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You're not perfect. You're awesome! [MMFF]

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 Slash
Akashi Seijūro Aomine Daiki Kagami Taiga Kiyoshi Teppei Midorima Shintarō
29.11.2014
29.07.2017
50
97.385
11
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Dieses Kapitel
1 Review
 
 
29.07.2017 3.932
 
ola mi amigos~
wie ihr seht... bin ich fertig. ich habe es geschafft. wir haben es geschafft. (mal dezent zu ignorieren sei die tatsache, dass ich gefühlte und tatsächliche jahre an dieser geschichte gesessen habe. i'm so sorry)
nur so als warnung... ich bin unkreativ, hatte absolut und so überhaupt keine ahnung, wie ich das alles verpacken und befriedigend beenden konnte, also.. habe ich es auf meine weise versucht. ich hoffe wirklich, ich habe es nicht vollkommen ruiniert.
na ja. wenigstens bin ich fertig.
es war eine lange reise und ich habe jedes wort genossen. ich danke euch allen (dank an diejenigen, die mir diese wundervollen charaktere geschickt haben, die diese geschichte gelesen haben, die mich begleitet haben).
vielleicht liest man sich! ich hoffe es.

xx


°-°-°-°-°


Geschichten enden nicht immer so, wie man vielleicht denkt.
Manchmal enden Geschichten, ohne wirklich zu enden, wir können sie nur nicht weiter verfolgen. Manchmal enden Geschichten plötzlich und unerwartet. Manchmal werden Geschichten niemals enden und manchmal enden sie viel zu abrupt. Und manchmal müssen Geschichten einfach enden, auch wenn wir das nicht wollen, auch wenn wir flehen und Götter anbeten, an die wir nicht glauben, es möge doch weitergehen. Doch so läuft das nicht. Denn schlussendlich sind es doch die Autoren des Lebens, Autoren der Welt und des Nichts und des Alles, die entscheiden, wann, wie, wo.

So endeten auch die Geschichten von Kenneth und Sasha und Skylar und Yin und Amaya und Izzy. Sie endeten natürlich nicht wirklich, denn sie lebten, und solange sie lebten, solange würden sich ihre Geschichten weiterziehen. Doch unser Weg mit ihnen geht nicht weiter. Ihre Wege sind nicht mehr unsere, ihre Wege verbinden sich nun mit neuen Menschen, trennen sich mit alten Menschen. Doch natürlich werden wir diese Geschichte, diesen Abschnitt ihres Lebens noch mit ihnen zu Ende bringen.

°-°-°-°-°


Für Kenneth war es nicht leicht gewesen, let me tell you. Für einen derart gefühlsverkrüppelten Menschen, einen solch verwirrten und selbstzerstörerischen Menschen gibt es schliesslich auch keinen leichten Weg. Kein grosses Happy End, kein glückerfülltes Leben. So hatte sie auch immer von sich gedacht. So war es ihr auch immer eingeredet worden – Vater, Mutter, Bruder, Schulkameraden, Kollegen. Niemals hatte sie sich als Menschen gesehen, der Liebe finden würde. Geschweige denn es überhaupt zu wollen. Niemals hatte sie sich vorstellen können, dass man jemanden wie sie anders sehen könnte, als ungemütlich und anstrengend und unleidlich und alles Negative.

Und dann waren Sasha und Skylar und Yin und Izzy und Amaya gekommen. Die ersten Menschen, die sie mochten. Ohne Vorurteile und ohne eigenen Nutzen aus der Bekanntschaft mit ihr zu ziehen, ohne sie hinter ihrem Rücken zu hassen, ohne sich an ihren Seltsamkeiten zu nerven, ohne sie ändern zu wollen. Sie waren die ersten Menschen gewesen, die sie liebte. Die ersten Anzeichen, dass sie ihr Leben vielleicht doch nicht alleine und einsam hinter ihrem Schreibtisch zu verbringen hatte.

