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Genesis

von nighty
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
06.12.2014
06.12.2014
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3.601
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06.12.2014 3.601
 
Genesis
Schatten am Rande seines Bewusstseins... Nebelhafte Gestalten, die sich um ihn herum bewegten. Er kämpfte gegen sie, doch er konnte ihnen nicht entkommen.
Er fühlte Dinge, die in seinen Körper gestoßen worden waren und Schmerzen, solche Schmerzen, wie er sie noch nie gefühlt hatte. Schmerzen, die ihn lähmten.
Sie hatten die völlige Kontrolle über ihn. Der Fähigkeit zu sprechen beraubt, musste er hilflos einfach abwarten, was geschehen würde.

Unruhig warf sich ein Mann auf der Matratze von einer Seite auf die andere. Neben ihn lag eine Decke, die er mit einer Hand zusammenknüllte und seine andere Hand presste er auf die Brust. Schweiß lief über seinen angespannten Körper. Verzweifelt versuchte er das Gefühl der Beklemmung und der Panik zu bekämpfen, das in ihm aufstieg. Er wusste genau, was diesen folgen würde, WUT. Seine Gedanken begannen zu rasen.

Grenzenlose Wut, von der er fürchtete, sie könnte die schlafende Frau neben ihn treffen, wenn er hier nicht sofort heraus kam. Nein, ihr durfte nichts geschehen. Sie hatte durch ihn alles verloren.

Mit den klaren Gedanken, die ihm noch verblieben waren, versuchte er sich zu konzentrieren und seine Selbstbeherrschung nicht zu verlieren.

Ein- und ausatmen, aufstehen und Hose mit mechanischen Bewegungen anziehen.

Ein- und ausatmen, Tür aufmachen und loslaufen.

Es kostet ihn seinen ganzen Willen und seine jahrelange Disziplin, um nicht durchzudrehen.

Die Unterkunft, die er sich mit seiner Gefährtin teilte, lag am Dorfrand, am Ende einer kleinen Hügelkette.

Adrenalin wurde in seine Adern gepumpt. Alle Sinne seines Körpers waren vom einen auf den anderen Moment bis zum Zerreißen gespannt. Die Pupillen seiner Augen weiteten sich und seine Muskeln spannten sich an. Zusätzlich stieg sein Blutdruck in ungeahnte Höhen, und gleichzeitig beschleunigte sich seine Atmung. Sein ganzer Körper bereitete sich auf einen Kampf gegen einen unbekannten Gegner vor.
Er spürte den übermächtigen Impuls, einfach loszurennen. Er war nicht fähig, diesem Impuls etwas entgegen zu setzten. Sein Körper aktivierte alle Energiereserven, und pumpte diese in seine Muskeln.

Er rannte los. Rannte so schnell er konnte in Richtung des Sees. Vor was er floh, konnte er gar nicht sagen. Aber irgendetwas hatte seinen Selbsterhaltungstrieb aktiviert.

Im vollen Lauf überquerte er die Hügelkette, die in einen Wald überging, der einen kleinen See mit eiskaltem Wasser umschloss. Das war sein Ziel.
In den letzten Monaten war er oft da gewesen. Immer wenn er spürte, das sich ein Anfall ankündigte.

Der schnelle Lauf, die frische Luft und der weite Raum, um ihn herum, halfen die Beklemmung und die Panik zu verdrängen, aber nicht gegen die Wut, die in seinem Blut pulsierte.

Im kalten Wasser schwimmen hatte sich als wirksamste Methode erwiesen, besser als der Schmerz, den ihm die Geister als Strafe zu fügten, weil er sich in einem seiner ersten Wutanfälle mit einem anderen zu prügeln anfing.

