Was es heißt zu dienen

von Roheryn
KurzgeschichteAllgemein / P12
Brandir Turin
04.12.2014
04.12.2014
1
1.313
3
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
04.12.2014 1.313
 
Was es heißt zu dienen



Disclaimer: Kein Handlungsort und keine der bekannt vorkommenden Personen gehört mir. Ich verdiene auch absolut kein Geld mit meiner Schreiberei und mache in meinem normalen Leben auch Dinge, die gar nichts mit damit zu tun haben. Mir ist bewusst, dass es sich bei Fanfiktions um eine rechtliche Grauzone handelt, und das dieser sogenannte Disclaimer nichts besser oder schlechter macht. Aber damit alles seine Ordnung hat, steht er eben hier.

Rating: P12

Kurzbeschreibung: Viele Menschen verdanken Brandir ihr Leben, doch das bedeutet nicht, dass man ihm mit Dank begegnet. Doch es gibt Dinge, die der lahme Anführer der Haladin andere lehren kann. Dinge, die bedeutend und doch unerkannt und geringeschätzt werden.

Anmerkung: Leider hat dieser Text keinen Betaleser gesehen, was daran liegt, dass meine Beta mehr als genug zu tun hat. [Liebe Sulime, ich hoffe, dir gefällt der Text trotz meiner sicher vorhandenen Fehler]

Für Sulime


Was es heißt zu dienen


Es war der erste Tag, an dem sein Patient wirklich ansprechbar war. Der erste Tag, an dem man ihn als halb genesen bezeichnen konnte. Die Tage waren wieder länger geworden und mit dem Sonnenschein vor der Hütte hatte auch die Gesundheit des Fremden zugenommen. Noch war er schwach und Brandir wusste nicht, wie es um den Geist von Húrins Sohn stand. Es würde sich zeigen, dessen war er sich sicher.
 „Wo…“, murmelte der Mensch, der noch auf dem Krankenlager lag und Brandir humpelte zu ihm herüber.
 „In Brethil“, antwortete Brandir schlicht, er hätte dem Mann vieles sagen können und doch tat er es nicht. Er wusste, dass es besser war, einem Patienten seine Zeit zu geben, besonders, wenn er so lange nicht bei Sinnen gewesen war. Noch immer lag der große Mann nur auf dem Bett, er versuchte nicht, sich zu erheben, aber sah sich um.
 Brandir wartete weiter ab, er fragte den Mann nicht, ob er etwas trinken wolle, sondern beobachtete ihn nur. Ein Weg herauszufinden, wie es dem Fremden ging, war zu sehen, ob er sich seiner Bedürfnisse bewusst war. Vielleicht nicht der Beste, aber in diesem Fall der einfachste. Denn anderenfalls hätte Brandir die Mimik eines Fremden deuten müssen und er wusste, dass er darin nicht gut war. Besonders dann, wenn sein Bild von jemandem bereits durch dessen Taten an anderen Orten getrübt war. Brandir war kein grausamer Mann und so hatte er sich Nargothronds Schwarzem Schwert angenommen. Doch irgendwo widerstrebte es ihm und er konnte nicht genau sagen, warum er sich beinahe fürchtete.
 „Wasser? Bitte.“ Diese kaum verständliche Frage riss Brandir aus seinen Gedankengängen und er hielt dem Mann einen Becher an die Lippen. Für einen Mann, der kaum gehen konnte, war der Anführer der Haladin zweifelsfrei geschickt, er hatte Wege gefunden, mit denen er ohne Stütze stehen konnte, auch wenn er sich lieber darauf verließ. Manchmal kam es ihm allerdings ironisch vor, dass er der beste Heiler seines Volkes war, obwohl er auch derjenige war, der einen am meisten gebraucht hätte. Es war der Fluch der Heiler, dass sie zwar allen helfen konnten und mussten, aber niemand hatten, der nach ihnen sehen konnte. Brandir hatte sich schon lange damit abgefunden.
 Nachdem Húrins Sohn getrunken hatte, beobachtete dieser Brandir, doch sagte er nichts. Brandir akzeptierte es und startete keinen Versuch das Schweigen zu durchbrechen. Es war einfacher zu ertragen, als der Undank, der ihm sonst so oft begegnete.

