Und ich war auch noch an allem schuld…

von - Leela -
GeschichteAllgemein / P12
Eddie Futura Jake ShockClock Skelevision Tracy
01.12.2014
01.12.2014
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Diese Geschichte wurde ebenfalls inspiriert durch ein Projekt, und zwar diesem hier! Ich habe es ganz bewußt nicht direkt benannt. Wer sich die Überraschung nicht vorwegnehmen möchte, der sollte besser zuerst die Geschichte lesen, und ggf. dann in das Projekt schauen! ^^

Ich wünsche euch viel Spaß!

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Und ich war auch noch an allem schuld…

Montag, 1. Dezember 2014

Wenn ich eines behaupten konnte, dann, daß ich heute aufgeregter war als gestern; obwohl gestern mein Geburtstag gewesen ist. Heute aber trafen zwei Sachen zusammen: Eddy hatte Geburtstag, und ich war nicht nur zu seiner Feier eingeladen, nein, das Team hatte eine gemeinsame Geburtstagsfeier für ihn und mich organisiert! Wenn das nicht dazu ausreichte, daß mein Herz raste, was dann?
      Ich bemühte mich, meine Atmung unter Kontrolle zu bringen, als ich mit meiner Tasche vor der Tür zum Ghostkommando stand und klingelte.
      Es dauerte gar nicht lange, da öffnete mir Eddy strahlend. Eddy, höchstpersönlich! Ich sah ihm an, daß er sich das nie im Leben hätte nehmen lassen. Heute schon gar nicht. Oh mein Gott, wußte er, daß er mich mit diesem Lächeln völlig aus dem Konzept brachte?
      „Hi!“ brachte ich fester hervor, als ich es mir selbst in dieser Situation zugetraut hätte. Dann begrüßten wir uns mit einer innigen Umarmung. „Alles Gute zum Geburtstag!“ setzte ich gleich nach.
      „Alles Gute dir nachträglich zum Geburtstag!“ erwiderte er umgehend, und die Umarmung wurde ein wenig länger, als daß die Situation es erfordert hätte. Nur kurz darauf bat er mich schließlich herein und machte eine einladende Geste in das Büro, wo die anderen bereits warteten.
      Ich schnappte mir schnell meine Tasche und gesellte mich aufgeregt zu dem Rest des Teams in das Büro, das bereits ein wenig festlich hergerichtet war. Die anderen, – das waren Jake, Tracy und Tasha, die mich ebenfalls herzlich begrüßten und mir noch nachträglich zum Geburtstag gratulierten. Ich sah mich schnell um und hoffte, daß man mir nicht gleich meine Enttäuschung anmerken würde, bevor ich überhaupt wußte, was los war, als ich mich erkundigte: „Ist Futura gar nicht da?“
      „Turi kommt etwas später!“ erklärte Jake. „Sie hat noch etwas dienstliches zu erledigen. Aber danach kommt sie gleich her.“ versprach er.
      Ich nickte beruhigt. Ich kannte es ja selbst nur zu gut, immerhin war ich heute schon froh, daß ich jetzt Urlaub hatte und die Jungs selbständig - und damit zumindest ein wenig unabhängig - waren, so daß es uns nicht zu stören brauchte, daß heute ein Montag, und es somit mitten in der Woche war. Wichtig war nur, daß Futura noch dazukam, damit wir gemeinsam feiern konnten, denn ich hätte es sehr schade gefunden, wenn sie nicht hätte dabei sein können. Ich sah mich schnell um von der Ecke, wo ein paar Naschereien und Getränke für zwischendurch aufgebaut waren, bis hin zu dem kleinen Geschenketisch, der für Eddy seitlich aufgebaut stand und nahm das gleich zum Anlaß, mich meiner Tasche zuzuwenden. „Ich habe noch etwas mitgebracht!“
      Eddy sah mich entgeistert an. „Du hast doch nicht etwa was zu meinem Geburtstag mitgebracht?! Das wollten wir doch nicht!“
      „Nein, und deswegen ist das hier auch für uns alle!“ erklärte ich und holte die große Plastikschachtel hervor. Ich wußte nicht, ob die Jungs Nappos kannten, aber ich war überzeugt davon, daß ich den Großteil von ihnen damit bestimmt würde begeistern können, wenn sie auch nur annähernd so veranlagt waren wie ich. Bestimmt konnte ich Eddy damit kriegen, da war ich mir ziemlich sicher! Aber auch Jake traute ich zu, daß er darauf anspringen würde. Das XXL-Jumbo-Pack hatte ich in einer Sonderaktion beim Direktverkauf gefunden, und sofort zugeschlagen.
      Meine erste Vermutung bestätigte Jake jedenfalls sofort, als er die Schachtel neugierig begutachtete und fragte: „Was ist das denn?“
      „Das wird euch bestimmt gefallen!“ erklärte ich, als ich die Plastikbox präsentierte. „Holländischer Nougat und Schokolade, das Zeug ist gefährlich!“
      Die anderen lachten herzlich. „Ich organisiere mal eine Schüssel!“ beschloß Tasha. „Das wirkt gemütlicher!“
      Während sie ging, um eine Schale zu besorgen, die wesentlich besser ins Ambiente paßte, als diese Plastikverpackung, bot ich den Jungs schon mal eine der Rauten zum Probieren an, was sich keiner der drei nehmen ließ.
      Tracy war der erste, der sich ein beseeltes „Oki Doki…!“ vernehmen ließ.
      Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Wenn sogar der Gorilla so genießerisch darauf anschlug, würde bestimmt nichts von dem Jumbopack übrigbleiben.