Mit einem Kopfsprung hechtete er in den See, das das Wasser in alle Richtungen spritzte und begann mit kraftvollen Atemzügen auf die andere Seite zu schwimmen und wieder zurück.
Er war geschwommen bis zur körperlichen Erschöpfung, um seine Wut zu bändigen. Endlich hatte er sich wieder im Griff. Mit müdem Schritt stieg er aus dem Wasser ans Ufer. Völlig entkräftet ließ er sich ins Gras fallen und schloss die Augen. So konnte es nicht weitergehen. Vielleicht schaffte er es eines Tages, nicht rechtzeitig die Unterkunft zu verlassen und verletzte Lara bzw. ging in seiner Wut auf Lara los. Für ihn war das eine schlimme Vorstellung.

Ein leises Geräusch unterbrach seine Gedanken und lenkte seine Aufmerksamkeit auf die Umgebung. Er war nicht allein und öffnete die Augen. Einige Meter von ihm entfernt stand mit verschränkten Armen, die Hände zu Fäusten geballt, an einem Baum gelehnt Jason und musterte ihn eindringlich, bevor er fragte:
„Hat es geholfen, Maverick?“

Maverick entspannte sich leicht. Er ließ sich Zeit mit seiner Antwort und wägte seine Worte ab. Seine Augen starrten in den fremden Nachthimmel hoch.. Jason war einer der Wenigen, die sein Vertrauen genossen. Geduldig wartete dieser auf seine Antwort. „Mir hilft es! Was ist mit dir?“

Mit langsamen und äußert bedächtigen Bewegungen stand er auf und sah Jason an. (Dessen Augen in eigenartigen Farbtönen zurückstarrten.)
„Was hilft dir? “, wiederholte Maverick seine Frage. Jason hob seine Faust und öffnete sie. Seine Fingernägel hatten tiefe Wunden hinterlassen, die bluteten.
Maverick wollte einen Schritt auf ihn zutreten, ein gepresstes „Nicht Bruder!“ hielt ihn zurück. Nun roch er es auch, Schweiß aus Angst, aber noch mehr Wut, das ihn warnte.

Er nickte und setzte sich wieder auf den Boden. Schweigend und geduldig wartete er bis auch Jason sich wieder im Griff hatte. In ihm selbst flaute der Sturm auch nur langsam ab. Sein Atem ging schnell und verriet die Anstrengung unter der sein Körper noch immer stand. Ruhig lag der See vor ihm und half ein wenig die brodelnde Wut in ihm zur Ruhe zu bringen.

Irgendwann hörte Maverick leise Schritte. Jason setzte sich neben ihn auf den Boden und starrte auf den See hinaus.. Maverick vermied weiterhin jede unnötige Bewegung.
Ruhig fragte er Jason. „Wie viel sind betroffen?“

„ Alle Männer, aber die Alpha-Serie hat es besonders schlimm getroffen.“ Jasons Stimme verriet seinen Frust, aber auch kontrollierte Wut. „Warum tun sie uns das an?“

Mavericks Mundwinkel zuckten leicht. Jason ging es wieder gut, was ihm seine nachdenkliche Frage offenbarte.

„Wen meinst Du? Die Schöpfer oder die Geister?“, fragte er zurück.

„Beide!“, grummelte es leise neben ihm.

„Die Schöpfer haben uns erschaffen, allein zu dem Zweck, zu töten. Die Geister? Ich weiß es nicht!“ Erneut schoss Wut in Maverick hoch und es war schwer, die Erinnerungen an all die schlimmen Dinge, die sein Bruder und er getan hatten, zu verdrängen, besonders jetzt, wo ihm Lara gezeigt hatte, dass er ein Gewissen besaß..

„Da ist noch etwas..“, wechselte Jason in seiner bedächtigen Art das Thema. Maverick war sofort gewarnt. Mit diesen Worten pflegte Jason Dinge unangenehmer Art anzusprechen.

„Was?“, fragte er ihn aufmunternd. Jason räusperte sich. Noch eine Angewohnheit, die Maverick verriet, dass das Thema nicht nur unangenehm, sondern auch heikel war. Er wartete ab.

„Der Bogen und Pfeil sind gut. Der Pfeil trifft auch sein Ziel, aber die Pfeilspitze ist stumpf.“, versuchte es Jason.

