federleicht hangelte er sich auf die andere Seite und einige Meister klatschen anerkennend.

Einige Gefährten später war ich an der Reihe und mir war klar, dass ich so nicht an die Haken kam. Also sprang ich, packte den 1. Haken und rutschte ab. Ich klatschte mit dem Rücken auf das kalte Wasser, was einen stechenden Schmerz durch meinen Körper jagen ließ.
Schnell schwamm ich an den Beckenrand und zog mich aus dem Wasser.

Auf ein neues.

Ich stellte mich wieder an und dachte; beim 2. mal würde es klappen.

~~~


Mittlerweile hatten wir den Parcours  hinter uns gelassen, standen in einer Reihe und hörten unserem Lehrer zu.
„Ich muss sagen, ich bin etwas überrascht, dass ihr euch heute so gut durch den Parcours geschlagen habt. Dann macht erst mal Pause“, sagte er und verschwand.

Wir setzten uns auf die Tribüne, die gegenüber dem Arial der Meister stand.
„Ich kann meine Hände kaum bewegen“, sagte eine mit Pferdeschwanz.
„Mir geht es genauso“, sagte ein Schwarzhaariger und rieb seine Hände aneinander.
„Ich geh mal Handtücher holen“, meinte der Kleine und stand auf.
„Warte, ich komme mit“, rief der Blonde dem 10-jährigen hinterher und lief zu ihm.
Gerade, als die Beiden los gehen wollten, traten aus dem Tunnel unter dem Balkon der Meister das 2. Trainingsjahr.

Man, kann ich euch sagen, die sind ein arroganter Haufen! Frauen, wie auch die Männer. Die denken, sie wären was besseres.

Sie kamen auf die Tribüne zu und die Zwei aus meiner Gruppe trafen auf die des 2. Trainingsjahres.
„Aus dem Weg“, sagte ein großer, starker, junger Mann und stieß unseren kleinsten um.
Dieser fiel unsanft auf den Boden, worauf der Übeltäter anfing zu lachen.
„Spinnst du“, schrie der Blonde und schubste diesen.

Und schon fing das ganze Theater an.

Wir eilten zu unseren Teamkameraden, der sich schon mit dem Typen des 2. Jahres prügelte. Auch seine Kameraden mischten sich in den Kampf ein und so entstand ein großer Tumult.
Während der Kleine sicheren Abstand hielt, versuchte ich mit zu helfen den Streit, oder besser gesagt die Prügelei, zu beenden. Doch kam ich nicht mal ans Zentrum des Tumultes, denn ein Mädchen, etwas jünger, als ich, schlug mir mit voller Wucht ins Gesicht. Ich fiel und schlug mit dem Kopf auf dem Boden auf. Kurze Zeit wurde mir schwarz vor Augen und ich konnte regelrecht Sterne sehen.

„Hey! Was ist denn hier los“, hörte ich meinen Lehrer brüllen.
„Auseinander, sofort“, rief ein anderer.

Ich lag immer noch auf dem Boden und fühlte mich total benommen.

Die Kampfgeräusche hörten auf und eine wilde Diskussion begann.
„Der hat angefangen!“
„Hast du eine Meise! Du hast doch den Kleinen geschubst“, sprach eine Frauenstimme.
„Fresse, du Göre!“

„Ist alles okay bei dir“, hörte ich plötzlich Mio´s Stimme.
Ich öffnete die Augen und sah ihre verschwommene Gestalt, die über mir beugte.
Jemand setzte mich auf.
„Wir sollten sie in die Umkleide bringen und ein Arzt holen.“
Daraufhin wurde ich Huckepack genommen und aus der Halle getragen. Mio machte die Tür der Mädchenumkleide auf und ich wurde auf der Bank abgesetzt. Ich lehnte mich an die Wand und sah die verschwommenen Umrisse der Spinde, die mir gegenüber standen.
„Ich hol den Arzt“, sagte mein Lehrer und verließ wieder den Raum.
