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Wie ein Sprung in die Themse dein Leben verändern kann

GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Dr. John Watson OC (Own Character) Sherlock Holmes
25.11.2014
05.12.2021
108
211.163
5
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25.11.2021 1.914
 
(06.09.2015 – Brentwood, England)

„Sherlock mein Junge“ weinte Mrs. Hudson als sie mich sah, nur um mich dann im nächsten Moment auch schon in ihre Arme zu schließen. Ganz reflexartig hielt ich die kleine Frau fest, ließ ihr ein paar Atemzüge um sich zu sammeln, natürlich freute ich mich sie zu sehen, doch war ich ein wenig gefasster dabei.

Ich hatte nicht angenommen das mein erster Besuch nach der Aufhebung der Sperre unsere mütterliche Vermieterin sein würde, als ich in den Besucherraum, einer der kleinen privaten Räume, die wie ein gehobenes Wartezimmer aussahen, gerufen wurde hatte ich mit John gerechnet, doch Martha zu sehnen war ebenfalls Balsam für meine geschundene Seele, beziehungsweise für die Teile die davon noch vorhanden waren.

„Mrs Hudson“ grüßte ich ein wenig unbeholfen zurück, sie mit langsamen Bewegungen in einen der Sessel manövrierend, sie war betagt und ich wollte nicht riskieren das sie wegsackte, dennoch hielt ich weiterhin ihre Hand auch als sie Platz genommen hatte, sie schien dies zu begrüßen und ich konnte ohne Probleme auch auf dem niedrigen Tisch sitzen der zwischen den Sitzmöbeln stand.

„Es tut so gut dich zu sehen“ ihre Hand fand meine Wange und in liebevoller Art strich sie darüber, wohl abschätzend ob ich abgenommen hatte seit unserem letzten Treffen, doch da ich nie besonders kräftig gewesen war und nunmehr nicht weniger aß als sonst auch, nahm ich ihr schweigen als Zeichen das mein Gewicht sich nicht merklich verändert haben musste, nicht das es mir wichtig war oder ich darauf achtete.

„Ich wollte dir etwas reinschmuggeln aber ich wusste leider nicht was“ meine Schultern zuckten vor unterdrückten Lachen als ich sie ansah, natürlich hatte sie das gewollt, die Regeln zu brechen war eine Schwäche die wir uns teilten. Sie war wahrlich die Mutter die ich immer gebraucht hatte. Deshalb schenkte ich ihr ein ehrliches Lächeln.

„Alles was ich mir wünsche ist das ich bald nach Hause darf.“ In ihren Augen sah ich den Wunsch dies möglich zu machen, sie überlegte wahrscheinlich wie wir die Wachen ablenken oder ersatzweise überwältigen könnten, doch ich strich ihr beruhigend, mit einem kleinen Kopfschütteln, mit meinem Daumen über den Handrücken.

„John wollte aufräumen in deinem Zimmer aber ich habe ihn abgehalten. Keine Sorge, alles ist so wie du es zurückgelassen hast und so bleibt es bis du wieder bei uns bist.“ Dankbar sah ich sie an, diese Frau hatte ein größeres Herz als es vermutlich ratsam war, doch sie wusste es auch zu schützen also machte ich mir keine zu großen Sorgen.

Scham überkam mich bei dem Gedanken wie oft ich sie hingegen schon verletzt hatte. Zu blind um zu sehen wie viel ich ihr bedeutete oder zu egoistisch um es zu berücksichtigen. Plötzlich fühlte ich mich schrecklich, meine Schultern sanken unter dem Gewicht meiner Sünden.

„Es tut mir so leid Mrs Hudson“ flüsterte ich, meine Augen auf den Teppich gerichtet, unfähig sie weiter anzusehen. Einen Moment war nur das leise klicken der Uhr über der Tür zu hören, ich hatte Angst das sie erkenne würde was für ein selbstsüchtiger Bastard ich gewesen war, das sie beschloss das sie ohne mich besser dran war und wahrlich wer könnte ihr diese Entscheidung übel nehmen.

Doch zu meinem Erstaunen und meiner enormen Erleichterung fühlte ich ihre Hand an meinem Kinn, sie hob meinen Kopf soweit an das ich sie ansehen musste. „Sherlock“ in ihrem Gesicht konnte ich so viele Emotionen sehen doch schlau wurde ich nicht daraus, aufmerksam lauschte ich auf ihre nächsten Worte „du bist ein guter Junge, du hattest ein schweres Jahr und du hast schlechte Entscheidungen getroffen, das ist wahr. Ich nehme deine Entschuldigung an, wenn es dir hilft aber nur wenn du ab jetzt nach vorne siehst und nicht mehr zurück.“

„Du musst weiter machen, ich bin eine alte Frau, auch ich habe Verlust erlitten, ich verstehe das du geglaubt hast das es nicht weiter gehen kann aber das grausam schöne am Leben ist, das es das tut, es geht weiter und wir müssen das Beste daraus machen. Aufgeben scheint zwar wie eine Option aber sieh es so, wer würde sich dann Erinnern, an all das gute was uns wiederfahren ist.“

Geschlagen aber um einige Denkanstöße reicher nickte ich, ihren Blick haltend.

