True friends stab you in the front.

von doom dada
DrabbleDrama, Freundschaft / P12
23.11.2014
23.11.2014
1
1286
 
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
 
Es ist geschafft. Ein kleines Geschenk im Rahmen eines Drabble-Wichtelns organisiert von AuctrixMundi. Dieses Mal ging es um Klassische Musik und mein Wichtelkind war/ist Sulime.
Der Wunsch: Das Stück, das zur Inspiration dienen sollte, war „Violinkonzert in E-moll (1. Satz) von Felix Mendelssohn Bartholdy“. Ein sehr schönes Musikstück. Es hat wirklich viele Emotionen, also war es zuerst schwer, die passende Richtung zu finden, aber im Endeffekt hab ich es mir einfach nur angehört und geschrieben, was mir in den Sinn kam. Das Ergebnis sieht man weiter unten. Ansonsten gab es nicht viel, an das ich mich halten musste. Da kein konkreter Wunsch für die Länge des Drabble da war, sind es je ein 100er, ein 200er, ein 300er und ein 400er geworden. Slash war unerwünscht, deswegen hab ich etwas über eine Freundschaft geschrieben, wobei es offen steht, welches Geschlecht der Protagonist tatsächlich hat.

So, liebe Sulime. Leider konnte ich auch nichts mit deinen Fandom anfangen. Ich habe zwar versucht, mir ein paar Gedanken zu Shakespeare zu machen, aber es wollte mir einfach nichts einfallen, das gut genug gewesen wäre. Deswegen hoffe ich, dass du dich dennoch etwas über ein kleines Prosa-Geschenk freust. (:






True friends stab you in the front.
Oscar Wilde


„Immer! Das verspreche ich dir hier und jetzt! Wir beide, unsere Freundschaft. Das hält für immer, mi amigo!“
Wow. Ich kann mich an diese Worte erinnern, als hätte er sie gerade erst gestern zu mir gesagt. Ich höre Amüsement in seiner Stimme, sehe die Mundwinkel nach oben wandern, habe das Gefühl, ihn schlagen zu wollen. Ja, selbst jetzt will ich ihn einfach nur schlagen und ihm sagen, dass er nicht so einen Schwachsinn von sich geben soll. Nichts ist für immer. Und der verdammte Idiot hat genau das bestätigt, indem er einfach so stirbt und mich hier allein zurück lässt.

Ich halte noch immer seine blutige Hand in meiner und weigere mich, sie in den nächsten Stunden loszulassen. Genauso wenig wird es irgendjemand schaffen, mich von hier wegzubekommen. Ich will an seiner Seite bleiben, denn das ist das mindeste, das ich für ihn tun kann. Da bin ich mir sicher. Er war verdammt noch einmal mein bester Freund. Er war mein Bruder im Geiste. Uns hat ein Band verbunden, das noch nicht einmal Liebende verbindet und das wahrscheinlich auch noch weiterhin bestehen wird, selbst jetzt, da er tot ist. Ich werde das Band nämlich nicht einfach so vergehen lassen.
Er hat mich alleine gelassen und ein kleiner Teil in mir hasst ihn auch dafür, aber ich werde ihn immer lieben. Der verdammte Idiot bedeutet mir einfach viel zu viel. Mein Griff um seine blutige Hand wird wieder fester und ich presse die Augen zusammen, um sie daran zu hindern, weitere Tränen zu vergießen. Ich will nicht weinen, aber es geht nicht anders. Der Schmerz ist so gefräßig, wie eine fleischfressende Bakterie, die sich auf einem Stück Steak wiederfindet. Er frisst mich von innen heraus auf und die Einsamkeit, wie auch das Gefühl von Hilflosigkeit, machen es auch nicht gerade besser.

