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You're not perfect. You're awesome! [MMFF]

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 Slash
Akashi Seijūro Aomine Daiki Kagami Taiga Kiyoshi Teppei Midorima Shintarō
29.11.2014
29.07.2017
50
97.385
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29.11.2014 3.388
 
Völlig entnervt – und das schon recht früh am Morgen – seufzte Tanaki Shoja* auf. Dabei sammelte er diverse Unterlagen und Dokumente von seinem Schreibtisch zusammen, der alles andere als ordentlich aussah. Er versorgte – oder war stopfen das bessere Wort? – die mittlerweile zerknitterten und an einigen Ecken umgeknickten Papiere in seine teuer aussehende Aktentasche. Noch in derselben Bewegung griff er nach seinem längst kalt gewordenen Kaffee, stiess seine Bürotür mit dem Fuss auf und schlüpfte hinaus. Mit dem Kaffeebecher an den Lippen eilte er durch das St.-Elizabeth in Richtung seines Vorleseraumes.
Vor der Tür, die in seine Räumlichkeiten führte, warteten bereits drei junge Studenten. Ein junges Mädchen mit kurzen braunen Haaren, streng dreinblickend und die Nase in einem Buch vergraben. Das rosahaarige Mädchen neben ihr, die auch eine beachtliche Oberweite besass, wühlte in ihrer Tasche umher, scheinbar auf der Suche nach einem Buch. Neben den Mädchen stand ein hübscher junger Mann mit roten Haaren, die Arme vor der Brust verschränkt und sah geradewegs in seine Richtung. Die verschiedenfarbigen Augen wandten sich keinen Moment von Tanaki ab. Obwohl sein Gesicht nicht verzerrt war, keinen Ausdruck zeigte, strahlte er eine Autorität aus, die wohl sogar Bruce Willis zusammen zucken lassen würde.
Tanaki, der beinah rannte, bremst kurz vor seinen Assistenten ab und grüsste sie mit einer einladenden Bewegung. Er schaute seine junge Unterstützung kurz dankbar an – ohne sie wäre er vollkommen verloren.
Mit einem kurzen Nicken öffnete Tanaki die Tür.
Hinter eben dieser Tür fand er sich in einem grossen Hörsaal wieder. Die Tafel, die beinah die gesamte Nordwand einnahm, war tiefschwarz, wies keine Kreidespuren auf. Die Sitzreihen, die sich durch den Raum zogen, boten Platz für um die hundert Personen, und doch waren nur fünf Plätze belegt. Fünf junge Medizinstudenten sassen weit ab voneinander entfernt verteilt im Raum und sahen doch recht gelangweilt aus. Nur einer las artig in einem Buch und beachtete den Lärm nicht, der von seinen „Mitschülern“ ausging. Auch als der Lehrer dieser teuren Privatschule eintrat, hörten sie nicht auf zu reden, durch den Raum zu brüllen, Papierkügelchen herum zu schmeissen und Papierflieger aus dem Fenster segeln zu lassen.
Shoja war dies jedoch gewohnt und trat daher nur an seinen Schreibtisch, stellte die Tasche ab und begann, fünf beachtliche Akten ordentlich vor sich auf der Tischplatte auszubreiten. Danach zog er noch eine Akte, doch eine viel schmalere, nicht dicker als drei Seiten, aus der Tasche und legte sie neben die anderen. Dass noch immer laute Geräusche den Raum erfüllten, störte ihn nicht im Geringsten.
Doch als es plötzlich und aus heiterem Himmel so still wurde, dass man eine Stecknadel auf den Boden hätte fallen hören, schaute der junge Lehrer doch verwundert auf. Er bemerkte seine Assistenten, die gerade in den Raum spaziert kamen. Vorne weg Riko, gleich darauf Momoi und hinten schloss Akashi. Und gerade als der Rotschopf die Türe schloss, verstummten alle, der eine legte sogar sein Buch weg.
