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You're not perfect. You're awesome! [MMFF]

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 Slash
Akashi Seijūro Aomine Daiki Kagami Taiga Kiyoshi Teppei Midorima Shintarō
29.11.2014
29.07.2017
50
97.385
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05.04.2017 2.022
 
Irgendwie war es nicht so geplant gewesen.

(Wie hiess das Sprichwort noch? Gott lacht über Pläne.)

Als sie heute Morgen, am Weihnachtsmorgen, aufgewacht war, alleine in ihrem temporären Zuhause, voller Freude und Glück, hatte sie wirklich nicht erwartet, worin dieser Abend, der die wundervollste Zeit in ihrem bisher kurzen, langweiligen Leben darstellen würde, resultieren würde.

Aufgestanden war sie das erste Mal seit vielen Wochen alleine – ohne jemanden, der ihr seine Hilfe aufzwang und sie in den Rollstuhl setzte, das konnte sie sehr gut alleine, vielen Dank auch –, und sie hatte sich noch nie so darüber gefreut, alleine zu sein.

Und das, obwohl sie erst vor einigen Tagen noch physische Schmerzen gequält hatten, eben weil sie alleine und weit weg von ihrer Familie und generell geliebten Menschen gewesen war. Und heute Morgen hatte sie sich besser gefühlt als die gesamten letzten Wochen zusammen, gerade weil sie alleine war. Vielleicht lag es an diesem kleinen Stück Freiheit, das das Alleinsein so wunderbar machte. Ja, daran musste es liegen.

Und während sie sich vollkommen alleine in ihren Rollstuhl setzte, sich vollkommen alleine durch und aus ihrem Zimmer rollte, über der Rampe die Treppe hinunterstürzte, sich seit Ewigkeiten wieder vollkommen alleine Frühstück zubereitete und in wundervoller Stille ass, ja, das war wirklich angenehm.

Für ungefähr eine halbe Stunde, als sie wieder in ihr Zimmer hinaufzugelangen hatte, um sich anzuziehen, weil Skylar eine spontane Planänderung vorgenommen hatte. Und als sie sich halb am Geländer hochzog und dabei ihren Rollstuhl umklammerte, dann vermisste sie Teppei beinahe. Sie hasste es, sich Schwächen einzugestehen, sie hasste Mitleid und aufgezwungene Hilfe, wer tat das nicht, aber ein Gutes hatte es, dass sie einen zwei Meter grossen, überbesorgten und einigermassen starken Pfleger hatte, der sie überall hintrug. Auch wenn sie sich neunzig Prozent von der Zeit gegen eben jenes Rumgetrage wehrte und Flüche ausspuckte – um sich mental dafür zu entschuldigen, weil sie eigentlich nicht wirklich fluchte – und es ihr eigentlich überhaupt nicht gefiel. So hatte sie sich irgendwie, irgendwann daran gewöhnt.

(Und sie hatte sich sogar dabei amüsiert – zu erwähnen, dass ihr alles wehtat und Teppei erblassen zu sehen, und sich von ihm herumtragen zu lassen, was ihm zwar unendlich peinlich war, er es aber trotzdem tat. Soweit kannte sie ihn mittlerweile schon. Immerhin hatten nur ihre Beine den Geist aufgegeben, nicht ihre Augen; sie konnte jedes kleine Erröten sehen, jedes etwas zu starke Schlucken am Adamsapfel ansehen und das nervöse Durch-die-Haare-Fahren.)

Aber da sie sich schon Zuhause niemals auf Hilfe eingelassen hatte, hatte sie es auch alleine die scheiss Treppe hinaufgeschafft, hatte sich die erstbesten, herumliegenden und einigermassen hübsch aussehenden Klamotten geschnappt – bei allem Stolz, Kraft aufzustehen und sich am Schrank festzuhalten, hatte sie nach der Treppen-Eskapade nicht mehr gehabt –, hatte sich ihre Tasche gepackt und war die Rampe wieder hinuntergerollt, aus der Tür gefahren und sich mit Izzy eine Strasse weiter getroffen.