Mio hingegen wanderte durch die Reihen von Spinden und war für kurze Zeit verschwunden.

„Man, hatte die einen Schlag drauf“, murmelte ich und fasste mir an den Kopf, der wie verrückt schmerzte.

Ich hasste Kopfschmerzen!

„Sitz still“, sagte die Schwarzhaarige zu mir und drückte ein nasses Tuch auf meine Unterlippe.
Sie tupfte leicht mit dem Handtuch das Blut weg, dabei war ihr Gesicht so nah an meinem, dass ich ihre, obwohl ich benommen war, Augen klar vor mir sah.
Ich könnte mich in diesen verlieren, sie waren einfach wunderschön, genau wie der Rest von ihr. Am liebsten hätte ich sie geküsst, doch dass wäre wohl ein großer Fehler. Also schaute ich weiter in ihre Augen. Sie ließ das Tuch sinken und näherte sich meinem Gesicht. Mio leckte über die Wunde an meiner Unterlippe. Mein Atem wurde schneller und ich hätte am liebsten vor Lust auf geseufzt.
„Man sollte keinen Bluttropfen verschwenden“, säuselte sie in mein Ohr.

Ob sie wusste, was sie für eine Auswirkung auf meinen Körper hatte?

Schnell ging Mio wieder auf Abstand und im nächsten Moment betrat ein Arzt die Umkleide. Er stellte seine Ledertasche auf den Boden ab und hockte sich vor mich hin.
„Sie haben eine ganz schön gewischt bekommen, was? Machen sie mal Ihre Augen ganz weit auf.“
Ich tat wie befohlen und er leuchtete mit einer kleinen Lampe, die er zuvor aus seiner Tasche heraus geholt hatte, in meine Augen. Danach hielt er seine Hand vor mein Gesicht.
„Sagen Sie stopp, wenn meine Hand unscharf wird.“
Er bewegte sie von meinem Gesicht weg und es dauerte nicht lange bis ich Stopp rief.

„Mhm..“
Der Arzt stand auf und nahm mein Kopf zwischen seine Hände. Er drehte ihn nach links und rechts,
beugte ihn nach vorn und nach hinten.
„Wird Ihnen dabei schwindlig?“
„Ja und schlecht wird mir auch“, sagte ich.
„Wahrscheinlich haben Sie, durch den Schlag und durch den Aufprall, eine Gehirnerschütterung erlitten. Deshalb rate ich Ihnen...“
Er wandte sich zu Mio.
„...sie vom Training der restlichen Woche zu befreien, damit sie sich genug erholen kann. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden, ich habe noch andere Termine“, sagte der Arzt, nahm seine Tasche und trat aus dem Raum.
„Ach ja“, lugte der Mann nochmal in die Umkleide: „Und Blut trinken wäre in dieser Zeit nicht zu empfehlen.“

Mio sah nicht so begeistert aus und ich empfand es auch nicht so toll. Schließlich war es der einzige Moment wo sie mir richtig nahe kam.
„Kannst du eigentlich wieder laufen“, fragte sie mich.
„Wohl kaum. Ich sehe immer noch alles verschwommen.“
Mio nickte und trat auf mich zu.
„Doch, als 1. solltest du dir trockene Sachen anziehen.“

Stimmt, ich hatte ja immer noch die nassen Klamotten an.
„Wo ist dein Spind?“
„Nächste Reihe, 1. Spind von links.“

Mio nickte erneut und machte sich auf den Weg.
„Und deine Kombination?“
„1607“, sagte ich.
Ich vernahm ein Klicken und ein Scheppern. Sie kam wieder zurück und legte die trockenen Sachen neben mir auf die Bank.

Während ich mich umzog, bemerkte ich ihre Blicke, die auf mir ruhten und langsam machte mir dass sogar Spaß. Ich schmunzelte in mich hinein.
„Können wir dann“, fragte mich Mio, als ich fertig war.
Ich nickte nur, im selben Moment schlag sie mir ihren Arm um meine Taille und stütze mich. Gemeinsam gingen wir zu meiner Wohnung, dachte ich zu mindestens.