Als zweites kam Sakurai Ryou in ihr Leben gestolpert, tollpatschig und schüchtern und so unglaublich nervenspannend, dass sie sich öfter als gewohnt die Schläfen hatte massieren müssen, um ihn überhaupt ertragen zu können. Er war so unglaublich hilflos und überfordert gewesen mit einfach allem, und sie hatte ihn von Anfang an gemocht. Nun, vielleicht hatte sie sich anfangs mehr auf seine Kosten amüsiert. Er war der sechste Mensch in ihrem Leben gewesen, der sie nicht in Frage stellte und ihr folgte und gehorchte und ihr dennoch entgegentreten konnte, wenn es darauf ankam. Er hatte sie immer respektiert, ihre Meinungen und Ansichten vielleicht nicht vertreten, aber sie ihr niemals auszureden versucht. Kurzum, von allen Dingen, war er einfach immer da gewesen. Er war immer genau das gewesen, was sie brauchte. Hatte immer das gesagt, was sie nicht hören wollte, aber sollte. Hatte sie auf seine Weise unterhalten und aufgeheitert, ohne es zu wissen.

Doch als Kenenth Ciel, selbsterklärter Soziopath und Gefühlsverkümmerte, das Pochen in ihrer Brust bemerkte, das Ziehen unter ihren Rippen, das Kribbeln in ihrem Bauch, da hatten die Alarmglocken geläutet. Und sie war abgehauen. Hatte abgeschaltet. Mäuerchen gezogen, Türen verschlossen, hatte ziemlich buchstäblich das Land verlassen. Und natürlich war er ihr hinterhergerannt. Wie ein dummes, kleines Hündchen, wie ein kopfloser Diener, wie ein Sklave, und sie hatte ich in diesem Augenblick küssen können, weil er sie nicht alleingelassen hatte. Was er ihr dann aber abgenommen hatte. Wofür sie ihn natürlich hatte schlagen müssen. Und gleich daraufhin hatte sie seine unsinnigen, so unglaublich nervigen Entschuldigungen mit einem zweiten Kuss unterbrochen. Wofür sie sich fast selbst schlug.

Was folgte waren Wochen von Verdrängung und Schreien und Aus-Dem-Weg-Gehen – meistens von Kenneth ausgehend –, und Annäherungsversuchen und Vorsicht und Sorge – meistens von Sakurai ausgehend –, und es dauerte Ewigkeiten. Ewigkeiten und ausführliche Gespräche mit ihren Freundinnen und Internetrecherche und Selbstüberwindung und Insichgehen und Überdenken. Es dauerte genau fünf Wochen und zwei Tage. Erst dann entschied sich Kenneth Ciel Eltringham, dass sie sich dumm aufführte und kein Angsthase sein wollte und Gefühle zulassen würde.

Es war nicht leicht gewesen. Es hatte viel Reden gebraucht, viele Gespräche, viel Zureden. Sakurai hatte es nicht leicht gehabt, doch er hatte nicht aufgegeben. Hatte ihr gezeigt, dass sie verdient hatte, glücklich zu sein, selbst wenn es möglicherweise nicht mit ihm sein mochte. Und sie hatte ihm gezeigt, dass sie niemals glücklich sein würde ohne ihn. Und natürlich hatte sie sich und ihn und alle geohrfeigt, die es gewagt hatten, so kitschig zu sein. Sei nicht so schwul. Natürlich meinte sie es nicht so.

Es hatte fünf Wochen und zwei Tage gebraucht. Und Kenneth hatte gegen sich selbst verloren, ihren Verstand über den Haufen geworfen und sich zugestanden, dass sie tatsächlich Gefühle besass, die sie auch zulassen durfte. Also tat sie es. Nicht oft und nicht gross und nicht auffällig, aber sie zeigte es Sakurai. Nur ihm, nur wenn sie alleine waren, nur wenn sie niemand sehen und hören konnte, weil sie sich schämte, wie unbeholfen sie doch war. Ihm schien es jedoch zu gefallen, einmal nicht der ungeschicktere zu sein, immerzu lachte er in ihrer Gegenwart, berührte sie sanft und lang. Sie nannten es keine Beziehung bis zu dem Augenblick, als Kenneth sich das erste Mal in ihrem Leben gegen Gewalt entschied und einem schrecklich aufdringlichen Mädchen dieses grosse, grosse Wort ins Gesicht geschmissen hatte. Sie hatte danach zwei Tage nicht mehr mit ihm geredet, weil die Scham einfach zu gross gewesen war. Sakurai war nie glücklicher gewesen.