Irgendwie war sie dann froh gewesen, als Izzy darauf bestanden hatte, sie bis zum Café zu schieben – mittlerweile hatte sie sich so sehr an Teppei gewöhnt, dass ihre Hände nach nur einigen Stunden alleine wieder Blasen aufwiesen, wie sie es getan hatten, als sie erst einige Tage im Rollstuhl gesessen hatte. Dies würde sie aber niemals laut aussprechen, ganz offiziell war sie nämlich unabhängig und stark und würde sich niemals beklagen. Sie nahm sich jedoch vor, Izzy mehr zu schreiben und sich ab und an zu bedanken.

Im Café hatte sogar sie gemerkt, dass die Stimmung auf falsche Art leichtmütig gewesen war. Sie war nicht unbedingt talentiert im Deuten von Stimmungen und Atmosphären – das war viel mehr Yins Ding –, aber ihr war aufgefallen, dass Izzy nicht so freudig schien wie sonst, Yin versuchte das zu kompensieren, und Kenny und Sash und Sky waren eigentlich wie immer, nur noch ein bisschen stiller, was schon allein an ein Wunder grenzte. (Wären die drei noch stiller, wären ihre Stimmbänder überflüssig.)

Und da ihr diese Stimmung ausserordentlich unangenehm war – sie mochte bedrückende Stimmungen nicht wirklich, vor allem, da sie sich in solchen Situationen nicht zu helfen wusste –, war sie ziemlich erleichtert, als sie das Café verliessen und sich zu Kenny begaben. Und ihr früher-als-geplanter-Aufbruch hatte nur Positives an sich, wie ihr später dann auffiel, als sie sich alle mit Alkohol im Blut und Freude im Herzen taktlos zu der eigentlich taktgebenden Musik bewegten und lachten.

Es war sicherlich zwei Monate her, seit Amaya gestanden hatte. Seit Teppei waren ihre sonst schon seltenen Regelverstosse, von ihrem Rollstuhl aufzustehen, immer weniger geworden, und irgendwann war sie gar nicht mehr gestanden. Obwohl Teppei sehr gut wusste, dass nur eines ihrer Beine eine Muskelrückbildung aufzuweisen hatte, und sie in unregelmässigen und kurzen Abständen trotzdem stehen und sogar einige Schritte humpeln durfte. Aber wenn er sich so sehr sorgte, dann sollte es ihr recht sein. Auch wenn sie sich schon lange nicht mehr so frei gefühlt hatte, wie in diesem Moment, in dem sie auf einem Bein stand und zur Musik herumhüpfte.

Dieses Gefühl – unbesorgt, mühelos, und frei und beinah unabhängig zu sein –, ja, das hatte sie vermisst.

Aber das andere Gefühl – wie sich Schmerz langsam in ihr Bein schlich, wie der Alkohol ihre Medikamente langsam ausschaltete, ihre Welt sich drehte und ihre Sicht immer eingeschränkter wurde –, nein, das hatte sie nicht vermisst.


Besorgte Stimmen, das plötzliche Verstummen der Musik, die Legung der allgemeinen Aufregung, wie sich plötzlich alle über sie beugten und sie nach ihrem Befinden fragten, und wie sie nicht antworten konnte, das hatte sie noch weniger vermisst.

Ihr letzter Schwächeanfall war über sieben Monate her – es war ebenfalls an einer Party gewesen, die damals ihre letzte Party sein würde, und sie hatte sich überschätzt, war aufgestanden, hatte getrunken, und war dann einfach umgefallen. Ihre Eltern waren nicht amused gewesen. Sie eigentlich auch nicht. Aber später hatte sie realisiert, dass sie das Gefühl der Rebellion eigentlich mehr genossen hatte, als sie eigentlich sollte. Wiederholt hatte sie es zwar nicht, aber sich oft daran erinnert.