~~~


Mio schloss eine Holztür auf, die mit geschwungenen Ornamenten geschmückt war. Sie führte mich von einem breiten Flur in ein geräumiges Wohnzimmer. Meine Fresse, war das groß und offen. Gegenüber von dem Flur, aus dem wir kamen, stand eine Holztreppe, die in den 2. Stock führte. Von diesem aus, hatte man eine gute Aussicht auf das Wohnzimmer. Allgemein war ihr alles modern eingerichtet und die Küche war ein Traum. Mit einer Theke wurde sie von dem Wohnzimmer getrennt. In diesem stand eine gemütliche grau-schwarze Eckcouch und ein großer Flachbildfernseher durfte auch nicht fehlen. Außerdem standen viele Bücherregale im Wohnzimmer, schien so, als würde sie gerne das ein oder andere Buch lesen. Aber was mich am meisten beeindruckt hatte, war die Wand, an der die Treppe stand. Diese war bis hoch in den 2. Stock übersät von Bildern jeglicher Größe. Mal klein mal groß, mal viereckig mal oval oder was es sonst noch für Formen gab, mal in einem hübschen Bilderrahmen mal einfach lose an die Wand gepinnt.

„Du machst wohl gerne Bilder“, fragte ich Mio.
„Ja, wenn ich mal Zeit habe, dann gehe ich in die Menschenwelt und fotografiere die Ruhe der Natur.“
Dass fiel mir ja jetzt erst auf, das die meisten Bilder die Natur wieder gaben.

Wie alt Mio wohl sein mag? Man sagte ja immer, Vampire würden 1000te von Jahre alt werden, sogar unsterblich sein.
Und da rutschte es mir einfach hinaus.
„Wie alt bist du eigentlich?“
Sofort bereute ich die Frage, schließlich fragte man eine Frau nicht nach dem Alter, oder?
„Jedenfalls älter, als du. Aber auch Vampire sind nicht unsterblich, wenn die Zeit gekommen ist, altern sie genauso wie die Menschen, bis sie irgendwann sterben.“
„Die Reinblüter leben bestimmt länger, als die normalen Vampire.“
Wir setzten uns auf die Couch.
„Ja, dass mag sein. Bei den Gefährten ist es ganz anders. Sie altern wie die Menschen, doch trinken sie das Blut ihres Meisters, dann verändert sich ihr Altersprozess und wird wie die eines Vampirs.“
„Also sind die Gefährten keine Vampire, sondern Menschen, bloß das sie stärker ausgebildete Reißzähne haben?“
„Na ja, nicht ganz. Gefährten sind viel stärker. Sie sind keine Menschen, aber auch keine vollwertigen Vampire.“

Mio stand auf und ging in die Küche.
„Magst du einen Tee“, fragte sie mich.
„Dagegen hätte ich nichts einzuwenden“, sagte ich und grinste.
Während sie den Tee machte, betrachtete ich mir weiter die Bilder. Ich war immer noch fasziniert von diesem Meer aus Fotos an dieser Wand.

„Bist zum Wiedereinstieg ins Training, bleibst du hier in meiner Wohnung“, meinte die Schwarzhaarige und stellte die Tasse und die Kanne Tee auf dem Tisch ab.
„Dass klingt ja fast so, als würdest du dir Sorgen um mich machen“, scherzte ich.
Sie schaute mich fassungslos an und ich dachte sie würde jeden Moment die Teekanne fallen lassen. Weshalb ich schnell nach dieser griff, wobei sich unsere Hände berührten. Mio´s Hände zitterten etwas. Sie schaute mich weiter an und blinzelte paar mal, bevor sie wieder ihre alltägliche Miene aufsetzte.

Ich hätte nie gedacht, dass sie so aus der Fassung gerät bei meinen Spruch, der doch als Scherz gemeint war.

