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You're not perfect. You're awesome! [MMFF]

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 Slash
Akashi Seijūro Aomine Daiki Kagami Taiga Kiyoshi Teppei Midorima Shintarō
29.11.2014
29.07.2017
50
97.385
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Dieses Kapitel
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11.10.2015 3.301
 
Donnerstag, 18. Dezember 2014


Sie hätte Kyoshi niemals darum bitten dürfen, wieder mit ihr zu sprechen. Denn er nahm es verdammt wörtlich und textete sie mit seinen – albernen, dummen, sinnfreien, unerträglich nervigen – Gedankenproduktionen zu, ohne dass sie irgendwie hätte entkommen können. Und komischerweise, obwohl sie eigentlich hätte völlig genervt sein sollen – und obwohl Ken und Sash deswegen in der Mittagspause nicht mehr bei ihnen am Tisch sassen, Sky mehr als nur einmal die Augen verdrehte und Izzy und Yin dauerhaft dieses wissende Lächeln und diesen Blick austauschten –, so störte es sie nicht, dass Kyoshi pausenlos redete und schwafelte und mit Geschichten um sich schmiss und sie mit langweiligen Informationen erschlug. Also, um irgendwelche Unstimmigkeiten beiseiteschieben zu können, damit meinte sie es verdammt wörtlich; pausenlos. Und obwohl sie ihn vor einigen Tagen genau deswegen angeschissen hatte, für die Pausenlosigkeit seines Geredes, so störte sie sich nicht an eben diesem Gerede, genoss es, ihm  zuzuhören, seine Stimme neben ihr hören zu können, wenn sie zusammen nach Hause liefen und wenn er ihr von seinem Tag erzählte, obwohl sie beide den exakt gleichen Tagesablauf besassen, weil sie gar keine andere Wahl hatten, als jede Minute in der Schule und sogar im selben Haus zusammen zu verbringen.

Gott, irgendetwas lief unglaublich falsch bei ihr.

Entweder hatte sie enorme Stimmungsschwankungen – zuerst zickig und alles andere als lieblich herumschreien und zusammenstauchen und ihrer unbegründeten Wut mit Worten Luft verschaffen, danach fast schon wehmütig nach der altehrwürdigen Ausgangssituation verlangen und sich nicht einmal an dem zu nerven, was sie sonst überhaupt nicht ertrug – oder sie war emotional genauso ausgereift wie ein Kleinkind oder etwas lief einfach nur unglaublich falsch bei ihr. Da sie das mit den Stimmungsschwankungen einfach mal ausschloss, weil es theoretisch normal für einen Teenager war, unter Stimmungsschwankungen zu leiden, und das mit dem Kleinkind konnte kaum der Fall sein, sonst wäre sie kaum mit Kenneth befreundet, die sich nichts aus Kindern machte – so überhaupt nichts, wirklich, Ken hasste kleine Kinder fast so schlimm und erbarmungslos wie schlechtes Essen und die Farbe Gelb, und das sollte was heissen –, also blieb nur noch das ‘etwas lief unglaublich falsch bei ihr‘, ohne dass sie überhaupt wusste, was genau so unglaublich falsch bei ihr laufen sollte.
Vielleicht hatte sie ja doch Stimmungsschwankungen.

Egal, was es war, das sie so viele Gefühle und Empfindungen auf einmal fühlen liess, es flaute immer dann ab, wenn Kyoshi eine Pause zum Atmen einlegte. Und kaum dass er mit seinen Erzählungen fortfuhr, die sie überhaupt nicht realisierte, setzte das warme Gefühl in ihrem Inneren – besonders in der Magengegend – wieder ein und eine riesige Welle an Gedanken flutete kaltherzig auf sie ein. Und sie hatte keinen Schimmer, was das sollte. Vielleicht erinnerte Kyoshi sie an ihren Bruder. War gut möglich. Immerhin hatten sie etwa dieselbe Grösse, dasselbe Alter, dieselbe trottelige Art zu sein und zu sprechen. Das war aber nicht der Grund und sie wusste das.

Und egal, welche Theorie sie sich selber zurecht legte und gedanklich vor sich ausbreitete, welche Erläuterungen und halbwegs logische Erklärungen sie sich selbst vorlegte, so wusste sie doch, dass keine der Wahrheit entsprach. Gar nicht entsprechen konnte, weil sie es besser wusste und sich selbst nicht belügen konnte. Was sie wirklich gerne hätte tun wollen.



