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Genesis II

von nighty
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
06.12.2014
06.12.2014
11
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2.

Eine große, überschlanke Frau, begleitet von sechs Männern, kam langsam auf das Schiff zu geschritten. Kurz vor ihnen blieb sie stehen und sprach sie mit barscher Stimme an. „Verschwindet! Ihr seid hier nicht willkommen!“

Fox, der Leiter der Expedition, war sprachlos bei den feindseligen Worten der Frau, aber auch vor Überraschung wie alle anderen. Niemand hatte damit gerechnet, in ihrer Heimatsprache begrüßt zu werden. Foxs Mund klappte hilflos auf und zu. Hauer, der sich schneller als die anderen von seiner Überraschung erholte, sprang für Fox in die Bresche und antwortete. „Das ist nicht so einfach. Wir haben einen schweren Schaden am Schiff und können noch nicht starten.“

„Dann reparierte es und verschwindet.“ befahl die Frau.

„Die Reparatur wird mehrere Tage in Anspruch nehmen!“ erklärte Hauser vorsichtig.

Mehrere Tage? Verdutzt sah Luke den anderen Piloten an. Warum lügt, Hauser? wunderte er sich. Der Schaden am Schiff war geringfügig und schell behoben. Welchen Grund konnte Hauser haben zu diesen Lügen? Was war so wichtig, das er das Leben der Expeditionsmitglieder riskierte, um auf dem verdammtem Planeten zu bleiben?

Cassidy hatte auf das Gespräch nicht sehr geachtet. Sie war zu sehr damit beschäftigt, die stattlichen Begleiter der Frau anzustarren, besonders den, der direkt hinter ihr stand. Keiner dieser Männer war unter 1,90 m groß, schätzte sie. Muskulöse Körper, die pure Sinnlichkeit ausstrahlten.

`Was war das? Hatte er ihr etwa gerade zugezwinkert? ` Cassidy fiel fast die Kinnlade herunter. `Mach den Mund zu! ` ermahnte sie sich ärgerlich selbst und setzte ihren Forscherblick auf. `Das sind Alphamänner! ` Das war der Traum eines jeden Anthropologen. Vor Vergnügen hätte sie beinahe laut auf gequietscht.

„Dann beginnt gleich, dann seid ihr schneller wieder weg!“, befahl die Frau. „Die Stadt ist tabu für euch!“ Mit den Worten war das Gespräch für sie beendet. Abrupt drehte sie sich um und ging.
-
Tanis hatte die ganze Zeit hinter Samira gestanden. Das Gespräch war seiner Aufmerksamkeit entgangen, aber dafür nicht die hübsche kleine Menschenfrau. Er fand sie sehr ansprechend und er amüsierte sich immer noch über ihre Reaktion auf seinen Augenzwickern.

„Hoffentlich verschwinden sie bald!“ lenkte Samira seine Aufmerksamkeit auf sich, dabei schritt sie eilig weiter voraus. Sie wollte in die Stadt, um den versammelten Clanrat zu berichten.

Tanis antwortete nicht. Sein Blick fiel auf Samira. Sein Verstand sah eine schöne, begehrenswerte Frau, doch damit stand er allein da. Bei Neumond sollten ihre Leben miteinander verbunden werden, deswegen wäre es hilfreich, wenn ein anderer etwas tieferliegender Körperteil mehr Begeisterung zeigen würde. Eigentlich sollte er mit der Wahl zufrieden sein, doch Samira hatte nur eines im Kopf, ihrer Berufung als Hüterin des großen Tempels zu folgen.

Im Leben seines Volkes gab es drei Rituale, die für sie ein große Bedeutung besaßen und in den sie das Leben feierten. Die Geburt, wenn man die Zeit des Überganges überstanden hatte und wenn man sich eine Gefährtin nahm, um mit ihr gemeinsam seinen Beitrag zum Leben zu leisten.
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Er war der Letzte der ersten Kinder, die hier auf Furya geboren worden waren….
Schnell stellte Maverick seine Führungsqualitäten unter Beweis. Er prüfte, was sie an Lebensmittel zur Verfügung hatten und was jeder an praktischen Können oder Ausbildung besaß. Die künstlich Erzeugten schlossen dabei schlecht ab. Ihre Fähigkeiten beschränkten sich auf das Kämpfen und Töten und Maverick bestand stur darauf, dass sie auch weiterhin trainierten. Auch bestand er darauf, dass die Kinder so früh, wie möglich im Kampf unterrichtet wurden. Die Maßnahmen zeigten seine Weitsicht. Er hatte gewusst, dass die Menschen, die Schöpfer, sie eines Tages finden würden und dann mussten sie bereit sein, um ihre Welt gegen sie zu verteidigen.

