Die erste Verwandlung

KurzgeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
01.12.2014
01.12.2014
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Ich trat aus dem schweren Holztor hinaus auf die Plattform des Drachenturms. Der Wind heulte und entriss meinen Händen den Torflügel. Mit einem lauten Knall schloss sich das Tor hinter mir. Das Geräusch klang endgültig. Es gab nun kein Zurück mehr.

Vor mir sah ich eine ganze Horde fliegender Inseln, die zielstrebig auf den Drachenturm zuschwebten. Auf allen Inseln konnte ich Ballisten entdecken, die ihre Bolzen schussbereit auf den Drachenturm gerichtet hatten. Doch noch waren sie außer Reichweite. Ich konnte auch ein paar Brutstätten erblicken, die von geflügelten Dämonen oder Damians dunklen Drachen umkreist wurden. Die Inseln kamen näher und näher. Mit schreckgeweiteten Augen stand ich da und starrte sie an. In meinem Magen breitete sich ein mulmiges Gefühl aus. Was, wenn ich selbst als Drache nicht stark genug war und von den todbringenden Bolzen der Ballisten durchbohrt würde und tot zur Erde fallen würde? Dann wäre Rivellon verloren...

Mittlerweile waren der Turm in die Reichweite der Ballisten gekommen. Ein Bolzen schlug über dem Tor in die Mauer des Turms ein. Die Erschütterung warf mich auf die Knie und der Aufprall beförderte mich zurück ins Hier und Jetzt. Was dachte ich da bloss? Ich war zu weit gekommen, hatte zu viel geopfert, um jetzt aufzugeben. Ich rappelte mich hoch und sah mich um. Am Ende der Plattform ragten zwei steinerne Drachenhälse, die ineinander verschlungen waren, mitsamt den mächtigen Köpfen auf. Die Mäuler waren weit aufgerissen und eine leuchtende Kugel schwebte zwischen ihnen. Der Anblick ließ mich kurz schaudern. Mein Blick glitt an den Statuen hinab. Und dort, über dem Boden einer kleinen Erhöhung sah ich ihn. Den Drachenstein. So lange hatte ich nach ihm gesucht, ihm wie einem Traum in der Ferne hinterhergejagt und nun war er endlich zum Greifen nah. Zielstrebig schritt ich auf ihn zu. Als ich nur noch wenige Schritte entfernt war, spürte ich eine starke Kraft, die von ihm ausging. Ein Schauer lief meinen Rücken hinunter. Vorsichtig begann ich, meine Hand nach dem Stein auszustrecken. Als ich ihn berührte, spürte ich, wie eine Hitzewelle mich durchfuhr. Ich schrie auf, es fühlte sich an, als würde ich bei lebendigem Leibe verbrennen. Ganz tief in meinem Inneren, in den tiefsten Tiefen meiner Seele, konnte ich fühlen, wie sich mein Wesen veränderte. Der Drache in mir war entfesselt. Ich stieß einen Kriegsschrei sus, der immer tiefer und lauter wurde, bis er sich zum Gebrüll eines Drachen verändert hatte. Meine Finger verkrampften sich vor Schmerz, als sich meine Fingernägel zu Krallen heranwuchsen. Unfreiwillig streckte ich die Arme aus und konnte beobachten, wie sie länger und dünner wurden. Die ledrige Flügelhaut brach aus ihnen hervor und begann, sich zu spannen sowohl zu meinem Rücken hin, als auch zwischen meinen Fingern zu spannen, bis sie meine Arme in ein Paar riesiger Flügel werden hatte lassen. Meine Beine drückten sich nach hinten durch und wurden kräftiger. Meine Zehen verwandelten sich ebenfalls in Krallen, allerdings kräftiger und größer als die meiner Finger, die jetzt allerdings die Knochen meiner Flügel waren. Nun veränderte sich auch mein Körper. Meine Brust schwoll an und mein kompletter Rumpf wurde größer, länger und schwerer. Das Ende meiner Wirbelsäule wuchs und meinen Drachenschwanz bildete. Ich schrie erneut auf, als die Drachenschuppen meine Haut durchstießen und die Panzerplatten auf meinem Rücken sich bildeten. Als krönender Abschluss kam der Kopf. Meine Gesicht wurde schmerzhaft in die Länge gezogen, bis es eine Drachenschnauze war. Meine Zähne entwickelte sich rasend schnell zu Fängen, die so lang wie ein Arm und alle scharf wie Messer waren. Aus meinem Hinterkopf brachen zwei Hörner hervor, die sich nach hinten bogen. Ich musste heftig blinzeln, als meine Pupillen sich zu Schlitzen verengten und meine Sicht sich um ein vielfaches verschärfte. Die Welt um mich herum war auf einmal in ein helles Licht getaucht.

Als ich wieder sehen konnte, schwebte ich als Drache in der Luft über der Plattform. Es war vollbracht. Nun war ich ein wahrer Drachenritter. Ich warf den Kopf in den Nacken und brüllte erneut. Ein weiterer Bolzen schoss auf den Turm zu. Mit einem wütenden Knurren beobachtete ich, wie er in die Mauer einschlug. Ich schlug kräftig mit den Flügeln und wandte mich in Richtung der fliegenden Inseln. Mein Zorn, mein ganzer Hass auf Damian trieb mich an. Ich hatte überhaupt keine Schwierigkeiten, mich als Drache zurechtzufinden. Es war, als wäre ich schon immer als Drache durch die Lüfte geflogen. Meine Augen verengten sich zu Schlitzen, als ich eine der Ballisten anvisierte. Mittlerweile schossen diese auf mich, aber ich wich den todbringenden Geschossen mit Leichtigkeit aus. Als ich über die Balliste flog, klappte ich mein Maul auf und ein Feuerstrahl schoss daraus hervor.
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