*
(12.09.2015 - Brentwood, England)

Therapiert zu werden war beinah langweiliger als es das verweigern dessen war, denn als ich die Tage auf meinem Bett verbracht hatte konnte ich zumindest in meinem Gedächtnispalast herumlaufen, frei sein in meinen Erinnerungen aber nun wurde ich gezwungen zumindest das absolute Minimum preiszugeben damit mein Entlassungstag nicht mit jedem schweigen meinerseits in die ferne rückte.

Also war ich gezwungen an meinen Therapie Sitzungen teilzunehmen, zu sprechen und zuzuhören, bei letzterem konnte ich zumindest etwas herunterfahren und meine Gedanken kreisen lassen, diese Frau die sich meine Therapeutin schimpfte war wahrlich einschläfernd und ihre Methoden vorhersehbar. Schrecklich, würde es sie umbringen etwas originelles zu Fragen oder einmal in ihrer Laufbahn eine eigene Idee zu haben. Normale Menschen brachten meine Haut zum Brennen wenn ich zu lange über ihre langsamen Gedankengänge nachdenken musste.

Einziger Lichtblick waren die Besuche meiner Freunde gewesen, Martha, Greg, Molly und am meisten John. Dieser hatte unseren gemeinsamen Freunden am Ende doch gesagt wo ich mich befand, es gehörte wohl zum Teil des Plans ehrlich zu sein, es kümmerte mich nicht sonderlich und irgendwie freute es mich auch das sie um meine Problem wussten und dennoch zu mir gekommen waren.

Auch wenn Molly nervöser ausgesehen hatte als je zuvor, doch nachdem sie sich erneut entschuldigt hatte für ihren geschmacklosen Versuch mir als Ersatz Rebecca Trost zu spenden, hatte ich ihr bereitwillig vergeben, einsehend das sie es gut gemeint hatte. Leise hatte auch ich mich entschuldigt, danach war es gewesen als sei nichts passiert, sie hatte versprochen mir Proben und Körperteile zur Seite zu legen und dankbar hatte ich sie angesehen.

Nur einer war bis jetzt fern geblieben, mein Bruder, ich wusste nicht warum aber irgendetwas störte mich daran, selbst als ich in der Schweiz Zwangstherapiert wurde hatte er sich die Zeit genommen, einzufliegen nur um von mir angeschrien und verflucht zu werden, drei Mal während meiner zwei Monate dort. Wie kam es dann das er nicht zu mir kam wenn ich keine Stunde von ihm entfernt war? Hatte ich den Bogen endgültig überspannt?

Ließ er mich nunmehr fallen, wie damals als er, ohne einen Gedanken an mich, zur Uni gegangen war. Gott ich hatte zu viel Zeit zum Nachdenken in diesem Kasten, ich musste raus, mein Verstand brauchte Arbeit.

„Sherlock hören sie mir überhaupt zu?“ unterbrach Dr. Mortimer meine Gedanken bevor ich mir wegen diesen die Haare raufen konnte.

„Ursache für Störungen in der Selbstwahrnehmung und der Impulskontrolle könnten das frühkindliche Trauma sein das Jemand erlitten hat.“ Wiederholte ich Tonlos ihre letzten Worte, wie gesagt ich brauchte nicht meine volle Aufmerksamkeit für diesen Einheitsbrei aus verbrauchten Theorien und General Diagnosen.

Sie sah erstaunt aus das ich ihr tatsächlich gefolgt war, ich verengte meine Augen „Und ich weiß auch was sie andeuten wollen, wenn sie wollen das ich weiterhin mit ihnen spreche würde ich ihnen empfehlen Rebecca nicht als gestört zu bezeichnen.“

„Sie hat sich umgebracht.“ Sprach sie aus, ihren Stift aus das Klemmbrett tippend. „Und sie würden sagen das das kein gestörtes Verhalten war?“

So nah waren wir noch nie daran gewesen über ihren Selbstmord zu sprechen, die Versuchung dicht zu machen war stark, doch ich riss mich von dieser verlockenden Idee los. Ich wollte aus der Klinik bevor ich graue Haare bekam.

„Jeder der auch nur halb so viel durchgemacht hat wie sie hätte sich wohl in einer ähnlichen Position wieder gefunden“ verteidigte ich meine Frau. Nur über meine Leich würde ich zulassen das sie durch den Schmutz gezogen wurde.

