Höher als Träume, tiefer als Vertrauen

von CrazyFly
GeschichteFreundschaft / P16
Daniel Gutenberg Delia Seefeld Luzy Schoppa Magnus von Hagen Mara Minkmar Nina Martens
30.11.2014
26.12.2014
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Langsam  fuhr die schwarze Limousine die Allee hoch und kam wenige Minuten später in einem Hof zu stehen, meine  Eltern sahen mich an und lächelten. Als ich erfuhr, dass ich ins Internat ziehen muss weil meine Eltern für einen längeren Zeitraum im Ausland sein werden und mich nicht alleine Zuhause lassen wollten. Hörbar seufzte ich und dachte an zuhause. Ich vermisste meine Freunde und musste mich erst einmal damit abfinden dass ich nun in diesem Internat wohnen werde. Der Chauffeur stieg aus und ging um den Wagen herum, öffnete die Tür und liess erst Papa, dann Mama und zuletzt mich aussteigen. Am liebsten hätte ich mich wieder im Wagen verkrochen. Das ging jedoch nicht so einfach. Gemeinsam mit meinen Eltern schritt ich auf die Tür des alten, dennoch edlen Hauses zu. Die Tür ging auf und ein älterer Herr in einem grauen Arbeitsmantel und Glatze trat heraus. Er machte keinen sympathischen Eindruck und sein schiefes lächeln schüchterte mich ein. Stumm wie ein Fisch stand ich neben meinen Eltern und dem Chauffeur. Der Mann der sich als Viktor Emanuel Rhodemer vorstellte wechselte mit meinen ein paar freundliche Worte und zeigte uns mein Zimmer. Ich schulterte die Tasche in der meine Gitarre verstaut war und trug sie ins Haus, während der Chauffeur den Auftrag von meinem Vater erhielt meine Koffer zu tragen. Er zeigte uns einige Gemälde und erklärte uns die kurz Version des Hauses, was mich nicht wirklich interessierte.

,,Viktor!‘‘, trällerte eine Frauenstimme. Kurz darauf kam eine feste Frau um die Ecke gebogen.
,,Ah…darf ich vorstellen? Das ist Rosie unsere Haushälterin.‘‘, erklärte uns Viktor zuckersüss.
,,Guten Tag. Ah du musst also das neue Mädchen sein? Wie heisst du?‘‘, fragte sie an mich gewandt.
,,Hallo, ähm ja…ich heisse Amila-Chiara!‘‘, antwortete ich brav und reichte der Frau meine rechte. Zufrieden lächelte mein Vater.
,,Johann würden Sie bitte die Koffer ins Zimmer von Amila tragen?‘‘
,,Natürlich Herr von Hochstetten!‘‘, meinte der angesprochene.

Ich mochte Johann und hoffte innerlich dass wenigstens er mich besuchen kam. Sanft drückte meine Mutter meinen Arm und wollte mir damit sagen, dass es weiter ging. Hintereinander schritten wir die Treppe hoch. Ich sah nur noch wie dieser Viktor ins hinterste Zimmer auf der linken Seite verschwand. Wie die Enten liefen wir in einer Reihe, bis wir alle im Zimmer versammelt standen. Hilflos sah ich mich um. Stillschweigend setzte ich mein Instrument vorsichtig auf den Boden und betrachtete das Zimmer. Wer wohnte noch hier drin? Es schien als könnte Viktor meine Gedanken lesen und meinte:,, Du wirst dir das Zimmer mit Nina und Delia teilen.‘‘
,,Gut, dann hast du ja schon mal Gesellschaft.  Wo kann Amila üben?‘‘, fragte Papa.
,,Üben?‘‘
,,Sie müssen wissen Herr Rhodemer, unsere Tochter spielt Gitarre und ist wirklich sehr begabt!‘‘, prahlte meine Mutter und ich wäre am liebsten im Erdboden versunken.
,,Mama bitte!‘‘, bat ich.
,,Wirklich?! Sie kann hier im Zimmer oder draussen im Garten üben.‘‘, meinte Viktor. Seine Augen stachen förmlich auf meiner Haut.
,,Ausserdem schreibt sie wunderbare Geschichten.‘‘, erzählte Mama unerschrocken weiter.
,,Mama!‘‘
,,Eliza ich glaube es reicht…‘‘, meinte Papa und drehte sich zu mir um.
,,…meine kleine süsse Amila-Chiara, wir müssen dich jetzt leider alleine lassen du weisst ja…‘‘
,,Das Geschäft ruft…ja ja…hab schon verstanden!‘‘, beendete ich geknickt den Satz meines Vaters.
,,Wir telefonieren, versprochen!‘‘ Ich nickte nur und kämpfte gegen die Tränen. Nachdem ich mich auch von meiner Mutter verabschiedet hatte, drückte ich noch Johann an mich und er versprach mir, dass er mich besuchen kommen würde so oft es nur ging.

