Jakes Haiku-Adventskalender

von - Leela -
GeschichteMystery, Poesie / P12
Eddie Futura Jake Tracy
30.11.2014
25.12.2014
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Vorbereitungen

30. November – Haiku und Schokolade

Jake kam gerade in die Küche dazu, als Eddy und Tasha einen großen Adventskalender aufhingen. Staunend betrachtete er den Schokoladen adventskalender, der nahezu doppelt so groß war wie die herkömmlichen mit Schokolade gefüllten Adventskalender, die er aus den Läden kannte. Das Motiv, das die beiden ausgesucht hatten, war wunderschön: Ein Schloß war auf ihm zu sehen, inmitten einer schönen Schneelandschaft. Vor dem Eingang stand ein riesiger geschmückter Tannenbaum. Man konnte einen Schneemann sehen, einen Hasen, der sich nahe des Waldes tummelte, und eine Katze, die sich vor dem Weihnachtsbaum putzte. „Für wen ist der denn?“ wunderte sich der Teamführer.
      „Bislang für Tasha, Tracy, Futura und mich!“ erklärte Eddy, der gerade dabei war, den Kalender an der Wand festzuhalten.
      „Wie, ihr teilt euch einen Adventskalender?“ fragte Jake verblüfft.
      „Ja!“ meinte Tasha leichthin, während sie austaxierte, ob der Kalender an der Wand gerade ausgerichtet war. „Zuerst haben Eddy und ich beschlossen, wir teilen ihn uns, weil der so schön groß ist, daß man auch alle zwei Tage etwas davon hat.“
      „Dann kam Tracy darauf zu, als wir ihn gerade nach Hause gebracht haben.“ fuhr Eddy fort und reichte seiner Frau den Bleistift, damit sie anzeichnen konnte, wo sie die Nägel in die Wand schlagen mußten.
      „Er sah so neidisch aus, daß wir ihn gleich mit in unseren Plan integriert haben. Immerhin geht das ja auch zu dritt auf.“ erläuterte Tasha weiter und gab Eddy den Kalender, der ihn bei sich an die Wand lehnte. „Am Abend hat Futura uns dann ganz fasziniert darauf angesprochen.“ ergänzte sie, während sie sich einen der bereitgelegten Nägel vom Tisch nahm.
      „Ja, und jetzt sind wir zu viert!“ schlußfolgerte Eddy, der ihr fast schon nebenbei den Hammer in die Hand gab.
      „Du kannst auch noch mitmachen!“ bot Tasha an, bevor sie begann die Nägel in die Wand zu hämmern.
      Jake lachte. „Nee, vielen Dank. Mit fünf Leuten geht das ja gar nicht auf. Davon abgesehen arbeite ich an meinem Haiku-Adventskalender. Mehr brauche ich dieses Jahr gar nicht.“
      Die beiden horchten auf. „Ein Haiku-Adventskalender?“ hakte Tasha nach.
      Jake nickte. Während sein Cousine das Werkzeug zusammenräumte, und Eddy den Kalender aufhing, erklärte er: „Auf der Poesie-Website, auf der ich aktiv bin, gibt es dieses Jahr eine eigene Rubrik für Adventskalender, mit anschließender Prämierung. Dort kann jeder einen eigenen Adventskalender für die anderen einstellen, und jeden Tag ein Türchen posten.“
      „Und du machst einen Kalender mit Haiku? Wie schön!“ schwärmte Tasha.
      Jake lächelte stolz. „Zumindest versuche ich es.“
      „Der wird bestimmt toll!“ war die Geisterwissenschaftlerin sich sicher.
      „Und gewinnt den ersten Preis!“ setzte ihr Mann überzeugt nach.
      „Naja, darum geht es mir gar nicht.“ meinte Jake verlegen. „Wenn er ein paar anderen gefällt, dann reicht mir das schon.“
      „Ach, komm…“ Tasha ging zu dem hochgewachsenen Blonden herüber und nahm zuversichtlich seine Hände. „Deine Haiku sind toll! Ich bin mir sicher, daß du eine richtig gute Chance hast, zu den Gewinnern zu zählen. Und du kannst mir nicht erzählen, daß du dich nicht darüber freuen würdest!“