      „Oh, verdammt, ist das gut!“ schloß sich Eddy nur kurze Zeit später an.
      Innerlich triumphierte ich! Ich hatte es gehofft, ausgerechnet den süßen Molligen mit der braunen Wuschelfrisur damit in meinen Bann ziehen zu können. Von jedem anderen hätte ich es ertragen, aber nicht, wenn ich Eddy damit nicht hätte begeistern können – und das nicht nur, weil er heute Geburtstag hatte.
      „Mmhm!“ Jakes Zustimmung hatte etwas verheißungsvolles. „Du mußt nur aufpassen, daß du die Zähne noch auseinanderkriegst!“
      „Bei manchen ist es gar nicht so verkehrt, wenn das mal nicht geht!“ bemerkte Tasha, die gerade wieder dazukam, und daß sie dabei Jake ansah, ließ darauf schließen, daß die Bemerkung auch an ihn gerichtet war. Sie füllte einen Teil Nappos um, bis die Schale voll war, und nahm sich selber einen. „So, jetzt muß ich auch erst mal probieren. Das hört sich gut an!“
      Jake hatte jetzt erst ihre Bemerkung verinnerlicht und sah sie entgeistert an. „Da kenne ich auch ein paar!“ ließ er sich leise vernehmen.
      Eddy bediente sich inzwischen zum zweiten Mal, nachdem ich durchaus bemerkt hatte, daß er sich eigentlich hatte zurückhalten wollen, es aber doch nicht ganz geschafft hatte. Als er das kleine Werk aus dem grünen Papier auspackte, konnte ich nicht anders, als mich zu ihm herüberzulehnen und zu flüstern: „Die gibt es auch in groß!“ Ich konnte förmlich das Leuchten in seinen Augen sehen, und ein leichtes Lächeln, das seine Lippen umspielte. Jetzt wußte ich, was er zu Weihnachten von mir bekommen würde!
      Jake warf einen Blick zur Uhr und sah dann Tasha an. „Dann können wir ja langsam schon mal die Kaffeetafel vorbereiten, oder?“
      Seine Schwester nickte und sah uns, sprich, Eddy, Tracy und mich an. „Können wir euch denn einen Moment allein lassen?“
      „Ja, sicher!“ erwiderte ich mit gewinnendem Grinsen.
      „Oki Doki!“ bestätigte Tracy, bei der Gelegenheit schien ihm aber auch gleich etwas einzufallen. „Bin kurz in der Werkstatt!“
      Jake sah ihm argwöhnisch nach. „»Kurz« und »Werkstatt« ist bei Tracy eigentlich ein Widerspruch in sich!“
      „Naja, heute am Geburtstag wird er es ja wohl nicht übertreiben.“ lachte Tasha. „Ich vermute eher, daß er noch etwas für den Geburtstag hat! So, jetzt laß uns mal zusehen, daß wir fertig werden, bevor Futura da ist!“
      „Können wir denn nichts helfen?“ erkundigte ich mich, als der Gorilla in den Tiefen des Ghostkommandos verschwunden war.
      „Ihr seid die Ehrengäste der Feier!“ bestimmte Tasha. „Ihr braucht heute nicht zu arbeiten!“
      Das Statement kam so bestimmt, daß ich nicht zu widersprechen wagte. Davon abgesehen konnte ich mir nichts schöneres vorstellen, als einen Moment mit Eddy allein zu haben. Ich beobachtete die beiden, wie sie in der Küche verschwanden und wandte mich zu dem süßen Brünetten um. „Okay, und was machen wir jetzt?“ Ich hatte kaum ausgesprochen, als ich auch schon lachen mußte. Eddy bediente sich gerade schon wieder an der Napposchale.
      Der konnte sich ein verlegenes Grinsen nicht verkneifen und versuchte schnell abzulenken. Zumindest diente es gleichzeitig gut zur Ablenkung, als er fragte: „Ähm, was spielen, rätseln, lesen… Worauf hast du denn Lust?“
      „Was hast du denn zum Geburtstag bekommen?“ erkundigte ich mich neugierig und drängte ihn leicht in die Richtung, wo der Geburtstagstisch aufgebaut war.
      Er legte leicht den Arm um mich, als er mir die Präsente seiner Freunde zeigte, was mir einen angenehmen Schauer durch den Körper jagte, auch wenn ich wußte, daß es nicht mehr als eine kameradschaftliche Geste war. „Also, das »mystische Kurzgeschichten«-Buch kommt von Jake! Von Tracy ist der Rätselblock. Frag‘ mich nicht, wo er die Bananenedition herbekommen hat! Und von Tasha habe ich das UNO Professional bekommen, mit einem Haufen neuer heimtückischer Karten.“
      Ich sah ihn fasziniert an. „Ah, daher die Frage, ob etwas lesen, rätseln oder spielen!“
      Offensichtlich schien ihm der Zusammenhang tatsächlich erst jetzt aufzugehen, denn er errötete umgehend und grinste verlegen. „Ehrlich, das war Zufall! Daran habe ich gerade gar nicht gedacht!“
      Ich konnte gar nicht anders, als ihm zu glauben; dennoch konnte ich mir auch ein Grinsen nicht verkneifen.
