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Pretty when you're mine

von Nathilik
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAllgemein / P12 / MaleSlash
Rutil
21.11.2014
21.11.2014
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Goldenes Haar, das sich leicht lockte, porzellanfarbene, absolut makellose Haut, lange, perfekte Wimpern, die helle, blaue Augen umrahmten, die jetzt unter den geschlossenen Lidern lagen, weil er schlief... Er war wunderschön und seine Hand hing zitternd wenige Millimeter von dem geliebten Gesicht entfernt, das Verlangen im Herzen, es zu berühren, aber die Gewissheit, dass es ihm eigentlich nicht zustand.

Berthier seufzte tief auf und zog sich wieder ans Fußende des Bettes zurück, in dem Rutil ruhte, zurück in den Schatten, der ihm am liebsten war, den Kopf leicht schief gelegt, den Blick immer noch starr auf das Gesicht des Orchesterleiters gerichtet, dem er in die Hölle und zurück gefolgt wäre.

Aber aus Gründen, die er nicht verstand, schien es, als würde Rutil sich Schritt für Schritt von ihm entfernen, ohne dass er die Möglichkeit erhalten hätte, ihn festzuhalten und zu sich zurückzuziehen. In den letzten Tagen war ein Ausdruck in den blauen Augen aufgetaucht, der ihm nicht gefiel. Ein Ausdruck, den er sonst nur in Gesichtern zu lesen fand, deren Besitzer kurz davor waren, durch seine Hand zu sterben. Aber das gab keinen Sinn, denn er hätte niemals auch nur einen Finger an Rutil gelegt, im Gegenteil.

Alles, absolut alles würde er dafür tun, um alles Schlechte der Welt von ihm fernzuhalten. Nur ein Wink mit der schlanken Hand und er würde alles vernichten, was sich ihnen in den Weg stellte, all diese dummen Ignoranten, die keine Ahnung hatten, wie es war, so zu sein, wie sie beide. Wie schwer die Bürde auf ihren beiden Schultern wog. Ihn widerte die Art an, wie sie beide betrachtet wurden, zwei Randfiguren, die eigentlich die Könige der Welt hätten sein sollen, da sie den Schmeißfliegen, die sie bevölkerten, so unendlich weit voraus waren. Und dann würde das alles endlich ein Ende haben. Die Schmährufe, die angewiderten Blicke, der Versuch, sie so schnell, wie es ging, wieder loszuwerden, sobald sie ihre Aufgabe erfüllt hatten.

Menschen waren undankbar.
Menschen waren widerlich.

Er wünschte sich, es würde nur noch sie beide geben, niemanden sonst. Es wäre so viel einfacher. Ein absolutes Paradies für sie beide.
Nur sah Rutil das nicht so.
Anstatt es zu genießen, dass sie beide tun konnten, was sie wollten, dass sie sich aussuchen konnten, wohin sie reisten, spielen konnten, was sie wollten, scharte er mehr und mehr Leute um sich herum, die Teil des Orchesters wurden. Fast, als hätte er Angst, mit ihm alleine zu sein...

„Wer hat dir diese Narretei in den Kopf gepflanzt?“ Nicht mehr als eine leise gewisperte Frage, während er sich lautlos wieder dem Kopfende näherte. Natürlich bekam er keine Antwort, aber er hätte sie nicht einmal dann bekommen, wenn der Sänger wach gewesen wäre.
Stattdessen musste er zusehen, wie er Mitglieder anwarb, seltsame Gestalten, die ihn anwiderten. Ein Verrückter mit neuen Armen und dann dieser Bengel mit dem seltsamen Auge, der keinerlei Manieren besaß.

Sie waren nicht wie er und Rutil, sie waren nur eine lächerliche Parodie der Besonderheit, die sie beide ausmachte. Lächerliche Gestalten, die man hätte abknallen sollen, wie die räudigen Hunde, wie sie sich benahmen. Wenn er sie sah, schenkte er ihnen ein Lächeln, er unterhielt sich mit ihnen, weil sie die Gunst des Mannes besaßen, um den sich seine ganze Welt drehte. Aber sollten sie diese verlieren... er würde der Erste sein, der vor Ort war, die Klinge in der Hand, bereit, sie tief in ihren nutzlosen Leib zu rammen, um sie vom Antlitz der Erde zu löschen.
Als Strafe. Weil sie es wagten, ihre hässliche Musik mit seiner wundervollen Stimme zu vermischen. Der Einzige, der es verdient hatte, ihn singen zu hören, war er. Der Einzige, dessen Musik es wert war, neben seinem engelsgleichen Gesang zu ertönen, war sein Klavierspiel...

