Ein Almost Human Weihnachtsspecial

GeschichteKrimi, Sci-Fi / P12
Dorian John Kennex
30.11.2014
24.12.2014
5
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W E I H N A C H T S S P E C I A L

Vielen Dank an dieser Stelle an meine Coautorin Sukaii. Möge sie mir verzeihen, wie viel ich gestrichen und verändert habe.

Es weihnachtete sehr in L.A.. In allen Schaufenstern waren Spielzeuge, Winterkleidung, Schmuck und andere potentielle Geschenke ausgestellt, die unter den Unmengen an Weihnachtsdekoration fast schon verschwanden. Überall standen Tannenbäume, an denen bunte Kugeln glänzten und Lichterketten blinkten; An Decken, Fassaden und Straßenlaternen hingen Lichterschläuche, Tannenzweige und Schleifen.
Aufgeregt rufende Kinder liefen auf dem Bürgersteig, die auf einen Mann im Santa-Kostüm zustürmten. Der hielt sich lachend den dicken Kissen-Bauch und winkte John fröhlich zu - und als wäre das alles nicht schon kitschig genug, wehten in diesem Moment einige Flocken Kunstschnee vom Dach eines Süßwarenstandes auf die Windschutzscheibe seines Wagens.
John schaltete die Scheibenwischer ein. Am liebsten hätte er den Besitzer des Standes wegen Gefährdung des Verkehrs oder etwas in der Art verhaftet, aber erstens reichte das Bisschen Schnee wohl nicht aus und zweitens war heute der 24. Dezember, und so wenig ihn Weihnachten auch interessierte, würde er es dem Mann doch nicht unnötig verderben. Außerdem war John außer Dienst unterwegs.
Seit er sich zurückerinnern konnte, hatte er in jedem Jahr die Nachtschicht an Heiligabend übernommen, wenn alle anderen bei ihren Familien waren, Truthahn aßen, Glühwein tranken und gemeinsam auf den nächsten Morgen warteten, wenn die Kinder ihre Geschenke auspacken durften.
Je weiter er sich vom Stadtzentrum entfernte, desto weniger wurde die Dekoration. Dennoch wurde er an den besonderen Feiertag erinnert, wo immer er auch hinsah. Mal stand eine altmodische, kitschige Lichtertreppe in einem Fenster, mal waren Kränze oder Girlanden an den Türen angebracht und anderswo konnte man durch das Glas einen Holo-Tannenbaum sehen.
John war froh, als er in seinem Apartment stand und die Tür geschlossen hatte. Wenn man nicht aus dem Fenster sah, konnte man hier nie erkennen, welche Jahreszeit gerade herrschte oder, ob ein Feiertag bevorstand. Es war gleichbleibend spartanisch eingerichtet, weiß und zweckmäßig. Er zog sich um, warf seine Klamotten in eine Ecke seines Schlafzimmers, verdunkelte die Fenster und ließ sich aufs Bett fallen, in der Hoffnung, noch etwas schlafen zu können. Er stellte den Wecker und schloss die Augen.
Es dauerte eine ganze Weile, bis er einschlief, aber schließlich schaffte er es. Durch die Schwärze flackerten verschwommene Bilder...eine Explosion, die unbewegte Gestalt eines MX, ein altes Haus. Tropfendes Blut. Anna. Sie lag auf seinem Bett und lächelte ihn an. Sie begann zu grinsen, während ihr Gesicht immer näher kam. Ihre Augen veränderten sich langsam, wurden zu kalten, dunkel glimmenden Funken in der Finsternis.
John riss die Augen auf und schnappte hörbar nach Luft. Der beunruhigende Klang hallte noch in seinem Kopf. Er setzte sich auf, fuhr sich mit den Händen über das Gesicht, um das Bild zu vertreiben und sah auf den Wecker.
Er hatte ganze drei Stunden lang geschlafen. Prima. Sich wieder hinzulegen hatte seiner Meinung nach wenig Sinn, daher verbrachte er die nächste halbe Ewigkeit damit, zu essen und unruhig auf und ab zu gehen, bis er es nicht mehr aushielt und beschloss, einfach früher zum Department zu fahren.
Als er schließlich mehr als eine halbe Stunde zu früh die Zentrale betrat, war Sandra Maldonado nicht die einzige, die ihn mehr als überrascht ansah. Pünktlichkeit war nie etwas gewesen, für das man John Kennex gerühmt hätte. Solange er noch keinen Dienst hatte, räumte er seinen Schreibtisch auf – noch etwas, das ihm keiner glauben würde, wenn er es nicht gesehen hatte. Maldonado warf ihm mit einem Kopfschütteln noch einen verwunderten Blick zu, dann verschwand sie wieder in ihrem Büro.
Mit der Zeit leerte sich die Zentrale merklich. An Heiligabend verließ sogar Maldonado ihren Posten. Kurz bevor Johns Schicht anfing, stand Valerie Stahl neben ihm. Sie trug eine braune Lederjacke und wollte offensichtlich gerade gehen.
„Nachtschicht?“, sie lächelte ein wenig mitleidig.
„Ähm, ja. Irgend jemand muss ja.“, John rieb sich etwas verlegen den Nacken.
„Na dann...“, sie schenkte ihm ein offenes Lächeln, „Viel Glück.“ Valerie drückte ihm einen großen Becher heißen Kaffee in die Hand: „Frohe Weihnachten, John.“, sie ging an ihm vorbei, ohne eine Antwort abzuwarten, und war verschwunden.
John setzte sich an seinen Schreibtisch. Inzwischen waren nur auf der oberen Ebene des Departments noch zwei Büros besetzt. Er stellte den Becher ab, schaltete den Computer an und stützte resigniert den Ellbogen auf. Arbeiten war besser als Weihnachten, aber das hieß nicht, dass es ihm auch Spaß machte.
Er atmete tief ein und aus – das würde eine lange Nacht werden.
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