Irgendwann wurde es dann offiziell. So offiziell, wie sie es halt machen wollte. Also erzählte sie es den einzigen Menschen in ihrem Leben, die ihr nicht scheiss egal waren, erzählte ihnen alles, und wurde von hochgezogenen Augenbrauen, ausgespuckten Getränken, hysterischem Gelächter und lautem Gedröhnen beglückwünscht. Segen schien sie damit ja wohl zu haben.

Ob ihr wirklich ein Happy End vergönnt sein sollte, oder ob sich dieses fantastisch surreale Gefühl des Glücks irgendwann mal verflüchtigen würde, das konnte sie nicht wissen. Sie wollte es auch nicht wissen. Sie konnte nur dafür arbeiten, dass es so blieb wie es war, wie sie es haben wollte.

°-°-°-°-°


Eigentlich hatte Sasha ja angewidert sein müssen, von der ersten Berührung an. Von dem ersten Kuss mit diesem widerlich arroganten Menschen. Von der ersten Interaktion hätte sie flüchten sollen, einfach wieder das Land verlassen. Hätte statt all dem Scheiss einfach eine Reise auf die Bahamas machen sollen. Philippinen, Hawaii, irgendetwas anderes, voller Sonne und Wärme, obwohl sie dies hasste. Es wäre noch immer Welten besser gewesen als diese ganze Sache mit Aomine und Umgang mit Gefühlen und diese Entdeckung von Freunden und dass ihr doch nicht alles am Arsch vorbeiging. Obwohl ihr das natürlich viel lieber gewesen wäre. Irgendwie. Mittlerweile was sie sich zwar nicht mehr sicher.

Sasha wusste nicht einmal, warum sie überhaupt so viel Zeit und Mühe und Anstrengung in Aomine investiert hatte. Warum sie so oft mit ihm diskutiert und gestritten und überhaupt Worte mit ihm gewechselt hatte. Warum sie so viele Nächte die Dokumente weggelegt hatte, die Bücher beiseite geschoben hatte, die Sterne ignoriert hatte, nur um sich zu ihm zu drehen und sein schlafendes Profil anzublicken. Meistens war dies verbunden mit innerem Fluchen und Selbstohrfeigen und sofortigem Wieder-Umdrehen. Und zögerlichem Zurück-Drehen, Blicke-Erhaschen, und Wieder-Wegdrehen.

Natürlich wusste sie, weshalb sie sich so verhielt, wie sie sich noch nie verhalten hatte. Weshalb sie Dinge ertrug, die sie nie ertragen hätte. Weshalb sie immer mehr Nähe zugelassen hatte, die sie sonst immer sofort unterbunden hätte. Weshalb sie ihm so viel mehr über sich offenbarte, als sie eigentlich wollte. Weshalb sie ihm erlaubte, neben ihr zu schlafen, seinen Kopf auf ihrer Schulter abzulegen, so unerhört unhöflich zu ihr zu sein, sie zu küssen. Natürlich wusste sie es. Sie war vielleicht stur und viel zu stolz, dennoch nicht dumm.

Und nach der grossen Realisation, die gar nicht so gross gewesen war, hatte sich eigentlich nichts geändert. Sie hatte sich nicht abgeschottet – wie es Kenneth in eben jener Zeit tat, und Skylar übrigens auch –, hatte ihre Verhaltensweisen nicht geändert, hatte sich nicht von Aomine zurückgezogen. Sie hatte sich nicht dagegen gewehrt. Sie hatte es einfach zugelassen. War einfach mit diesem neuen Erlebnis mitgegangen. Sie hatte sich niemals einfach hingegeben und sich treiben lassen, dazu war ihr Kopf immer viel zu präsent und anwesend und laut. Aber sie hatte mitgemacht. Sie hatte Aomine machen lassen, hatte selber gemacht.

Es hatte angefangen mit Aomine. Mit seinen unerwarteten, random Berührungen am Rücken und an den Schultern, und seinem Spielen mit ihren Haaren, mit seinem Kopf-auf-die-Schultern-Legen. Es war weitergegangen einem geteilten Bett, weil sie beide nicht mehr hatten schlafen können, wenn nicht nebeneinander. Dann waren Küsse gekommen, die irgendwie logisch in der chronologischen Reihenfolge waren, weshalb sie auch nicht sonderlich überrascht hätte sein sollen. Aber sie war es gewesen. Sie war es immer wieder gewesen, mit all den Küssen, die folgten. Mit jedem Greifen nach ihrer Hand, mit jedem um ihre Hüfte geschlungenen Arm, mit jedem Vergraben seiner Nase in ihrem Nacken war sie überrascht. Aber es war eine gute Art überrascht, also hatte sie nie einen Grund gesehen, sich zu wehren. Warum sollte man sich gegen jemanden wehren, wenn man es nicht wollte?