„Leute, es beleidigt mich also schon, dass Akashi mehr Autorität ausstrahlt als ich“, lachte Tanaki kopfschüttelnd und trat vor sein Pult.
„Aber leider habe ich keine Zeit, um zu schmollen. Mir wurde gestern eine Nachricht zugestellt, die mich kurzzeitig aus der Bahn geworfen hat“, erklärte Tanaki Shoja seinen fünf Schülern, lehnte sich dabei lässig an sein Pult und fuhr mit nachdrücklicher Stimme fort: „Ich erhielt die Nachricht, dass wir ab nächster Woche fünf neue Schüler aufnehmen dürfen. Sehr kurzfristig, wie ihr seht. Und genau deshalb können wir unser Programm nicht fortsetzen.“
Verwirrte, milde überraschte oder völlig ausdruckslose Gesichter starrten in seine Richtung. Eine Hand hob sich.
„U-und warum wird unser Programm unterbrochen?“, verliess es stotternd den Mund eines braunhaarigen Jungen.
„Ja, warum eigentlich? Nur weil neue Krüppel eingewiesen werden?“, warf ein gut gebräunter, blauhaariger junger Mann in der hintersten Reihe ein, die Füsse auf dem Pult abgelegt, die Arme hinter dem Kopf verschränkt.
„Das, mein lieber Sakurai“, fuhr Tanaki fort, den Blauhaarigen geübt ignorierend, „bringt mich gleich zum nächsten Punkt. Da diese fünf ,Neuankömmlinge‘“, er warf dem blauhaarigen Jungen einen warnenden Blick zu, „sehr kurzfristig aufgenommen wurden, sind zur Zeit alle Pfleger vollkommen belegt.“
„Belegt?“, wiederholte ein rothaariger Junge mit schwarzen Spitzen ungläubig. „Wie kann diese riesige Schule mit über hundert Pflegern keine eben solche mehr frei haben?“
„Erstens“, kam es von Akashi, der das erste Mal etwas verlauten liess, und jedweges Geräusch erstarb ob seiner schneidenden Stimme, „ist dies hier eher ein Internat, da einige Schüler zu weit weg wohnen. Vor allem, weil hier Leute aus der ganzen Welt aufgenommen werden. Zweitens haben wir hundertdreiundzwanzig Pfleger eingestellt, die sich um unsere Gäste kümmern.“
„Danke, Akashi, nett von dir, uns zu belehren“, kam es genervt und Augen rollend von Momoi, kritzelte dabei auf ihrem Klemmbrett herum. Es war unschwer zu erkennen, dass sie Akashis Blick entgehen wollte.
„Wie schon erwähnt,“, setzte Tanaki fort, „sind alle Pfleger an ihre ganz eigenen Fälle gebunden. Daher beschloss ich, dass ihr alles bisher Gelernte statt in der vorgesehenen Prüfung jetzt in die Praxis umsetzen sollt.“
Ein überraschtes Murmeln ging durch die spärlich besetzten Reihen. Tanaki fuhr fort.
„Es werden fünf neue Schülerinnen“, er deutete auf die Akten auf seinem Tisch, „ab nächster Woche hier auftauchen und unterrichtet werden. Weshalb der Schulleiter das zulässt, ist mir ein Rätsel“, offensichtlich genervt rollte er mit den Augen. „Aber da kann ich leider nichts machen…“
„Kann es sein“, fragte ein grünhaariger Brillenträger, „dass der Schulleiter, Herr Eltringham, Sie damit beauftragt hat, Pfleger für die Neuen zu ernennen?“
Voll ins Schwarze.
Ergeben nickte Shoja, fuhr mit seiner Erklärung fort. Oder er wollte es. Denn fast zeitgleich wurde er von einem grosse braunhaarigen Jungen unterbrochen.
