[Wieder Winter]

GeschichteFreundschaft / P16
Felix Brummer / Kummer Till Brummer / Kummer
29.11.2014
09.02.2015
16
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Ich hasse Winter. Und Weihnachten. Im Winter ist es kalt (bestenfalls so kalt, dass man erfriert, es aber nicht schneit, sondern regnet), ungemütlich und noch mindestens zwanzig andere Dinge, an die ich nichtmal denken will. Zum kotzen.
Und an Weihnachten muss man freundlich sein und alle lieb haben. Wer auch immer auf diese beknackte Idee gekommen ist hat wahrscheinlich in einer Welt aus Zuckerwatte und Feenstaub gelebt. Großartig, binden wir doch gleich eine Schleife um die Erde.
Ich verstehe absolut nicht, warum alle Weihnachten und Winter so toll finden. Ich jedenfalls kann gut darauf verzichten. Leider habe ich eine Schwester, die leider zu den Leuten gehört, die leider Weihnachten mögen und leider gerne auf Weihnachtsmärkte gehen. Und leider gehören meine Eltern zu den Leuten, die immer unterwegs sind und deshalb mich als das Kindermädchen meiner Schwester engagiert haben. Klasse.
Aber vielleicht sollte ich mich erstmal vorstellen, bevor ich weiter rede. Ich bin Adele, 19 Jahre alt und wohne im schönen Karl-Marx-Stadt. Wobei, der Weihnachtsmarkt versaut gerade alles. Jedenfalls bin ich eher durchschnittlich: lange, braune Haare, blaue Augen,  Studentin an der Uni in Chemnitz. Ich bin singel, chaotisch, und das wars. Naja, und ich hasse Winter, aber das dürfte man ja bemerkt haben.