      Er sah mich herausfordernd an. „Wollen wir die Bananenrätsel mal ausprobieren?“
      Ich konnte nicht ganz ein leichtes Erstaunen verbergen. „Wenn du den Block schon opfern magst…!“
      Er lächelte so gewinnend, daß es mir schon wieder den Boden zu Watte verwandelte. „Natürlich! Dafür ist er ja da! – Ich besorge eben nur Stifte!“ Euphorisch lief er zum Schreibtisch herüber; nicht ohne sich auf dem Weg noch einmal an den Nappos zu bedienen. Dann durchsuchte er die Schubladen offenbar nach Kugelschreibern.
      Ich räusperte mich leicht. „Schreiber habe ich sonst auch dabei…“
      Er hielt in seiner Suche inne und sah auf. Seinem Schmunzeln entnahm ich, daß er sich gerade an die Grundausstattung einer Autorin erinnerte. Er ließ mir meinen kleinen Triumph und schloß die Schublade wieder, während ich schon die Kugelschreiber aus meiner Tasche heraussuchte. Ich warf ihm einen schnellen Blick zu, als er um den Schreibtisch herumkam. Ob er wohl auch immer noch so aufgeregt war, wenn wir uns trafen? Manchmal konnte ich noch immer die latente Schüchternheit bei ihm spüren, auch wenn wir uns mittlerweile so gut kannten, daß wir wußten, daß es nicht notwendig war. Aber mir ging es ja nicht anders; in seiner Gegenwart war ich immer unendlich nervös – auch wenn bei mir vielleicht noch ein bißchen mehr mit reinspielte…
      Schnell holte ich mich in die Gegenwart zurück. Jetzt waren Bananenrätsel mit uns beiden zusammen dran, und darauf freute ich mich schon. Und ich glaube, er freute sich auch schon darauf. Ich hatte noch nie so einen euphorischen Glanz in seinen Augen gesehen, wenn es um Bananen ging!
      Er war schon fast an der Napposchale vorbei, als er sich doch noch mal umdrehte und sich einen mitnahm, bevor er sich den Block schnappte.
      Ich tat es ihm gleich und bediente mich auch noch mal am holländischen Nougat – bevor ich später nicht mehr dazu kam! Wenn es so weiterging, hatten die anderen nicht einmal mehr etwas davon. Bei der Gelegenheit füllte ich die Schale noch einmal auf und folgte ihm schnell zu dem kleinen Tisch am Fenster, wo wir es uns gemeinschaftlich mit dem Block gemütlich machten. Wir rückten etwas zusammen und sahen uns das erste Rätsel an.
      Das Bild auf der ersten Seite zeigte einen detailreich gemalten Ausschnitt eines Urwaldes, und darunter war die Aufgabe: Finde in dem Bild 35 Bananen.
      „Ach du Schande!“ entfuhr es Eddy neben mir.
      Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. „Komm, das ist doch lustig!“
      „Solange ich sie nicht essen muß, ja!“ lachte er.
      Ich überlegte schnell. Ich mochte nicht mit dem Kugelschreiber in dem Bild rummalen. „Sag‘ mal, habt ihr gelbe Textmarker? Dann können wir die Bananen anmalen!“
      „Ja! Wir haben sogar gelbe Farbstifte!“
      Ich schlug mir innerlich vor die Stirn. Das war die Revanche zu den Kugelschreibern gewesen! Einen passionierten Maler nach Farben zu fragen war so ziemlich das peinlichste, was mir hätte passieren können! Glücklicherweise schien es aber nicht komisch bei ihm angekommen zu sein.
      Die Idee schien ihm jedenfalls zu gefallen, denn er sprang gleich auf, um noch einmal zum Schreibtisch zu laufen. Ich biß die Zähne zusammen und konnte nicht anders, als einen stillen Countdown herunterzuzählen. Ja! Er hatte es nicht lassen können, noch einmal in die Napposchale zu greifen! – Jetzt mußte er doch noch einmal in der Stifteschublade wühlen, fand das gesuchte aber schnell. Er brachte zwei gelbe Farbstifte mit; einen in einem kräftigen Sonnengelb, und einen in einem etwas dunkleren Farbton, so daß wir nachher die Bananen sogar unterscheiden konnten. Er ließ mich eine Farbe wählen, dann begannen wir damit, Bananen zu finden.
      Ich muß zugeben, ich versuchte, mich zurückzuhalten. Immerhin war es Eddys Rätselblock, er hatte ihn zum Geburtstag bekommen. Allerdings hatte ich irgendwann einen Blick für die Bananen entwickelt, so daß ich sie immer schneller fand.
      Wir hatten gerade acht Bananen markiert, als Eddy aufstand und mit einer Handvoll Nappos zum Tisch zurückkam. Ich schmunzelte. Da war offenbar schon jemand süchtig geworden…
      Zwischendurch sah Jake zu uns ins Zimmer. „Was mögt ihr lieber: Tee oder Cappuccino?“
      „Solange es kein Bananentee ist, ist mir alles recht!“ erwiderte Eddy sofort.
      „Wir können alles machen!“ meinte Jake mit einer umfassenden Geste. „Verschiedene Teesorten oder Cappuccino in vier Varianten, mit oder ohne Aroma… Wir haben auch einen ganz leckeren Rhabarber-Vanille-Tee!“
      Als er das sagte, horchte ich auf. „Oh, da mache ich mit!“
      Eddy nickte. „Das hört sich gut an!“
      „Prima. Dann machen wir nämlich eine ganze Kanne!“ freute sich Jake und war schon wieder aus dem Büro verschwunden.
      Ich schubste Eddy an. „Komm, wir müssen noch ein paar Bananen finden!“
      Der konnte nicht anders, als durchzuatmen. „Okay!“
      „Tracy hätte sie alle sofort gefunden!“ grinste ich.