„Aber Sie haben sechs Akten auf dem Tisch. Sie sagten uns aber, es würden nur fünf Schüler neu zu uns kommen.“
„Ah, Kyoshi,  lass mich doch ausreden“, lachte Tanaki sein angenehm raues Lachen.
„Da ich euch nicht einfach eurem Schicksal überlassen will, warne ich euch vor. Obwohl… so schlimm wird es nicht sein. Ich will euch die Mädchen, die neu hier ankommen, etwas näher bringen und stelle sie euch daher vor. Aber ich besitze nur ihre Akten und die gröbsten Informationen von Schulleiter Eltringham, richtig kennenlernen müsst ihr sie dann schon selbst“, schloss Tanaki seine Erklärung. Er schaute in die Runde, wartete auf zustimmende Reaktionen und atmete tief ein und aus. Er schritt durch das Klassenzimmer, verschwand kurz in dem angrenzenden Zimmer, in dem sich Ersatzstifte, Hefte, Bücher und Fundsachen stapelten, und kam kurz darauf mit einem Laptop zurück.
Er zog einige Blätter aus der ersten schneeweissen Akte, auf der in grossen, kritzelnden Lettern Y. S. geschrieben stand. Er stöpselte den Laptop an einen an der Decke hängenden Projektor an, zog eine Leinwand vor der schwarzen Tafel hinunter und tippte einige Male auf den Tasten des eben genannten Geräts herum.
Auf der Leinwand erschien ein Bild. Ein Bild eines Mädchens, um genau zu sein. Ein sehr hübsches Mädchen, und dies war nicht übertrieben.
„Das hier ist Yin Snow“, erklärte Tanaki und sein Blick huschte durch seine „Klasse“. Ein Murmeln ging durch die Reihen, erwarteten wohl nur Vogelscheuchen. Sein Blick streifte auch Riko, die seinen Blick auffing und zu seinem rothaarigen Assistenten nickte. Akashi schien milde gebannt vom Anblick des Mädchens. Tanaki lächelte wissend, fuhr fort.
„Sie ist fünfzehn Jahre jung, wird dieses Jahr – an Weihnachten, wohlgemerkt – sechzehn. Sie ist geboren und aufgewachsen in Alaska. Wohnt derzeitig auch dort mit ihrer Grossmutter zusammen. Sie kommt, im Gegensatz zu den meisten Schülern hier, aus normalen Verhältnissen. Man sollte vielleicht besser Englisch mit ihr sprechen, da sie Japanisch noch nicht perfekt beherrscht. Doch mit bei euch hochgebildeten Studenten sollte dies ja kein Problem darstellen, nicht?“, Shoja lachte kurz und schüttelte den Kopf.
„Jedenfalls… Sie ist ein sehr offenes, immer fröhliches Mädchen, wie mir zu Ohren kam. Sie macht ihre Umgebung bunter, wie hier steht“, er hob kurz die Akte.
„Sie hat eine ziemlich ungewöhnliche Erkrankung. Aufgrund eines Unfalls, den sie mit ihren Schlittenhunden hatte, und bei dem ihr rechter Arm sehr beeinträchtigt wurde. Sie kann ihn nicht mehr zu hundert Prozent nutzen. Vierzig Prozent ist, so glaube ich, das höchste Mass an Prozent, das sie nutzen kann. Aber auch nur kurze Zeit. Deshalb braucht sie wahrscheinlich viel Hilfe bei Tätigkeiten, bei denen sie beide Arme benötigt. Auch ihr rechtes Bein ist ein wenig mitgenommen und bei grösseren Anstrengungen fängt sie an zu humpeln und braucht manchmal sogar Krücken.
Aber ich denke, der, der ihr zur Seite gestellt wird, hat das grosse Los gezogen, da sie weder arrogant noch zickig oder aufgeblasen ist“, endete Tanaki seine Erzählung über Yin Snow. Völlig beabsichtigt waren die Begriffe, die er genutzt hatte. Mit den „modernen“ Begriffen konnten sich die Jungen wohl besser mit ihr auseinandersetzen als mit vielen Fremdwörtern.