Und dieses Lächeln, das Kyoshi ihr immer dann schenkte, wenn sie ihm Antwort auf irgendwelche Fragen gab und bestätigend nickte oder verneinend den Kopf schüttelte, eher unbewusst, weil sie ihm auch wirklich nur unterbewusst zuhörte, liess sie alle seine nervigen Angewohnheiten und Macken für einen Augenblick vergessen – oder zumindest beiseiteschieben und verdrängen – und das warme, angenehme Gefühl in ihrer Magengegend rührte diesmal nicht vom Gedanken an ihren Bruder und ihr Zuhause her, es liess sich auch nicht auf Stimmungsschwankungen schieben, weil Stimmungsschwankungen so viel einfacher zu erklären gewesen wären.

Etwas lief wirklich, wirklich falsch bei ihr. Und bei Kyoshi schien das nicht anders zu sein.

Es war Donnerstag und sie freute sich gerade einfach nur unglaublich, dass der Schultag für heute in die Mittagspause einging und sie für eine knappe Stunde ihre Ruhe hatte. Im metaphorischen Sinne und auch nur auf den Unterricht bezogen. Weil ihre Ruhe hatte sie natürlich nicht. Nicht, solange Kyoshi sich als ihr Pfleger vorstellen konnte.

Und wie in den letzten Tagen so gehabt, waren Ken und Sash – heute fehlte sogar Sky – nicht an ihrem üblichen Tisch anwesend. So viel sie wusste, war Kenneth seit vier Tagen überhaupt nicht mehr in der Schule erschienen, Sash hatte wohl ebenfalls alle Hände zu tun – sie hatte von irgendwelchen Geschäften von ihrem Vater gesprochen – und Sky wirkte in letzter Zeit sowieso genervter und abwesender als gewohnt.
Izzy bildete zusammen mit Yin so viel wie eine kleine Union von grinsenden Kopfschüttlern. Dem bedarf vielleicht eine Erklärung. Eventuell.
Immer, wenn sie zusammen mit Kyoshi den Tisch ansteuerte, an dem sie normalerweise alle zusammen ihr Essen einnahmen, lächelten die zwei auf eine komische Art und Weise, tauschten untereinander Blicke aus – Yin warf ab und an sogar einen Blick zu Akashi hinüber, der wie gehabt meist mit den anderen Pflegern am Tisch direkt hinter ihnen sass –, und wenn sie Kyoshi dann wie immer abwehrte, wenn er ihr helfen wollte oder sie allgemein behandelte, als könne sie nicht auf sich selbst aufpassen, schüttelten Yin und Iz den Kopf auf die exakt gleiche Weise, wie ihr Bruder immer den Kopf geschüttelt hatte, wann immer sie sich als kleines Kind bockig angestellt hatte oder ihr Gemüse nicht hatte aufessen wollen. Leicht amüsiert, leicht genervt, leicht angesäuert, leicht resignierend.

Sie hatte keine Ahnung, weshalb die beiden auf diese Art den Kopf schüttelten. Weshalb sogar Akashi und Midorima ab und zu fast schon enttäuscht den Kopf senkten oder den Blick abwendeten und das Gesicht von ihnen wegdrehten und auffällig beiläufig Kyoshi in ihre kleine Gruppe aufnahmen.

Wahrscheinlich hatten so ziemlich alle begriffen, was sie selbst gerade mühselig herauszufinden versuchte. Und das passte ihr ziemlich überhaupt nicht in den Kram.

Immerhin sollte sie sich selbst und Kyoshi mittlerweile besser kennen, als es die anderen taten. Oder vielleicht war sie wirklich zu blind, um es zu erkennen. Was auch immer ‚es‘ war. Es war ihr ziemlich egal, solange es sich nicht auf ihre Noten und ihr alltägliches Leben auswirkte.

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf rollte sie zu den beiden anderen Mädchen hinzu, die bereits in ein Gespräch vertieft waren und sie mit einem schwächlichen Nicken begrüssten. Sie waren wohl so tief in ihre Konversation eingedrungen, dass sie sie kaum bemerkten und sogar das Essen vernachlässigten, das vor ihnen auf den zusammengeschobenen Pulten hübsch ausgepackt und ausgebreitet war, aber noch vollkommen unberührt. War wohl ein wichtiges Thema. Also wollte sie mitmischen.