      „Tracy hätte sie alle gegessen, und wir hätten keine mehr gefunden!“ kommentierte Eddy verheißungsvoll, so daß ich lachen mußte.
      Während wir also wieder auf Bananensuche gingen, reduzierten sich die Nappos an unserer Seite, und ich wurde das Gefühl nicht los, daß er manchmal versuchte, sich zurückzuhalten, und dann doch nicht widerstehen konnte. Ich unterdrückte ein Grinsen. So schnell, wie Eddy die Nappos vernichtete, so schnell war ich darin, die Bananen zu finden. Wenn das keine Arbeitsteilung war…
      Wir hatten noch vier Nappos auf dem Tisch liegen, als wir von einer Bewegung von der Tür her abgelenkt wurden und automatisch aufsahen.
      „Leela, kommst du bitte mal kurz in die Küche?“ bat Tasha.
      Neugierig stand ich auf und ließ Eddy kurz allein. Ich folgte der Blonden, die mich mit ihrer sportlichen Statur immer etwas neidisch machte, in die Küche, wo Jake auf uns wartete.
      „Wir wollten nur vorsichtshalber fragen,“ begann Tasha. „Jake sagte, daß du auch kein Marzipan magst. Wir haben eine schwedische Mandeltorte – wäre das okay? Also, ich mag die total gerne, obwohl ich auch kein Marzipan mag.“
      Ich starrte das süße Zuckerwerk vor Jake an und spürte, wie mein Herz einen Schlag aussetzte. Wenn diese schwedische Mandeltorte auch nur annähernd so gut war wie die schwedische Mandeltorten, die ich kannte… Nichtsdestotrotz war ich vorsichtig, da ich wußte, wie schnell Zuckerwerk mit Mandeln in einen ekeligen Marzipangeschmack umschlagen konnte. Ich sah Tasha an und beschloß, es darauf ankommen zu lassen. Ich meine - hey - sie ist mein Alter Ego! Wenn ich mich auf sie nicht verlassen konnte, auf wen dann? „Also, schwedische Mandeltorte liebe ich auch, zumindest die, die ich kenne. Ich vertraue da ganz deinem Urteil!“
      Jake und Tasha freuten sich sichtlich und entließen mich wieder aus ihrer Obhut.
      Als ich ins Büro zurückkam, erwischte ich Eddy direkt mit der Hand in der Napposchale und grinste. „Na, die schwedische Mandeltorte haben wir wohl nachher für uns allein!“
      Er zuckte zusammen, versteckte automatisch den Nappo hinter dem Rücken und grinste mich verlegen an, während ihm die Verlegenheitsröte in die Wangen schoß.
      Ich strich ihm leicht kameradschaftlich über den Rücken, als ich an ihm vorbeiging, und füllte noch einmal welche nach. „Hast du schon alle Bananen gefunden?“ fragte ich während dessen herausfordernd.
      Er zögerte leicht, bevor er erwiderte: „Ich dachte mir, ich warte auf dich…“
      „Aha…“ ließ ich mir mit einem tiefgründigen Schmunzeln vernehmen.
      Er katapultierte sich elegant aus der Situation, indem er mir die leere Plastikbox abnahm, um sie zu entsorgen. Der kurze Blick in seine braunen Augen hatte mir die verbale Konversation aber ersetzt. Ein leichtes Schmollen lag darin; das Wissen, daß ich die Sachlage schon genau erkannt hatte.
      Ich wartete aufgeregt, bis er vom Mülleimer zurückkam und lief ein paar Schritte durch das Büro, um mich zu beschäftigen. Ich spürte meinen Puls rasen. Oh, wie ich Tasha beneidete! Ich meine, es war großartig, in eine so wundervolle Dimension wie diese wechseln zu können, und von seinen Charakteren mit offenen Armen empfangen zu werden, Zeit mit ihnen zu verbringen - die wundervollste überhaupt - und in ihnen die besondersten Freunde gefunden zu haben, die man sich vorstellen konnte. Es war im Grunde das phantastischste, das einem passieren konnte. – Aber Eddy machte mich wuschig! Es konnte kaum etwas ergreifenderes geben, als in einer zauberhaften Welt mit wundervollen Charakteren zu sein – außer, sich in einen von ihnen zu verlieben…
      Ich sah mich von der Bücherwand um, als ich hinter mir Bewegung ausmachte und hielt schmunzelnd inne. Mit auf dem Rücken verschränkten Händen ging ich zu dem attraktiven Chaoten herüber, der auf seinem Rückweg ein erneutes Mal an der Napposchale Halt gemacht hatte, und sich offenbar nicht beherrschen konnte.
      „Wenn man einmal damit anfängt!“ platzte es bald genervt aus Eddy heraus, bevor ich überhaupt dazu kam, etwas zu sagen.
      Ich mußte mir ein Lachen verbeißen und nahm das zum Anlaß, mir die Schale mit den Nappos zu schnappen und hinter dem Rücken zu verschanzen, damit er gar nicht erst an sie herankam.
      „Hey!“ entfuhr es ihm überrascht. Ich muß zugeben, ich genoß seinen perplexen Gesichtsausdruck.