„Warum verstehst du das nicht?“

Es war doch so offensichtlich, so klar, ohne Mühe greifbar... Als er sich über ihn beugte, strichen die Spitzen der langen, hellblauen Haare leicht über Rutils Gesicht, der ein leises Murren von sich gab und sich auf die Seite drehte, mit dem Rücken zu ihm... weg von ihm.

Es war wie ein Schlag in den Magen, selbst im Schlaf verweigerte er sich ihm mittlerweile, wandte sich von ihm ab, als würde er etwas widerliches sein, dessen Anblick niemand mehr ertragen konnte. Dabei konnte doch das, was sie verband, nicht einfach verschwinden. Es war ewig...
Der Unmut zuckte über sein Gesicht, die Finger bebten und er war kurz davor, die Schultern des Sängers zu umfassen, ihn zu sich zu drehen und ihn dazu zu zwingen, ihm in die Augen zu sehen. Zu sagen, dass er bei ihm bleiben würde und dass es nichts gab, was sie jemals trennen würde – schon gar nicht diese Idioten, deren Gegenwart er ihm gerade aufzwang.

Aber er blieb einfach ruhig stehen, ballte die Finger zur Faust und sog die Luft so tief, wie es nur ging, in die Lungen. Vielleicht war er einfach zu ungeduldig. Forderte zu viel auf einmal. Nur, weil es ihm so einfach fiel, nur, weil er genau wusste, was er wollte, musste es für Rutil doch nicht genau so sein. Manchmal war er so sensibel, so sehr darauf bedacht, dass ihn seine Umgebung mochte, dass er dabei seine eigenen Bedürfnisse gänzlich hinten anstellte.

Am Ende war alles, was der Sänger brauchte, jemand, der ihm den Weg zeigte. Ihm die Augen öffnete. Und das würde er sein. Selbst, wenn es noch Jahre dauern würde. Ein feines Lächeln schlich sich auf seine Lippen, während diese Gedanken durch seinen Kopf huschten.

„Weißt du, vielleicht tue ich dir einfach nur Unrecht...“ Ein Knie auf dem Bett, über den Geliebten gebeugt, mit der rechten Hand die blonden Haare aus dem Gesicht streichend, die es bedeckten. „Vielleicht brauchst du einfach nur ein wenig mehr Zeit als ich, bis du erkennst, wie der Lauf der Dinge sein wird. Aber das... das ist in Ordnung.“ Dicht neben seinem Ohr, gierig den einzigartigen Duft einatmend, der von der Haut des Sängers ausging, süßlich schwer, was sich benebelnd in seine Gedanken schlich. „Weil ich der Einzige bin, der dich versteht, hörst du? Der Einzige. Und der Tag kommt, an dem du das erkennen wirst.“

Einen letzten Augenblick verweilte er so nah, um sich das Bild, das sich ihm bot, auf ewig einzubrennen und stand dann wieder auf. In wenigen Stunden würden der unnütze Ballast, der sich Musiker schimpfte, erwachen und dann würde er wieder gute Miene zu deren schlechtem Spiel machen müssen. Wenn sie ihn hier fanden würden sie nur dumme Fragen stellen, die zu beantworten er eigentlich nur mit brachialer Gewalt gewillt war.

Also war es an der Zeit, sich zurückzuziehen, vielleicht noch ein wenig am Klavier zu sitzen – nur aus einem persönlichen Bedürfnis heraus, nicht, weil er etwa zu üben hatte – und darauf zu warten, dass der nächste Tag anbrach.

Und im Warten war er schließlich gut. Daran konnte nicht einmal der widerliche Klang der sich leise hinter ihm schließenden Tür, die ihm jedes Mal wieder das Gefühl gab, dass sich etwas, das er nicht beherrschen konnte, zwischen ihn und Rutil schob, etwas ändern.

Denn schließlich war er Optimist.
Denn schließlich hatte er bis jetzt immer seinen Willen bekommen.

~ Fin.
 
 
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