Ohne ein Wort goss sie den Tee in die Tassen, nachdem ich meine Hände weg genommen hatte.

~~~


Der Tee war mittlerweile alle und bis jetzt hatten wir keine weiteren Worte ausgetauscht. Mio schien die ganze Zeit überlegt zu haben, denn sie starrte schon lange auf den schwarzen Bildschirm des Fernsehers.
„Ich werde dir mal dein Zimmer zeigen“, sagte sie entschlossen und stand auf.
Mittlerweile konnte ich auch wieder gerade laufen, weshalb ich ihr die Treppe hoch folgte. Oben angekommen, konnte man in das Wohnzimmer schauen und die Ausmaße der Fotowand bestaunen. Links von uns ging ein Flur ab, wo es wahrscheinlich zu den Schlafzimmern ging.
Wir gelangten am Ende des Flures an und bleiben vor einer Tür stehen.
„Das ist mein Zimmer und das ist deins“, sagte sie und zeigte rechts auf eine Tür.

„Ich muss dann nochmal weg, also mach es dir bequem.“
Mio lief zurück zur Treppe und ließ mich alleine in der Wohnung zurück.

Ich öffnete die Tür und sofort ging das Licht in dem Zimmer an.
„Holla die Waldfee“, murmelte ich und betrat den Raum.
Sofort sprang ich auf das große Bett. Ich bettete meinen Kopf auf die unzähligen Kissen und war überglücklich.
Mag zwar schräg klingen, aber irgendwie war ich froh das ich eins auf die Zwölf bekommen hatte. Ich war in Mio´s Wohnung und dass für eine fucking Woche!

Ich lag eine Weile im Bett, bis mich die Neugier packte und ich plötzlich vor Mio´s Zimmertür stand. Wenn sie mich erwischén würde, würde sie mir den Kopf abreißen, aber so schnell wird sie nicht wieder kommen, also was soll´s.

Ich machte die Tür auf und...
...voll langweilig!
Das Zimmer sah genauso aus wie meins. Na ja, bis auf das schräg gegenüber von ihrem Bett eine Glaswand war. Ich sah genauer hin und mir wurde klar was das, dass eine Dusche war.
Cool!
Ich setzte mich auf das Bett. Wenn Mio jetzt duschen würde, könnte man sie von hier aus perfekt beobachten.

Was dachte ich den da gerade? Schlag dir dass schnell aus dem Kopf, Tainaka! Soweit würde es eh nicht kommen...

Neben der Glaswand war eine Tür, von der man ins Bad kam und wahrscheinlich auch zur Dusche. Auf ihrem Nachtisch stand ein Bild, etwa so groß wie eine Postkarte. Ich nahm es in die Hand und besah es mir genauer. Darauf waren 2 Erwachsene und 1 Kind abgebildet. Wahrscheinlich war dieses Kind Mio und sie stand zwischen ihren Eltern. Ihre Mutter rechts von ihr und ihr Vater links. Sie kam eindeutig nach ihrer Mutter, die weichen Gesichtskonturen, die geschmeidigen langen Haare, nur ihre Augen, die hatte sie von ihrem Vater. Stolz blickte er drein, mit einer Uniform geschmückt. Weiße Hosen, dazu schwarze Stiefel, eine schwarz-rote Jacke, wie wir Gefährten  sie trugen nur edler und ein schwarzen Mantel mit matt-goldenen Ornamenten verziert war. Waffen trug er keine. Ihre Mutter hatte ein wunderschönes weißes Kleid an, genauso wie die kleine Mio. Ich schätze, sie war  nicht älter, als 10 auf diesem Bild und doch wirkte sie schon so erwachsen.

„Ritsu? Was machst du den hier?“
Erschrocken wirbelte ich herum und sah die Blondhaarige im Türrahmen stehen.
„Mugi? Man hast du mich erschreckt“, sagte ich und stellte das Bild zurück.
„Wenn Mio wissen würde das du in ihrem Zimmer herumschnüffelst...aber ich hab nicht´s gesehen.“
Sie hielt sich die Augen zu und machte auf dem Absatz kehrt. Ich folgte ihr und machte die Tür hinter mir zu.
Da fiel mir wieder ihre Frage ein, während wir die Treppe runter gingen.
„Ich hatte mich beim Training verletzt und Mio sagte, dass ich hier bleiben soll, bis ich wieder fitt bin.“
