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Ein Umweg auf dem Weg zum Fortschritt

von Misuka
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Deutschland Japan OC (Own Character) Preussen
23.11.2014
08.05.2016
31
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23.11.2014 2.099
 
„Wir schreiben das Jahr 1853. Es herrscht Unruhe im Land.
Ein Land, das Jahrhunderte abgeschlossen lebte und sich nur um inländische Konflikte scherte wurde nun gewaltsam gezwungen sich der Welt zu öffnen.
Die Amerikaner hatten mit ihrer sogenannten 'schwarzen Flotte' vor der Küste Edos Stellung bezogen und waren zu allem bereit. Nun musste auch dieses konservative Land erkennen, dass es sich nicht weiter vor den anderen Ländern verstecken konnte und willigte in Verhandlungen ein, welche das Tor zur Welt aufstießen.“


Nun ist einige Zeit verstrichen und Japan beginnt auf eigenen Erkundungstouren von den anderen Ländern zu lernen. Denn durch seine lange Abgeschiedenheit war es etwas rückständig. Das soll nun nicht heißen, dass es dumm war. Ganz im Gegenteil, es hatte Disziplin, übte sich in Zurückhaltung und hat in seiner Zeit der Unberührtheit eine einzigartige Kultur, sowie einen ausgeprägten Sinn für Ästhetik entwickelt. Wahrscheinlich war es auch deshalb nicht unbemerkt geblieben.
Die eingangs erwähnten Reisen unternahm es nach Amerika und Europa. Von der Reise nach Europa, insbesondere nach Preußen, soll nun dieses Kapitel der Geschichte erzählen.

