A life in light or darkness

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Christine Daaé Erik - das Phantom der Oper
30.11.2014
19.06.2015
49
129154
12
Alle Kapitel
70 Reviews
Dieses Kapitel
13 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Sooo... Erst einmal: Die Geschichte richtet sich nach dem Musical, wobei zu sagen ist, dass die Geschehnisse aus Love never dies hier... nicht geschehen sind. ^^ Der Anfang ist noch ernster, aber später ist die Geschichte vielleicht mit Humor zu sehen. Das war es auch schon, hoffentlich viel Spaß beim Lesen. ;)


Die Stimmen verklangen. Schreie, ob ängstlich oder wütend, verstummten, resignierten in der Dunkelheit. Schritte hallten von den steinernen Wänden wieder, entfernten sich von seinem Versteck. Bald war es still. So still, wie er es gewöhnt war, wie es sein sollte. Kein Geräusch drang zu ihm durch bis auf das leise Plätschern des Sees, das er schon lange nicht mehr hörte, wie andere Menschen das Ticken einer Uhr mit der Zeit überhören. Sie waren fort. Dennoch blieb er sitzen, lehnte den Rücken gegen die kalte Wand. Seit Atem ging ruhig. Seine Augen starrten geradeaus. Jede einzelne Kerze war erloschen. Alles lag in vollkommener Dunkelheit, und doch konnte er Konturen erahnen. Schließlich gehörte er hierher, in die Finsternis. Wo anders sollte er sein?
Er war hier, und er blieb hier, und sie war fort.
Er hob die Finger an die dünnen Lippen. Er spürte noch ihre Lippen auf den seinen. Dieser eine Kuss war pure Glückseligkeit gewesen. Nie hätte er gedacht, dass er so etwas einmal erfahren dürfte. Dafür wusste er jetzt, dass es ihm nie wieder vergönnt wäre, so etwas zu erleben. Nicht von ihr, niemals mehr von ihr. Und er wollte keine andere. Es würde ihm wie Verrat vorkommen, Verrat an sich selbst und Verrat an ihr, obwohl er beides schon begangen hatte. Sie hatte den Ring noch. Vielleicht würde ihm wenigstens das Vergessen werden erspart bleiben, sollte sie sein Geschenk nicht in die Seine werfen.
Er erlaubte sich kein Schluchzen, noch nicht einmal ein Seufzer. Wenn er bleiben wollte, müsste er still sein. Still. Wie wohltuend und gleichzeitig quälend diese Stille war. Was sollte er damit anfangen? Er hatte sein Ziel aus den Augen verloren, es war auf einem seiner Boote fort gefahren. Ein anderes Ziel hatte er nicht gekannt. Überleben zählte nicht mehr. Er wollte leben. Lieben, geliebt werden. Dabei wusste er nun, dass ihm nichts davon je widerfahren würde. Ja, sie war fort. Er wünschte, er könnte ihr folgen. Er wünschte, er könnte weiter hinter dem Spiegel stehen und bei ihr sein, ohne dass sie davon wusste. Und er wünschte, dieser Junge hätte sie nie wieder gefunden. Er wünschte vieles und bekam nichts davon. Wie sollte es auch anders sein?
Er richtete sich auf und beugte sich vor, um durch den kleinen Spalt zu spähen, den er frei gelassen hatte. Als er sich versteckte wie ein in die Enge getriebenes Tier. Hinter seinem Sessel, der fast einem Thron ähnelte, befand sich eine kleine Kammer. So klein, dass er mit angezogenen Knien darin hockte, der Kopf nur Zentimeter von der Decke entfernt. Aber dort würde ihn niemand entdecken. Niemals mehr würde er sich aus den Schatten unter der Oper wagen. Er blinzelte. Aus seinem Versteck konnte er einen Lichtschein erkennen. Ein Überbleibsel der Fackeln, oder ein zurückgelassener Verfolger? Seine Lippen verzogen sich zu einem grimmigen Lächeln. Noch einmal töten, bevor er für immer verschwand. Noch einmal jemanden in Angst und Schrecken versetzen, bevor er selbst in Vergessenheit geriet. Er lauschte. Schritte. Es war ein Fackelträger, und er kam näher. Der Schein der Fackel erreichte sein Sichtfeld. Er sah seine weiße Maske auf dem Boden liegen. Jemand kniete sich davor, nahm sie in die Hand.
Du wagst es, sie anzurühren? Wollt ihr sie mir auch noch nehmen?
Er erkannte lange, blonde Haare, und er erkannte das Mädchen. Ihre Freundin. Die Tochter der Madame. Er sank auf seine Knie. Den einzigen Mord, den er noch begehen würde, würde er wohl an sich selbst begehen. Das Mädchen, das Jungensachen trug, betrachtete seine Maske fasziniert. Es hob den Kopf, sah sich um, suchte nach einem Zeichen von ihm. Es sah genau in seine Richtung, als könne es ihn sehen, doch der Blick flog weiter. Und dann zuckte sie zusammen und sah in die andere Richtung. Auch an seine Ohren drangen erneut Schritte und er sehnte sich nach Einsamkeit. Die Blonde stand rasch auf und eilte davon, nicht ohne noch einmal zurückzublicken. Die Maske hatte sie wieder fallen lassen. Seine Augen klebten daran. Er wollte sie bei sich haben. Sie gehörte ihm, war das einzige, was je wirklich ihm gehört hatte. Wie seine Musik, die er vielleicht ebenfalls verloren hatte, war sie ein Teil von ihm und wenn er sie nicht trug hier in den Schatten, dann gehörte sie wenigstens in seine Hände.
Der, zu dem die Schritte gehörten, trug keine Fackel, sondern eine seiner Kerzen. Er erkannte es am Licht. Er sollte seine Maske in Ruhe lassen. Doch wieder wurde sie entdeckt, und wieder kniete sich jemand neben sie. Er konnte nur eine Hand sehen, die sich nach ihr ausstreckte, und ein Arm, der in weiße Spitze gehüllt war. Seine Augen weiteten sich. Warum war sie hier? Warum war sie zurückgekommen?
Review schreiben