Maverick stöhnte innerlich auf und zwang sich zur Ruhe. Jasons umständliche Wesensart konnte einen Fremden manchmal in die Verzweiflung treiben, doch er wusste es besser. Er wusste, dass in diesem Mann ein harter Kämpfer, aber auch ein zuverlässiger Freund steckte. Doch gerade hatte Jason an einen unausgesprochenes Tabu zwischen den Alphas ausgesprochen und er hoffte für ihn, dass er einen guten Grund dafür hatte.
Jason räusperte sich erneut verlegen, schwieg aber, also übersetzte Maverick seine Worte und brachte sie auf den Punkt.

„Ich nehme an, mit dieser blödsinnigen Metapher spielst Du darauf an, dass die Schöpfer uns genetisch kastriert haben.“
Jason nickte verlegen und platzte dann mit seiner Neuigkeit heraus. „Diana ist schwanger!“ Diana war Jansons Gefährtin.

„Unmöglich!“, entfuhr es Maverick.

Aufgeregt erwiderte Jason: „Am Anfang wollte ich es auch nicht glauben, aber inzwischen kann man es sehen, ein bisschen.“

Maverick wollte nicht glauben, was Jason ihm gerade erzählte, doch sein analytischer Verstand zog gleich die einzige und richtige Schlussfolgerung. Die Geister!
Mühelos folgte Jason seinen unausgesprochenen Gedankengängen.

„Sie haben uns verändert.“ Für einen Augenblick zögerte er. „Was gibt es noch?“, hakte Maverick sofort nach.

Jason sah ihn direkt an. „Es sind alle Alphas betroffen.“

Diese Information musste Maverick erst einmal verdauen. Wenn alle Alphas betroffen waren, dann bedeutete das, er auch. Nun, eigentlich Lara, aber sie hatte kein einziges Wort darüber ihm gegenüber verloren.

„Was haben sie noch alles mit uns getan?“, fragte Jason in die Stille, die zwischen ihnen eingetreten war.

„Sie sorgen für unsere Bedürfnisse, aber auf unsere Fragen geben sie uns keine Antwort.“ Mit diesen Worten spielte er auf einen Vorfall an, der kurz nach ihrer Ankunft auf den Planeten geschehen war.
Als es offensichtlich wurde, dass sich die ersten Paarungen bildeten, führte das zu Problemen mit den Unterkünften, die bisher nach Geschlechtern getrennt genutzt wurden. Das erschwerte den Paaren eine Privatsphäre. Einer verrückten Idee folgend war Maverick zu den großen Obelisken marschiert, die den Dorfplatz beherrschten und um die, die Unterkünfte angeordnet waren. Er verlangte einfach neue. Die Geister schwiegen, wie erwartet, aber sie bestraften ihn auch nicht.

Zwei Tage später wurde Maverick von lauten Stimmen geweckt. Alarmiert war er aufgesprungen und wollte aus alter Gewohnheit nach seinen Waffen greifen, doch der Griff ging ins Leere. Frustriert riss er die Tür auf und schnauzte den ersten an, der ihm über den Weg lief, was der Lärm zu bedeuten hätte. Es war Lara gewesen, die ihm gleich ihrerseits den Kopf zu Recht rückte. Der Grund für den Lärm war schnell geklärt. Die Geister hatten zusätzliche Unterkünfte bereit gestellt.

In den nächsten Tagen war das ganze Dorf damit beschäftigt, die neuen Unterkünfte aufzubauen. Auch die Verteilung ging ohne Streit über die Bühne. Nach der harten Arbeit hatte er nur einen Gedanken gehabt. Waschen, was Essen und ganz viel Schlaf.. Doch stattdessen musste er feststellen, dass er einen neuen Mitbewohner hatte. Lara, sie war einfach eingezogen und blieb. Alles ergab sich irgendwie von selbst und keiner der beiden stellte es bis heute in Frage. Ich muss zu ihr, warf Maverick Jason zu und verschwand in der Dunkelheit.