„Ach so, dass ist schön, da ist Mio nicht so alleine. Wo ist sie den jetzt“, fragte Mugi und stellte auf der Küchentheke 2 volle Plastiktüten ab.
„Ich habe keine Ahnung. Sie sagte nur, dass sie noch kurz wo hin müsste und was machst du hier?“
„Mio und ich wollten zusammen Mittagessen.“
Ich nickte und mein Blick lag, wieder mal, auf der Fotowand. Von dem was ich erkennen konnte, hing kein einziges Bild von ihren Eltern an dieser.
Ein Rascheln ertönte. Mugi schien anscheinend die Dinge aus der Plastiktüte herauszuholen.
„Du sagtest, dass Mio nicht so alleine wäre, wenn ich da bin. Hat sie keine Eltern mehr?“
Das Rascheln verstummte und ich drehte mich zu der Blonden.

„Ihre Eltern sind schon vor langer Zeit gestorben. Sie ist die einzige überlebende von ihrem Clan.“
Kurz herrschte Stille, dann setzte Mugi fort: „Ihr Vater ist im Krieg der Vampire, zwischen den Hauptinseln, auf dem Schlachtfeld gefallen. Ihre Mutter wurde gefangen genommen und öffentlich hingerichtet. Mio´s ganze Familie, ihr ganzer Clan, wurde nieder gestreckt, nur sie hat überlebt.“

Ich trat zu Mugi.
„Tut mir leid, hätte ich das gewusst...“
„Du brauchst dich nicht zu entschuldigen.“
Sie versuchte ein Lächeln zustande zu bekommen.
„Ich denke, du verstehst jetzt, warum Mio manchmal so komisch ist. Schicksalsschläge verändern einen. Aber ich glaube, du scheinst ihr gut zu tun.“
„Warum“, fragte ich und half Mugi beim auspacken.
„Sie hatte schon einige Gefährten vor dir, aber so wie sie zu dir ist in letzter Zeit, war sie zu keinem Vorherigen. Und bis jetzt durfte noch kein Gefährte ihre Wohnung betreten, geschweige übernachten.“

Ein Gefühl des Stolzes überkam mich und ich musste lächeln. Mugi ging derweile um die Theke herum und öffnete den Schrank neben dem Herd. Sie stellte ein paar Töpfe auf die Arbeitsplatte und drehte sich wieder zu mir.
„Hast du Lust mir zu helfen?“
„Liebend gern“, antwortete ich und begab mich zu Blondhaarigen.
„Das freut mich.“

Sie fing an Gemüse zu schneiden und ich briet derweile das Fleisch an, als plötzlich die Wohnungstür aufging und sich darauf hin wieder schloss.
Mio stand in der Küche und hatte ebenfalls 2 Plastiktüten in der Hand.
„Ach, du hast schon eingekauft“, meinte die Schwarzhaarige und schaute Mugi an.
„Ja, habe ich. Aber wir können ja noch was für Yui, Azusa und Sawa-chan kochen“, schlug sie vor.

Hatte sie gerade Sawa-chan gesagt, ihre Leherin?

Ich lugte zu der Blonden, die mit leicht geröteten Wangen uns ansah. Sind die Gerüchte etwa doch wahr? Meine Vorahnung wurde durch den darauf folgenden Satz von Mio bestätigt.
„Mugi, du weißt doch, dass du ih...“
„Ja, ich weiß das ich ihre Schülerin bin. Dass musst du mir nicht noch unter die Nase binden“, unterbrach die Blondhaarige ihre Freundin.
„Ich wollte es bloß gesagt haben.“
Sie stellte die Tüten neben die von Mugi.
„Wir sind alt genug, um auf uns aufzupassen.“
„Anscheinend nicht, wenn schon Gerüchte über euch verbreitet werden!“
„Du bist nicht meine Mutter!“

Oh nein, dass wird doch jetzt nicht in einen Streit ausarten?!

„Vielleicht sollten wir uns erst mal ums Essen kümmern und, dann könnt ihr ja weiter reden“, warf ich ein und prompt kam von Beiden die Antwort.
„Klappe!“

Okay, dass war eindeutig.

Ich wandte mich wieder dem Topf zu und ließ sie aus diskutieren. Nach einer gefühlten Ewigkeit hatten sie Zwei sich wieder beruhigt und ihre Diskussion damit beendet. Sie entschuldigten sich bei den jeweiligen anderen.

„Wir können, dann essen“, sagte ich und wurde von den Beiden fragend angesehen.
„Na ja, während ihr euch, nicht gerade leise, unterhalten habt, habe ich gekocht.“

