Cold As Ice Or Hot As Fire?

von Chemistry
GeschichteRomanze, Fantasy / P16
Ashallayn "Ash" Darkmyr Tallyn Mab Meghan Chase Oberon Robin "Puck" Goodfellow Titania
26.11.2014
25.02.2015
20
50673
4
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Prolog


* 3 Jahre menschlicher Zeitrechnung *

„Mommy! Mommy! Sieh doch!“

Die kleine Prinzessin tänzelte fröhlich zwischen den argwöhnischen Feen durch den Thronsaal auf ihre Mutter zu. Ihr glattes, langes Haar schimmerte im Zwielicht der Decke in Silber und Golden, die grün-blauen Augen glitzerten intensiv vor Aufregung, und ihr seidenes, weißes Kleid zog sich wie eine Schleppe hinter ihr her. Selbst jetzt war sie schon so schön wie die Morgenröte, ihre Blicke benebelten das Herz und die Sinne und ihre Eleganz spiegelte die einer erwachsenen Sidhe wider.

Thalia war das einzige Kind von König Oberon und seiner Ehefrau Titania - und damit auch die zukünftige Herrscherin vom Lichten Hof. Jeder Angehörige des Hofes verbürgte sich vor ihr, auch wenn das Mädchen gar nicht darauf achtete.

Sie hüpfte anmutig an der Menge vorbei, fing freundliche, aber auch einige böse Blicke von den Anwesenden auf sich und wurde liebevoll von ihrer Mutter hochgehoben und auf dessen Schoß gesetzt. „Da ist ja mein Sonnenschein!“, rief sie zärtlich und strich ihr eine silberne Strähne hinters Ohr.

Ihre Tochter war die Einzige, die von Titanias Arroganz und Unverfrorenheit verschont wurde. Die Prinzessin war ihr größter und gleichzeitig wertvollster Schatz. Jeder, der ihr auch nur einen gemeinen Spruch hinterher warf, bekam es mit der Sommerkönigin höchstpersönlich zu tun und endete meist als Tier oder Musikinstrument.

„Schau, was ich kann!“, quietschte Thalia vor Freude und deutete auf ihre geöffnete Hand, in der eine verwelkte Rosenblüte lag. „Guck, Mommy!“ Die Kleine runzelte die Stirn vor Anstrengung, und plötzlich begann sich die Blüte zu regen. Sie wurde größer, zog sich auseinander, bekam eine weinrote Farbe und strahlte von einem Moment zum anderen wieder ein angenehmes Rosenaroma aus, was die gesamte Umgebung innerhalb von Sekunden umhüllte. Dann verformte sie sich noch einmal, wurde schmaler und dunkler, bis sie die Form eines schwarzen Raben angenommen hatte. „Das ist Puck!“

Die Königin lächelte sanft, wurde aber gleich wieder ernst. Ihre Augen wurden schmal und suchten den Raum nach dem Lieblingslakai ihres Ehemanns ab. „Goodfellow!“, schrie sie durch den Saal. Am Himmel zuckte ein grüner Blitz und brachte die Erde zum Beben, worauf einige Untertanen erschrocken zurück wichen.

„Ja, Majestät?“, kam es vom Torbogen her. Puck suchte sich einen Weg zwischen den Feen hindurch und kniete sich vor den Thron der Königin. Seine Schultern waren angespannt.

„Wie kommt es, dass meine Tochter hier ganz allein herum läuft, obwohl es doch deine Aufgabe war, auf sie aufzupassen?“, fauchte sie wütend. Thalia auf ihrem Schoß achtete nicht auf den Tumult, sondern spielte mit der dauernd ändernden Form in ihren Händen.

„Es tut mir Leid, Majestät, aber sie ist flink! Sie-“, setzte er an.

„Genug!“, unterbrach sie ihn kalt. „Ich will nichts davon hören, Goodfellow. Es war deine Aufgabe darauf zu achten, dass sich Thalia nicht ohne Begleitung im Palast aufhält. Und du hast schlichtweg wieder einen meiner Befehle beachtet. Letzte Woche hat sie es geschafft aus der Hecke zu kommen und wäre beinahe von einem Irrwisch ertränkt worden! Vielleicht sollte ich dich für ein paar Jahrhunderte in einen Hund verwandeln und als Haustier halten. Würde dir das als Strafe gefallen?“

In diesem Moment dröhnte noch ein Donnerschlag durch den Himmel. Die gaffende Menge aus Satyrn, Dryaden, Púcas und anderen Wesen teilte sich, und Oberon schritt auf sie zu. Seine silbernen Haare wuselten wie Schlangen um seinen Kopf und sein gold-grüner Mantel bauschte sich. Die Krone auf seinem Scheitel warf lange Schatten über den Boden, die wie Finger aussahen und nach jemandem zu greifen schienen. „Frau.“, sagte er ruhig. „Goodfellow wurde von mir angewiesen zu mir zu kommen. Er trägt keine schuld.“