„Viele Hinterbliebene sind wütend auf die Person die sich umgebracht hat. Das ist natürlich.“

„Ich bin nicht wütend auf Rebecca“ wie geistig abwesend war diese Frau, ich hatte nichts dergleichen gesagt. Wut war nicht das Problem.

„Das sagen sie und ich glaube das ist es, was sie sich einreden, das sie fühlen sollten. Aber sie hat sie verlassen.“

„Sie hat mich nicht verlassen.“ Brauste ich zum ersten Mal auf, in einer dieser Sitzungen als ich sie unterbrach.

„Oh doch, das hat sie. Sich umzubringen war eine Entscheidung, sie hat sie getroffen und sie somit zurückgelassen. Und sie sind wütend, deshalb stoßen sie alle von sich, deshalb haben sie eine Überdosis genommen und deshalb haben sie diese Geschichte erfunden das sie noch lebt. Sie können nicht verstehen das sie getan hat, was sie geschworen hatte niemals zu tun, sie zu verlassen und solange sie wütend sind werden sie niemals damit fertig werden.“

„Das ist nicht wahr“ sprach ich selbstsicher, diese Frau würde mir keine Worte in den Mund legen. Ich wusste doch wie diese Menschen dachten, die redeten einem noch mehr Probleme ein als man so schon hatte.

„Sie wollten lieber glauben das alles eine Szene war als das Rebecca fort ist, an einen Ort an dem sie ihr nicht folgen können. “

„Ja aber nicht weil ich wütend bin, warum denken alle Therapeuten immer das Wut der Kern meiner Probleme ist?“ wollte ich fassungslos wissen.

„Weil wir dumme Dinge tun wenn wir wütend sind“

*
(19.09.2015 - Brentwood, England)

Wie immer war meine Therapeutin wenig einfallsreich was ihre Vorgehensweise und / oder ihre Fragen anging.

„Was würden Sie Rebecca sagen wenn sie jetzt hier wäre?“

Die Antwort zu dieser Frage kostete mich keinen wirklichen Gedankengang.

„Bleib bei mir“

In den vergangenen Tagen war meine Therapie gut vorangegangen, zumindest glaubte das die Ärztin, zumindest wenn man ihren Aufzeichnungen glauben konnte, ich hatte mehr Freiheiten bekommen nun da ich kooperierte also war ich natürlich unbemerkt in ihr Büro eingebrochen und hatte ihre Akte zu meinem Fall gelesen.

Zu meiner Verteidigung, nicht das ich mich schuldig fühlte, im Gegenteil, ich hatte ja auch wahrlich nichts Besseres zu tun. Wenn ich keinen Besuch von meinen Freunden hatte, Therapiert wurde oder in meinem Gedächtnispalast lebte, fehlte es mir deutlich an angemessener Auslastung.

So hatte ich auch erfahren das mein Bruder mich keineswegs vergessen hatte oder ich ihm egal geworden war, nein er fragte ebenfalls täglich nach mir, genau wie John, selbst diese Anne hatte zweimal angerufen. Etwas in mir war zufrieden das ich unser brüderliches Band doch nicht zerrissen hatte.

Dennoch nagte es an mir das er noch nicht aufgetaucht war, wenn selbst seine Gespielin an meinem Krankenbett erschienen war. An diese Person zu denken brachte mir immer noch einen phantomartigen Stich im Herzen ein, wie sehr ich mich doch geirrt hatte. Unter voller Konzentration musste ich den Drang in mir bekämpfen eine neue Verschwörungstheorie zu begründen.

Noch einmal würde ich so eine Enttäuschung nicht überleben, geschweige denn den anschließenden Ausflug in die Irrenanstalt.

*
(25.09.2015 - Brentwood, England)

„Ich habe gute Neuigkeiten“ begrüßte ich meinen besten Freund lächelnd, natürlich hatte er an meinen Schritten längst erkannt das ich an ihn herangetreten war, keine weiteren Begrüßungen nötig.

Aufgeregt wippte ich auf den Ballen meiner Füße, es waren wahrlich gute Nachrichten, die besten seit langem. Es war beinah komisch wie schnell Sherlock seine Augen aufriss um mich anzusehen, natürlich brauchte ich es auch nicht sagen.

Ein Grinsen wie ich es seit Wochen nicht auf seinem Gesicht gesehen hatte breitete sich langsam auf seinem Gesicht aus, es war als fiele ein Gewicht von mir ab als ich ihn so glücklich sah. Er sah sofort was für ein Tag war.

Es war der Tag an dem er in die Baker Street 221B zurückkehren sollte.

Es war Zeit für Sherlock Holmes nach Hause zu kommen.
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