Und nun war beinah genau dieselbe Situation – nur mit Menschen, die sie tatsächlich mochte und schätzte–, genau dasselbe Gefühl in ihrer Brust, und genau dieselbe Ohnmacht, die sie für einige Minuten ereilt hatte.

Natürlich war auch das Schuldgefühl, als sie nicht mehr nur Schwarz gesehen hatte, nicht so geil gewesen. Selbst als sie allen versichert hatte, dass „Ja, mir geht es gut“, „Nein, ich brauche keinen Krankenwagen“ und „Gebt mir einfach meine Schmerzmittel und Wasser“, waren trotzdem alle verunsichert und besorgt (Yin hatte doch tatsächlich wässrige Augen), und dann verschwamm wieder alles.

Und als sie das nächste Mal wieder zu Bewusstsein kam, stand ein nicht erfreut dreinblickender Akashi Seijurou neben einer aufgeregten Yin Snow, Izzy klammerte sich an Midorimas Arm – vielleicht weinte sie, Amaya konnte es nicht erkennen –, Skylar befand sich am Telefon etwas abseits, Sasha hielt sich selbst umschlugen – mit einem müde, doch besorgten Aomine hinter ihr – und Kenneth sah aus, als hätte sie gerne ihren Kopf gegen eine Wand geknallt. Was sie vielleicht getan hatte, so wie Sakurai um sie herumschwirrte.

Der Anblick ihrer Freundinnen, wie sie alle mit unglaublichen Schuldgefühlen in ihrer Nähe standen und sie anblickten und sich sofort auf sie stürzten, als sie bemerkt hatten, dass sie aufgewacht war – das war ein Anblick, den sie niemals wieder verursachen wollte.

Was sie aber schlussendlich über die Klippe stiess, war Teppei – der gute, liebenswerte Teppei, der neben ihr kniete, sie im Arm hielt, den Blick auf sie gerichtet, die Augen gross und feucht, zittrig und bebend. Der Teppei, der sie jeden Morgen weckte und sie in ihren Rollstuhl setzte und sie Treppen hinunter- und hinauftrug, der ihr ihren Tee zubereitete, der die exakte Menge an Milch in ihrem Kaffee kannte, der sie in der Gegend rumrollte, der sie wortwörtlich auf Händen trug und sie versorgte, sich um sie sorgte, sie bemutterte, ihr ihre Medikamente mit einem Glas Wasser in die Hand drückte, weil sie es garantiert vergessen würde.

Und diesen Menschen, der sich um sie kümmerte, ob sie es wollte oder nicht, und der sich alle Mühe gab, dass es ihr gut ging, diesen Menschen hatte sie enttäuscht.

Ein Tag war er weg gewesen, an einem Feiertag noch dazu, bei seiner Familie, die ihn sicherlich gerne wiedergesehen hatte, und an genau diesem Tag vergass sie, dass ihre Tabletten sich nicht mit Alkohol vertrugen, und dass sie sich eigentlich nicht zu heftig bewegen durfte, geschweige denn zu lange aus ihrem fahrbaren Untersatz aufstehen.

Natürlich hatte sie Teppei enttäuscht. Natürlich hatte sie ihm Sorgen bereitet, immerhin war wahrscheinlich am späten Abend noch ein Anruf an ihn gegangen – „Hey, übrigens ist deine zu Pflegende gerade umgefallen, schönes Weihnachten noch!“ – und sie hatte ihn der Feierlichkeit und der Familiarität entrissen. Natürlich hatte er das Recht, wütend zu sein, sauer zu sein, erzürnt.

Aber das war er nicht. Das konnte sie sehen.

Er war nicht wütend, nicht enttäuscht, nicht genervt. Er war nur verängstigt. Was sogar noch schlimmer war. Denn genau diese Erkenntnis – dass sie den einzigen Menschen, der sich aktiv um sie kümmerte, enttäuscht hatte, ihre besten Freundinnen noch dazu – brachte sie dazu, etwas zu tun, was sie schon lange nicht mehr aufrichtig getan hatte.