Warum hat er auch sterben müssen? Eigentlich müsste ich jetzt in diesem Bett liegen. Mein Oberkörper müsste es sein, den man aufgeschnitten hat. Mein Herz müsste es sein, das nach dem ganzen Blutverlust einfach nicht mehr schlagen wollte. Ich sollte an seiner Stelle tot sein und der verdammte Bastard sollte hier sitzen und um mich trauen müssen. Er würde damit wahrscheinlich viel besser klar kommen als ich. Statt hier zu sitzen, zu heulen und schluchzen wie ein kleines Baby, würde er mich anschreien und mir befehlen, wieder wach zu werden. Er wäre so wütend. Der Gedanke daran, ihn hier herum laufen zu sehen, wie er schreit und flucht und mir sagt, dass ich gefälligst meine Augen aufmachen sollte, ist für wenige Sekunden tröstend.
Tränen fließen bereits wieder wie kleine Bäche über meine Wangen. Meine Augen brennen, als hätte man mir Säure in diese gekippt. Der Schmerz, das verloren zu haben, was mir in dieser Welt am wichtigsten war, zerreißt und erdrückt mich auf einmal. Es ist kaum zu ertragen, da ich genau weiß, dass ich die Schuld an seinem Tod trage und auch, wenn ich nicht mehr an diesen verdammten Unfall denken möchte, kann ich nicht anders. Der Geruch von Blut ist ebenfalls noch zu präsent. Sein Blut und mein Blut.
Warum musste er sterben? Warum kam ich mit kleinen Schrammen davon? Ich beuge mich nach vorne und drücke meine Stirn an seine mittlerweile schon kühle Hand und schluchze so laut auf, dass es irgendwie in einem Schrei mündet. Zuerst nehme ich genau das noch nicht einmal bewusst wahr. Ich spüre nur noch unerklärlichen, körperlichen Schmerz, da mich die bittere Erkenntnis erneut wie ein Faustschlag getroffen hat. Er ist tot. Mein bester Freund ist tot. Und ich sitze an seinem verdammten Krankenbett, weine, schreie und sterbe – wenn auch nur innerlich.

Wir waren viel zu schnell unterwegs. Ich bin viel zu schnell gefahren. Noch dazu habe ich viel zu wenig auf die Straße geachtet. Im Normalfall achte ich sehr auf die Straße und alles andere, aber heute Nacht lief einfach alles schief. Wir lachten und lachten und lachten noch einmal. Wir haben nur Schwachsinn von uns gegeben. Und die Musik. Sie war auch noch so berauschend, dass ich mich kaum auf die Straße konzentrieren konnte. Im Grunde wollten wir nur noch zu ihm nach Hause, um ein paar dumme Filme anzuschauen und die Nacht durchzumachen.
Dann war da auf einmal dieses Licht. Ich weiß noch nicht einmal, wer auf der falschen Spur war. Ich oder der andere. Aber als ich das Licht sah, spielte das ohnehin keine Rolle mehr. Der Krach war ohrenbetäubend und mein bester Freund, der war auf einmal nicht mehr neben mir. Er lag auf der Straße. Ich saß im Auto. Es ging so schnell. So furchtbar schnell. Dann stellte mein Gehirn auf Durchzug.
Jetzt sitze ich einfach nur hier und starre meinen toten, besten Freund an. Oscar Wilde hat Recht. Wahre Freunde erstechen dich von vorne. Denn das ist es, was mein bester Freund gemacht hat. Er hat mir, ohne es zu wissen, ein Messer durch mein Herz getrieben, denn sein Tod ist schlimmer, als alles andere, das man mir antun könnte. Die Tatsache, dass er mich einfach so alleine lässt, bringt mich langsam aber sicher um. Vermutlich sollte ich versuchen weiter zu leben und genau dieses Leben noch mehr genießen, da er nicht wollen würde, dass ich mein Leben einfach über den Haufen werfe, nur, weil er tot ist. Aber kann ich das? Kann ich mein Leben einfach so weiter leben, im Wissen, dass er nicht mehr da ist? Dass ich daran schuld bin? Kann ich versuchen glücklich zu werden, wenn ich genau weiß, dass er das alles nicht mehr haben wird?
Ich weiß es nicht. Er ist tot und ich fühle mich leer und hilflos. Mehr weiß ich im Moment nicht. Aber ja, Mister Wilde hat Recht. Mein bester Freund hat mir ein Messer ins Herz gerammt, weil er mich einfach so alleine lässt; Weil er es gewagt hat, einfach so zu sterben. Ein sehr egoistischer Gedanke, aber der einzige, der mich im Moment daran hindert, ihm in den Tod zu folgen und ihm im Jenseits den Arsch aufzureißen, dafür, dass er es getan hat.
Review schreiben