Ich sah dem Wagen meiner Eltern nach und widmete mich wieder dem Auspacken zu, verstaute die Sachen, als ich fertig damit war räumte ich die Koffer weg, griff nach meiner Gitarre und ging herunter ins Wohnzimmer. Dort jedoch lernte ich schnell die andere Seite dieses Viktors kennen, der mir ohnehin schon Angst einjagte. Ich setzte mich auf das braune Sofa und spielte ein vertrautes Lied ohne es zu singen. Was meine Mutter Gott sei Dank nicht erwähnen konnte war, dass ich eine recht begabte Sängerin bin, was ich dem Vater meiner besten Freundin Elena  zu verdanken habe. Viktor und Rosie kamen ins Wohnzimmer und sahen mich an. Während Rosie Freude an meinem geklimpere hat, schaute Viktor mürrisch drein und nutzte diese Gelegenheit geradezu um mir die Hausordnung unter die Nase zu reiben. Eigentlich war es ganz einfach! Wenn ich mich an die Regeln hielt, würde mir nichts passieren….wenn! ich war schon immer ein Mädchen die sich an keinerlei Regeln hielt, sich mit anderen prügelte und das Abenteuer suchte.  Aber etwas in mir, sagte mir, dass es dieses Mal anders sein würde.    

,,Wenn ich deinen Eltern nicht versprochen hätte dass du üben darfst, würde ich dir dieses Ding wegnehmen.‘‘, fauchte der Glatzköpfige mich an.
,,Dann gehe ich eben nach draussen oder ins Zimmer!‘‘, motzte ich und stand schon auf.
,,Ach bleib doch hier! Ich mag deine Musik, ausserdem gibt es bald Abendbrot und die anderen werden auch bald kommen.‘‘, entgegnete Rosie mir versöhnlich.
,,Na gut…dann bleib ich eben…aber nur Ihnen zu liebe!‘‘, antwortete ich auf Rosies Aussage.
,,Sag doch einfach Du zu mir, dass tun hier alle!‘‘
,,Okay.‘‘

Ich grinste frech, setzte mich und überlegte was ich noch spielen könnte.
Ich stimmte das Lied True von Amaranthe an. Ich liebte diese Band und ihre Frontsängerin Elize Ryd war mein Vorbild. Die Band hatte viele Songs die mir gefielen darunter Drop Dead Cynical, Mechanical Illusion, Burn with me und Electroheart. Kaum hatte ich mit Spielen begonnen und sang das Lied, vergass ich meine Umgebung völlig um mich herum. Da gabs nur noch mich, meine Gitarre und diesen Song von Amaranthe. Diesen Song haben Elena und ich so oft gesungen und in einem Abschlusskonzert in diesem Sommer vorgesungen. Ich war so vertieft in den Song dass ich nicht bemerkte wie sich jemand an mich heran schlich, kaum hatte ich den Song True zu Ende gespielt, spielte ich sofort den Song Trinity. Als ich Rosie in der Tür bemerkte grinste ich kurz und beendete den Song, legte die Gitarre weg und vernahm ein Klatschen, welches nicht von Rosie stammte. Hastig drehte ich mich um und sah eine Gruppe von Jugendlichen in der Tür stehen. Mir wich die Farbe aus dem Gesicht. Oh Gott…wie lange stehen die denn schon da?, fragte ich mich erschrocken. Eine rothaarige, etwas kleiner als ich es war, kam auf mich zu. Sie lächelte und reichte mir ihre Hand.