Eigentlich sogar zwei Sachen. Sache 1; sie entschuldigte sich. Sache 2; sie fing an, unerbittlich zu heulen. Wie ein kleines Kind. Mit Rotz, der ihr aus der Nase lief, und heissen Tränen, die ihr über die Wange liefen und Teppeis Strickpullover durchnässten – sicherlich selbst gestrickt, von seiner Grossmutter oder so.

Und während sie zitternd in seinen Armen lag, weinte und sich wiederholend entschuldigte, stürmte Kenneth aus dem Zimmer – Sakurai selbstredend hinterher –, Sasha murmelte etwas und verzog sich ebenfalls in einen Winkel, den sie nicht mehr sehen konnte, Yin sagte etwas, das Akashi veranlasste, zu nicken und sie am Arm zu nehmen und sie wegzuführen, und Izzy gestikulierte lange und wild und zerstreut und Midorima nahm ihn schliesslich bei den Händen.

Sie spürte, wie sie vom Boden gehoben wurde. Teppei hielt sie fest im Arm und trug sie in Richtung der Tür, die zum Eingang und dementsprechend zum Ausgang führte. Sie schloss wieder die Augen.

Nicht, weil sich die Welt um sie herum immer noch drehte. Nicht, weil sie das Gefühl hasste, keinen Boden unter den Füssen zu haben. Nicht, weil sie sich schuldig fühlte und keine besorgten Gesichter mehr sehen wollte. Nicht, weil sie es verabscheute, schwach und gebrechlich zu sein und sich helfen zu lassen und sie sich schämte. Nicht, weil sich alles wieder verdunkelte und sie sich auf eine Ohnmacht vorbereitete.

Sie war nur überwältigt von der Realisation, dass sie ganz offensichtlich in Kiyoshi Teppei verliebt war.

Lächerlich, wie ihr das erst jetzt, in einem benebelten, schwankenden Zustand auffiel.

Sie hatte sich vor ihm immer stark geben wollen, hatte sich nicht helfen lassen wollen, hatte gebockt, gequängelt und ihn ignoriert, einfach, um selbst an mehr Aufmerksamkeit zu kommen. Das waren die ersten Anzeichen gewesen, damals, als sie sich erst gerade seinen Namen gemerkt hatte.

Die nächsten waren, dass sie Teppeis Gequassel vermisst hatte, erst vor einigen Tagen. Und natürlich dieses Kribbeln in ihrer Rippengegend, jedes Mal, wenn Teppei sie anfasste, und dieses Gefühl der Enttäuschung, jedes Mal, wenn Teppei es nicht tat.

Wann war es Kenneth und Sasha und Yin aufgefallen?

Die drei hatten es wohl gewusst, noch bevor sie Teppei als Pfleger auserwählen können. Die drei hatten immer schon den Überblick gehabt. Worauf sie neidisch war, denn jetzt kam sie sich nur unglaublich schwach vor.

Und als ihr auffiel, dass nun nicht nur ihre Rippengegend kribbelte, sondern so ziemlich alles, was sie spüren konnte, dass sie unglaublich froh über Teppeis Anwesenheit war, dass sie ihn vermisst hatte, kaum dass er dreizehn Stunden nicht in direkter Nähe bei ihr war, dass sie so unglaublich und stupide in ihn verschossen war, jaah, jetzt wurde ihr wieder schwarz vor Augen.

°-°-°-°-°

ihr habt gedacht, ich verarsch' euch.
tja, ich enttäusche gern. ich hab' doch gesagt, dass ich die scheisse hier durchziehen werde. bis ende monat ist es fertig, das kann ich versichern. (auch wenn die geschichte wohl etwas überhaspelt sein wird, aber ich habe eigentlich überhaupt keine erfahrung in liebesgeschichten, verklagt mich.)
nun dann, lesen wir uns morgen wieder, nehme ich an!

xx.
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