      Ich sah ihn unschuldig an. „Ich versuche nur zu verhindern, daß du in Versuchung gerätst!“
      Er atmete leicht durch und sah mich tiefgründig an. „Weißt du, zu was man fähig wird, wenn man süchtig ist?“
      Ich ließ mich gar nicht beirren und sah ihn herausfordernd an. „Nein. Zeig’s mir!“
      Damit hatte ich den Startschuß gegeben! Er fixierte die Schüssel in meinen Händen, und einen Moment später hatte ich meine liebe Müh und Not, meine Barriere aufrecht zu erhalten, als ich vor ihm flüchtete und mir immer wieder neue Wege suchen mußte, um seinen Angriffen zu entkommen. Eddy jagte mich ungelogen durch das ganze Ghostkommandobüro. Als Jake und Tasha dazukamen, waren wir schon so weit, daß Eddy versuchte, sich sein Recht mit allen Mitteln zu erkämpfen, und sich zwischen ihm und mir eine Kabbelei entwickelt hatte, die Handgreiflichkeiten nicht mehr ausschloß – was für mich zur Herausforderung wurde, da ich dabei auch noch koordinieren mußte, die Nappos nicht im ganzen Ghostkommando zu verstreuen.
      „Was ist denn hier los?“ entfuhr es Jake mit einem hilflosen Lachen.
      „Das ist… eine ganze einfache… Suchttherapie!“ keuchte ich, während ich über die Sofalehne auf die andere Seite des Raumes flüchtete.
      Eddy folgte mir umgehend, und selbst ich mußte zugeben, daß ich ihm diese Art von behender Wendigkeit so schnell gar nicht zugetraut hätte. Wahrscheinlich kam es immer auf die Motivation an. Jedenfalls setzte er mir nach und drängte mich in die Ecke.
      Tasha lachte herzlich, als sie sich das Geschehen ansah. „Na, solange nicht die Nappos euch jagen, ist ja alles in bester Ordnung!“
      Eddy und ich hatten gar keine Zeit, darauf zu reagieren. Wir waren damit beschäftigt, keine Bewegung des anderen aus den Augen zu lassen und fixierten uns mit Blicken. Ich versuchte derweil, mir eine neue Fluchtmöglichkeit zu suchen, was mir der Brünette fast unmöglich machte. Aber eben nur fast…
      Ich hatte mir eine Theorie zurechtgelegt und hoffte nun, daß das Skelevision mitmachte, das stand nämlich auf der einen Seite von uns und begrenzte meinen Fluchtweg. Ich ließ mich strategisch von Eddy in die Richtung drängen und warf Skeli schon während meines Rückzuges einen hilfesuchenden Blick zu.
      Offenbar ging es auf meinen Hilferuf ein, denn plötzlich trat es fast unbemerkt einen Schritt vor, verbaute so Eddy den Weg, während ich hinter ihm entlanghuschen konnte.
      „Hey, Moment mal!“ brüskierte sich der süße Brünette, während er versuchte, auf der anderen Seite am Skelevision vorbeizukommen.
      Ich grinste triumphierend, während ich schlitternd zum Stehen kam. In dem Moment, wenn er um Skeli herum war, würde ich wieder auf die andere Seite laufen und konnte mir eine neue Strategie überlegen.
      Meine Überlegungen wurden unterbrochen, als sich die Nappos über dem Fußboden verteilten.
      „Leela!“ schrie Eddy erschrocken auf.
      „Ich hab‘ doch gar nichts gemacht!“ verteidigte ich mich. Das hatte ich wirklich nicht! Und dann sahen wir das Desaster. Es war tatsächlich nicht meiner Ungeschicklichkeit geschuldet gewesen, daß die Nappos aus der Schüssel schwappten! Mit schreckensgeweiteten Blicken beobachteten Eddy und ich, wie Leben in die kleinen Leckerbissen kam und sie schlichtweg aus der Schale hüpften. Die kleinen Rauten hatten strichmännchenförmige Arme und Beine bekommen, und große Kulleraugen. Ein paar von ihnen hatten sich bereits in meine Kleidung geklammert.
      Vor Schreck schrie ich auf und ließ die Schale fallen, wodurch nun auch der Rest des holländischen Nougats durch das Zimmer flog. Ich versuchte, mich zu fassen. Was ging hier nur vor?
      Auf der anderen Seite sah ich in die entsetzten Gesichter von Tasha und Jake.
      „Aber das war doch nur ein Scherz…“ stammelte Tasha.
      Ich wußte nicht, ob ich es beruhigend finden sollte oder nicht, daß offenbar nicht nur ich, sondern auch das Team aus dem Ghostkommando völlig perplex war. Trotz der grotesken Situation bemühte ich mich, einen kühlen Kopf zu behalten. Niedlich sahen sie aus. Konnte man womöglich mit den kleinen Wesen kommunizieren? „Äh… Hi…“ stammelte ich, als Nougatstücke mit grimmigem Blick an meinem T-Shirt hochkletterten.
      „Leela, die sehen nicht freundlich aus!“ rief Eddy, und seinem Blick und seiner Stimme konnte ich seine Panik anmerken.
      Den Eindruck gewann ich auch gerade, und so versuchte ich mit zusammengebissenen Zähnen, die Nougatwesen aus meiner Kleidung zu schütteln. Mittlerweile waren sie überall im Zimmer, rotteten sich in Gruppen zusammen, tuschelten und sahen immer wieder auf eher beunruhigende Weise zu uns herüber.
      Eddy half mir gerade, mich von den letzten Nappos zu befreien. Ich sah ihm seine Angst förmlich an, und in dem Moment wurde mir bewußt, daß er sich für mich dazu überwunden haben mußte, nicht fluchtartig das Büro zu verlassen und sich irgendwo zu verschanzen, bis alles vorbei war.
      Das alles spielte sich innerhalb weniger Augenblicke ab, und dann wurden wir plötzlich von einem Haufen barbarischer Rauten angegriffen!