Planet der Geister

„Komm näher!“, befahl ihn die Frau, die an einem großen Fenster stand und sich dem Mann zudrehte, der sich ihr sehr zögerlich näherte. Wenige Schritte von ihr entfernt blieb er stehen und kniete nieder.. Mit einer Handbewegung forderte die Frau die anderen Anwesenden auf, den Raum zu verlassen. Leise murmelnd gehorchten sie dem Befehl. Ruhig warteten die Frau am Fenster und der Mann auf dem Boden bis alle den großen Raum verlassen hatten.

„Steh auf und sieh mir in die Augen!“, forderte die Frau den Mann auf. Dem ersten Teil der Aufforderung folgte er sofort, aber in die Augen sah er ihr nicht. Er, ein Unwürdiger, ein Namenloser, konnte es selber nicht glauben, dass er vor ihr stand. Ihr, von der man in seiner Welt nur leise zu raunen wagte.

“ Sieh mich an!“, befahl sie erneut und schließlich gehorchte er. Erwartungsvoll sah ihn die schöne Frau an. „Habt ihr Erfolg gehabt? War er dabei?“

„Ja, Herrin, er war dabei! Seine Gefährtin und er haben die DNA-Manipulation überstanden. Eure Hoffnung, als auch eure Befürchtungen haben sich als wahr erwiesen. Eines Tages könnte aus der Rasse, die sich selber Menschen nennen, eine große Gefahr für uns erwachsen.“

„Ich habe die Berichte gelesen, die mir zugesandt wurden. Es werden noch Jahrhunderte vergehen bis sie zu einer ernsthaften Bedrohung für uns werden. Wir haben sie gründlich studiert und wissen was wir von ihnen zu erwarten haben.“ Unruhig hatte die Frau begonnen, vor ihm auf und ab zu gehen. „Für mich ist nur der Alpha wichtig. Werden seine Gefährtin und er Nachkommen haben?“

Der Mann lächelte erfreut. Der Frau war sein Gesichtsausdruck nicht entgangen und hob fragend eine Augenbraue. „Sie erwarten ein Kind.“, beantwortete er ihre unausgesprochene Frage.

Die Frau brauchte einen Augenblick, um sich von der Überraschung zu erholen, die die Antwort ausgelöst hatte. Sie schloss kurz die Augen. Wie lange hatte sie auf diese Nachricht gewartet, seitdem man das verlorengegangene Schiff an den Grenzen zu ihrem Territorium gefunden hatte. Die Übersetzung der Logbücher des Schiffes verrieten fiel über die Personen und ihre Rasse, besonders über die künstlich erzeugten. Die animalische Seite war bei diesen Wesen sehr stark ausgeprägt.

„Konntet Ihr ihre DNA reparieren?“

„Nein, Herrin, die Veränderung gingen zu tief. Sie ist zu einem Teil von ihnen geworden. Wir haben sie mit Hilfe der Technologie der Schatten verbessert und stabilisiert.“

Wieder nickte die Frau. „Das sind gute Nachrichten. Ich sehe Fragen in Deinen Augen. Stelle sie ruhig.“ ermunterte sie ihn.

Der Mann zögerte. „Was haben diese minderwertigen Kreaturen mit uns zu tun?“

Die Frau lächelte. Sie schien die Frage erwartet zu haben. „Vor langer Zeit haben meine Ahnen die Schatten in ihr Universum zurück gejagt, doch sie lauern ständig an den Grenzen und warten auf eine neue Gelegenheit ihr Werk zu vollenden. Über die Rasse der Menschen wird ein neuer Glauben kommen, der das Leben wie wir es jetzt kennen als Irrtum anerkennen wird. Dieser Glaube wird versuchen, diesen Irrtum zu korrigieren und den Schatten den Weg öffnen um zurückzukehren. Ihre Diener werden sie fast ausrotten und doch wird aus dem Blut diesen einen Alphas der Schüssel erwachsen, sie für immer zu bannen und das Gleichgewicht des Lebens in diesem Universum wieder in seine natürlichen Bahnen zu bringen. Die Kraft des Lebens ist besonders stark in ihnen und sie wird sich eines Tages als unser aller Rettung erweisen.“

„Nachkommen von Gesetzesbrechern und Außenseitern sollen uns retten, das nenne ich Ironie des Schicksals.“ entfuhr dem Mann. Erschreckt zuckte er zusammen, als ihm klar wurde, dass er seine Gedanken laut ausgesprochen hatte. Die Frau lächelte nur gelassen.