I

Nachdem Japan schon in einigen anderen Ländern war gelangte es im März 1873 nach Deutschland. Deutschland war sehr nett zu ihm und zeigte ihm viele interessante Orte. Japan war vor allem von der Architektur und der wunderschönen Landschaft begeistert. Deutschland, selbst noch ein bisschen im Hintertreffen, verstand Japan sehr gut und bot ihm seine Unterstützung an. Verträge und Austausch sollten die Bindung dieser beiden Länder in Zukunft fördern.
Ebenso wollte sich Japan noch mit dem großen Bruder Deutschlands, Preußen, treffen. Natürlich hatte er, wie für alle anderen Länder auch ein Geschenk für Preußen mitgebracht, um sich für die Gastfreundschaft zu bedanken. Er hatte gehört, dass dieser stark an militärischen Dingen interessiert wäre und so hatte er ihm ein wunderschönes Katana mitgebracht.
An dem Abend, bevor Japan das erste mal auf Preußen traf, betrachtete er es nochmals eingehend, um sich der Unversehrtheit zu vergewissern. Denn nichts war schlimmer, als ein beschädigtes Geschenk zu überreichen. Die Klinge funkelte im Kerzenschein, so glatt und rein, wie ein stiller Bergsee. Beruhigt durch die Begutachtung wickelte Japan das Schwert, nachdem er es in die Scheide zurückgesteckt hatte, wieder behutsam in das Tuch aus Seide ein. Gedankenversunken setzte er sich aufs Bett. Er dachte an die vergangen Ereignisse und an den morgigen Tag. Unruhig wälzte er sich noch in den Laken hin und her, bis er schließlich doch in den Schlaf fiel.
Um in der Bevölkerung nicht zu viel Aufsehen zu erregen, war er in einem abgelegenen Gasthaus an einem kleinen Waldstück untergebracht. Weitere Gebäude lagen in der Nähe und eine hübsche Parkanlage schloss sich an diese an. Die Morgenluft war an diesem Tag sehr kühl und ein Dunstschleier lag über den Feldern, wobei die Sonne sich hindurch zu kämpfen versuchte, um die kleinen Knospen des Frühlings zu erwärmen. Japan wurde durch das Gezwitscher der Vögel geweckt und sah durch die Gardinen, wie sie munter draußen herum flogen. Nachdem er sich angezogen und frisch gemacht hatte, ging er hinunter in die Gaststube.
Dort standen zwei hübsche Dienstmädchen bereit und hatten für ihn ein zauberhaftes Frühstück bereitet. Am liebsten mochte er das gute, dunkle Brot aus Deutschland. Honig, eingekochte Marmelade und Rauchschinken fanden sich ebenfalls auf dem Tisch. „Das Ei kocht noch. Bitte entschuldigen Sie ich habe zu spät daran gedacht.“, entschuldigte sich eines der Mädchen. Mit sanfter Stimme bedankte sich Japan und lud die beiden ein mit ihm zu speisen, da er es leid war während seiner Reisen immer allein zu essen. Erst zögerlich und überlegend, ob sie etwas unanständiges taten, setzten sich die beiden zu ihm. Das Frühstück war das beste auf seiner bisherigen Exkursion, so dachte er. Was wohl nicht minder an der Gesellschaft der beiden fröhlichen, jungen Damen gelegen hätte.
Nun nach dem Frühstück hieß es warten, bis man ihn zum Empfang abholen würde. Auf einem Sofa im Foyer lies er sich nieder. „Sind Sie nervös?“ , fragte eines der Mädchen. „Er wirkt sehr schroff, doch er ist auch sehr nett. Sie werden sehen.“ Und mit diesen Worten war sie auch schon wieder verschwunden, um ihrer Arbeit nach zu gehen. Ob diese Tatsache ihn nun beruhigten oder nur noch nervöser machten, konnte er nicht einschätzen. Seine Augen suchten sich einen Fixpunkt und er stierte lange Zeit auf eine Rille zwischen den Parkettbohlen.
Plötzlich kam ein langer, schlanker Mann durch die Eingangstür und ließ Japan aufschrecken. Der Mann hatte eine schlichte Uniform an und trug eine passende Mütze dazu. Sein Blick war aufmerksam. Als er Japan entdeckte kam er auf ihn zu. „Guten Tag, mein Name ist Heinrich Schütz. Ich bin gekommen, um Sie abzuholen. Der Oberkommandant würde Sie gern in seinem Sommerhaus begrüßen.“
Japan verbeugte sich knapp, ergriff sein Schwert und ging mit dem Herrn aus dem Gasthaus. Sie liefen gemeinsam in Richtung des Parks. Dieser schien gepflegt, aber sammelte erst noch neue Kräfte für den bevorstehenden Frühling. Der Kies knirschte unter den Schritten der beiden Männer.