Titania stieß verächtlich etwas Luft aus. „Das ist keine Entschuldigung dafür, dass unsere Tochter den Hof hätte verlassen können, mein Gemahl. Du weißt wie stark sie ist, und der Schein fängt gerade erst an sich zu entwickeln. Die Natur reagiert jetzt schon empfindlich darauf. Wie sollen wir sicher gehen, dass sie in Sicherheit ist, wenn dein Schoßhündchen es nicht mal schafft fünf Minuten ein Auge auf sie zu haben?"

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* 8 Jahre menschlicher Zeitrechnung *

„Puck?“

„Ja, Prinzessin?“

„Ich will nach draußen gehen.“

Goodfellow seufzte frustriert. „Ja, das will ich auch, Prinzessin.“

Hand in Hand liefen sie durch den dichten Dornentunnel der Hecke, auf dem Weg zu Thalias Zimmer. Die Blätter teilten sich ohne Probleme und streichelten ihre Arme und Beine, worauf die Kleine kicherte und sich enger an die Hand ihres Begleiters drückte. Dieser wandte den Blick ab und erinnerte sich an den Tag, an dem die Ausgangssperre für ihn und die Prinzessin verhängt worden war.

Oberon und Titania hatten vor genau 5 Jahren beschlossen, dass ihre Tochter unter keinen Umständen mehr einen Fuß aus dem königlichen Palast setzen durfte, um sie vor den Gefahren draußen zu schützen. Puck, als ihr ständiger Aufpasser, war ebenfalls betroffen und hockte nun schon viel zu lange auf seinen vier Buchstaben. Er wollte wieder raus und mit Ash und Ariella zusammen auf die Jagd gehen. Er wollte die frische Luft des Wilden Waldes in seinen Lungen spüren, den Wind durch seine Haare wehen lassen und den Bewohnern dort ein paar fiese Streiche spielen, damit sie ihm wie Bekloppte hinterher rannten und ihm Beleidigungen zuwarfen. Das alles war viel zu lange her.

Wie es wohl Ash und Ariella ging? Ob sie noch zusammen waren? Hatten sie sich inzwischen verlobt? Die Fragen brannten ihm wie Feuer auf der Zunge.

„Puck?“, fragte Thalia erneut. Er schaute neugierig zu ihr herunter. „Ja, Prinzessin?“

Sie drückte sich fester an ihn und musterte sein Gesicht, bevor sie fragte: „Wie ist es da draußen so? Außerhalb von Zuhause.“

Erstaunt hob er die Augenbrauen. „Warum willst du das wissen?“ Das überraschte ihn. Thalia hatte noch nie nach der Außenwelt gefragt. Genauer gesagt war es ihr sogar verboten darüber zu sprechen, damit sie nicht neugierig wurde und sich heimlich rausschlich.

„Nur so.“, antwortete sie hoffnungsvoll. „Kannst du mir ein bisschen was davon erzählen? Wie ist es im Wald so?“

Misstrauisch beäugte Puck das Mädchen an seiner Seite. Ihre blau-grünen Augen funkelten wie kleine Sterne und warteten gespannt auf eine Antwort. Doch ihre Finger schlossen sich gleich fester um seinen Zeige- und Mittelfinger, sobald sie ein Rascheln hinter sich hörte und zusammenzuckte. Er lächelte verschmitzt und kam auf eine Idee.

„Oh, draußen ist es fuuurchtbar schrecklich!“, winselte er melodramatisch. „Im Wald gibt es ganz viele Monster und Kreaturen. Sie leben im geheimnisvollen Nebel und jagen mir so viel Angst ein, dass ich lieber hier im Palast bleiben will, damit sie mich nicht auffressen!“ Darauf kitzelte er sie am Bauch und sie lachte mit ihrer Glockenstimme, die wie eine Melodie klang. „Und dich können sie auch aufessen, wenn du nicht aufpasst!“

Nachdem sie sich beruhigt hatte, grinste sie. Mit rausgestreckter Brust verkündete sie: „Keine Angst, Puck. Ich werde dich beschützen!“

Er lächelte und wuschelte durch ihr Haar. „Ja, das glaube ich dir gerne.“

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* 150 Jahre menschlicher Zeitrechnung *

Lautlos und vollkommen mit der Dunkelheit verschmolzen schlich sich der Schatten durch die dornigen Büsche des Wilden Waldes. Kein einziger Laut war zu hören, nur das Ächzen ihres Bogens, den sie ganz langsam spannte, verriet, dass sich überhaupt jemand in dem dichten Nebel versteckte. Die Gestalt holte tief Luft, fixierte ihr Ziel und ließ den Pfeil loszischen.