„Wie sollen wir weiter vor gehen?“ fragte er wieder gefasst.

„Ich will nicht, dass sie in den nächsten Jahren gefunden werden. Geben wir ihnen Frieden und die Chance sich selber weiter zu entwickeln. Überlassen wir der Natur ihren Lauf, doch der Alpha und seine Nachkommen soll weiter überwacht werden, aber mehr nicht! Ich bin sicher, das Du einen Weg finden wirst, um das zu gewährleisten.“

Der Mann verneigte sich leicht. „Ja, den Weg haben wir bereits gefunden.“

******

"Maverick, was hast Du?" fragte Lara besorgt. Sie legte ihn in einer fast zaghaften Geste, die Hand auf den Arm. Maverick drehte leicht den Kopf zu ihr. Sanft erwiderte Lara seinen Blick und fragte. "Sie haben wieder zu Dir gesprochen?"

Maverick nickte nur mit dem Kopf.

"Dann sollten wir sie nicht warten lassen!" meinte sie. Wieder nickte Maverick nur. Mürrisch warf er die Decke zur Seite und stand auf. Er spürte Laras Blick auf seinem Rücken und lächelte in sich hinein.
Lara nahm sich die Zeit, die Kehrseite ihres Gefährten zu bewundern, bevor auch sie aus dem Bett aufstand und sich anzuziehen begann. Wie sehr hatte sie darum kämpfen müssen, bis er sie in seinem Leben akzeptierte und später auch in seinem Bett. Über sein Herz dachte sie besser nicht nach, das vor Widerspenstigkeit nur so trotzte. Ein stilles Lächeln stahl sich über ihr Gesicht. Sie gehörte nicht zu den Frauen, die leicht aufgaben, aber das hatte Maverick auch schon heraus gefunden. Sie war aus freiwilliger Entscheidung mit auf das Sträflingsschiff gegangen, das ihn beinahe von ihr fort gebracht hatte.

Maverick war an das Fenster ihrer Unterkunft getreten und sah hinaus. Auch in allen anderen Unterkünften war das Licht an. `Die anderen hat der Ruf auch geweckt. `, dachte er und betrachtete die Armbänder um seinen Handgelenken, von denen ein leichtes Vibrieren ausging. Jeder in der kleinen Dorfgemeinschaft trug sie. Mit ihnen wurden sie von den Geistern, wer auch immer sie waren, kontrolliert und überwacht und wenn sie es für angebracht hielten bei einem Regelbruch, zum Beispiel schmerzhaft bestraft.

Er selber hatte bereits mehrfach mit den Armbändern Bekanntschaft geschlossen. Vor etwa einem Jahr waren sie an diesem Ort aufgewacht mit diesen Dingern an den Handgelenken. Schnell fand er ihre Funktionen heraus. Er hatte einen Trupp zusammengestellt, der die Umgebung erkunden sollte, als er nach etwa zehn Meilen von krampfartigen Schmerzen geschüttelt auf die Knie niederbrach. Wenige Meter hinter ihm dann ein zweiter. Auf diese Weise fanden sie heraus, dass ihr Bewegungsradius begrenzt war.

