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7 - Flying Doctors - Erschütterungen

von mops1980
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Dr. Chris Randall Dr. Tom Callaghan OC (Own Character)
03.12.2014
01.01.2015
24
15.877
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03.12.2014 866
 
Als Kelly nach einigen Tagen zurück in Coopers Crossing war, ging sie direkt in Toms Büro.
Das erste was ihr merkwürdig vorkam, war, dass Chris dort am Schreibtisch saß.
„Oh hallo Kelly! Setz dich doch. Du siehst müde aus.“ Sie wirkte auf Kelly ein wenig nervös.
Als die Krankenschwester sich setzte, fiel ihr auf, dass Toms kleine Modelleisenbahn fehlte, die sonst immer auf dem Tisch stand. Es schienen auch andere persönliche Dinge zu fehlen.
„Chris, was ist hier los? Wo ist Tom?“, fragte Kelly. Sie hatte das Gefühl, die Antwort schon zu kennen.
„Es tut mir so leid, Kelly.“, antwortete Chris niedergeschlagen. „Tom hat Coopers Crossing verlassen.“
„Bitte was?“ Kelly sah Chris fassungslos an.
„Er bat mich, dir das hier zu geben.“ Chris reichte Kelly einen Brief.
Auf dem Umschlag stand Kellys Name. Mit zitternden Händen riss sie den Umschlag auf.


Liebe Kelly!
Wenn Du diese Zeilen liest, habe ich Coopers Crossing bereits verlassen.
Bitte verstehe meine Abweisung in den letzten Tagen nicht falsch. Ich weiß, dass du mir helfen wolltest, aber ich muss erst mal selber mit meinen Problemen fertig werden.
In den letzten Wochen und Monaten ist einfach zu viel passiert, was ich scheinbar nicht richtig verarbeitet habe. Und damit meine ich nicht nur den Tod von Bill.
Deshalb habe ich beschlossen, dass ich erst mal Abstand von allem und jedem benötige und habe mich auf unbestimmte Zeit vom RFDS beurlauben lassen.
Bitte suche nicht nach mir. Ich komme wieder zurück, versprochen!
Ich liebe Dich!
Dein Tom



Als Kelly die Zeilen gelesen hatte, liefen ihr die Tränen über die Wangen. Wie konnte er ihr das nur antun? Sie sah Chris an.
„Wann?“, fragte Kelly einfach nur.
„An dem Tag, als ihr zur Kliniktour aufgebrochen seid, kam Tom zu mir. Er hat mich um absolutes Stillschweigen gebeten, vor allem dir gegenüber.“ Chris sah nicht gerade glücklich aus, als sie Kelly dies erzählte.
„Du hättest mir Bescheid geben müssen!“, meinte Kelly mit bebender Stimme. Man merkte ihr an, wie wütend sie war.
„Kelly, glaub bitte nicht, dass es mir leicht gefallen ist. Das ist es nämlich ganz und gar nicht. Schließlich bist du meine beste Freundin. Mit Engelszungen hab ich auf ihn eingeredet, nicht einfach so zu verschwinden. Er sollte erst mit dir sprechen. Aber er meinte, das könnte er nicht.“
„Dieser feige Mistkerl!“ Kelly war wütend und traurig zugleich. Das musste sie jetzt erst mal verdauen. Ohne ein weiteres Wort verließ sie die Zentrale und fuhr nach Hause.

Die einsame Reiterin wirbelte mächtig Staub auf, als sie in vollem Galopp durch den Busch ritt. Kurz vor einem Bachlauf blieb sie stehen.
Noch vor einigen Wochen hatte Kelly hier gemeinsam mit Tom gestanden. Seit einer Woche war er nun verschwunden. Kelly seufzte auf.
Seit Toms Verschwinden hatte Kelly einige Male mit Sarah Callaghan telefoniert. Kelly vermutete, dass Tom bei seiner Mutter in Sydney war, auch wenn diese das bestritt. Wie oft hatte Kelly in der letzten Woche bei Sarah angerufen? Sie wusste es nicht mehr.
Schon die kleinste Erinnerung an Tom brachte sie völlig aus dem Konzept. Sei es im Krankenhaus eine seiner Unterschriften in Krankenakten oder als sie beim Aufräumen in ihrem Haus eins seiner T-Shirts gefunden hatte. Sie hatte an dem T-Shirt gerochen und konnte noch Toms Duft wahrnehmen.
Das war der Moment gewesen, in dem ihr klar wurde, dass sie erst mal aus Coopers Crossing verschwinden musste. Sie hatte mit Chris gesprochen, um sich ein paar Tage frei zu nehmen. Dann hatte sie sich einen Wagen geliehen und ihr Weg hatte sie nach Corinda Bella geführt. Natürlich wurde sie hier auch an Tom erinnert, aber sie hoffte, trotzdem ein wenig zur Ruhe zu kommen.
Da stand sie nun an diesem kleinen Bach und sah nachdenklich ins Wasser. Tränen verschleierten ihren Blick.
„Verdammt Tom, wo bist du?“, fragte sie sich zum wiederholten Mal.

Zur selben Zeit standen in Sydney auf einem Friedhof zwei Personen an einem Grab. Es waren Tom und Sarah, das Grab war das von Toms Vater.
„Tja, du hast also eine Tochter mit einer anderen Frau.“, sprach Sarah mit ihrem Mann, als wenn er vor ihr stehen würde. Sie war schwer enttäuscht, das konnte man ihr anmerken. „Verzeihen werde ich dir das wohl nie, aber ich kann es auch nicht ändern. Schließlich kann ich dich nicht mehr zur Rechenschaft ziehen, weil du tot bist.“
Dann wandte sie sich vom Grab ab und ging zu ihrem Sohn, der sich etwas abseits hingestellt hatte. Tom legte den Arm um ihre Schultern und zusammen verließen sie den Friedhof.
„Wie geht es jetzt weiter? Was willst du machen?“, fragte Sarah ihren Sohn, als sie im Auto saßen.
„Ich muss erst mal ein wenig zur Ruhe kommen, Mum.“, erklärte Tom erschöpft.
„Und was ist dann? Wann wirst du mit Kelly sprechen? Sie macht sich Sorgen, Tom. Und das zu Recht. Warum hast du ihr nichts gesagt?“, bohrte Sarah weiter.
„Bitte Mum…“, wandte Tom ein.
„Jeden Tag hat Kelly in der letzten Woche angerufen. Jedes Mal musste ich sie abwimmeln. Glaubst du etwa, das fällt mir leicht? Sie liebt dich und ist sehr verzweifelt, Tom. Ich kann nicht verstehen, dass du sie einfach fallen lässt.“
Tom antwortete nicht darauf und starrte auf die Fahrbahn.
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