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Genesis II

von nighty
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
06.12.2014
06.12.2014
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Genesis II

First Kontakt

Endlich war sie am Ziel ihrer Wünsche. Unruhig wartete Cassidy Saunders darauf, dass die Andockklammern des Mutterschiffes sich lösten und währenddessen starrte sie auf den Planeten, tief unter ihnen, in dessen Umlaufbahn sie vor einer Woche mit der „Nemesis“ geschwenkt waren.

Gewaltige Wolkendecken hingen über dem größten der drei Kontinente, der ihr Ziel war. Ein sattes Grün umflossen von Blau unterschiedlicher Schattierungen. Cassidy fühlte sich ein wenig an die Erde erinnert. Untersuchungen hatten ergeben, das das Klima des Planeten, dem der Erde nahe kam.

Vor vier Jahren war dieser Planet von einer Aufklärungssonde vermessen worden und die ersten übermittelten Klimadaten erregte sofort das Interesse der Wissenschaftler, da man auf der Erde neuen Lebensraum für Siedler suchte. Es war die zweite Übertragung, die für große Aufregung in der Fachwelt sorgte, denn es gab eindeutige Hinweise, die auf intelligentes Leben schließen. Anders waren einige Punkte auf den übertragenen Satellitenbildern nicht zu erklären. Die Punkte wurden als größere Siedlungen gedeutet.
Am Anfang schien es unmöglich zu sein einen Sponsor zu finden, der bereit war, die nötigen finanziellen Mittel für eine Expedition zur Verfügung zu stellen, doch dann wurde der Universität für die Cassidy als persönliche Assistentin von Professor Xavier D. arbeitete, ein großzügiges Angebot unterbreitet, das bei dem alten Wissenschaftler Entzücken auslöste.
Professor Xavier war eine Kapazität in den Bereichen Anthropologie und Archäologie und um seine Teilnahme an dieser Expedition musste man ihn nicht lange bitten. Er bestand darauf, das Cassidy ihn begleitete, da er der Meinung war, das solche eine Expedition für ihrer weitere Karriere gut war, doch deswegen hatte sie nicht zu gesagt.

Für Cassidy war er mehr als nur ein Lehrer und Mentor. Ihre Mutter verstarb unerwartet früh und weitere lebende Angehörige hatte sie nicht mehr, also hatte Professor Xavier, der ein alter Freund ihres Vaters war, sich ihrer sofort angenommen und ihr ein Zuhause geboten. Wenn Professor Xavier fort war, dann war sie allein und sie wollte nicht allein bleiben. Er war ihre Familie. Jemand musste sich auch um ihn kümmern. Darauf achten, dass er genug schlief und aß. Seine Kleidung in Ordnung hielt oder seine Notizen ins Reine schrieben.
Ihr besorgter Blick wanderte vom kleinen Bullauge zum Professor, um zu sehen, wie es ihm ging, doch ihre Sorge war unbegründet. Der schmächtige Mann saß still auf seinem Sitz und beobachtete die Startvorbereitungen mit der Neugier eines Kindes. Cassidy lächelte. Sie liebte seine Neugier, seinen Wissendurst, auch wenn er darüber mal wieder das Essen vergaß. Er war ein Mann der leisen Töne. Noch nie hatte sie erlebt, dass er die Stimme gegen einen seiner Mitmenschen erhoben hat. Für diese Dinge liebte und respektierte sie ihn sehr.

„Erlaubnis zum Start erteilt.“ Erklang eine Stimme aus dem Mikrophon. John Hauser, einer der beiden Piloten, zwinkerte ihr mit seinem unverletzten Auge zu und bedachte anschließend ihre Brüste mit einem schmierigen Grinsen. Cassidy drohte schlecht zu werden. In der letzten Woche hatte Hauser sie mehrfach belästigt. Er hielt sich für ein Geschenk Gottes an die Frauen. Gestern war er dann wirklich aufdringlich geworden und Cassidy hatte ihn nur mit ihren Karatekünsten überzeugen können, dass sie keinerlei Interesse an ihm hatte. Den Karateunterricht hatte sie dem Professor zu verdanken, welcher der Auffassung war, das viele Männer triebgesteuerte Evolutionsrückstände waren und das eine junge Frau darauf vorbereitet sein musste, falls einer von ihnen in diese Verhaltensweise zurück fallen sollte.

Der Professor lebte für seinen Beruf, doch wenn es um Cassidy ging, dann verlor er seine manchmal weltfremde Art und zeigte einen praktischen und beschützerischen Zug. Cassidy lächelte erneut.

Luke Radcliff, der 2. Pilot, war der Blickwechsel der beiden nicht entgangen und verzog missbilligend das Gesicht. Hauser und er mochten sich nicht. Ihn ging die Arroganz des anderen gewaltig auf die Nerven.

„Wie geht es ihrem Auge?“, fragte sie scheinheilig. Luke konnte sich nur mit Mühe ein Grinsen verbergen. Er war Zeuge geworden, wie Cassidy Hauser fachgerecht aufs Kreuz legte. Ganz wie von ihm gewünscht.

Ein Ruck ging durch das kleine Schiff, als sich die Andockklammern lösten und es dem Planeten entgegen fiel. Ein eigenartiges, unbehaglich Gefühl über kam Cassidy, als das Schiff in die Atmosphäre eintrat und der Planet unerwarteten Widerstand leistete. Es erschien ihr, als wären sie hier nicht willkommen, ja, als wenn der Planet ihnen drohte. Stört meine Ruhe nicht oder ihr werdet bereuen.

Der Name des Schiffes ging ihr durch den Kopf, Nemesis, der Name der griechischen Rachegöttin. Warum erschien ihr dieses Wort auf einmal wie ein schlechtes Omen? Energisch schüttelte Cassidy den Kopf. Da waren sie wieder, diese merkwürdigen Vorahnungen, die sie manchmal beschlichen und für die sie keine Erklärungen hatte. Der Professor, eigentlich durch und durch ein Vernunftmensch, hatte sie immer dazu ermutigt, auf ihre Instinkte, wie er es nannte zu hören.

Nur wenige Momente später sollten sich ihre Ahnungen bestätigen. Das kleine Schiff wurde in Schüben heftig durchgeschüttelt. Immer wieder entluden sich elektrische Ladungen in ihrer Nähe.

„Verdammt!“, fluchte Hauser. „Warum haben die das nicht gemerkt, als sie den Planeten untersucht hatte.“ Die Bordelektronik begann verrückt zu spielen und fiel schließlich ganz aus. Das ganze Können der beiden Piloten war gefordert, um das Schiff sicher auf dem widerspenstigen Planeten zu landen.
 
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