„Um was geht’s?“, fragte sie deshalb mit einer verhalten vor den Mund gehaltenen Hand, während sie den ersten Bissen ihres Bentos geschickt mit den zwei eigens mitgebrachten Stäbchen in den Mund beförderte. Sie wusste, wie gut erzogen hier alle waren, und obwohl ihre eigene Erziehung niemals zu wünschen gelassen hatte, wollte sie sich nicht blossstellen oder andere in unangenehme Situationen bringen, wenn sie mit vollem Munde sprach. Zum Glück waren Sash und Ken nicht hier. Die beiden ertrugen überhaupt nichts, kannten kein Schlupfloch und machten keine Ausnahmen, wenn es um gute Erziehung ging. Oder um Essen.

„Wir diskutieren gerade“, wandte sich Yin jetzt doch an sie, benutzte wohl ziemlich absichtlich das Wort ‚diskutieren‘, um Izzys Getippe auf dem Handy und dem Sprachsensor irgendwie miteinzubauen, ohne Izzys Gefühle zu verletzen, „wer zuerst mit wem zusammenkommt.“

Das war überraschend. „Huh?“ Zu mehr war sie gar nicht imstande, immerhin war das ein heikles Thema, das wusste sie und um an mehr Details der Diskussion zu kommen, ohne ihre eigene Meinung abzugeben, waren solch pseudointellektuelle und nur indirekte Fragelaute sehr angebracht, wie sie fand.

„Nun, ich weiss ja, dass wir uns alle nicht besonders lange kennen und alles, ausserdem haben wir hier alle ein rein platonisches Ärzte-Patienten-Verhältnis, um das korrekt auszudrücken“ – Yins Blick schweifte kurz zu Akashi, der zuvor wohl ebenfalls schon seine Meinung dazu geäussert hatte, die scheinbar nicht allzu begeistert ausgefallen war – „Aber man muss doch angemerkt haben“ – damit lehnte sich Yin ein bisschen zu ihr und Izzy vor, als befänden sie sich inmitten einer Verschwörung, lehnte sich fast gänzlich über den Tisch, damit auch wirklich niemand von diesem Gespräch mitbekommen konnte, ohne offensichtlich zu lauschen – „dass niemand so lange Zeit miteinander aushalten kann, ohne sich abgrundtief zu hassen oder sich ein bisschen näher zu kommen, meint ihr nicht?“

Ah, so war das also. Sie besprachen gerade, wie sich Beziehungen ändern konnten, wie man entweder den einen oder anderen Weg einschlagen konnte und, vor allem voraus, bei wem was zutreffen würde. Eigentlich ein interessantes Gedankenspiel. Und sie hoffte inständig, dass es bei ihnen allen bei einem reinen Gedankenspiel bleiben würde.

„Also“, die unheimliche Computerstimme, die aus Izzys Handy drang, klang verändert, wahrscheinlich eine kleine Spracheinstellung oder vielleicht auch ein Update des Programms, erklang, ebenfalls leise und bedächtig, „ich denke, man muss nicht zwangsläufig den einen oder anderen Weg einschlagen, wenn man viel Zeit zusammen verbringt. Man kann doch auch bei einer blossen Freundschaft stehen bleiben. Oder einem wirklich rein platonischen Ärzte-Patienten-Verhältnis. Man muss nicht immer gleich von Liebe und von Hass sprechen, oder?“

„Natürlich, da stimme ich dir zu, aber eine gewisse Zu- oder auch Abneigung ist immer automatisch dabei. Das ist dasselbe, wie wenn man für eine Person direkt Sympathie oder halt Antisympathie empfindet. Daher ist meine Annahme, dass mindestens zwei von unseren kleinen Pärchen hier mehr als nur Sympathie füreinander empfinden, nicht wirklich aus der Luft gegriffen, hm?“

Da hatte Yin einen ziemlich guten Standpunkt. Natürlich. Yin war eine sehr gute Diskussionspartnerin. Sie schloss keine Ansicht aus, wog jeden Aspekt ab und durchdachte auch die gegnerischen Punkte. Wahrscheinlich konnte Yin gerade deswegen sogar Kenneth und Sasha zu längeren Konversationen bewegen. Mit der Weisshaarigen liess es sich ziemlich gut reden. Und diskutieren, wie Amaya gerade merkte.

