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You're not perfect. You're awesome! [MMFF]

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 Slash
Akashi Seijūro Aomine Daiki Kagami Taiga Kiyoshi Teppei Midorima Shintarō
29.11.2014
29.07.2017
50
97.385
11
Alle Kapitel
46 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
05.04.2015 1.576
 
Freitag, 5. Dezember 2014


Eigentlich hatte sie gedacht, sie hätte die richtige Entscheidung getroffen, hätte alles richtig gemacht, es wäre korrekt von ihr gewesen, auf diese plötzliche Eingebung zu hören und dementsprechend zu handeln. Sie war sich sicher gewesen, einen Schritt in die richtige Richtung gemacht zu haben. Immerhin konnte sie nicht ihr gesamtes Leben mit Warten und Däumchen drehen verschwenden, irgendeinmal hätte sie etwas tun müssen. Dass der Tag, an dem sie handeln musste, so früh gekommen war, hatte sie zwar überrascht, aber sie hätte niemals eine einmalige Chance verstreichen lassen können, wenn es ihr schon unter den Fingern brannte, etwas zu tun. Diesen Drang, etwas sagen und tun zu müssen, hatte sie noch nie so intensiv gespürt, nicht einmal dann, wenn sie wusste, dass etwas Unrechtes geschah und dies vollkommen ignoriert wurde. Eine Sache, die sie nicht leiden konnte, die sie nicht einfach vorüberziehen lassen konnte, ohne etwas dagegen zu tun.
Und genau so hatte sie sich in diesem Moment gefühlt. Und wieder trug nur eine einzige Person Schuld. Doch eigentlich war es nicht direkt die Person, die sie dazu veranlasste, Dinge zu tun, die ihr gar nicht ähnlich sahen. Es waren vielmehr diese Augen.
Die Augen, die sie schon dazu gezwungen hatten, ihren Besitzer als Pfleger auszusuchen. Diese Augen, die sie so intensiv musterten, wenn sie nicht hinsah, wenn sie sich wegdrehte, konnte sie die Blicke im Rücken spüren, fast so, als würden sie diese durchbohren, aufspiessen.

„Hör auf zu spielen. Komm jetzt bitte“, freundlich, dennoch viel zu bestimmend für ihre überaus höfliche und fröhliche Natur, zitierte Yin Akashi Seijuro zu sich hinüber, die Arme hinter dem Rücken verschränkt, die Füsse adrett nebeneinander gestellt. Ihre Tasche glitt ihr von den Schultern, sie liess es geschehen, fing diese mit den Händen hinter dem Rücken auf und hielt sie fest. Sie wippte nach vorn und wieder zurück, summte nebenbei eine leise Melodie vor sich hin und beobachtete ihren eigentlichen Pfleger, der sich nicht wirklich wie ein solcher benahm.

Es war kurz nach Unterrichtsschluss, sie wollte sich die Schule zeigen lassen, kannte sich noch nicht wirklich aus und hatte von sich von Akashi einen Rundgang verlangt. Dieser hatte selbstredend zugestimmt, ein simples Nicken, mehr hatte sie nicht als Antwort erhalten. Es war ihr gleich gewesen, störte es sie nicht, dass der Rothaarige nicht wirklich mit ihr zu reden versuchte. Momentan wollte sie auch nicht vollgequasselt werden, genoss die stillen Momente, dennoch wären ihr einige Worte recht gelegen gekommen. Doch sie hatte schnell begriffen, dass sie keine grossen Konversationen mit Akashi führen konnte, dieser hatte anscheinend überhaupt kein Interesse daran, Anteil an ihrem Leben zu nehmen.

„Ich spiele nicht“, stellte der Rotschopf mit doch recht monotoner Stimmlage klar, wandte sich von der Gruppe Erstklässer ab, die er bis dato mit bedrohlichen Blicken mentaler Folter ausgesetzt hatte – die sich schneller verzog, als eine Katze, die das Wort ‚Wasser‘ hörte –, ging einige Schritte auf Yin zu. Seine verschiedenfarbigen Augen bohrten sich in die ihren, wiesen ein gewisses Mass an Gefahr, Verachtung, Überlegenheit und Weisheit auf. Wie ihr bewusst war, wäre jeder Normalsterbliche zurückgewichen, hätte sich wohl für eben Gesagtes entschuldigt und wäre auf die Knie gefallen. Mindestens.
Sie bewegte sich lediglich darin, sich umzudrehen, ihre Tasche zu schultern, abzuwinken und Akashi wie einen dressierten Hund zu sich zu rufen. Mit einem verschmitzten Lächeln lief sie den Korridor entlang, in dem Wissen, dass der Rothaarige dies nicht auf sich sitzen lassen würde.