~~~


Nach dem Essen verschwand Mugi auch sogleich mit abgepacktem Essen für Yui, Azusa und Sawako.
Mio lehnte sich in die Couch zurück und stellte ich stellte die letzten Teller in den Geschirrspüler.
„Tut mir leid, wegen vorhin“, sagte die Schwarzhaarige.
„Kein Ding, ist nun mal unter Freundinnen so.“
„Bitte behalte, dass zwischen Mugi und Sawako für dich.“
„Hätte ich sowieso getan“, meinte ich und setzte mich mit auf die Couch.
„Ich bin so müde...“
Sie ließ ihren Kopf auf meine Schulter sinken.
„...und hungrig.“
„aber wir haben doch erst gegessen.“
Schon spürte ich ihre Eckzähne, die an meinem Hals kratzten.
„Ähm, Mio? Der Arzt hat doch gesagt...“
Sie knurrte, entfernte sich, aber widerwillig von mir.
„Dämlicher Arzt“, murmelte sie, verschränkte die Arme und schmollte wie ein kleines Kind.
Voll niedlich!

„Wir könnten ja eine Ausnahme machen“, flüsterte ich in ihr Ohr.
Ihr Kopf drehte dich zu mir, so dass unsere Gesichter nur noch wenige Millimeter von einander entfernt waren. Ein Rotschimmer legte sich auf auf meine Wangen und Mio sah auch nicht besser aus.
Was nun?

Plötzlich fing Mio an zu lachen.
„Der Schlag hat dir wirklich nicht gut getan, wenn du schon so wirres Zeug redest.“
Sie schnipste mir spielerisch gegen die Stirn und stand von der Couch auf.
Jetzt war ich diejenige die schmollte. Ich hatte dass doch ernst gemeint! Manno...

„Du hast bestimmt starke Kopfschmerzen von dem ganzen Stress heute“, drang es von hinten an meine Ohren und im nächsten Moment spürte ich ihre Hände an meinen Schläfen. Langsam fing sie an diese zu massieren. Ich entspannte mich komplett und schloss mit einem Seufzer die Augen.
Die kreisförmigen Bewegungen genoss ich in vollen Zügen und mir kam es so vor, als würde in diesem Moment viel mehr zwischen uns sein, als nur Gefährte und Meisterin.

Ich vergaß alles um mich herum und sogar das Problem mit Haruka, das mich schon einen Monat lang plagte. Seit der Aktion mit ihr, gingen wir uns so gut es ging aus dem Weg und hatten bis jetzt noch kein einziges Wort miteinander gewechselt. Doch das war mir gerade total egal. Und wenn es auch kein Kuss war den mir Mio schenkte, war ich überlücklich.

Ich bemerkte gar nicht wie sie aufhörte und stattdessen ihren Kopf auf meine linke Schulter legte.
„Dafür bist du mir jetzt was schuldig“, flüsterte sie in mein Ohr und grinste.

So tanzte der Hase also.

„Ach, und mit was?“
Ich drehte meinen Kopf zu ihr, so das wir uns wieder anscheuten.
„Lass dir was einfallen.“
Ihre Stimme wurde immer leiser und heißer, schon fast ein raunen.
Mugi hatte recht gehabt, wenn man Mio erst mal näher kennen lernt, zeigt sie eine total andere Seite von sich.
Und, man machte die mich an!

Ein Schauer jagte mir über den Rücken. Sollte ich es wirklich riskieren sie zu küssen und mir wahrscheinlich einen Korb einzufangen, der bestimmt mehr weh tat, als der Schlag heute früh im Training?

Mist, ich hasste diese inneren Konflikte. Diese was-wäre-wenn-Situation. Dieser Engel, der nur das Gute für mich will und der Teufel, der dich verführt die Vernunft auszuschalten und Spaß zu haben.

Mio´s Kopf lag immer noch auf meiner Schulter. Sie vergrub diesen in meine Halsbeuge und schlang ihre Arme um meinen Körper, so gut es ging. Immerhin saß ich noch und Die Couch war auch noch zwischen uns.

Langsam fragte ich mich ob sie nur mit mir spielte oder ob sie es ernst meinte. Schließlich hatte sie mich, vor längerer Zeit, fast umgebracht, jetzt flirtete sie mit mir und "schmuste" wie eine rollige Katze.

„Ich sollte mich ausruhen. Dass ich vom Training entschuldigt bin, sollte ich nutzen“, sagte ich und wand mich aus ihren Armen.
Mio schaute mir nur hinter her, als ich die Treppe hoch lief und in dem Schlafzimmer verschwand.



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Hallöle,

nicht zu glauben das ich jetzt schon das 10 Kapitel zu der FF hoch geladen habe und sie auch noch so gut ankommt.
Deshalb ein ganz großes Dankeschön an alle die, die diese Geschichte lesen, verfolgen, kommentieren und favorisieren.

Ich hoffe euch gefällt auch dieses Kapitel, dass diesmal sehr lang geworden ist. Wahrscheinlich auch deshalb weil ich jetzt erst mal für 3 Wochen (wiedereinmal) nicht Daheim bin. Aber nähere Infos findet ihr auf meinem Profil, vorbeischauen lohnt sich also :D

Bis dahin

LG HilLiz

Ach noch was; ich hoffe, das Training kommt nicht zu extrem rüber oder ist zu übertrieben dargestellt. Aber ich fand die Idee nicht schlecht und irgendwie wollte ich es auch etwas übertrieben darstellen :D

Jetzt ist aber gut, bis zum nächsten Kapitel, Bye c:
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