Er liess seine Schüler ein wenig über das Gesprochene nachdenken und verstaute die hervorgeholten Blätter wieder in Yins Akte. Er nahm sich fast automatisch die zweite Akte, sie war in einem himmelfarbigen Ton gehalten. Auch daraus zog er sich einige Blätter und tippte wieder kurzeitig auf den Tasten des Laptops herum.
Auf der Leinwand erschien das Bild eines zweiten Mädchens, auch sie war ungewöhnlich hübsch.
„Amaya ‚Rin‘ Hoshi“, startete Tanaki seine Erklärung über das zweite Mädchen.
„Sechzehn Jahre alt, am zweiten März in Tokio geboren, wohnt derzeitig in Osaka. Bei ihr wird es wohl nicht schwer, sich mit ihr zu unterhalten. Auch sie spricht fliessend Englisch, beherrscht sogar bruchstückhaft Deutsch.“
Einige nickten anerkennend.
„Auch sie stammt aus eher normalen Verhältnissen, nicht reich, nicht arm. Wenn man der Akte hier Glauben schenken soll, ist sie ein zurückgezogenes, schüchternes Mädchen, das kalt und abweisend wirkt.
Wie es scheint, spielte sie bis zu ihrem Unfall gerne Fussball. Doch nach einem unglücklichen Foul während eines Spieles soll sich der Bänderriss, den sie sich zugezogen hat, nicht mehr regeneriert haben und deshalb ist sie an den Rollstuhl gebunden und kann kaum mehr laufen, da sich auch die Muskeln über die Jahre zurückgezogen haben“, las er der Akte ab.
„Also muss man sich wohl ganz besonders um sie kümmern, wenn sie nicht laufen kann“, merkte Akashi an und besah sich die fünf vor ihm sitzenden Studenten, die kein Jahr jünger waren als er selbst.
„Genau“, stimmte auch Riko ein und kritzelte etwas in ihr Notizheft.
Momoi trippelte zum Schreibtisch und reichte Shoja die dritte Akte. Sie war ackerbraun, wie eine Akte eigentlich auch auszusehen hatte. Auf ihr waren die Buchstaben I. L. geschrieben.
Akashi schaltete zum nächsten Bild.
„Vielen Dank, Momoi“, bedankte sich Tanaki bei der Pinkhaarigen und deutete auf das Bild, das ein Mädchen mit grossen Augen, „Das ist Izzy Leonardo. Ebenfalls sechzehn Jahre alt, am elften Januar in Wiesbaden, Deutschland geboren wurde. Momentan wohnt sie jedoch im Hamburger Kiez. Auch ihre Eltern sind Normalverdiener.
Sich mit ihr zu unterhalten wäre in jedweger Sprache sinnlos. Sie ist zwar nicht taub, aber sie kann nicht sprechen, da sie als Kind an einer Kehlkopfentzündung gelitten hat. Ihre Stimmbänder wurden somit so stark beschädigt, dass sie ihr zum Schluss sogar chirurgisch entfernt werden mussten. Deshalb erlernte sie die Gebärdensprache.
Anscheinend ist sie aber trotzdem gerne unter Menschen und hegt soziale Kontakte. Wie hier steht, ist sie etwas chaotisch, unsicher, aber trotzdem… liebenswert.“
Etwas ungläubig starrte Tanaki auf das kleine Wort „liebenswert“. Es war beinah nicht zu glauben, dass der Schulleiter, der die Akten höchstpersönlich verfasste, dieses Wort in eine Beschreibung einfliessen liess. Das war genauso untypisch wie ein sonniger Tag in London.
Er räusperte sich.
„Midorima, dann musst du wohl ran. Soweit ich weiss, bist du der einzige unter uns, der Gebärdensprache beherrscht?“
Angesprochener nickte und schob sich unnötigerweise die Brille richtig auf die Nase.