Es war Freitag, ich rannte genervt durch die Innenstadt von Chemnitz. Überall Menschen, also rannte ich eigentlich weniger. Eigentlich drängelte und schubste ich mich durch die Menge. Ich suchte meine kleine Schwester, wegen der ich hier war. Seit einer halben Stunde war ich jetzt schon unterwegs, doch sie war scheinbar wie vom Erdboden verschluckt. Das Letzte, was sie mir vor ihrem Abgang zugerufen hatte, klang, als hätte sie einen alten Freund wieder getroffen.  Wer weiß, was das hieß. Meine Schwester, 15, eine blonde Schönheit, hat sich nämlich schon oft als Männermagnet erwiesen. Hatte sie nicht etwas von Riesenrad gesagt? Ich schaffte es endlich, mich mit gewaltigem Einsatz meiner Ellenbogen aus der Menge heraus auf ein etwas leereres Plätzchen zu befördern, als vor mir eine große Gestalt auftauchte. Ich konnte nicht mehr schnell genug ausweichen und klatschte wortwörtlich auf den Boden. Feli hätte gesagt: 'Das hat so richtig gefatscht!' Mit diesem Gedanken stand ich grinsend auf. Die Gestalt, welche sich als ein sehr großer, junger Mann herrausstellte, guckte mich etwas besorgt an, grinste dann jedoch auch verlegen. 'Sorry' murmelten wir gleichzeitig etwas peinlich berührt,  und nach einer kurzen Stille fügte ich hinzu 'verhext'. Der Fremde grinste erneut und reichte mir seine Hand, um mir hoch zu helfen. Ich nam sie, lies sie jedoch mit einem spitzen Schmerzensschrei wieder los und begutachtete keuchend meine recht Hand. Der Fremde beugte sich ebenfalls besorgt hinab und untersuchte meine Hand genauer. 'Gebrochen' bestätigte er meinen Verdacht eine Minute später. 'Fuck' entfuhr es mir und der junge Mann half mir besorgt auf. Ich stellte fest, dass es mir ansonsten gut ging und reichte ihm meine linke Hand. 'Hi, ich bin Adele' grinste ich. 'Tut mir echt leid mit deiner Hand. Ich bin Felix.' Er kramte kurz in seiner Jackentasche und zog ein Handy mit kaputtem Display heraus. Da fiel mir ein, dass ich ja auf der Suche nach meiner Schwester war, und ich suchte ebenfalls nach meinem Handy, musste jedoch gleich feststellen, dass ich mein Handy ja meiner Schwester gegeben hatte.
'Ähm... Felix'
'Ja?'
'Kann ich vielleicht kurz dein Handy haben? Ich suche meine Schwester, und die hat mein Handy...'
Felix grinste erneut. 'Deshalb warst du also so schnell unterwegs? '
'Ja, mehr oder weniger'
'Okay, aber mach schnell.  Ich muss meinem Bruder Bescheid sagen, dass ich mcih verspäte' Felix guckt auf seine Uhr. 'Fuck, wir sind in zehn Minuten verabredet...'
Er reichte mir sein Handy und ich wählte dankbar meine Nummer (meine Schwester hat ihr Handy immer lautlos, ich kann also vergessen, dass sie rangeht). Hoffentlich checkte meine Schwester, dass sie mein Handy hatte.
Nach gefühlten drei Minuten ging sie endlich ran.
'Feli hier, die Schwester von...'
'Jaja danke, ich weiß. WO ZUR HÖLLE BIST DU?'
'D...Delli?' stammelte Feli verlegen. 'Äh... ich verspäte mich... wo hast du das Handy her?'
'Das ist Felix Handy -' 'Wer ist Felix? ' '- aber dass ist jetzt auch egal. Sieh zu dass du herkommst. Ich bin beim Rathaus.  Dieser Tunnel da.'
Verärgert legte ich auf. Dann stellte ich fest, dass Felix schonwieder grinste.
'So stelle ich mir wahre Geschwisterliebe vor...'
Ich ging nicht darauf ein, gab ihm sein Handy wieder, murmelte ein schnelles 'Danke für alles'. Ich wollte mich schnell aus dem Staub machen, doch Felix lachte leise und hielt mich fest.
'Lass uns zusammen auf deins Schwester warten. Und was ist mit deiner Hand?'
'Wieso willst du mit mir warten? Und mach dir keine Sorgen um meine Hand, ich geh später zum Arzt...'
'Naja... einfach so. Oder musst du so dringend weg?'
'Eigentlich nicht. Eigentlich doch... ähm.'
Felix grinste. Irgendwie grinste er immer. Stand ihm aber gut. 'Jaa...?'
'Ich hasse Weihnachtsmarkt. Und Winter. Ich bin nur wegen meiner Schwester hier, und die hat sich irgendeinen Typen geangelt... eigentlich kann ich bisschen Gesellschaft brauchen...'
'Ich bin auch nicht so der Typ für Winter und Weihnachten...'
'Warum bist du dann hier?'
'Klingt jetzt komisch... ich bin mit meinem kleinen Bruder verabredet... Fuck, ich wollte ihm Bescheid sagen, dass ich später komme!'
Felix wendete sich ab, um seinen Bruder anzurufen. Nach ein paarmal Tuten legte er verärgert auf. 'Sind Geschwister immer so nervig? '
'Wahrscheinlich... meine Schwester jedenfalls ist es'
Felix grinste. Mal wieder. Gefiel mir, wie gesagt.
'Na, wenigstens hat sie eine nette große Schwester.'
Ich wurde rot, doch da es dunkel war kriegte Felix (hoffentlich) nichts mit.
'Wie ist dein Bruder so? Der hat ja auch einen tollen großen Bruder.'
'Hey...' Felix lachte. Wahrscheinlich hatte er damit nicht gerechnet. 'Mein Bruder ist der nervigste, den du finden kannst. Aber eigentlich ist er auch ganz süß. '
'Na, das klingt ja nicht schlecht. ' Ich grinste frech und Felix setzte zum Vergeltungsschlag an, doch bevor das Schlimmste eintreffen konnte, hörte ich Schritte und erblickte meine Schwester. Etwas abseits stand ihr Typ und wartete. Felix entfernte sich feixend einen Meter von mir und wartete ebenfalls. Während meine Schwester auf mich zukam und mir mein Handy in die Hand drückte, zog er Grimassen und ich musste mich zusammenreißen, nicht laut zu lachen. Meine Schwester schnalzte energisch mit der Zunge.
'Ich dachte, du hast es eilig.'
'Jaja... Tschüss Felix!'
Felix sagte nichts, winkte mir jedoch grinsend zu, als er sah wie ich meine Schwester umarmte und dann mit ihr in Richtung Pinguine davonlief. Ich drehte mich noch einmal um, doch Felix hatte sich bereits entfernt und stand jetzt bei Felis Typ.
Nach einer Weile realisierte ich, dass ich Felix garnicht nach seiner Nummer gefragt hatte, aber dass war mir dann auch egal.

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Anmerkung: Die Pinguine sind Statuen am Rande der Chemnitzer Innenstadt. Logischerweise Pinguine.
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Ich hoffe, das erste Kapitel hat euch gefallen :D ich würde mich sehr über Kritik und Kommentare freuen.
~Blood
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