Und irgendwann wurden diese vielen Berührungen, dieses Nahesein, dieses Kennenlernen, irgendwann taten sie es nicht mehr nur in der Privatsphäre ihres Hauses. Sie verlagerten es auf die Strasse, ins Klassenzimmer, auf den Schulhof, in die Parks. In Cafés und Kinos. Sie waren sich nah, berührten sich oft, sassen eng beieinander. Sie teilten ihr Essen und ihren Kaffee, obwohl sie den Kaffee des jeweils anderen nicht einmal mochten. Sie gingen zusammen joggen, er liess sie beim Basketball gewinnen und sie ihn beim Schach.

Und obschon aller Erwartungen, die sie hatte oder auch nicht hatte, war er immer da. Er rührte sich nicht von der Stelle; wenn sie sauer war, wenn sie ihn anschrie, wenn sie Hass auf ihre Erzeuger hegte, wenn sie sich am liebsten für immer in ihrem Zimmer verkriechen würde. Wenn sie arbeiten musste, lag er neben ihr und schlief. Wenn sie las, sass er in der Ecke und spielte irgendein dummes Spiel, das sie nicht verstand. Und als ihr Arzt anrief und ihr in heller Erregung in den Hörer schrie, dass man ihre Fast-Blindheit auf fast neunzig Prozent Sehfähigkeit reduzieren könnte, stand er hinter ihr und strahlte sie an.

Und als sie die Operation hinter sich brachte, ohne viel Zögern und Überlegung, aber dennoch mit viel Bedenken, weil sie es schlichtweg hasste, bewusstlos jemandem ausgesetzt zu sein, war sie nur erstaunt, wie gut Aomine doch aussah. Noch viel besser, als sie mit ihrer viel zu dicken Brille gesehen hatte. Und irgendwie verfluchte sie ihn dafür, weil es einfach nicht fair war, dass ein solch arrogantes Arschloch so gut aussehen konnte, und eigentlich berechtigt war, arrogant zu sein. Scheiss drauf. Sie war auch arrogant. Es passte.

Und wie sich die Zeit dahinzog, wie sich herausstellte, dass sie nicht die einzige war, die sich auf eine nicht rein geschäftliche Beziehung mit ihrem Pfleger eingelassen hatte, irgendwie jedenfalls, war die Frist schon lange abgelaufen. Sie hatte ihn als Pfleger verabschiedet, ihn aber nicht aus dem Haus geworfen. Sie wollte nicht von ihm abhängig sein, wollte ihn nicht in einer irgendwie höheren Position haben als sie, wollte ihm dieses nervige Grinsen aus dem Gesicht wischen, jedes Mal, wenn er sein arschiges Verhalten mit seinem Pflegerdasein entschuldigte. Sie liebte es, Zeit mit ihm zu verbringen, aber nicht in irgendeiner Weise unter ihm zu stehen. Also kündigte sie ihm als Pfleger, behielt ihn aber in jeglich anderer Hinsicht.

All diese kleinen Dinge, die dann zu diesem Grossen und Ganzen führten, erstreckten sich über nur wenige Wochen, doch nichts hatte sich jemals so natürlich angefühlt, so richtig, ohne dass sie alles zu kontrollieren und zu bestimmen hatte. Dass sie es lieber mochte, über ihm zu sein, ihn von oben herab zu küssen und ihn aufs Bett hinunterzudrücken, tat hier nichts zur Sache. Einige Dinge würden sich wohl niemals ändern.

Und sie hoffte wirklich, dass sich noch vieles ändern würde, doch nur in eine Richtung, die sie niemals bereuen würde, die alles nur noch besser machen würde.

°-°-°-°-°


Dass Skylar und Kagami sich im Streit schreiend gestanden, dass sie sich mochten, in der Küche und mitten in der Nacht, voller Wut und Hass, war irgendwie sehr typisch. Dass Kagami danach so sanft und sorgsam und wundervoll war, war irgendwie sehr untypisch. Und dass Skylar alle ihre Prinzipien über Bord schmiss, sich von ihrer Moral verabschiedete, ihr jüngeres Ich ganz sicher enttäuscht hätte, und Kagami am Kragen in einen Kuss zog, das war dann wirklich sehr untypisch. Aber irgendwie nicht ganz unerwartet.