„Wag‘ es nicht, dir einzubilden, ich hätte nun zu tun, was du dir wünschst“, zischelte eine dunkle Stimme nahe ihrem Ohr, es jagte ihr eine Gänsehaut über den Rücken, ihre Arme, ja, über ihren gesamten Körper. Neben dem triumphierenden Grinsen seitens Akashis spürte sie eine Entlastung auf ihrer Schulter. Etwas verblüfft drehte sie den Kopf, um ihren pflegeunfähigen Pfleger ins Blickfeld schieben zu können, der ihr ihre Tasche abgenommen hatte, diese selbst über seine Schulter geworfen hatte und jetzt einige Schritte vor ihr ging, um seine Autorität zu unterstreichen. Wahrscheinlich hatten seine guten Manieren es ihm nicht erlaubt, ein Mädchen ihre Tasche selbst tragen zu lassen. Interessant, wie nett und zuvorkommend und dennoch so herrschsüchtig er doch war. Ein Paradoxon für sich. Kenneth hätte Vergnügen daran, sein Hirn auseinanderzunehmen, da war sie sich sicher.

„Ich bilde mir nichts ein, auch wünsche ich mir momentan nichts. Vor allem nicht von dir“, gab sie ihm sanft lächelnd und mit Heiterkeit in der Stimme zurück. Natürlich lag etwas Neckisches in ihrer Tonlage, das dem Rothaarigen keinesfalls entgangen sein konnte.
Sie konnte sich nicht helfen, aber in diesen zwei Tagen, in denen sie sich kannten, konnte sie sich schlagfertige Worte, ärgernde Kommentare und übertriebene Freundlichkeit nicht verkneifen, wenn es dazu beitrug, ihn zu nerven. Sie wusste nicht, woher dieses aufmüpfige Verhalten herrührte, aber sie fand es ganz lustig, ihn, Akashi Seijuro, aus der Reserve zu locken. Ein schlechtes Gewissen, ein Schamgefühl für ihre Worte überkam sie nicht, immerhin machte es ihm mindestens genauso Spass, ihren letzten Geduldsfaden auszutesten.
Vielleicht machte er es nicht einmal absichtlich, doch mit seiner arroganten, überheblichen Art musste sie sich schon einige Male in dieser kurzen Zeit zusammennehmen, um ihm nicht gemeinste Worte um die Ohren zu schleudern. Dies war nicht ihre Art und eine solche würde sie sich auch niemals zulegen. Zu Sasha und Kenneth passte es, aber nicht zu ihr. Sonst wäre sie nicht mehr Yin Snow.

Vielleicht stand diese Arroganz in Zusammenhang mit ihrem Schicksal, vielleicht auch nicht. Sie wusste es nicht, konnte es nur erahnen, auch wenn ihr schon dies zu schaffen machte.
Eigentlich war Yin immer das Mädchen gewesen, das alles und jeden mochte, immer höflich und freundlich war, war auch stolz darauf. Sie verstand sich meist auf Anhieb mit all ihren Mitmenschen, hegte nie einen Hass auf irgendjemanden, wollte sich mit allen verstehen. Ihre Freundlichkeit mochte vielleicht einigen gegen den Strich gehen – vor allem Ken, die ihr immer wieder predigte, dass das Zu-nett-sein nicht gut für sie wäre. Dennoch hatte sie niemals etwas an ihrer Einstellung dem Leben gegenüber geändert, hatte es auch nicht wirklich vor, so war ihr recht egal, was andere nun an ihr mochten oder nicht. Immerhin war es ihre Entscheidung, wie sie sich verhielt.
Aber Akashi Seijuro, der wahrscheinlich zukünftige Diktator und Weltherrscher dieser Welt, machte es ihr wirklich nicht einfach, ihn zu mögen, nicht sarkastisch und frech ihm gegenüber zu sein. Er provozierte ein solches Verhalten schon durch seine Ich-bin-sowieso-besser-als-du-deshalb-kannst-du-dich-gleich-vor-mir-verbeugen-und-zu-mir-aufsehen-und-beten-Einstellung, verlangte nach Aufmüpfigkeit, wenn er seine Mitschüler wie Dreck behandelte, ohne wirklich beleidigend oder ausfallend zu werden. Wie er es schaffte, mit seiner blossen Anwesenheit eine derartige Autorität und Präsenz auszustrahlen, wusste sie nicht, nicht einmal Kenneth mit ihrem allgemein auffälligen Erscheinungsbild konnte eine solche Aufmerksamkeit und Präsenz erzwingen. Ausser vielleicht, sie würde es wirklich wollen, dann würde sie es wohl schaffen.