      Entsetzt traten Eddy und ich den Rückzug an, während Jake und Tasha das Geschehen ungläubig aus dem Hintergrund beobachteten. Doch die beiden begriffen den Ernst der Lage glücklicherweise sofort.
      „Tracy…!“ Allein Jakes Stimme merkte man bereits an, daß es sich hier um einen Ernstfall handelte. „Bring den Dematerialisator mit!“
      Der Ruf wirkte; binnen kürzester Frist konnte man ein Poltern von der Treppe her hören, und unmittelbar später stand Tracy mit grimmiger Miene und dem Dematerialisator im Anschlag im Raum und sah sich suchend um. Das Desaster offenbarte sich ihm sofort. Ich schwöre, ich werde nie diesen entgeisterten Gesichtsausdruck des Gorillas vergessen, als er sah, wie Eddy und ich von einer Nappoarmee attackiert wurden. Er berappelte sich schnell, und so nahm er die ersten Nappos ins Visier, die Eddy und mich versuchten zu umzingeln, und feuerte.
      Jake wollte gerade schon erleichtert aufatmen, als das Team kollektiv entsetzt feststellte, daß die Aktion nichts gebracht hatte, und der holländische Nougat daraufhin nur noch aggressiver wurde. „Das sind keine Geister!“ entfuhr es dem Teamchef aufgeschreckt.
      „Nein! Das ist holländischer Nougat!“ gab ich verbissen zurück, während ich Eddy anstieß, um ihn mit in eine Richtung zu dirigieren, in die wir fliehen konnten. „Das habe ich doch gesagt!“
      „Aggressiver holländischer Nougat!“ ließ sich Tracy vernehmen, was ich unkommentiert ließ. Ich hatte gerade genug mit mir selbst zu tun. Gerade sprang ich über das Sofa, als eine Legion Nappos aus dem Bücherregal heraus angriff. Eine ganze Schar sprang auf Eddy herab, der die Arme schützend über den Kopf riß.
      Ich reagierte mit aus der Not heraus geborenem Scharfsinn, schnappte mir die Tageszeitung, die neben dem Couchtisch lag und schlug so knapp über Eddys Kopf hinweg durch die Luft, daß ich den Armen vermutlich allein damit einem Herzinfarkt nahebrachte. Immerhin schaffte ich es aber so, einen Großteil der angriffslustigen Nappos aus dem Weg zu befördern.
      Eddy nutzte den Moment und setzte zu mir über die Sofalehne nach. Gemeinsam brachten wir schnell auch noch den Couchtisch zwischen uns und den Nougat. „Jetzt weiß ich, was du meintest, als du sagtest, das Zeug sei gefährlich!“ keuchte Eddy. „Wie gut, daß du nicht gesagt hast, das Zeug ist tödlich!“
      Ich sparte mir eine Antwort darauf. Ich war so außer Form, daß ich mich darauf konzentrieren mußte, zu atmen.
      Mittlerweile hatten sich die Nappos neu formiert und eine kleine Armee zusammengestellt. Als der blaue Kommandant des holländischen Nougats den Befehl gab, stürmten die Nappotruppen los und hielten auf uns zu.
      Ich konnte förmlich spüren, daß Eddy neben mir mit ebenso entsetztem Blick das Geschehen betrachtete.
      Auf der anderen Seite des Büros zogen sich Jake, Tracy und Tasha hinter den Schreibtisch zurück und beobachteten das Geschehen argwöhnisch.
      „Das sieht so aus, als hätte der… holländische Nougat es nur auf Eddy und Leela abgesehen!“ konnte ich Jake sagen hören, und ich hörte auch aus seinem Tonfall heraus, wie lächerlich er sich dabei vorkam. Ich konnte es ihm nicht verdenken. In meinen Ohren hätte es auch grotesk geklungen, hätte ich es gerade nicht selbst erlebt. Das war aber auch schon das letzte, was ich von den drei anderen wahrnahm, bevor ich mit Eddy zusammen die Flucht antrat. Die Nappoarmeen jagten uns durch das ganze Zimmer. Mit grimmigen Mienen setzten sie uns nach, und mir wurde eins klar: Sie durften es nicht schaffen, den Ghostbuster und mich zu trennen!
      Eddy schien das gleiche zu denken, denn mehr als einmal versuchte er, sich hinter mir zu verschanzen. Leider half das auch nicht viel, auch wenn ich ihn mit meinem Leben geschützt hätte. Hatten wir uns gerade für eine Richtung entschieden, wurde uns der Weg von einer anderen Nappo-Legion abgeschnitten, und wir kamen kaum dazu, Atem zu holen, als wir immer wieder kriegerischen Gruppen von bunten Rauten auswichen.
      Beim Schreibtisch standen hilflos unsere Freunde und überlegten fieberhaft, wie sie uns helfen konnten. Ich konnte einmal sehen, wie sie beratschlagten, und hoffte zumindest, daß sie sich etwas einfallen ließen, um uns vor dem Nougat zu retten. Und das schnell, – denn weder Eddy, noch ich konnten inzwischen noch!
      Und dann kam Tracy! Ich sah aus den Augenwinkeln, wie er mit den Fingern schnippte. Gott, ich liebe das zuversichtliche Lächeln dieses Affen! Der Gorilla holte kurzerhand ein Netz aus seinem Rucksack. Damit eilte er uns zur Hilfe und fing die Nappos schlicht ein.