Der Alte lächelte. Die Nachkommen der Alphas waren gut gerüstet, aus ihnen, der Elite der Krieger wurden die Wächter erwählt, um Furya zu beschützen. Zumindest jede, die den Übergang überlebten. In ihnen wohnte eine besondere Kraft, ein Geschenk der Geister. Eine Kraft, die sie noch nicht ganz verstanden, geschweige davon sie kontrolliert benutzen zu können. Nur die wenigsten von ihnen waren dazu in der Lage.

Auch in anderen Dingen hatte Maverick nicht nur Weitsicht, sondern auch Klugheit bewiesen. Unter den Sträflingen waren Angehörige unterschiedlichster Gesellschaftsschichten, vom einfachen Arbeiter oder Handwerker bis hin zu Ärzten, darunter auch eine Genetikerin, Birte, die Maverick einen wertvollen Rat gab.
Auf einer isolierten Welt, wie Furya es war, um eine gesunde Bevölkerung aufzubauen, genetische Vielfalt wichtig, um damit Inzest vorzubeugen. Sie schlug vor, dass jede gesunde, gebärfähige Frau von wenigstens vier verschiedenen Männern ein Kind bekommen sollte. Bei den Männern löste der Vorschlag Begeisterung aus und auch Maverick fand ihn sinnvoll, auch wenn er und die Alphas ihn selber nie befolgten. Sie blieben ihren Gefährtinnen treu.

Er beauftragte Brite ein Stammbuch anzulegen, in dem jedes neugeborene Kind eingetragen wurde mit den Namen der beiden Eltern. Seitdem wachten Birte und später ihre Nachkommen, die Hüterinnen, gewissenhaft über die Führung der Stammbücher, auch wenn der wahre Grund verloren gegangen.

Der Eintrag erfolgte, wenn die Eltern das Neugeborene auf den schwarzen Altar zwischen den vier großen Obelisken legten und das Ritual des Lebens zelebrierten.
„Ehrwürdiger?“, wurden seine Gedanken unterbrochen. Langsam drehte sich der alte Mann zu der jungen Frau um, die demütig vor ihm kniete.

„Steh auf mein Kind!“, forderte er sie leicht verärgert auf und wartete bis sie ihm gehorchte, dann tadelte er sie freundlich. „Furianer beugen den Kopf vor niemanden, auch vor einander nicht, mein Kind.“

„Ja, Ehrwürdiger!“, hauchte Samira. Der alte Mann betrachtete sie sorgenvoll. Samira nahm ihre Aufgaben, als Hüterin des Tempels sehr ernst. Ein Ernst, der seiner Meinung nach zu Fanatismus neigte und gefährliche Blüten trieb. Die Alphas hatten ihren Nachkommen auch ihren Hass auf die Menschen, ihre Schöpfer vererbt.

„Berichte mir!“, ermunterte er Samira.

„Es sind Menschen und sie behaupten, sie würden in friedlicher Absicht kommen, aber ich glaube ihnen nicht und habe ihnen befohlen, wenn ihr Schiff repariert ist, das sie Furya sofort zu verlassen haben. Ich habe Tanis und seinen Leute befohlen, das sie das Schiff in Auge behalten und niemanden in die Nähe der Stadt lassen.“

Der Ehrwürdige nickte leicht zustimmend mit dem Kopf. Ihre Befehle machten Sinn und doch glaubte er nicht, dass das die Menschen aufhalten würde. Es würde sehr schnell den ersten Ärger geben.

Samira sah ihn mit ihren großen, ausdrucksvollen Augen an, in denen eine Frage lag. Um Freundlichkeit bemüht, sagte er. „Gut, mein Kind!“

Ihr Gesicht leuchtete auf, vor Freude. Er hatte richtig vermutete, Samira wollte von ihm für ihr Vorgehen gelobt werden.

-

Sie hatte die Ausrüstung aus dem Schiff geladen und ein behelfsmäßiges Lager aufgebaut.
Der Professor ging gleich mit Feuereifer daran seine Eindrücke nieder zu schreiben, besonders die Erkenntnis, dass sich das intelligentes Leben als Menschen heraus gestellt hatte. Über diese Erkenntnis war er keineswegs enttäuscht. Im Gegenteil. Er erhielt die Möglichkeit, die Entwicklung einer menschlichen Gesellschaft zu studieren, wenn sie vom Fortschritt der Zivilisation abgeschnitten war und eigene Wege suchen musste, um zu überleben.