Das letzte Stück des Wegs war gepflastert und lief direkt auf ein helles Gebäude zu. Es war nicht so schlicht, wie das Gasthaus, aber als pompös hätte Japan es auch nicht bezeichnet. Die Fassade gliederte sich in drei Zonen, wobei das Dachgeschoss die schmalste von ihnen war.
Anscheinend war die Tür nicht verschlossen gewesen, denn Herr Schütz hatte sie einfach geöffnet und bat ihn nun einzutreten. Die große Vorhalle beherbergte zwei große Holztreppen, welche sich in der Mitte der oberen Etage an einer kleinen Brüstung trafen. „Bitte folgen Sie mir!“ Noch ehe Japan sich über die weiteren Türen Gedanken machen konnte, lief er hinter Herrn Schütz die rechte Treppe hinauf. Oben angekommen klopfte der Mann an eine reichlich verzierte Tür und trat dann ein. Eine lange Tafel stand mitten in diesem Raum und an einem der großen Fenster stand ein Mann, der die gleiche Uniform, wie Herr Schütz trug. Ganz am Ende der langen Tafel, welches schon fast das Ende des Raumes bedeutete, saß ein weiterer Mann mit silbernem Haar. Seine Hände stützen seinen Kopf. Zunächst hatte er nicht aufgeblickt, als sie eingetreten waren. Doch nun schlug er seine Augen, sehr langsam, auf und als sie gänzlich geöffnet waren, starrten plötzlich seine aufdringlich-dunkelroten Augen Japan eindringlich an.
Erschrocken von diesem intensiven Blick errötete Japan ein wenig, verbeugte sich aber dann und ergriff geistesgegenwärtig das Wort: „Guten Tag. Ich bin Japan und freue mich, dass ich Ihr wundervolles Land besuchen darf. Ich hoffe, ich kann von Ihnen noch etwas Wissenswertes mit in meine Heimat nehmen, um das Leben meines Volkes zu erleichtern.“ Eine nochmalige, ehrerbietige Verbeugung, seitens Japan, folgte.
Stille erfüllte nach diesen Worten den Raum. Herr Schütz hatte sich inzwischen auf der anderen Seite des Raumes aufgestellt, so dass der silberhaarige Mann von den beiden Wachposten flankiert wurde. Verunsichert, durch das Schweigen seines Gegenübers, lief Japan ein paar Schritte in die Richtung des immer noch sitzenden Mannes und bot ihm mit einem Gestus das Schwert an. Als der Mann sich erhob, blieb Japan stehen. Nun war Preußen es, der auf ihn zu ging. In der Mitte der Tafel standen sie nun voreinander. Die beiden Wachposten hatten sich indes nicht bewegt. Nun da der Mann mit den roten Augen genau vor ihm stand, bemerkte Japan wie groß er war. Fast schon um einen Kopf überragte er ihn. Das verunsicherte Japan nur noch mehr, als wenn die durchdringend blickenden Augen nicht schon genug gewesen wären.
„Die Freude ist ganz meinerseits. Ich bin Preußen. ... Was hälst du da in deiner Hand?“ „Oh, ähm das ist für Sie. Ich habe es für Sie aus meiner Heimat mitgebracht.“ Preußen wickelte das Schwert aus und zog es auch zugleich aus der Scheide. „Nett, aber was soll ich damit? Von Kriegskunst hast du ja anscheinend nicht viel Ahnung. Anstatt, dass ich dir etwas über meine Politik oder Wirtschaft erzähle, sollte ich dir wohl erst mal was über ordentliche Waffen beibringen.“ Diese Worte trafen Japan, als hätte Preußen eben mit gerade diesem Schwert auf ihn eingestochen. „Wie können Sie sich anmaßen so etwas zu sagen?! Sie scheinen wohl eher von guter Schwertschmiedekunst keine Ahnung zu haben!“ Vor lauter Rage hatte nun auch Japan seine Höflichkeit vergessen. „Pah! Das muss ich mir von dir nicht anhören. Dann beweiß doch dein Können! Da hast du dein Schwert wieder. Zeig mir, was du kannst!“ Preußen drückte das Katana an Japans Brust, wandte sich von ihm ab und lief ein Stück zurück. Nun drehte er sich wieder um und sah ihn abermals mit diesem scharfsinnigen Blick an.
Als Japan das Schwert zog wurden die beiden Wachmänner aufmerksam. Mit einem Satz sprintete Japan auf Preußen zu. Doch als er blitzschnell eine kritische Nähe zu Preußen erreicht hatte, spürte er plötzlich die Mündung einer Pistole auf seiner Brust und hielt er inne. Noch bevor er begriff, sah er Blut an seinem Schwert herabrinnen. Preußen hatte seinen Hieb einfach mit der Hand aufgehalten und grinste ihn an. Zitternd ließ Japan sein Schwert sinken.