Riko beeilte sich, noch vor Akashi zum Laptop zu gelangen und das nächste Bild durchzuklicken, während Momoi die nächste, die vierte, Akte zu Tanaki weiterleitete. Sie war in ein helles Blau, fast weiss, eingefärbt.
Es zeigte ein Mädchen – welch Überraschung – mit grossen Augen und in eben diesen zeigte sich ein spezieller Farbübergang.
Nachdem Tanaki Momoi und Riko gedankt hatte, fuhr er fort.
„Das ist Skylar-Blue Jhonsonn. Auch sie ist sechzehn, am zehnten Dezember in London geboren und aufgewachsen. Sie stammt aus reichen Verhältnissen. Sie ist halb Engländerin, halb Russin, weshalb sie auch die jeweiligen Sprachen beherrscht. Doch auch Japanisch liegt in ihren Grundkenntnissen, ihr – oder ihr zukünftiger Pfleger – werdet wohl keine Probleme haben, euch mit ihr zu verständigen.
Scheinbar ist sie sehr verträumt, trotzdem ehrlich und ihre Meinung vertretend. Offenbar ist sie ruhig, kann jedoch auch ziemlich in Rage geraten, und dann kann sie niemand wieder beruhigen. Also… das steht hier“, erklärte sich Tanaki und starrte nicht das erste Mal ungläubig auf die Akte. Wieso war Herr Eltringham denn so ausführlich und genau informiert über die Neuen? Sonst war er auch nicht so.
„Nun, sie wird euch hoffentlich keine Probleme bereiten.“
Riko und Akashi töteten sich mit Blicken, als sie gemeinsam zum Laptop gingen und zum nächsten Bild vorklickten. Es zeigte erneut ein Mädchen. Diesmal fielen wieder zuerst die Augen auf. Das eine war in ein dunkles Braun eingefärbt und das andere zeugte von einem hübschen Blau. Aber auch ihre Haare fanden Anklang.
„Heiss“, bemerkte der blauhaarige Junge mit der gebräunten Haut und pfiff leise. Akashi warf ihm einen vernichtenden Blick zu, woraufhin Aomine sofort verstummte. Verdammt, wieso war der Rothaarige auch so unheimlich?
„Das ist Yan Sasha Theia Czartoryski, sechzehn Jahre alt, hat ebenfalls an Weihnachten Geburtstag und wurde in Vilnius, Litauen geboren. Derzeitig wohnt sie auch dort. Ihre Familie trägt den Fürstentitel und ist in der Gesellschaft hoch angesehen, wie man sich denken kann. Und da ihre Eltern internationalen Einfluss haben, dementsprechend auch viel Besuch aus der ganzen Welt haben, spricht Sasha auch Englisch, Japanisch, ein wenig Deutsch und – logischerweise – Litauisch.
Ihre schulischen Leistungen lassen nicht zu wünschen übrig. Sie ist… intelligent, ehrgeizig, ein Ordnungsfreak – Schaut mich nicht so an, das steht hier! – und auch sehr loyal. Scheinbar ist sie genauso kalt und abweisend wie auch ehrlich und stolz“, las Tanaki aus der Akte vor, die übrigens in einem hellen Grau gehalten war und auf der golden Y. S. T. C. stand, „Sie hat, wie ihr vielleicht schon gemerkt habt, ein Gen-Defekt der Iris, daher haben ihre Augen verschiedene Farben.“
Alle Blicke schweiften kurz zu Akashi.
„Seit Geburt leidet sie an einem Karataktes – Grauer Star – und ist deshalb auf dem linken Auge erblindet. Auf dem Rechten besitzt sie nur noch sechzig Prozent der Sehkraft. Auch ihre Brille hilft ihr da nicht immer und wie hier steht, sieht sie trotzdem vieles nur verschwommen.“
„Sie ist trotzdem heiss“, merkte Aomine Daiki wieder an und nickte dem abgebildeten Mädchen anerkennend zu, als ob sie es sehen würde.