Skylar war schon mal verliebt gewesen. So verliebt, dass es nichts Schlechtes auf der Welt gegeben hatte, dass sie alles rosarot sah – sie hasste rosarot, aber damals hatte es ihr gefallen –, dass sie gutgläubig und naiv gewesen war, dass sie alles für diesen einen Menschen gegeben hätte, ihn niemals hätte verärgern wollen, alles war so schön und so perfekt gewesen. Bis es das dann nicht mehr gewesen war. Bis er sie betrogen hatte, bis er sie kaputtgemacht hatte, unfähig vertrauen zu wollen und zu können.

Sie war schon mal verliebt gewesen. Hoffnungslos und dumm und blindlings. Also wusste sie auch, dass sie sich wieder verliebt hatte. Obwohl sie es hatte verhindern wollen, obwohl sie sich gewehrt hatte, obwohl sie sich geweigert hatte. Dennoch hatte sie sich irgendwann auf dem Weg in diesen Elefanten im Porzellanladen verliebt. Sie hatte wirklich keine Ahnung, wie und wann das passiert war. Aber es war passiert. Und es war so anders als damals, mit diesem Jungen, dem sie alles gegeben hätte, der ihr aber niemals etwas zurückgegeben hatte.

Und sie wusste, mit Kagami würde es anders werden. Zuerst natürlich, weil er sich niemals getrauen würde, ihr so etwas anzutun, weil er wusste, dass sie ihn umbringen würde. Aber vor allem fühlte es sich so anders an. Es fühlte sich nicht an, als wäre sie hilflos ausgeliefert, als hätte sie irgendwelche Verpflichtungen, als würde sie nur für ihn leben müssen, als würde er ihr ganzes Leben ausmachen. Ihre Welt war nicht rosarot – Gott sei Dank –, sie war nicht dumm und vor Liebe geblendet. Sie empfand nicht diese Angst, dass sie verlassen werden könnte, sie zerbrach sich nicht den Kopf, dass er sie verletzen könnte. Es war so viel anders und so viel besser. Und sie dachte wirklich, dass es funktionieren könnte.

Natürlich war sie impulsiv und er war hitzköpfig und sie schrien sich noch oft an, sie stritten und diskutierten über belanglose Dinge, sie sprachen nächtelang und lachten mitten im Unterricht, sie kochten zusammen und lasen nebeneinander und schliefen zusammen ein. Die kleinsten Kleinigkeiten taten sie zusammen und es fühlte sich an wie eine neue Welt.

Sie wehrte sich ab diesem Moment in der Küche, ab diesem Geständnis von ihm – sie hatte niemals etwas Ehrlicheres gehört –, keinen Augenblick mehr gegen diese Gefühle, die sie eigentlich niemals hatte haben wollen. Aber sie waren da und sie wurden so gross, dass es ihr fast Angst machte, aber sie hatte sich schon lange nicht mehr so wohl gefühlt mit einem Menschen, also wusste sie, dass es funktionieren würde. Vielleicht nicht für immer, vielleicht nicht einmal für ein Jahr, aber für das Jetzt. Und sie würden an diesem Jetzt arbeiten.

Ja, es würde funktionieren.

°-°-°-°-°


Yin Snow war sich immer sicher gewesen, dass es ein Schicksal für sie gab, irgendwo, und dass sie es finden würde und erfüllen und dann glücklich würde sein können. Immerhin war ihr dies von frühster Kindheit her eingetrichtert worden. Sie hatte nur nie gedacht, dass sich ihr Schicksal hier in Japan befand, bei Akashi und ihren Freundinnen und diesem Leben hier, das vor einem halben Jahr nicht einmal ihr Leben war. Und das so weit weg von ihrer eigentlichen Heimat war, so weit weg von ihrer Familie. Und wie absurd sich diese Erkenntnis anfühlte, dass sie anscheinend ihre Bestimmung gefunden hatte… sie fühlte sich echt an. Also vertraute sie ihrem Bauchgefühl, folgte ihren Träumen und den Worten ihrer Grossmutter im Hinterkopf und stürzte sich in diesen neuen Lebensabschnitt.