Das Opfer bemerkte den Angriff viel zu spät. Verzweifelt wollte der Sumpfkrattler zur Seite springen, doch da wurde er schon von dem spitzen Geschoss getroffen. Mit einem dumpfen Aufprall landete der kleine Körper im weichen Gras und zappelte um sich, bis er schließlich erstarb und reglos liegen blieb.

Eine zweite Person krabbelte unter den großen Strauch, die Bewunderung war nicht zu übersehen. „Wahnsinn, Thalia! Du hast ihn echt getroffen!“, rief sie aus.

„Pssst! Violetta!“, zischte Thalia genervt. „Willst du etwa, dass uns der Nundu hört? Wir sind immer noch in seinem Territorium und einmal dem Tod entgehen reicht für diese Woche, findet du nicht?“

Der Nundu war ein gigantisch großer Leopard. Er jagte lautlos und griff seine Beute stets von hinten an, wenn sie es am wenigsten erwartete. Außerdem verbreitete sein Atem ansteckende Krankheiten, die im schlimmsten Fall ganze Dörfer ausrotten konnten. Vor drei Tagen hatte Violetta ihn aus seinem Schlaf geweckt und er war wie ein tollwütiges Tier hinten ihnen her gerannt, bis sie ihn am Fluss hatten abhängen können.

„Ach ja, entschuldige.“

Mit einem Kopfschütteln trat die Prinzessin aus ihrem Versteck. Sie hing sich den Langbogen wieder über den Rücken, kniete sich neben ihr halb im Nebel verstecktes Opfer und zog den Pfeil aus dem Auge des toten Tieres. Mit einem Dolch begann sie gleich an Ort und Stelle den Kopf abzutrennen, damit die giftigen Zähne sie nicht aus Versehen verletzten. Violetta knotete ihre schwarzen Haare mit den lila Strähnen zu einem Zopf und setzte sich daneben. Ihre senkrechten, braunen Pupillen scannten aufmerksam ihre Bewegungen. „Erstaunlich wie du immer wieder die gleiche Stelle triffst.“

Thalia schnaubte amüsiert, während sie die Arme und Beine des Sumpfkrattlers mit Hilfe von Schein mit Ranken zusammenband. „Tja, Jäger wird man eben nicht mit zwei linken Daumen.“

Violetta verzog das Gesicht. „Nein, ernsthaft. Du bist ein Naturtalent, Thalia.“, beschwichtigte sie. „Du musst deinen Eltern davon erzählen. Vielleicht lassen sie dich ja dann auch endlich mal mit Erlaubnis raus und wir müssen uns nicht immer an den Wachen vorbei schleichen.“

Ihre Freundin warf ihr einen grimmigen Blick zu. „Ich denke wir wissen beide, dass das nicht passieren wird.“, seufzte sie. „Du kennst meine Eltern. Sie sind stur und haben viel zu viel Angst, dass mir etwas zustößt. Als ‚zukünftige Königin‘ muss ich die ganze Zeit bewacht werden. Und den Hof verlassen darf ich schon gar nicht. Ich könnte ja ‚entführt‘ und gegen den Sommerhof verwendet werden.“

Die beiden Mädchen schnappten sich ihre Beute und befestigten sie auf dem Rücken ihres Pferdes. Der Rappe stand ruhig und gelassen da und nagte an ein paar Grashalmen, als seine Reiterin aufstieg und sich für den Rückritt fertig machte. Thalia schnappte sich die Zügel und drehte sich zu Violetta um, die auf dem Boden wartete und ihr Schwert in einer Seitentasche des Sattels befestigte.

„Bereit?“, fragte sie mit einem Grinsen.

Violetta nickte und saugte den Schein um sich herum auf. Sie ging in die Hocke und verwandelte sich innerhalb einer Sekunde in einen schwarzen Panther mit lila Strähnen auf dem Kopf, bevor sie sich vom Boden abstieß und lossauste.

Thalia lachte auf und trieb ihr Pferd an, um ihr zu folgen. „Hey! Das ist unfair! Ein Rennen startet erst bei drei!“ Doch Violetta war bereits viel zu weit weg. „Verdammte Púcas. Halten sich nie an die Regeln.“

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Mein Name ist Thalalia Mulakyn - kurz gesagt Thalia. Ich bin die Prinzessin des Sommerhofes und damit einzige Thronerbin. Meine Eltern sind Oberon und Titania, König und Königin des Lichten Hofes. Und mein größtes Abenteuer beginnt so, wie es viele Geschichten tun: mit einem Jungen.
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