„Aomine, könntest du dir diese Kommentare verkneifen? Wir sind hier an einem ernsten Thema. Denn jetzt kommt das eigentliche Problem, wie Kyoshi vorhin schon verlauten liess.“
Er nickte dem Braunhaarigen zu, wandte sich zu seinem Laptop und klickte ein Bild weiter. Das nächste Bild zeigte einen Jungen, dessen Gesicht jedoch genauso das Gesicht eines Mädchens hätte sein können, und bei dem nicht nur die Piercing sofort auffielen.
„Das ist Kenneth Ciel Eltringham, fünfzehn Jahre jung. Und nein, er wird dieses Jahr nicht mehr sechzehn. Er wurde am fünften November fünfzehn. Und bevor hier ein Ansturm von Fragen auf mich einprasseln, ja, er ist der Sohn des ehemaligen Schulleiters Finnegan Bailey Eltringham. Doch als dieser vor knapp sechs Jahren an einem Unfall verstarb, an dem Kenneth ebenfalls beteiligt war, leitet dieser junge Mann die Schule.“
Gemurmel ging durch die kleine Klasse. Tanaki fuhr fort, doch in seiner Stimme bildete sich einen Hauch von Ehrfurcht ab.
„Er ist nicht nur Schulleiter mit seinen jungen Jahren, er leitet auch die drei Firmen seines Vaters weiter und besitzt zwangsläufig den Earl-Titel. Wahrscheinlich fühlt er sich auch dazu verpflichtet, nehme ich an“, vermutete er und schaute durch die Klasse. Eine Hand hatte sich schon erhoben.
„Aber… geht Herr Eltringham nicht schon seit zwei Jahren auf diese Schule? Sollte er dann nicht schon einen Pfleger haben, der mit seiner Krankheit vertraut ist?“, wollte Sakurai schüchtern wissen.
„Ja. Und genau da liegt das Problem. Leider Gottes ist Kenneth nicht der Junge, der früh erwachsen werden musste und sich dementsprechend benimmt. Ich bin mir zwar sicher, dass er auch eine ernste Seite hat, doch die durfte ich noch nie erblicken“, seufzte Shoja, als er an den letzten Zwischenfall mit Kenneth zurückdachte.
„Er ist eher der Typ Junge, der keine zehn Minuten stillsitzen kann, ohne sich Ärger jedweglicher Art einzuhandeln. Er hat ein ausserordentliches Talent, Ärger anzuziehen, sich in Prügeleien zu verwickeln und seine Pfleger zu vergraulen. Er hatte noch nie einen Pfleger, der es länger als einen Monat ausgehalten hat. Bei dem letzten wurde er sogar handgreiflich.
Kenneth ist gleichermassen stur, dickköpfig, kalt und abweisend, als auch hoch intelligent und sarkastisch zugleich.
Ich kann nur hoffen, dass derjenige, der sich um ihn kümmern „darf“, starke Nerven und ein gutes Durchsetzungsvermögen besitzt…“, schloss Tanaki.
„Und er hat Sie dazu angewiesen, auch einen neuen Pfleger für sich selbst zu organisieren?“, erkundigte sich Akashi, milde beeindruckt von dem Vortrag seines Vorgesetzten.
„Nicht direkt. Eigentlich wollte er nur einen für die neuen Schüler. Kenneth ist nämlich kein Befürworter von anderweitiger Hilfe. Wie schon gesagt, er ist sehr stur und denkt, nur weil er Schulleiter ist, kann er alles tun und lassen, was er will. Aber da dies das St.-Elizabeth ist, ist es mir als Lehrer nicht gestattet, einen Schüler ohne professionelle Hilfe an seiner Seite herum wandeln zu lassen. Es könnte ja weiss Gott was passieren, wenn man diesen Bengel nicht vierundzwanzig Stunden am Stück beobachtet…“ Und wieder wurde er unweigerlich an den schmerzlichen Vorfall von vor drei Wochen erinnert.