      Eddy und ich atmeten erleichtert auf und klatschten ab. Unsere zwei dankbaren Blicke waren dem Gorilla gewiß – kurz bevor sie sich erneut in Entsetzen weiteten. Die Maßnahme währte nicht lange, bis die Nappos das Netz schlichtweg auseinanderrissen und heruntersprangen, wütender denn je zuvor. Ich hatte nie vermutet, wie stark holländischer Nougat sein konnte!
      Wir hatten nicht mal eine Verschnaufpause bekommen, als die Jagd von neuem begann. Entsetzt bemerkte ich, wie Tracy bei Jake und Tasha ratlos mit den Schultern zuckte. Eddy zog mich gerade zur Seite, um mich vor einer Gruppe zu schützen, die in dem Augenblick von der Sofalehne sprang, und wir hetzten zur anderen Seite des Raumes, wo passierte, was passieren mußte! Ich weiß nicht mehr, wer letztendlich über wen stolperte, ich weiß nur, von einem zum nächsten Augenblick lagen Eddy und ich auf dem Boden.
      Um uns herum brach der Triumph los. Von allen Seiten stürmten die Nappos auf uns los.
      Entsetzt schoben Eddy und ich uns zurück, bis wir die Wand im Rücken hatten und nicht mehr weiterkonnten. Ich sah nur eine Flut von roten, grünen und blauen Nappos auf uns zustürmen und warf mich schützend über Eddy, das schlimmste erwartend. Ich hatte nicht einmal gewußt, daß in diesem XXL-Jumbopack so viele Nappos gewesen waren!
      Für einen Moment konnte ich nicht sagen, was passierte, da ich das Gesicht in den verschränkten Armen an Eddys Brust vergrub und die Augen fest geschlossen hatte. Daß jedoch gerade etwas passieren mußte, wurde mir schnell klar, da sich die Geräuschkulisse änderte, und ich auch keine Angriffsversuche des Nougats spürte. Vorsichtig wagte ich es, einen Blick in den Raum zu werfen – und dann sah ich, was vor sich ging! Plötzlich stand Futura im Zimmer, mit entschlossener Miene; sie hatte ihr Multigem aktiviert und nahm die Nappos ins Visier. Ich atmete durch und rappelte mich mit rasendem Puls ein wenig auf.
      Erleichtert beobachteten wir fünf, wie unsere Freundin das Zuckerwerk mit dem energetischen Strahl aus dem Edelstein ihrer Halskette zur Raison brachte, Tracy, Tasha und Jake vom Schreibtisch aus, und Eddy und ich aus unserer hoffnungslosen Position am Boden liegend heraus. Futura wirkte wie ein Schutzschild zwischen uns und den Nappos und bekämpfte die ganze Armee holländischen Nougats allein. Oh, wie ich sie in dem Moment bewunderte… Systematisch ging sie durch den Raum, und jeder Nappo, der von ihrem Multigem getroffen wurde, fiel in seinen ursprünglichen Zustand zurück. Was es bewirkte, daß sie mit ihrer Strategie Erfolg hatte, wußten wir nicht, aber es funktionierte, und nur das zählte!
      Eddy und ich sammelten uns keuchend vom Boden auf und stemmten uns ein wenig in die Höhe, um die Lage besser überblicken zu können. Doch der Zauber war mittlerweile vorbei. Die Welle der Erleichterung, die uns durchströmte, mußte spürbar sein! Anscheinend mußten wir beide ein urkomisches Bild abgeben, gerade von einer Nougatarmee in die Enge getrieben am Boden liegend, denn plötzlich fing Jake herzlich an zu lachen. Ich muß zugeben, mir war eigentlich noch gar nicht wieder nach Lachen zumute, und ich vermute, Eddy ging es ähnlich, doch Jake riß uns einfach mit. Sein herzliches Lachen war einfach so ansteckend, daß wir alle uns nicht dagegen wehren konnten. Eddy und ich sahen uns an und grinsten, bis wir schließlich in das Lachen mit einstimmten. Dann konnte ich nicht mehr anders, als mit einem Lachen der Erleichterung meinen Kopf an seiner Schulter zu betten.
      Zu meiner Überraschung quittierte er das, indem er seinen Arm um mich legte, und langsam beruhigten wir uns wieder. Wir ließen uns in eine liegende Position zurücksinken, um zu Atem zu kommen, während Jake schon den Raum begutachtete. Tasha wechselte plötzlich einen Blick mit Tracy, und die beiden begannen, die Nappos wieder einzusammeln.
      Eddy und ich gaben unsere Position noch nicht auf. Dafür waren wir viel zu erleichtert, daß es vorbei war. Ich schloß für einen Moment beseelt die Augen. Ja, ich war erleichtert, – doch das war nicht der einzige Grund, warum ich hier noch stundenlang so hätte liegen können. Eigentlich mußte ich der kleinen Nappoinvasion sogar dankbar sein, hatten sie mir doch diesen wunderschönen, nahen Moment in den Armen des wundervollsten Charakters aller Dimensionen und Zeiten eingebracht.
      Eddy schien den Moment auch zu genießen, denn ich spürte, wie er die Wange an mein Haar legte. Ob es bei ihm aber die Erleichterung, oder noch andere Gründe waren, vermochte ich nicht zu beurteilen.
      Wir merkten nicht einmal, wie um uns herum mittlerweile die Teetafel hergerichtet wurde. Erst als Tasha rief: „Hey, wollt ihr euch zu uns setzen, oder lieber da liegenbleiben?“ lösten wir uns aus der gemütlichen Haltung und wechselten einen Blick. Wir konnten uns beide ein Schmunzeln nicht verkneifen, und auch wenn es mir schwerfiel, riß ich mich von seinen braunen Augen los, und wir standen auf. Gemeinsam gesellten wir uns zu den anderen in die Sitzecke.