      Jake ließ sich ein leichtes Schmunzeln vernehmen. „Natürlich würde ich mich freuen. Aber ich wäre eben auch nicht traurig, wenn es nicht klappt. Überleg‘ mal, da machen so viele Leute mit! Ich weiß, ihr habt mir schon öfter gesagt, daß ihr meine Verse mögt. Ob er aber aufs Siegertreppchen kommt… Dafür sind andere mit Sicherheit wesentlich besser als ich. Ich möchte einfach meinen Spaß daran haben, den Kalender auszuarbeiten, sonst nichts. Und dann schauen wir mal, was passiert.“
      Tasha lächelte leicht resigniert und ging zum Küchentisch zurück. „Dürfen wir denn auch lesen?“ fragte sie aufgeregt, während sie Eddy gedankenverloren das kleine Werkzeugköfferchen in die Hand gab, der gar nicht so recht wußte, was er damit anfangen sollte, und es schlicht wieder auf den Tisch zurückstellte.
      „Natürlich!“ lachte Jake. „Ist doch öffentlich! Kommentieren kann man die einzelnen Türchen übrigens natürlich auch. Du findest ihn auf xxx.poetry.ff in der Rubrik Adventskalender unter »Jakes Haiku-Adventskalender«.“
      „Na, das ist aber kein poetischer Titel!“ bemerkte Eddy bald enttäuscht.
      „Mir fiel nichts besseres ein!“ entschuldigte sich der Blonde, was Eddys skeptischen Blick nicht entkräftete.
      „Wird der Titel mitbewertet?“ fragte der Brünette nicht sehr überzeugt.
      „Wie ich schon sagte, darum geht es mir überhaupt nicht!“ erinnerte Jake, ein bißchen vehementer als beabsichtigt. „Er soll einfach ein bißchen Spaß machen, mehr nicht! – Auf jeden Fall habe ich mir vorgenommen, für jedes Türchen das Haiku auch erst an dem Tag zu schreiben, wenn es dran ist.“
      „Oh, das klingt spannend! Meinst du denn, du schaffst das?“ fragte Tasha.
      „Ich muß!“ erklärte der Teamführer schlicht. „So viel Ehrgeiz muß ich eben haben. Aber das wird schon. Mir fällt ja eigentlich immer etwas ein, wenn ich es wirklich will. Und prinzipiell haben wir ja den ganzen Tag Zeit, das Türchen upzuloaden.“
      „Werden das denn alles Weihnachtshaiku?“ fragte die sportliche Blonde neugierig weiter.
      „Mal sehen, wie es sich so ergibt! Das lasse ich alles auf mich zukommen, je nachdem, in welcher Stimmung ich gerade bin. Aber zumindest sollen es alles winterliche Haiku werden. Sonst ist es ja irgendwie am Sinn vorbei.“
      „Wow, ich bin gespannt!“ bekannte die Geisterwissenschaftlerin von Herzen.
      „Ich bin aber auch mal gespannt, wie das so mit eurem Kalender wird!“ erwiderte Jake und deutete zu dem harmonischen weihnachtlichen Bild auf der anderen Seite der Küche.
      „Naja, so aufregend ist es ja auch wieder nicht.“ kommentierte Tasha. „Im Grunde ist es ja nichts weiter als ein normaler Schokoladenkalender.“
      „Und wenn schon!“ behauptete Jake. „Ihr werdet euren Spaß dran haben, da bin ich sicher. – Ich bin nur mal gespannt, wie das mit dem Teilen klappt!“ Tasha und Eddy musterten ihn argwöhnisch, und in dem Moment hatte der Teamführer das Gefühl, daß die beiden das gleiche dachten: Wenn ein Türchen fehlen sollte, fiel der Verdacht nicht zuletzt auf ihn! „Ich gönne es euch!“ schob er gleich vorsichtshalber mit ein.
      Das Pärchen wechselte ein Schmunzeln, dann nahm Tasha den Werkzeugkoffer, um ihn in Tracys Werkstatt zurückzubringen, und die drei verließen gemeinsam die Küche.
      Als die Tür ins Schloß fiel, blieb der Kalender vorerst einsam an der Wand zurück. Die Katze hatte sich vor der Tanne eingerollt, und der Hase war im Wald verschwunden. Vor dem Schneemann waren frische Spuren eines Schlittens im Schnee zu sehen. Im Schloß waren inzwischen die Lichter angegangen, und der Weihnachtsbaum erstrahlte ihm Glanz der Lichterketten.

Euch allen einen fröhlichen 1. Advent! ^^
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