„Was hat Kenneth denn, wenn ich fragen darf?“, getraute sich Kagami auch etwas zu fragen.
„Meiner Meinung nach ja Aggressionsprobleme. Aber ich bin mir sicher, du meintest das körperliche Wohlbefinden? Nun, das wirst du ab nächster Woche ja selbst sehen.
Aber ich habe für einen Tag zu viel mit Informationen um mich geworfen. Ich schlage vor, ihr geht jetzt und bereitet euch gut auf die folgende Woche vor. Seelisch, körperlich…“
Die Schüler, nicht fähig noch etwas zu erwidern, erhoben sich, packten ihre unnötig hervorgeholten Hefte und Bücher wieder ein, schulterten ihre Taschen und verliessen den Raum, nachdem sie Tanaki die Hand geschüttelt hatten. Sie bemerkten nicht einmal, dass das von Kyoshi angesprochene Problem noch offen stand.
„Tanaki. Dir ist bewusst, dass du einen Pfleger zu wenig hast, nicht wahr?“, wollte der rothaarige Assistent wissen, während er den Laptop herunter fahren liess.
„Ja, das ist mir bewusst. Und mir kam gerade die Erleuchtung, wie manche wohl sagen würden. Wie wäre es-“
„Nein.“
„Aber du weisst ja gar nicht-“
„Sehe ich so aus, als würde ich mich gerne um andere Menschen kümmern?“, für Akashi schien das Gespräch beendet. Nicht jedoch für Akashi Seijuro.
„Akashi, sieh es doch als Chance für deine Zukunft an! Wenn du wirklich Arzt werden willst, musst du wie jeder auch klein anfangen. Und dazu musst du Referenzen vorweisen können. Und was wäre eine bessere Referenz, als ein Empfehlungsschreiben von mir, Tanaki Shoja, langjähriger Lehrer am St.-Elizabeth?“
Damit hatte er wohl einen wunden Punkt bei Akashi getroffen. Kurz schien er zu überlegen, die Möglichkeiten abzuwägen und zu analysieren, was das Beste wäre.
Und dies tat er eine ganze Weile. Vielleicht aber auch hauptsächlich, weil er genau wusste, wie er Tanaki damit auf die Folter spannen, seine Ungeduld ausreizen konnte.
„Na schön, du hast mich überzeugt. Schafft nicht jeder. Aber sei gewarnt: Ich werde nicht eingreifen, wenn das Chaos ausbricht!“
„Akashi, wenn Kenneth hier mit seinen Freunden auftaucht, wird die Schule demnächst in Anarchie und Chaos versinken…“

°-°-°-°-°-°-°

Guten Abend!
So. Erster Kapitel -> Check!
Ich habe jetzt wirklich ewig dafür gebraucht und habe auch kein Interesse, es noch mal durchzulesen. Sollten Fehler enthalten sein, weist mich darauf hin oder lasst es, mir gleichgültig.
Ich habe bewusst noch keine grossen Beschreibungen des Charakters und/oder des Aussehens geschrieben. Das kommt alles noch, keine Sorge.
Für mein erster Kapitel fand ich es… Scheisse. Ehrlich. Ich kann nur hoffen, ich verbessere mich, wenn ich mich auf etwas fixieren kann und nicht so viele Informationen in ein Kapitel quetschen muss.
Aber nun. Ob es euch gefallen hat, müsst ihr entscheiden, ich kann da leider nichts machen.
Einen wundervollen Abend, wünsche ich euch,
Eure Kenneth C. E.

*Tanaki Shoja: Eine vollkommen erfundene Person, die ich mir ausgedacht habe. Keine Ahnung. Einfach so. Ich brauchte halt noch einen Lehrer. Verurteilt mich.
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