Doch es gab noch eine weitere Tatsache, die sie von Akashi unterschied. Ken hatte Macht über die allgemeine Schüler- und Lehrerschaft dieser Schule, weil sie nicht nur der Schulleiter, sondern auch ein gefürchteter Schläger war, sie erzwang sich den Respekt, verdiente ihn sich auf ihre persönliche Art und Weise.
Akashi hingegen verschaffte sich den nötigen Respekt weder durch Prügeleien, Handgreiflichkeiten oder Drohungen, geschweige denn durch bedrohliches Aussehen. Bei ihm genügte sein alleiniger Name für Aufruhr und peinlich-ängstliches Schweigen. So viel hatte sie mitgekriegt, als sie zusammen die Schulflure entlanggegangen waren. Auch hatte sie das viele Getuschel hinter seinem Rücken sehr wohl bemerkt. Obwohl sie ihn einerseits nicht besonders mochte aufgrund seiner Unhöflichkeit, so tat er ihr doch auf eine Weise leid, wie auch Kenneth ihr Leid tat.
Natürlich würde sie dies niemals laut aussprechen, dafür würde es wohl Konsequenzen regnen, die sie nicht einstecken konnte. Glaubte sie zumindest.

„Trödel‘ nicht so. Sonst verliere ich dich noch und ich kann mir Besseres vorstellen, als dich in der ganzen Schule suchen gehen zu müssen“, hörte sie schon die diskret ungeduldige Stimme Akashis vor ihr, bemerkte, wie sie immer langsamer vorwärts gekommen war. Wie ihre Gedankengänge sich manchmal auf ihren Bewegungsfluss übertragen konnten, diesen manchmal sogar gänzlich unterbrachen, was sie dann meist in peinlich berührtes Schweigen versetzte. So auch jetzt.

Still, ruhig, ging sie neben ihrem Pfleger her, der ab und an einen Blick zu ihr warf, den Kopf schüttelte, ein kaum hörbares Seufzen ausstiess. Selbstverständlich ging er noch immer ein Stück vor ihr, als müsste er betonen, wer hier das Sagen hatte. Es störte sie nicht, dennoch befand sie es als äusserst unhöflich, vor einer Frau zu laufen.
Sie würde ihm wohl noch beibringen müssen, dass er bei ihr gar nicht so dominant zu sein brauchte, es bei ihr ohnehin nicht ziehen würde. Der Vorgang von Akashi Seijuro, das Arschloch, von Akashi Seijuro, das fürsorgliche Weichei, würde natürlich langsam schleichend, hinterrücks und von ihm unbemerkt bleiben.
Sie würde ihre Begleiterinnen, die in diesen wenigen Tagen schon zu unverzichtbaren Beraterinnen geworden waren, wohl noch zu Rate ziehen. Sie würden bestimmt einen wirkungsvollen Plan haben, wie man einen derart aufgeblasenen, von sich überzeugten jungen Mann umkehren könnte.

°-°-°-°-°

Actionreiches Kapitel, ich weiss.
Aber ich bin gerade so unkreativ, dennoch hoffe ich doch, dass euch die nächsten Kapitel, die wahrscheinlich dermassen langweilig sein werden, dass ihr euch die Augen auskratzt, trotzdem zusprechen werden. Oder euch zumindest für kurze Zeit ablenken werden, immerhin will ich euch nicht einfach nichts vorsetzen, nur weil ich eine Blockade haben.

In Liebe,
Eure Kenneth C. E.
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