,,Hi ich bin Nina. Das war ein wunderschönes Lied. Wie heisst es?‘‘
,,Hi…danke…‘‘ Ich wollte mich vorstellen, doch die anderen waren schneller.
,,Räumt eure Sachen weg, dann macht ihr  eure Hausaufgaben.‘‘, rief Viktor streng. Das war vorerst meine Rettung.

Ich folgte dieser Nina, einer blonden, einer schwarzhaarigen und einer mit rot-braunen Haaren nach oben. Nina und die blonde verschwanden in dem Zimmer in dem auch ich schlief. Hinter mir schloss ich leise die Tür und stellte meine Gitarre neben dem Tischchen neben meinem Bett. Es öffnete sich die Tür und die schwarzhaarige und das Mädchen mit den rot-braunen Haaren traten ein. Sollteten sie nicht Aufgaben machen? Stattdessen erklärte Nina mir dass sie gar nichts aufbekommen hätten und sich nun um mich kümmerten konnten.
Sie erzählten mir alles. Wer mit wem ging, das Viktor immer an allem etwas auszusetzten hatte und wollten dann von mir wissen wer ich war und woher ich komme.

,,Also, ich bin Luzy und du bist?‘‘, fragte mich das Mädchen mit den rot-braunen Haaren. Ich rätselte gerade ob das ihre echte Haarfarbe war oder nicht.
,,Ich bin Amila-Chiara.‘‘
,,Hi ich bin Mara! Nina kennst du ja schon. Amila-Chiara wie alt bist du?‘‘
,,Ich bin 16, aber nennt mich Amila, oder Chiara.‘‘
,,Woher kommst du? Was sind deine Eltern von Beruf? Magst du Mode?‘‘, fragte die Blonde mich.
,,Delia!‘‘, seufzte diese Nina. Aha, die Blonde heisst also Delia., dachte ich.
,,Ähm…ich komme aus Hamburg, mein Vater besitzt ein Autohaus mit Sportwagen und meine Mutter ist Model! Naja…es geht.‘‘, antwortete ich und war sichtlich mit den Mädchen überfordert. Luzy sah auf die Uhr.
,,Ich möchte ja unser Gespräch nicht beenden, aber wir sollten runter! Ihr wisst schon, sonst dreht Viktor wieder am Rad.‘‘ Die anderen Mädchen nickten und standen auf.

Vorsichtig betrat ich den Essraum und schielte um die Ecke. Irgendwie fühlte ich mich nicht wohl und wollte schon wieder verduften, als Luzy mich am Handgelenk und mit einem “Komm rein“, hinein schleifte. Ich konnte nicht beschreiben wie mich die Jungs anstarrten. Hilfesuchend setzte ich mich zwischen Luzy und Nina. Und wo das ausfragen im Schlafraum endete ging hier unten weiter, nur mit dem einzigen Unterschied, dass hier die Jungs alles mitbekamen und mitreden konnten. Ich bemerkte wie ein rothaariger Junge mich anlächelte und beobachtete. Rosie servierte uns Spaghetti Bolognese. Von allen Seiten stellte man mir fragen. Woher ich so toll Gitarre spielen und singen kann, wer ich sei, ob ich Geschwister habe.