Was sollte das?! War mein Schwert wirklich so schlecht? Nein, niemals!, so wirbelten die Gedanken durch seinen Kopf. Herr Schütz lief eilig zu den beiden Männern. „Herr Kommandant, geht es Ihnen gut? - Hey, was sollte das denn?! Sind sie verrückt geworden?!“ rief er Japan zu. Nun kam auch der andere Mann zu ihnen gestürmt. Er riss Japan das Schwert mühelos aus der Hand und trieb ihn damit in Richtung Fensterbrett. „Alles nicht so wild..“ sagte Preußen in einem ruhigen Tonfall „Ich habe ihn provoziert.“ Verächtliche Blicke trafen auf Japan.
Preußen trat einige Schritte auf ihn zu, wobei er den blutigen Handschuh abstreifte. Dann besah er die Wunde und führte sie zum Mund. Dabei sah er Japan wieder eindringlich an, weshalb dieser beschämt zu Boden blickte. Herr Schütz war indes hinuntergestürmt, wahrscheinlich um Verbandsmaterial zu besorgen. Der andere Wachmann hatte immer noch das Schwert in der Hand und lies Japan nicht aus den Augen. „Bitte verzeihen Sie mir, ich dachte nicht, dass....“ „Belassen wir es dabei!“ , entgegnete ihm Preußen, „Ich finde, wir sollten nun über die Angelegenheiten sprechen, wegen denen du hier bist.“
Nachdem der Schnitt sorgfältig verbunden war, setzten sich beide Länder an die lange Tafel. Die Wachposten blieben auf der Seite Preußens stehen. Lange diskutierten sie über verschiedenste Standpunkte und machten einander Vorschläge. Japan versuchte dabei konstruktiv und überlegt zu agieren. Während Preußen, so schien es, spontane Zustimmungen gab oder auch nicht. Die Verfassung und das Schulsystem schienen Japan sehr zu interessieren. Da aber die Nacht schon ins Haus stand, einigten sich beide Parteien darauf wichtige Punkte am nächsten Tag noch eingehender zu betrachten. Japan bedankte sich und war schon bei den Abschiedsworten, als Preußen ihn kurz unterbrach. Er holte das Schwert, welches in eine Ecke gestellt wurde, hervor und reichte es Japan. „Ich denke, in deinen Händen ist es besser aufgehoben. Darf ich dich hinaus begleiten?“ Zustimmend und verwundert nickte Japan. Schon fast unten an der Tür ergriff Preußen nochmals das Wort: „Wieso hast du mir dieses Schwert mitgebracht? Hast du meinem Bruder auch eins geschenkt?“
Japan wunderte sich kurz über die Frage und sagte dann aber milde lächelnd: „Nein. Deutschland habe ich Sake mitgebracht. Das ist ein alkoholisches Getränk aus Reis. Ich habe versucht jedem etwas mitzubringen, das er von seiner Heimat schätzt, aber ich habe versucht ein Objekt aus meiner Heimat zu finden, was diesem entsprechen könnte.“
Preußen lachte lauthals auf. „Ihr führt Krieg also wirklich noch mit dem Schwert?!“
Japan fasste das als Beleidigung auf, blieb aber höflich und versuchte nur in einem leicht schnippischen Ton zu antworten: „Es ist jedenfalls für einen angesehenen Mann ehrenvoller in einem Kampf durch eine Klinge, anstatt durch eine Kugel zu sterben.“
„Wenn ich abgedrückt hätte, dann wärst du durch eine Kugel gestorben. Krieg ist unberechenbar und er wird schneller über die Welt hereinfallen, als uns allen lieb sein könnte. Ich rate dir deine Märchen von Heldentum und Ehre noch mal zu überdenken. Falls du wirklich mit den westlichen Mächten mithalten willst, genügt es nicht Handelsbeziehungen zu haben und die Wirtschaft im Inland aufzubauen. Eine Streitmacht ist der Dreh und Angelpunkt, um politische und territoriale Fragen schneller zu klären. … Ich wünsche eine geruhsame Nacht.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich Preußen von Japan.



~ ~ ~



Vielen Dank für's Lesen! *verbeug*
Dies ist meine erste FF allgemein und zu Hetalia überhaupt, da ich erst seit kurzen herausgefunden habe, wie toll die Serie doch ist, und man so viel mit ihr anstellen kann. ^^
Mir kam die Idee zu dieser Story, als ich für die Uni geschichtliche Fakten recherchiert habe. Zwar wollte ich eine Prise Politik beimischen, aber bitte seid nicht all zu streng mit den historischen Fakten.
Hauptsache, das Lesen hat euch Freude bereitet. ^^
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