Ihre Aufseher? Niemand hatte sie je gesehen. Für alle waren sie nur eine Stimme in ihrem Kopf und doch waren sie immer allgegenwärtig. Immer wenn er an sie dachte, stieg ein Gefühl der Ohnmacht in ihm auf, wegen der Kontrolle, die sie über ihn hatten und auch ausübten, genauso wie es seine Schöpfer einst getan hatten.
Seine Daumenkuppe fuhr über die Tätowierung, die ihn, für jeden Mann sichtbar als Geschöpf der Gentechnik auswies, Produkt der Alphaserie. Der perfekte Soldat, der ihre Kriege ausfocht. Auf ihn waren sie besonders stolz gewesen, auf ihren "Alpha", die Krönung ihrer Arbeit, wie sie ihn selbstgefällig nannten. Wie sie ihn anwiderten!

Sich einen eigenen Namen zu geben, war verboten und jede Anwandelung von Individualität wurde bestraft. Solche, die sich nicht daran hielten, verschwanden für immer.

Es kam der Tag und die Kriege waren zu Ende, für Soldaten gab es keine Verwendung. Die überlebende Menschheit schloss sich zu einer großen Nation zusammen, in der es für seine Kameraden und ihn keinen Platz gab. Sie wurden wie Ausgestoßene, wie Tiere behandelt und waren ohne Rechte.

Menschenrechtsorganisationen setzten sich vor Gericht für die Anerkennung ihrer Rechte ein, ganz besonders eine junge, idealistische Anwältin namens Lara und sie hatten nach jähen Kämpfen Erfolg. Sie sollten in die Gesellschaft integriert werden.

Endlich konnte er sich seinen geheimen Traum erfüllen. Er würde sich einen Platz suchen, wo man ihn in Ruhe leben ließ.
Im in einem letzten Versuch seinen Schöpfern zu Vertrauen überredeten Lara und er seine Kameraden ihre Waffen abzugeben und die Chance wahrzunehmen, ein neues Leben zu beginnen. Sie gaben ihre Waffen ab, doch darauf hatte die neue Regierung nur gewartet, auf die Chance sie alle ein für alle mal los zu werden.

Seine Kameraden und er wurden überwältigt von einer Übermacht, verhaftet und vor Gericht gestellt. Ihre Anerkennung als vollwertiger Mensch vor dem Gesetz erwies sich jetzt als Fallstrick für alle. Ihre Schöpfer nutzten das Gesetz gegen sie und verurteilten sie wegen Verbrechen gegen die Menschheit zu lebenslanger Zwangsarbeit auf der neugegründeten Strafkolonie Tanger. In Ketten verfrachtete man alle auf ein riesiges Sträflingsschiff und steckte sie Cryokammern, aus denen man sie erst wieder auf Tanger holen würde.
Er hatte bis zum Abflug nicht gewusst, dass auch Lara auf dem Schiff war….

Alle hatten sich um den großen, schwarzen Quader versammelt, an seinen Ecken von vier langen, ebenfalls schwarzen und schlanken Obelisken eingerahmt wurde.
Ein Geräusch ließ viele zusammen zucken. Eine Stimme erklang.

„Sind alle gekommen?“ Die Stimme klang mechanisch, wie die eines Computers.

Niemand antwortete, schließlich ergriff Maverick das Wort. „Ja, es sind alle hier.“

„Gut, es wird Zeit, dass wir miteinander reden.“

„Du meinst wohl, ihr redet und wir hören zu.“ Maverick vergaß alle Vorsicht und achtete auch nicht auf Lara, die versuchte zu stoppen.

„Nein, ich meine, was ich gesagt hatte.“

Ungläubig sahen sich viele an. Nach einem Jahr wollten die Geister mit ihnen reden? Auch Maverick wollte es noch nicht glauben, doch mit seiner üblichen Geistesgegenwart stellte er die Worte des Geistes auf die Probe. „Wer seit ihr und warum tut ihr uns das an? Haben wir nicht schon genug erduldet?“

Langes Schweigen.

„Ich weiß, dass ihr gelitten habt. Wir haben fast alle Fehler eurer Schöpfer ausgemerzt und eure DNA stabilisiert.“

„Fast alle? Was soll das bedeuten?“ Maverick fragte gleich nach.

