Mittelerde Adventskalender – Tag 4 - Jagdgefährten

von Roheryn
DrabbleAbenteuer, Freundschaft / P12
04.12.2014
04.12.2014
1
2235
1
Alle
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
 
Und hier haben wir Türchen 4 des Tolkien Adventskalenders und es ist ein wenig kürzer, als das erste Türchen ;)
Hierbei handelt es sich auch um meine erste wirkliche Drabblegeschichte, mit der ich euch allen nun viel Spaß wünsche!

„Die sieben Söhne Feanors waren Maedhros der Lange, Maglor, der gewaltige Sänger, dessen Stimme weit über Land und Meer schallte, Celegorm der Helle, Caranthir der Dunkle, Curufin der Geschickte, der am meisten von seines Vaters Handfertigkeiten geerbt hatte, und die beiden Jüngsten, Amrod und Amras, die Zwillingsbrüder waren, gleich von Gemüt und Gestalt. In späteren Zeiten waren sie große Jäger in den Wäldern von Mittelerde; und ein Jäger war auch Celegorm, der in Valinor ein Freund Oromes war uns oft dem Horn des Vala folgte.“



Schweigend ging stand Celegorm auf seinem Schlitten, den einige seiner Hunde durch den hohen Schnee zogen. Ganz vorne hatte er Huan eingespannt und dahinter einige von dessen Kindern, die bereits lange erwachsen waren. Der Rest seines Rudels lief neben dem Schlitten her. Sie waren dabei den Aglon Pass zu durchqueren und nach Anzeichen von Orks Ausschau zu halten. Doch im Winter kamen sie kaum bis in den Pass. Da hinderte der Schnee die Monster, die nie auf den Gedanken gekommen waren, einen Schlitten zu verwenden. Was dem Noldo eine gewisse Befriedigung gab. Auch wenn er wusste, dass sein ältester Bruder auch im Winter Probleme an seinen Grenzen hatte. Doch der Schnee im Pass, der hinunter nach Himlad führte war vergleichsweise ruhig.
 Celegorm war bereits seit mehreren Tagen unterwegs, und nahe den Bergen, die den Pass im Westen flankierten, als er glaubte, ein vertrautes Geräusch zu hören. Er schloss seine Augen und versetzte sich in seine Jugend zurück, wo er einem so vertrauten Hornstoß oft gefolgt war. Doch hier, hier konnte es unmöglich Oromës Horn sein, das er hörte. Es musste der Wind sein, der durch das Tal pfiff und ihn an seine Jugend erinnerte.
 Doch er hielt seinen Schlitten an.



Er konnte nicht sagen, wie lange er da gestanden hatte und in den Wind gelauscht hatte, die Hornstöße, die er sich einbildete verschwanden nicht. Nein, sie kamen näher! Es konnte keine Einbildung sein, Celegorm gab seinen Hunden eine gebellte Anweisung und sein Schlitten nahm Fahrt auf.  Auch wenn er sich in diesem Moment wünschte, dass er zu Pferd unterwegs war. Ein Pferd brachte in diesem Schnee Nachteile und zusätzlich wollte er das Tier nicht in der Kälte quälen. Doch eine Jagd auf einem Schlitten? Davon hatte selbst er noch nicht gehört und eigentlich waren ihm alle Arten der Jagd bekannt.



Zu den Hornstößen kam ein weiteres Geräusch, eines, das Celegorm mindestens genauso gut kannte. Das unverkennbare Wiehern von Nahar, dem Pferd Oromës, drang an seine Ohren und für einen Moment fragte sich der hellhaarige Noldo, ob er nur Träumte, oder ob das alles wirklich war. Als er um eine Schneewehe gefahren war, erblickt er diejenigen, die er vermutet hatte. Da war Oromë, der auf Nahar saß und einen Berghang hinaufblickte.
Beinahe hätte Celegorm den Tretschlitten losgelassen, doch besann er sich im letzten Augenblick wieder und verstärkte seinen Griff, damit er nicht unsanft in den Schnee fiel.
„Oromë!“, rief er aus.