Der Mann hatte nur noch wenige Tage gebraucht, ehe er das Bett verlassen konnte und danach war er auch nicht mehr liegen geblieben. Brandir kam nicht umhin, ihn mit einem Wolf zu vergleichen, alleine die Art, wie er sich bewegte, sie Anspannung, die in jedem seiner Schritte steckte. Húrins Sohn war wie ein gefährliches Tier, doch wie es so oft war, wollte niemand es sehen und einmal mehr, wiesen die Haladin die Bedenken ihres Oberhauptes ab.
 Der Krieger, der genug Namen für eine ganze Familie hatte, wählte sich noch einen weiteren. Er nannte sich nun Turambar, der Meister des Schicksals. Brandir wusste nicht, was genau er davon halten sollte, doch er schwieg dazu. Es mochte wahr sein, dass die Haladin ihre Anführer wählten, doch das sagte nicht viel, denn immer hatten sie den Sohn ihres letzten Anführers gewählt und Brandir wusste, dass das ihr einziger Grund gewesen war, ihn zu wählen. Er war nicht wie sein Vater oder die Herrin Haleth, er war kein wehrhafter Mann. Er war nur derjenige, den sie den Lahmen nannten. Ihm war bewusst, dass er keine Entscheidungen treffen konnte, mit denen er zu sehr gegen die Wünsche der Haladin vorging, auch wenn es ihm besser deuchte.
 Womit Brandir jedoch nicht gerechnet hatte war, dass Turambar eines Tages zu ihm kam. Gerade, nachdem er ein paar Kinder entlassen hatte, die er unterwies. Denn mochte Brandir auch nicht alt sein, so war er doch ein gebildeter Mann.
 „Brandir, hast du einen Augenblick, um mit mir zu sprechen?“, fragte Turambar, der in der Tür zur Hütte des Anführers der Haladin stand. Dieser nickte leicht, aber erhob sich nicht, dafür beobachtete er, wie Turambar auf ihn zukam.
 „Ich wollte dir danken“, begann der Sohn Húrins dann und Brandir sah ihn fragend an.
 „Du hast mich gesund gepflegt, ohne, dass du mich gekannt hast und wenn ich eine Vermutung äußern darf, ohne, dass dir etwas an mit lag.“
 „Setz dich, Turambar“, bat Brandir ihn nun, er fühlte sich unwohl, wo dieser Mann vor ihm stand. Der so schon gegebene Größenunterschied noch verstärkt dadurch, dass Brandir saß, während der Mann aus Dor-Lómin stand. Zu seiner Überraschung kam Turambar dieser Aufforderung nach.
 „Ich habe dich gesund gepflegt, weil es nicht die Entscheidung eines einzelnen Menschen sein soll, wer leben darf und wer nicht. Denn von allen Schätzen, ist das Leben der kostbarste. Das du mir dankst, ist eine schöne Geste und eine Mühe, die sich die wenigsten hier gemacht hätten…“ Hier wurde Brandir das Wort abgeschnitten.
 „Das Leben ist kostbar? Jedes Leben? Wie kann das ein Mann sagen, der kaum gehen kann? Und kein Dank? Und warum hilfst du ihnen dann? Ich mag nicht lange hier sein und dich und die anderen nicht gut kennen, aber es ist leicht zu sehen, dass sie dich nicht behandeln, wie sie ihren Anführer behandeln sollten.“ Túrin verlor kein Wort darüber, dass er es für keine kluge Entscheidung hielt, einen Krüppel als Anführer zu haben.
 Brandir schwieg für einen Moment und sah Túrin nur an. Doch schließlich antwortete er: „Jedes Leben ist kostbar, gleich wie leicht, oder wie schwer es ist. Wir sind Menschen, der bedauerliche Glauben, dass man mit Einschränkungen nicht leben kann, kommt von den Elben und ist, soweit ich das beurteilen kann, ihre größte Dummheit. Und warum ich ihnen helfe? Das ist es, was es bedeutet, zu dienen. Seine Pflichten zu erfüllen und das auch, wenn sie ohne jeden Lohn sind. Ein Heiler hat die Pflicht nach Verwundeten und Kranken zu sehen und er sollte kein Lob und keinen Dank erwarten. Ein Bauer wird auch nicht dafür gelobt, dass es ihm gelingt Getreide anzubauen. Dinge, die als Selbstverständlich angesehen werden, hinterfragt man nicht. Dankt man einem Freund, dass er einem zuhört? Ich behaupte, dass tun nicht viele. Ein Freund klagt nicht und ist dennoch für einen da und das hier ist nicht anders, Turambar.“ Brandir hielt kurz inne und sah den anderen Mann an. Dieser wirkte nicht wütend, sondern nachdenklich, wenngleich bei den letzten Worten ein Schatten über sein Gesicht gekrochen war.
 „Du bist ein eigenartiger Mann, Brandir. Aber ich denke, dass es mehr Leute von deinem Schlag geben sollte und das sage ich, obgleich ich eigentlich eine sehr andere Sicht der Dinge habe. Deine Worte erscheinen mir in mancher Hinsicht weise und ich denke, dass Beleg dir zustimmen würde. Sollte ich jemals ein Kind haben, soll es von dir lernen, sofern du willens bist“ Ohne ein weiteres Wort stand Túrin auf und ging aus der Hütte.

Er wusste nicht, was er Brandir wirklich bringen würde…
Review schreiben