Und zu diesem gehörte Akashi leider Gottes dazu. Dass sie sich sogar darüber freute, hätte sie am Anfang dieser Reise niemals geglaubt. Sie war ein fröhlicher Mensch, optimistisch und positiv und lebensfreudig, doch mit einem Akashi hatte sogar sie alle Hände voll zu tun. Und zuerst war sie fest davon überzeugt gewesen, dass sie sich niemals mit dem jungen Geschäftsmann abfinden konnte, geschweige denn anfreunden. Sie kannte arrogante Menschen, von sich überzeugt und sich für Gott haltend, furchtbar nervig und anstrengend, doch Akashi hatte es auf ein neues Level gebracht. Und dennoch hatte sie ihr Schicksal in ihm gefunden. In ihm und diesem Leben. Und sie würde es nicht anders wollen.

Natürlich war es mehr als nur ein bisschen seltsam gewesen, so plötzlich von Patient zu Freundin zu wechseln. Sie hatte sich lange nicht daran gewohnt, nun freien Zugang zu Akashis Büro und Privatsphäre zu haben, ihn nun nicht mehr nur als Accessoire zu Geschäftsessen zu begleiten, ihn nach Verlangen am Arm halten zu dürfen. Noch seltsamer war es, dies ihren Freundinnen mitzuteilen. Obwohl Sasha und Kenneth nicht in geringster Weise überrascht schienen – Skylar schien wenigstens Erstaunen zu heucheln –, so war es dennoch eine kleine Hürde zu meistern, auch in aller Öffentlichkeit Zuneigung zu zeigen und zu bekennen. Nicht, dass sie Probleme mit der Zurschaustellung von Gefühlen hatte, überhaupt nicht, sie fand Gefühle eine wunderbare Sache. Die Hürde war wohl eher, dies Akashi irgendwie beizubringen. Der war sich dies noch weniger gewohnt, weshalb die ersten Wochen, die ersten Monate sogar, etwas anstrengend und steif waren, bis sie sich auf einander eingestellt hatten.

Doch sie hatten sich synchronisiert, irgendwie, irgendwann, und es war so plötzlich und perfekt gekommen, dass es kaum fassbar gewesen war im ersten Augenblick. Sie funktionierten zusammen, wie ein Uhrwerk, in allen möglichen Lebenssituationen. Vielleicht, weil sie vollkommen unterschiedliche Menschen waren, so verschieden, andere Ansichten vertraten und an andere Dinge glaubten, doch sie ergänzten sich.

Und einmal, es war ein dunkler und kalter Abend und sie sass einfach bei ihm im Arbeitszimmer, er ging Dokumente durch und sie las in einem Buch, wusste sie auf einmal, was inneren Frieden bedeutete. Was wunschlos glücklich sein war. Sie fühlte sich wie ein Feld an einem windstillen Tag, unbewegt und idyllisch.

Sie hatte ihre Bestimmung gefunden.

°-°-°-°-°


Wenn es klischeehafte, widerlich süsse, fast schon langweilig problemlose Liebesgeschichten wirklich gab, dann hatte Amaya das grosse Glück, genauso eine Geschichte zu haben.

Die Entwicklung der Gefühle, der Aufbau des Kennenlernens bis hin zum Ort der Geständnisse – alles war unglaublich ereignislos und unglaublich schön gewesen. Sie hätte es für nichts eingetauscht, hätte es sich nicht anders vorstellen können. Keine Probleme, null Drama, keine schlaflosen Nächte, keine Bauchschmerzen.

Noch am selben Tag, noch im Park, hatten sie Das Gespräch geführt, hatten viel und lange geredet, solange, dass es bereits dunkelte, als sie geendet hatten. Sie hatten sich ausgeredet, besprochen, diskutiert. Und waren ziemlich schnell zum Schluss gekommen, dass die einzig logische Schlussfolgerung war, dass sie zusammen sein sollten. Denn sie mochten sich, sie verbrachten gern und viel Zeit miteinander, sie sprachen über alles, sie gingen sich nicht einmal so sehr auf die Nerven, wie eigentlich anzunehmen war. Und obwohl sie beide keine Ahnung von Beziehungen und Verliebtsein und – Gott bewahre – Liebe hatten, so entschieden sie sich, dass sie es versuchen wollten.