Sie übten eine große Faszination auf ihn aus und damit verursachte er auch gleich die erste Krise. Ohne die anderen zu informieren, hatte er seiner Neugier nachgegeben und war allein auf Erkundungstour in Richtung der verbotenen Stadt gegangen. Die eindringliche Warnung der Frau hatte er nicht ernst genommen.

Weit war er nicht gekommen. Zwei riesige Eingeborene lieferten den erschrockenen Professor mit den Worten ab. „Die Stadt zu betreten, ist euch verboten. Das ist die letzte Warnung an euch, Fremde!“

Hauser und Fox kamen hinzu, als der Furianer seine Warnung aussprach. Fox versuchte zu vermitteln. „Es tut uns leid. Der Professor hat ohne meine Erlaubnis das Lager verlassen….“ Weiter kam er nicht, weil er von einer aufgebrachten Stimme unterbrochen wurde.

„Wehe Euch, Ihr habt dem Professor etwas getan!“ Cassidy drängte die Männer zur Seite und untersuchte den Professor auf Verletzungen, welchen ihrer Sorge sichtlich peinlich und er versuchte sie abzuwehren.

„Nein, wir haben ihm nichts getan!“, verteidigte Tanis sich.

Cassidy erkannte ihn sofort wieder. „Zum Glück für Euch!“ fauchte sie ihn an.

Tanis hob leicht spöttisch eine Augenbraue und fragte. „Ist das eine Drohung, Frau?“

Cassidy richtete sich zu ihrer vollen Größe auf, wobei sie aber immer noch den Kopf in den Nacken legen musste, um Tanis in die Augen blicken zu können. Kämpferisch funkelten ihre Augen ihn an.

„Aus meinen Worten kannst Du machen, was Du willst, aber ich lasse mir NICHT drohen!!“
Tanis nickte nur zum Zeichen, das er sie verstanden hatte, dann drehten sein Begleiter und er sich um verließen das kleine Lager.


Hauser wartete gerade solange, bis die beiden Männer außer Hörweite waren, als er sich den Professor vornahm.

„Haben Sie völlig den Verstand verloren, als Sie ohne Erlaubnis und ohne jemanden Bescheid zu sagen, das Lager verlassen haben! Glauben Sie, das die Drohung der Frau nicht ernst gemeint war?“ Sein Finger zeigte auf den Waldrand, wo die beiden Männer stehen geblieben waren und aus den Walddickgicht stießen anderen zu ihnen. Auch auf den anderen Seiten traten Männer hervor. Die Furianer hatten einen festen Ring um das Lager gezogen. Hauser fuhr fort. „Sie scheinen das alles für ein Spiel zu halten. Nicht einen Augenblick haben Sie daran gedacht, was für Konsequenzen ihr verantwortungsloses Verhalten für uns alle haben könnte? Ich habe Ihnen mehr Verstand zu getraut. Sie werden ohne Erlaubnis oder unser Wissen das Lager nicht mehr verlassen!“ Hauser hatte Xavier nicht zu Wort kommen lassen, als dieser sich entschuldigen wollte. „Haben Sie mich verstanden?“ herrschte er den kleinlauten Professor an.

Alle Anwesenden waren überrascht von Hauser Auftreten. Er maßte sich Befugnisse an, die eigentlich Fox zu fielen, doch der stand nur hilflos daneben und zuckte überfordert die Schultern.

Cassidy begriff, dass sie von Fox keine Hilfe zu erwarten hatten und sagte. „Es reicht, Hauser! Sie haben ihren Standpunkt klar gemacht!“

Hauser streifte sie nur mit einem verächtlichen Blick. „Habe ich das?“ Sein Blick wanderte zu ihrer Hand, die auf seinen Arm lag. Er hatte seine Niederlage durch sie und die damit verbundene Demütigung nicht vergessen und nutzte die Gelegenheit sich zu rächen, indem er den Professor vor allen herab setzte.

Cassidy zog ihre Hand schnell zurück, als hätte sie sich verbrannt, doch ihre nächsten Worte bewiesen, dass sie keine Angst vor ihm hatte. „Reden Sie nie wieder so mit dem Professor, sonst…!“

Hauser legte seinen Kopf schief. „Sonst was?“

„Sonst haben Sie das nächste Mal mehr als ein blaues Auge!“ Im Hintergrund begannen einige zu kichern an. Hausers Blamage hatte sich im Team herum geschwiegen.