Der Vala hatte den Ruf gehört und zügelte sein Ross, er wartete, bis der Hundeschlitten näher gekommen war. Dann lächelte er und sah auf den Elda, der vor ihm zum Stehen kam. „Turcafinwë…“
 Der Angesprochene brachte seine Hunde dazu zu halten und sprang von seinem Schlitten ab. Im ersten Momenten wusste er nicht, wie er reagieren sollte. Da war Wut auf den Vala, die in ihm hochkochte, zeitgleich aber auch eine gewisse Freude, immerhin war es nicht Oromë gewesen, der den Fluch au ihn und sein Volk gelegt hatte.
 „Wie sich die Dinge doch verändert haben, früher war ich in dem Land der Deinen, hier bist du im Land der meinen.“



Doch da waren auch Dinge, die sich nicht verändert hatte. Schnell waren die Hunde vom Schlitten befreit gewesen.
 Nun stapfte Celegorm einen Hang hinauf, einzig das Schwert an seiner Hüfte gab einen Unterschied zu den unzähligen Jagden, auf denen er in Valinor gewesen war. Seine rechte Hand hatte er in Huans Fell vergraben und der große Hund lief an seiner Seite.
 „Wie früher… wir scheuchen die Beute auf und treiben sie zu Oromë“, murmelte Celegorm und Huan sah ihn wissend an, er war der einzige seiner Hunde, die ihn auch dann verstanden, wenn er seine Sprache verwendete und nicht bellte.



Da waren sie, er konnte die Rentiere sehen, die Herde war sehr groß und Celegorm beobachtete sie kurz. Er suchte mit seinen Augen nach dem Tier, dass er von der Herde abtrennen wollte. Er hatte einige Ricken hatten noch Jungtiere aus dem vergangenen Frühjahr.
 Einen Moment war Celegorm damit beschäftigt seine Hunde ruhig zu halten, damit er selbst weiter beobachten konnte. Dann bemerkte er etwas, da war eine Ricke, der zwei Jungtiere folgten, die kleiner waren, als sie sein sollten. Seine Augen verengten sich und er  beobachtete die Kälber genauer. Sie schienen geschwächt zu sein und wirkten nicht so, als würden sie den Winter überleben können.
 Dann erklang ein weiterer Hornstoß.



Dieser eröffnete die Jagd und Celegorm blieben nur noch wenige Augenblicke, um sich zu entscheiden. Er hatte wohl ein altes Tier gefunden, was er abtrennen könnte, doch da waren noch immer die Jungtiere. Seine oberste Regel war, dass er trächtigen oder säugenden Tieren nichts tat und den Nachwuchs heranwachsen lief. Doch was sollte er hier machen?
 Seine Entscheidung war gefällt und er bellte, worauf hin seine Hunde losjagten. Mitten in die Herde hinein, so wie andere Hunde Schafe trieben, so trieben sie nun die Rentiere, doch statt die Herde zusammenzutreiben, sorgten sie dafür, dass sie zerfiel.
 Dieses Mal wirkte Celegorm aber nicht mit, er beobachtete die Jungtiere noch immer und hatte seine Entscheidung gefällt. Er wusste nun, was er machen würde, besonders, da er sah, wie schnell die beiden Jungtiere langsamer und erschöpfter wurden.
 Während seine Hunde, unter Huans Führung, das alte Tier absonderten und dorthin trieben, w Oromë lauerte, kam Celegorm der versprengten Herde langsam näher. Er wusste, dass er sich damit in Gefahr brachte, denn er konnte leicht totgetrampelt werden, aber er vertraute darauf, dass alles gut gehen würde.
 Leise sprach er mit den Rentieren und war froh, dass er in seiner Kindheit auch ihre Sprache gelernt hatte.



Als alles wieder zur Ruhe gekommen war, sah Oromë sich um und er begann sich zu Sorgen, denn er konnte den Elda, der ihn so oft begleitet hatte, nicht sehen.
 Er ging suchend in die Richtung, aus der Celegorm hätte kommen müssen. Für einen Moment fragte er sich, wie er es dem Großvater des Jungen sagen sollte, dass dieser bei einer Jagd mit ihm zu Schaden gekommen war. Dann aber erinnerte er sich daran, dass Finwë in Mandos Hallen verweilte und dass er eigentlich keinen Kontakt zu den Verbannten haben dürfte.
 Doch für ihn waren es noch dieselben Leute, die er so gut kannte und in manchen Punkten verstand er Manwë nicht. Doch ging es ihm wie Umlo, sie durften keinen Widerspruch verlauten lassen, wenn sie nicht wie auch Melkor Verräter sein wollten.
 Als er den blonden Noldo schließlich sah, traute er seinen Augen kaum. Dieser stand beinahe regungslos da und redete leise auf zwei junge Rentiere ein. Doch Oromë konnte nicht leugnen, dass er erleichtert war, als er den Elda auf seinen Beinen und scheinbar wohlauf sah.
 Behutsam näherte er sich dem Noldo und hörte zu seiner Überraschung, wie dieser den Rentieren erzählte, dass er ihnen nichts tun wollte.