„Das lässt sich in Betracht ziehen“, sie beschloss, sich doch in die Diskussion einzulassen, aber auch nur, weil sie darauf hinaus war, die beiden anderen in Verlegenheit zu bringen. Normalerweise war sie ja überhaupt nicht der Typ, der sich in den Vordergrund spielte und andere auf sich aufmerksam machte, auf welche Art und Weise auch immer, aber die Aussicht, die sie gerade hatte, wie sie Yin und ganz besonders Izzy durch ihre Hypothesen und Analysen und Ansichten erröten und stottern lassen könnte, wenn sie es denn richtig anstellte, fand sie einfach nur zu amüsant, um die Gelegenheit ungenutzt verstreichen zu lassen. „Natürlich, wieso eigentlich nicht? Stellen wir uns jetzt einfach mal vor, dass die Verhältnisse zwischen uns und unseren Pflegern tatsächlich nur in die eine oder die andere Richtung verlaufen könnten, wie würde das eurer Meinung dann aussehen?“

Eine solche Frage in den Raum zu werfen war wohl ein bisschen fies, aber sie diskutierte meistens auf diese Weise – von sich ablenken, die eigene Meinung erst mit der Zeit bilden und sich nicht von anderen mitreissen lassen, stillschweigend beobachten und Schlüsse ziehen. So hatte sie es schon immer getan, so taten es Kenneth und Sasha ebenfalls, so viel sie wusste. Und das war auch die beste Art, zu diskutieren.

„Bei Aomine und Sasha ist das ja eigentlich schon passiert – die beiden hassen sich aufs Blut!“, meinte Iz durch ihr Sprachprogramm und grinste dabei dümmlich vor sich hin.

„Soweit würde ich nicht gehen“, warf Yin aber ein, „Sasha scheint Aomine nicht ausstehen zu können, aber bei Aomine habe ich mich noch nicht entscheiden können. Er scheint Sasha vielleicht nicht zu vergöttern, aber ich denke, er bewundert sie um ihre Intelligenz, ihr Niveau und ihr gänzliches Dasein als Mensch.“

„Weil er sich mit ihr auch nicht alles erlauben kann. Sie bietet ihm die Stirn, stellt sich ihm entgegen und sie kann er nicht einfach abwimmeln, wenn er gerade keine Lust auf Gesellschaft hat“, schloss Amaya gleich an Yins Anfang an. „Ich denke, weil die beiden sich recht ähnlich sind, verstehen sie sich nicht wirklich bewusst gut miteinander, aber eigentlich kommen sie gut klar.“

„Wie würde es wohl aussehen, wenn die beiden sich entschliessen würden, sich näher kennenlernen zu wollen?“, warf Izzy in den Raum und sah den anderen beiden neugierig und nachdenklich zugleich ins Gesicht. „Das würde ziemlich lustig werden, meint ihr nicht?“

„Es würde Tote geben“, meinte sie nur schulterzuckend dazu, führte eine weitere Ladung Reis mit den Stäbchen zum Mund, während sie es sich wirklich ausmalte. Aomine würde Sasha anbrüllen, Sasha würde Aomine verprügeln. Irgendwie so.

„Oh nein, es würde Tote geben, wenn Skylar und Kagami-kun zusammenkommen würden“, grinste Yin unheilvoll in die Runde und unterdrückte ein unangebrachtes Lachen. „Skylar würde Kagami ja jetzt schon am liebsten in der Luft zerreissen. Und umgekehrt ist es sicherlich ebenso.“

„Hm, ich denke, wenn die beiden erst mal zusammen sind, würden sie ihren Rhythmus und ihr Tempo finden, sie würden sich einander anpassen und würden schon irgendwie klarkommen. Der Anfang würde wohl viel eher schwer werden“, die computerisierte Stimme klang gar nicht mehr so nach Computer, viel eher nach normalem Schulmädchen. Vielleicht lag es nur an der wunderbaren Eigenschaft des Menschen, sich an alles zu gewöhnen.