„Es bedeutet, dass in euren Genen eine Altersbegrenzung bei eurer Erschaffung eingebaut wurde. Sie liegt nach unserer Schätzung bei ca. 35 Jahren eurer Lebenserwartung.“

Jeder, der Alphas begriff, was das für sie bedeutete. Zornige Stimmen wurden laut, die ihre Schöpfer verfluchten.

Maverick vergewisserte sich. „Wir haben ein Verfallsdatum in unseren Genen?“

„Ja!“ bestätigte die Stimme. Nach einem kurzen Zögern fügte sie hinzu. „Wir haben einen Weg gefunden, das Gen zu deaktivieren.“

„Welchen?“ Maverick stellte auch weiter die Fragen, die alle bewegten.

„Wir haben in dem Quader vor euch eine Technologie installiert, die das Gen für den Rest ihres Lebens in den Betroffenen unterdrücken wird, aber die Sachen haben einen Haken. Ihr werdet das Gen an eure Nachkommen weiter geben.“

Wütend schnaufte Maverick. „Das heißt wohl für uns, dass wir für immer in der Nähe des Quaders leben müssen.“

„Ja, ihr schon, aber nicht unbedingt eure Nachkommen, wenn ihr die Möglichkeit annehmt, die wir euch anbieten.“ Erwiderte die emotionslose Stimme des Computers.

„Mach es nicht so spannend.“ Knurrte Maverick den Quader an.

„Bringt jeden eure Neugeborenen hier her zu dem Quader und legte sie auf ihn. In ihren ersten Lebensmonaten lässt sich das Gen für immer unterdrücken. Die Kinder werden keinerlei Schaden dadurch erleiden und ein normales Leben führen.“

„Das ist alles?“

„Ja, das ist alles. Es wird in eurer Entscheidung liegen.“ versicherte die Stimme.

„In unserer Entscheidung?“ höhnte Maverick und hob seine Hände mit den Armreifen, um seine Zweifel zu verdeutlichen.

„In eurer Entscheidung!“ wiederholte die Stimme. Überall erklang ein leises Klicken und es fielen hunderte von Armreifen auf den Boden. „Von jetzt an bestimmt ihr euer Schicksal allein. Wir werden gehen und euch in Frieden leben lassen.“

Maverick starrte auf seine Handgelenke und konnte nicht fassen, das sie frei waren. Einfach so….

Einige Monate später

Die Dorfgemeinschaft war zusammen gekommen, um zu sehen, wie Maverick und Lara ihren Sohn auf den schwarzen Quader legten. Er war das sechste Kind, das in den letzten Monaten hier geboren worden war. Sie folgten den Worten der Geister, ob sie nun wahr dem Ritual des Lebens waren oder nicht,
"Sind sie wirklich fort?" fragte jemand leise aus der Menge.

"Ja!!" sagte Maverick mit fester Stimme und fügte hinzu. "Das wird unsere neue Heimat werden. Nie wieder werden wir uns einem anderen beugen und jeder es versucht, wird unsere Wut zu spüren bekommen."

Er drehte langsam seinen Kopf im Kreis und sah den Umstehenden entschlossen in die Augen. Seine Entscheidung war gefallen.
Nach kurzem Zögern begannen viele zu nicken und es wurden zustimmende Worte laut.
„Dann sind wir einer Meinung? Das soll unsere neue Heimat werden?“ fragte Maverick noch einmal in die Runde und verschränkte die Arme vor der Brust.

Die Menge warf ihm ein stimmiges „Ja“ zurück.

„Gut!“, zufrieden nickte er, während Lara neben ihn trat und ihren Sohn vom Quader nahm.

„Unsere neue Heimat braucht einen Namen. “, meinte sie. „Was haltet ihr von Fury, damit wir niemals vergessen, was heute gesagt wurde!!“
Maverick lächelte grimmig und zog Lara in seine Arme und verbesserte sie ruhig.

„Unsere neue Heimat wird Furya heißen.“
 
 
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