Er entschied sich dazu die Bemühungen Celegorms zu unterstützen und ließ die Tiere ruhig werden und ihre Angst vergessen. Tatsächlich trat eines nun vor und ließ sich von Celegorm berühren, der leise lachte.
 „Du siehst, ich bin kein Monster, alles ist gut“, murmelte Celegorm leise und strich dem Tier mit einer Zärtlichkeit, die man ihm nicht zutraute, über den Kopf.
 In diesem Moment sah Oromë wieder den jungen Elda vor sich und nicht den, der einen fürchterlichen Eid geleistet hatte. Dann trafen sich ihre Blicke und ein leichtes Lächeln kam auf Celegorms Gesicht. „Danke, Oromë“, sagte er schlicht, aber aufrichtig.



„Was hast du mit ihnen vor, Tucafinwë?“, fragte Oromë.
 „Ich werde sie mit nach Himlad nehmen. Sie hätten den Winter nicht überlebt und auch wenn ich jage, so will ich doch nicht, dass Jungtiere sterben müssen.“ Der Blick des Eldas ging in das Leere und er streichelte die Rentiere noch immer. „Überrascht, Oromë? Hättest du gedacht, dass ich mich dahingehend verändert hätte? Dass ich nun töten würde, nur um des Tötens Willen?“, fragte er leise nach und Oromë schwieg.
 „Ich habe vielen den Tod gebracht, das stimmt, ob Tier, ob Ork, ob Elb… Letztere habe ich getötet und in den Tod geführt. Aber ich habe weder das Eine, noch das Andere genossen und ich kann von mir behaupten, dass ich kein Blut von Kindern an meinen Händen kleben habe und wenn ich es verhindern kann, dann wird es sich auch nicht ändern!“
 „Nein, ich bin nicht überrascht und auch wenn ich es traurig finde, auf welchem Weg du dich befindest, so bin ich froh, dass du noch immer du selbst bist.“
 Ein trockenes Lachen erklang und Celegorm sah Oromë an. „Noch bin ich das, aber manchmal fürchte ich, dass ich meinen Verstand verliere, wenn sich nichts ändert. Dann aber erinnere ich mich wieder daran, wer ich bin und dass ich niemals alleine sein werde und das hilft mir“, gestand der Noldo hauchend.



Beide wussten, dass sie sich verabschieden mussten und Oromë seufzte. „Ich hätte nicht erwartet, dass du meinem Horn noch immer folgen würdest, aber ich bin froh, dich heute noch einmal getroffen zu haben.“
 „Ich hätte nicht gedacht, dein Horn zu hören, Oromë. Auch wenn ich nicht kommen werde, sollten die anderen Valar nach mir verlangen. Doch mein Groll richtet sich nicht gegen dich, dafür hast du mich zu viel gelehrt“, sagte Celegorm leise, während er die Rentiere zu seinem Schlitten führte und nach seien Hunden rief.
 „Oromë…? Die besseren Jagdgebiete liegen südlich von hier, solltest du einmal dorthin reiten und davor Himlad passieren, werde ich dir folgen, sofern ich dich höre.“



So gingen sie auseinander und beide schwiegen still über die Begegnung.
 Curufin bekam keine Antwort, auf seine Frage, wie sein Bruder es angestellt hatte, zwei junge Rentiere zu finden, während er den Aglon Pass kontrolliert hatte.
 Beinahe alles vertraute Celegorm Curufin an, aber in diesem Fall zog er es vor zu schweigen, auch wenn er nichts zu befürchten hatte. Je weniger davon wussten, desto höher war die Wahrscheinlichkeit, dass er Oromës Horn noch einmal hören würde und damit für ein paar Stunden in seine Vergangenheit entfliehen konnte.
 Als Curufin im nächsten Winter ihren ältesten Bruder besuchte, staunte dieser nicht schlecht, als er ihn auf einem Schlitten sah, vor dem zwei Rentiere gespannt waren. Doch hatten sich Celegorms Findlinge an dieser Stelle als besonders nützlich erwiesen, sie hatten keine Probleme mit Schnee, Kälte und karger Kost, was sie zu Idealen Schlittentieren an den Hängen des Ewigkalten Hügels machte. Doch gingen die Rentiere wieder mit zurück nach Himlad,  denn Celegorm trennte sich nicht gerne für lange Zeit von ihnen und er hatte auch Recht, wenn er sagte, dass die Tiere an der Front eine Gefahr wären, denn sie waren nicht von klein auf an den Lärm, der dort herrschen konnte, gewöhnt worden.
Review schreiben