„Der Anfang wäre wohl ziemlich brutal. Die beiden würden sich anschreien und streiten und diskutieren und das nur, weil sie mit ihren Gefühlen nicht klarkommen und es dem anderen nicht gestehen wollen“, sagte Amaya nachdenklich und schob noch ein schneller „Oder so ähnlich.“ hinzu, als Izzy und Yin sie ebenfalls nachdenklich anstarrten.

„Der Anfang wäre schlimm und – vor allem für uns – unerträglich mit anzusehen“, stimmte Yin nickend zu und schob sich ein Brötchen in den Mund. „Aber bei Midorima und Izzy wäre es wohl anstrengender.“ Das entrüstete Luftschnappen von Midorima am hinteren Tisch und den ungläubigen Blick seitens Izzy wurde grazil ignoriert. „Ich meine, Izzy spricht nicht wirklich viel und Midorima scheint auch nicht die Ausgeburt der Gesprächigkeit zu sein. Die würden sich die ganze Zeit anhimmeln, ohne es zu bemerken oder es aussprechen zu können.“

Da hatte Yin wieder einen Punkt.

„Aber sie hätten es kaum so schwer wie du und Akashi“, neckte Amaya zwischen zwei Bissen ihres Essens – sie hatte es zusammen mit Kyoshi gekocht, nachdem sie zugestimmt hatte, dass er ihr helfen dürfte – und beobachtete mit zunehmendem Vergnügen, wie sich Yins Augen für einen kurzen Augenblick weiteten. „Bevor du was sagst, überleg mal: Akashi ist fast ein Prinz, ein Adeliger, ein gut erzogener und perfekter Sohn eines wichtigen Geschäftsmannes. Er würde niemals seinen Stolz überwinden können, dir zu gestehen, dass er dich liebt, und genauso schwer wäre es für dich, weil du Angst hättest, dass er deine Gefühle womöglich nicht erwidern könnte, weil er erschreckend wenig über seine eigenen spricht, hm?“

„Wir ignorieren grosszügig die Tatsache, dass ich hier alles hören kann, würde ich auf diese unangebrachte Weise für Yin empfinden, würde ich es ihr ohne grosse Umschweife sagen. Und sie müsste erwidern, so einfach ist das“, dass Akashi sich auch zu Wort melden würde, war nicht eingeplant, also erschrak sie ein bisschen heftig und machte einen minimalen Hüpfer in ihrem Rollstuhl. Aber anscheinend war das nicht einmal alles, was Akashi zu sagen hatte. „Grössere Probleme, mit den eigenen Gefühlen umgehen zu können, hätte da wohl eher Kenneth.“

Sie interessierte sich gerade eher weniger dafür, dass Akashi Ken gerade wirklich beim Vornamen genannt hatte – sie meinte sich erinnern zu können, dass Kenneth erwähnt hatte, dass sie Akashi schon von früher kannte –, viel wichtiger war sein Standpunkt. Der viel Wahres an sich hatte. Akashi war ehrlich und direkt, würde sich wahrscheinlich wirklich weniger scheuen, seine Gefühle als feststehende Tatsache zu erläutern. Kenneth hingegen war da nicht so locker.

„Das hat was“, Yin drehte sich jetzt etwas um, um auch Akashi an der Diskussionsrunde teilhaben zu lassen, da sie mit dem Rücken zum hinteren Tisch gesessen hatte. „Kenneth würde seine eigenen Gefühle wohl aus Ahnungslosigkeit für eine ansteckende Krankheit halten.“ Ganz bewusst wurde Kenneths Angehörigkeit dem weiblichen Geschlecht mit keinem Wort erwähnt.

„Oder ein Symptom einer unbekannten Grippe“, warf Iz ein.

„Oder er würde ganz einfach das Ventil für seine Gefühle, von dem nicht garantiert ist, das es existiert, gänzlich zudrehen oder kaputtmachen“, Yin legte sich nachdenklich einen an die Lippen.

„Nein, er würde wohl eher das Objekt der Begierde kaputtmachen“, jetzt amüsierte es Amaya mehr, als sie es sich erwartet hatte.

„Ach, ist das so? Hast du gehört, Sakurai, du solltest besser dafür sorgen, dass ich mich nicht in dich verliebe, sonst könnte ich dich kaputtmachen.“ Kenneths Stimme war so plötzlich hinter ihnen, dass sie alle – okay, ausgenommen Akashi – in ihren Stühlen zusammenzuckten, Amaya nahm erneut einen kleinen Hüpfer. Natürlich lagen alle Blicke schneller auf Kenneth, als dass sie noch irgendetwas hätte sagen müssen.