Ja, sie wollten es. Ob es funktionieren würde oder nicht, ob sie auf ewig zusammen sein würden oder nicht, sie wollten es wenigstens versuchen. Also taten sie es. Und sie hatten eine Beziehung wie aus dem Bilderbuch. Sie hielten Händchen, sie umarmten sich oft, sie kuschelten, sie hatten ihren ersten Kuss im selben Park – aber nicht am selben Tag –, sie liessen sich einige Tage, bis sie es offiziell machten. Sie befolgten die üblichen Schritte, in ihrem eigenen Tempo, in ihrem eigenen Takt.

Ihre Beziehung war nicht perfekt, denn so etwas wie Perfektion liess sich nicht in Beziehungen einflechten, doch sie kam verdammt nah daran heran. Natürlich diskutierten sie oft, hatten kleine Streitigkeiten, Unstimmigkeiten, doch die Wogen wurden immer geglättet. Und auch wenn er wieder zu viel schwafelte und sie an die Decke fuhr deswegen, oder wenn sie sich zu fahrlässig die Treppen runterstürzte und er sich Haare ausriss deswegen, egal was es war, sie standen es zusammen durch. Mit viel Kommunikation, mit viel Einfühlvermögen, Kleinigkeiten, Bagatellen.

Sie waren glücklich. Zusammen und glücklich.

°-°-°-°-°


Izzy Leonardo glaubte nicht an Herzschmerz. Denn in seinen jungen Jahren hatte er schon einiges gesehen und durchgemacht, schlimme Dinge für ihn und Drittpersonen, doch er hatte niemals physischen Schmerz dabei empfunden. Seelischen, klar, aber keinen körperlichen.

In all den Jahren des Ausgeschlossensein und Mobbing aufgrund seiner fehlenden Fähigkeit zu sprechen, in den letzten Monaten mit seinen Freunden, in denen Amaya körperlich zusammenklappte, Kenneth psychisch zusammenbrach, Sasha mit dieser grossen Entscheidung mit der Augenoperation zu kämpfen hatte, die wehmütigen Anrufe von seinem Onkel – all diese Dinge, die ihn beschäftigten, die wichtig und gross waren, die ihn runterzogen und die ihn traurig stimmten, keines dieser Dinge hatte ihm Herzschmerz bereitet.

Und dann kam Midorima daher, gestand ihm seine unsterbliche Liebe – oder so ungefähr – und meldete sich achteinhalb Tage nicht mehr bei ihm, als er ihm wiederum sein wahres Geschlecht gestand. Biologisches Geschlecht, jedenfalls. Es war kein Geheimnis gewesen für ihn, seine besten Freunde wussten davon, sein Onkel, doch wegen Midorima hatte er es zu einem gemacht. Aus einer Angst vor Verstossung, Zurückweisung. Was ja keine unbegründete Angst gewesen war, wie sich herausstellte. Und in dieser Zeit, ja, da hatte Izzy Herzschmerz empfunden. Ein Stechen in der Brust, ein Pochen hinter den Rippen, SchmerzSchmerzSchmerz.

Und dieser Schmerz hatte sich in der Sekunde verzogen, als Midorima heroisch und vollkommen unpassend mitten im Unterricht ins Klassenzimmer gestürzt kam, ihm erneut seiner unsterbliche Liebe gestand – oder so ungefähr – und ihn vor aller Augen küsste. Was so unglaublich kitschig war, er konnte Sasha praktisch würgen spüren und Skylar die Augen verdrehen hören. Amaya hatte sehr freudige Laute von sich gegeben. Hätte er übrigens auch, doch, na ja, der übliche Grund.

Und von da an hatte Izzy Leonardo an Herzschmerz geglaubt. Denn er verspürte ihn immer wieder. Jedes Mal, wenn Midorima ihn an der Hand nahm und dabei dezent rötlich anlief. Jedes Mal, wenn Midorima ihm die Tasche abnahm, obwohl er sie sehr wohl selbst tragen konnte. Jedes Mal, wenn Midorima ihm schöne Worte und Liebesschwüre gestikulierte und ihn zum Grinsen brachte. Jedes Mal, wenn er Midorima anblickte. Jedes verdammte Mal.

Und er hoffte, es würde nie aufhören.
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