Hauser machte einen drohenden Schritt auf Cassidy zu, als der Professor das Wort ergriff und beschwichtigend sagt. „Es tut mir leid. Ich wollte niemanden in Gefahr bringen und werde ohne ihr Wissen oder Erlaubnis das Lager nicht verlassen.“

Hauser stand noch immer drohend vor Cassidy. Sein Gesicht war vor Wut verzerrt und machte vielen Expeditionsmitgliedern klar, das Hauser alles andere war, als einfacher Pilot. Cassidy war von seinen Blick nicht eingeschüchtert.

„Dann ist alles geklärt!“ mischte sich Luke in das Gespräch ein und drängte sich zwischen Hauser und Cassidy. Mit einer Kopfbewegung deutete er dem Professor an, Cassidy wegzubringen. Der Professor verstand sofort. „Cassidy, zeig mir doch unsere Unterkunft. Ich möchte mich etwas hinlegen. Die Aufregung war ein wenig zu viel für mich.“

Cassidy schreckte hoch. Ihre Sorge um den Professor überwog ihre Wut auf Hauser. Sie drehte sich um, schob ihren Arm unter den des Professors und führte ihn sanft zu ihrer Unterkunft.

„Schwächling!“ schnaufte Hauser ihnen verächtlich hinter her. Lukes warnenden Blick ignorierte er und ging.

Luke sah ihm hinter her. Hauser hatte früher als erwartet seine Maske fallen lassen und das beunruhigte ihn sehr. Hauser musste sich seiner Sache sehr sicher sein, wenn er seine Vorsicht vergaß. Welche Ziele verfolgte die Handelkooperation auf dem Planeten? Was gab es hier, das diesen Aufwand rechtfertigte? Wozu tarnten sie ihre Absichten mit einer Expedition? Er seufzte leise. Bis jetzt war er mit seinen Untersuchungen nicht weiter kommen…


„Verflucht, wie konnte, das passieren, Hauser! Wir hatten vereinbart, dass sie den Professor und seine Leute in den Augen behalten! Oder hatten Sie nur Augen für die Titten seiner Assistentin?“, stellte Fox den Piloten einige Zeit später zur Rede. Seine Hände umklammerten wütend sein Revier. Wie konnte es der Bastard wagen seine Autorität vor der ganzen Expedition in Frage stellen. Mit kaltem Blick sah Hauser den Expeditionsleiter an und schob ihn mit einem festen Griff von sich.

Mit leiser Stimme warnte Hauser Fox. „Fassen sie mich nie wieder an, wenn sie an ihrem Leben hängen.“ Fox wurde blass bei der unverhüllten Warnung, die Hauser gegen ihn aussprach, denn er wusste, dass dieser Mann keine leeren Drohungen machte. Aus diesem Grund war er für die Expedition engagiert worden.

„Sie werden ihre Untersuchungen machen können, aber dazu müssen sie die Nerven behalten und nicht bei den ersten Schwierigkeiten in die Luft gehen. Das Eingeborenenweib hat hier nichts zu melden und um mit denen in Kontakt zu kommen, die das sagen haben, werden wir die Wissenschaftler brauchen. Denken sie das nächste Mal daran! Die Wissenschaftler sind die Tarnung der Handelskooperation. Die Umweltlobby auf der Erde hat sehr stark an Einfluss gewonnen. Wir können uns keine Fehler erlauben.“ Ruhig schob er seine Jacke zu Recht, dabei ließ er unauffällig seinen Blick streifen, ob ein anderer etwas von dem Gespräch mitbekommen hatte, aber niemand hatte der Begegnung Aufmerksamkeit geschenkt.

„Was ist, wenn wir finden, was wir suchen? Was wird mit den Wissenschaftlern?“, fragte Fox zweifelnd, aber schon ruhiger. Mit Hauser wagte er sich nicht anzulegen.

„Keine Sorge, auch für sie haben wir eine Verwendung. Meine Arbeitsgeber haben an alles gedacht Sie sind keine Gefahr. Im Gegenteil, die Situation entwickelte sich besser als ich erwartet habe. Fox, machen sie ihre Arbeit und überlassen sie das Denken mir.“ Fox lief ein Schauer über den Rücken. Hauser hatte das Schicksal der Wissenschaftler bereits entschieden und er ahnte das sie diesen Planeten nicht lebend verlassen würden, wenn sie finden würden, was sie im Auftrag der Handelskooperation hier suchten. Auf was hatte er sich eingelassen?

Laute Stimmen machten dem Streit ein Ende. „Was ist nun schon wieder?“ knurrte Hauser und ging mit eiligen Schritten in Richtung der Stimmen.
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