      „Sag‘ mal, hast du irgend eine Ahnung, was da passiert ist?“ fragte Jake seine Frau derweil.
      „Ich habe eine Vermutung!“ erklärte Futura. „Wahrscheinlich handelt es sich um einen Dimensionsschock!“
      Ich war froh, daß nicht nur ich sie ratlos ansah. „Dimensionsschock?“ wiederholte ich konsterniert.
      Futura nickte. „Das ist so etwas ähnliches wie ein Kulturschock, oder ein Zeitschock. Eine schlichte Überforderung, wenn du so willst. Tasha erzählte, du hast die Nappos aus deiner Dimension mitgebracht.“
      Ich nickte.
      „Naja, es ist so, daß deine Dimension und unsere Dimension ganz unterschiedliche Dynamiken haben. Das kann dazu führen, daß jemand - oder etwas - der das nicht kennt und nicht darauf vorbereitet ist, von der neuen Situation überfordert ist. Er kann die Eindrücke nicht verarbeiten, und erleidet einen Dimensionsschock.“
      Ich sah die Dunkelhaarige geschockt an. „Und das ist mit den Nappos passiert?“ Ich betonte es bewußt, um zu verdeutlichen, daß es sich hier um holländischen Nougat handelte.
      Futura nickte. „Ich fürchte ja.“
      „Aber wieso haben die Nappos nur Eddy und Leela angegriffen?“ fragte Jake hilflos weiter.
      „Hm, was habt ihr denn vorher gemacht?“ erkundigte sich Futura.
      Gemeinsam schilderten wir den Hergang vor der Ankunft der Ghostbusterin.
      „Dann werden sie nur Eddy und Leela als Bedrohung angesehen haben!“ mutmaßte Futura. „Die meiste Zeit wart ihr anderen ja nicht zugegen, und wenn die beiden sich schon vorher um die Nappos geschlagen haben…“
      „Schon verstanden!“ warf Eddy ein.
      „Also, Eddy ist auf jeden Fall eine Bedrohung für die Nappos!“ rutschte es mir heraus.
      Der Brünette neben mir errötete. „Jetzt esse ich bestimmt keine Nappos mehr!“
      „Jetzt sind sie wieder ganz harmlos!“ meinte Futura unbedarft und nahm sich ihrerseits einen Nappo.
      Eddy sah noch etwas skeptisch aus, und selbst ich mußte zugeben, daß ich mir noch nicht ganz im klaren darüber war, ob ich jemals wieder holländischen Nougat essen wollte… Ich starrte sogar die schwedische Mandeltorte argwöhnisch an, die ruhig auf dem Tisch lag, wie in der Erwartung, im nächsten Moment von ihr angegriffen zu werden. Ich riß mich zusammen und versuchte, die Bilder von jagendem Essen abzuschütteln. So wie es sich von Futura anhörte, war die Sache ausgestanden.
      Statt dessen konnte nun endlich die gemütliche Teerunde beginnen. Tasha schenkte bereits Rhabarber-Vanille-Tee aus, und es dauerte auch gar nicht lange, bis wir uns alle wieder gefangen hatten – und selbst Eddy wieder bei den Nappos zugriff.
      „So, was hast du jetzt eigentlich so lange in der Werkstatt gebastelt?“ wechselte Jake das Thema und sah Tracy an.
      Der nahm den Faden sogleich freudig auf und hob Aufmerksamkeit fordernd einen Finger. „Geschenk für Leela!“ Dann drehte er sich kurz um und stellte etwas verdecktes vor mir auf den Tisch, das ziemlich unförmig wirkte.
      Ich sah den Affen sprachlos an. So ein großes Geschenk hatte ich nun nicht erwartet! Neugierig packte ich es aus und schnappte verblüfft nach Luft. Automatisch schnellte mein Blick zum Bücherregal.
      „Wow!“ entfuhr es Eddy. „Eine eigene ShockClock!“
      „Oh, mein Gott!“ Ich konnte meine Begeisterung kaum bremsen und fiel dem Gorilla um den Hals. „Danke, Tracy!“
      „Gern geschehen!“ erwiderte der verlegen.
      „Gibt es eigentlich noch etwas spezielles, das du dir zum Geburtstag wünscht?“ erkundigte sich Futura, und ich hörte heraus, daß sie sich nicht so recht getraut hatte, etwas für mich zu besorgen, sondern es lieber auf meine Wünsche abstellen wollte.
      Ich brauchte gar nicht lange zu überlegen. „Ja!“ Nicht nur Futura musterte mich bei der Vehemenz überrascht; dachten sie aber, sie würden jetzt hören, daß ich mir wünschte, von Nappoarmeen verschont zu bleiben, mußte ich sie enttäuschen. Auf ihre neugierigen Blicke hin erklärte ich verlegen: „Einen Bananenrätselblock!“
      Tracy stutzte sichtlich, und ich konnte mir nicht helfen, ich genoß es, den süßen Gorilla erröten zu sehen.
      „Na, dann mußt du dich ja ranhalten, Tracy!“ kommentierte Jake und nahm die Napposchale, um sie noch einmal rumzureichen. Als er sie anhob, bewegte sich plötzlich etwas, das zwischen der Schale und der Tortenplatte gelegen hatte. Ein kleiner verschreckter Nappo, der Futuras Strahl entgangen war, zitterte, und ergriff nun die Flucht.
      Wir sechs sahen uns entgeistert an, dann konnten wir nicht mehr anders als zu lachen.
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