,,Wie heisst du?‘‘, fragte mich dieser Felix.
,,Amila-Chiara!‘‘, antwortete ich.
,,Wie alt?‘‘
,,Ach Magnus…die Kleine ist bestimmt erst 15!‘‘, murmelte dieser Felix.
,,Machst du Sport oder sonst was?‘‘, fragte ein schwarzhaariger Junge, der so viel ich erfahren habe Kaya hiess.
,,Ja, ich spiele Volleyball!‘‘, antwortete ich.
,,Spielst du denn schon lange Gitarre?‘‘, fragte der rothaarige mich.
,,Daniel, das hört man doch! So gut wie sie spielt niemand!‘‘, bemerkte Delia.
,,Na ja…vier Jahre?‘‘, antworte ich schüchtern. Auf einmal sehe ich aus den Augenwinkeln etwas auf mich zu geflogen gekommen.
,,Magnus muss das sein?!‘‘, vernahm ich die Stimme von Luzy und wischte mir die Spaghetti aus dem Gesicht stand auf, nahm meinen Teller und ging zu diesem Magnus.

,,Darf ich dich mal was fragen?‘‘, fragte ich und lehnte mich locker lässig an den Tisch.
,,Na klar!‘‘
,,Hast du schon geduscht?‘‘, fragte ich. Sein Blick wanderte zu jedem einzelnen der am Tisch sass und sagte dann:,, Ja, gerade eben. Warum?‘‘
,,Dann kannst du nach den Essen nochmals duschen gehen!‘‘, meinte ich, nahm mit der rechten Hand eine Ladung Spaghetti mit Sauce und verteilte diese dann mitten auf dessen Gesicht. Ich beugte mich zu ihm herunter.
,,Bewirf mich nie wieder mit etwas!‘‘, sagte ich freundlich und setzte mich wieder an meinen Platz. Wütend stand Magnus auf und verliess den Raum.
,,Der war gut!‘‘, japste Kaya.
,,Danke!‘‘, entgegnete ich und Daniel schöpfte mir neue Spaghetti mit Sauce, da ich die letzten auf Magnus` Gesicht verteilt hatte.
,,Auch wenn Magnus Ninas Freund ist, das war wirklich eine Nummer. Der wird dich eine Zeitlang nicht mehr ärgern.‘‘ Luzy wischte sich eine Träne aus dem Gesicht und ich ass weiter.
Weil heute mein erster Tag im Haus Anubis war, war ich noch vom Küchendienst befreit. So konnte ich mich nach oben verdrücken und spielte noch ein zwei Lieder auf der Gitarre. Langsam öffnete sich die Tür und dieser Daniel trat ein.

,,Hey, du spielst wieder?‘‘
,,Ja, das tue ich immer wenn ich mich einsam fühle!‘‘, antwortete ich.
,,Darf ich dir zuhören?‘‘, fragte er mich und ich nickte.

Es war wie vorhin im Wohnzimmer, kaum hatte ich zu spielen begonnen vergass ich alles und verschmolz mit der Musik. Ich spielte den Song Over and Done von meiner Lieblingsband. Normalerweise fehlte hier die Stimme von Elena, die mit mir dieses Lied für die Weihnachtsfeier geprobt hatte. Doch daraus wurde jetzt nichts mehr.

,,Ich kenne dieses Lied! Das ist doch von dieser schwedischen Band Amaranthe oder?‘‘
,,Ja, genau. Elena und ich haben oft die Lieder vorgesungen und es hat uns immer widere Freude bereitet wenn das Publikum im Takt der Musik geklatscht hat.‘‘, schwärmte ich. Erst jetzt begriff ich wie sehr mir meine Freunde in Hamburg fehlten.
,,Hast du einen Freund?‘‘, fragte Daniel auf einmal.
,,Nein…und wie steht es bei dir?‘‘, wollte ich wissen.
,,Keine Freundin…naja…aber vielleicht ändert sich das ja bald?‘‘ Er grinste und zwinkerte mir zu. Was zum Kuckuck hatte das den zu bedeuten?, fragte ich mich und sah dem gehenden Daniel nach.
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