„Ich werde es versuchen“, Sakurai hatte sich in den letzten Tagen enorm darin verbessert, seine Stimme weder stotternd noch unsicher klingen zu lassen, er hatte es sogar geschafft, ganz ohne zu zittern und zusammenzuzucken, neben Kenneth stehen zu können. Entschuldigen tat er sich natürlich noch immer für jede Bagatelle, die nicht einmal so wichtig war, um sie als Banalität zu bezeichnen. Und trotz dem kleinen Hauch an Sicherheit in Sakurais Stimme, war er rot bis in den Haaransatz.

„Wenigstens hätte ich eine langandauernde, komplizierte und anfangs aussichtslose und somit viel spannendere Liebesgeschichte am Laufen, vor allem halt, weil in meiner von zwei Jungen die Rede wäre, da ist der entscheidende Faktor schon vorhanden, aber bei dir und Teppei wäre es ausgesprochen langweilig“, zuckte Kenneth nur mit den Schultern, schüttelte belustigt den Kopf und liess sich von Sakurai einen Stuhl heranziehen. Das genuschelte „Und nur dafür bin ich extra hierhergekommen…“ wurde von niemandem so richtig wahrgenommen. Yin und Izzy hatten eine wichtigere Beschäftigung gefunden.

„Das stimmt!“, Yin klang begeistert, gar aufgeregt (vielleicht auch nur erleichtert, das Thema wechseln zu können). „Kyoshi und Amaya wären doch wirklich ein voll süsses Paar!“

„Sie wären die Art von Pärchen, die eine perfekte Liebesgeschichte aufweisen könnten, meinst du nicht? Wie sie sich im Park ihre Liebe gestehen…“, auch Izzy liess sich voll auf das Thema ein. Kenneth liess ein minimalistisches Grinsen über die Züge huschen und ihr Blick lag länger als nötig auf Amaya, als Zeichen, dass sie es noch immer im Griff hatte, Gesprächsthemen perfekt kontrollieren und in die richtige Richtung verlaufen lassen zu können.

Und nun malten sich Yin und Izzy in aller Ausführlichkeit ihr mögliches Liebesverhältnis zu Kyoshi aus, lautstark und unüberhörbar, damit auch wirklich alle an dieser Vorstellung teilhaben konnten. Kyoshi mischte sich nicht ein, war nur etwas rot angelaufen und ass nun stillschweigend sein Essen, während er so tat, als würde er das Gespräch von den zwei Mädchen gar nicht hören können.

Sie mischte sich natürlich ebenfalls nicht ein. Aber sie hörte auch nicht weg.

Und als sie diese Möglichkeit, dass sie und Kyoshi tatsächlich eine tiefere Beziehung als dieses Ärzte-Patienten-Verhältnis führen könnten, in Betracht zog, es sich vorstellte und bemerkte, dass diese Vorstellung ihr nicht einmal so stark missfiel, wusste sie, dass mit ihr eindeutig etwas ziemlich falsch lief.

°-°-°-°-°

Salvete!
Ich bin gerade so stolz auf mich, dass ich noch in den Ferien etwas Anständiges schreiben konnte. Nur konnte ich es im Hotel noch nicht raufstellen, weil das Internet so saumässig langsam war.
Aber jetzt bin ich wieder zu Hause, kuschelig eingepackt auf meinem Sofa (hier ist es gar nicht so kalt, wie mir das erzählt wurde) und habe dieses Kapitel noch mal überarbeitet und durchgelesen und hoffe, dass sich nicht viele Fehler und Unstimmigkeiten hineingeschlichen haben. Ich habe nämlich die Steckbriefe von allen Charakteren irgendwie verdaddelt und... ja. Ich hoffe, ich mache keine allzu gravierenden Fehler von hier an.
Dann wünsche ich euch in diesem Sinne noch einen schönen Sonntag!

K~

(Dieses 'K~' habe ich übrigens nicht selbst einfliessen lassen, sondern von einer ganz entzückenden Autorin abgekupfert, weil es so schön aussieht. Die, die ich meine, die sollte es wissen und sich geehrt fühlen, weil ich überhaupt nichts von Kopieren halte.)
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