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Veränderungen

von ACZHS
KurzgeschichteAllgemein / P6 / Gen
Gerard Pitts Knox Overstreet Steven Meeks Todd Anderson
21.11.2014
21.11.2014
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21.11.2014 1.963
 
Hallo. :)
Die Userin PiBi08 hat mir einen kleinen Wunsch zu diesem Fandom geschickt. Dabei sollte es sich sozusagen um eine Fortsetzung des Filmes handeln, man sollte also einen Einblick in Welton nach Mr. Keating bekommen. Wie gut ich es tatsächlich umgesetzt habe und die echten Wünsche getroffen habe, wird sich jetzt zeigen.
Gewidmet ist dieser Oneshot natürlich PiBi08 selbst, in der Hoffnung, dass es ihr gefällt. :)
Viel Spaß beim Lesen. :3

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Welton war anders.
Die Schule hatte davor schon irgendwie dunkel gewirkt, zu anstrengend, voller Druck und Ansprüche.
Aber sie hatten sich gegenseitig gehabt und auch nur die wenigen Minuten Freizeit stets miteinander genutzt. Mit Neils Geist in allen Räumen und Charlie und Mr. Keating fort, wirkte das ganze Gebäude inklusive Unterricht, Freizeit, Essen und jeder Nacht nur noch trist.
Wenn sie jemanden aus einem anderen Jahrgang lachen hörten, drehten Knox, Meeks, Pitts und Todd sich alle verwundert um. Es wirkte so falsch. In ihrem eigenen Jahrgang schienen einige ähnlich zu fühlen, es waren immerhin auch zwei Schüler aus ihrer Mitte einfach verschwunden – und viele von ihnen hatten einiges von Mr. Keating mitgenommen und trauerten um das Gehen des einzigen Lehrers, der sie je dazu motiviert hatte, selbst zu denken.
Ansonsten hatte der Alltag sie aber alle wieder. Der Unterricht war straff wie immer, beziehungsweise sogar noch straffer, weil bald Examen waren, und niemand hatte sie noch großartig bestraft dafür, dass sie vor Mr. Nolan für Mr. Keating auf die Tische gestiegen waren.
Zwar hatte Mr. Nolan noch gedroht, aber die Jungen waren sich einig, dass Mr. Nolan von Strafen oder auch nur weiteren Erwähnungen über das Geschehen abgesehen hatte, weil das nur noch mehr negative Eindrücke auf die Eltern gemacht hätte. Sie hätten außerdem niemals einen halben Jahrgang von der Schule schmeißen können und dementsprechend mit so wenigen werben können, die erfolgreich durch Welton gegangen waren – zumal sie in ihrem letzten Jahr waren und nicht mehr weit vom Abschluss.
Sie waren zusammen einfach zu viele gewesen. Todd war sich sicher, wäre er der einzige gewesen, dann hätte er die Schule verlassen müssen. Er wollte gar nicht daran denken, wie seine Eltern reagiert hätten.
Er sog an der Zigarette, bevor er sie weiterreichte.
Sie waren in dem Gepäckraum, in dem Charlie vor nicht all zu vielen Tagen Cameron geschlagen hatte.
Charlie hatte offenbar, bevor er die Schule verlassen hatte, in Meeks Gepäck seine übrige Packung Zigaretten verschwinden lassen, von der sie sich nun eine teilten.
„Was tun wir jetzt?“, fragte Knox nach einer Weile, als die Zigarette erneut an ihm vorbeigegangen war.
„Was können wir tun?“, entgegnete Meeks lediglich.
Todd sog wieder an der Zigarette. Ja, was konnten sie tun? Es blieb nichts.
Wieder herrschte eine Weile Stille, vielleicht überlegten alle, was noch übrig blieb, blieben mit ihren Gedanken an Neil und Charlie hängen, die schon immer irgendwie führend gewesen war, schon immer... kreativer und bestimmter, doch auch erst durch Mr. Keating wahrhaftig aufgeblüht waren, wahrhaftig Energie bekommen hatten, mit denen sie den Rest von ihnen mitgerissen hatten.
Pitts stieß Rauch aus, bevor er endlich die Stimme hob. „Ich frage mich, was aus Charlie geworden ist.“
Er war in Mr. Nolans Büro gerufen worden, nicht lange nachdem er Cameron geschlagen hatte. Die anderen Jungen hatten ihn davor schon beim Packen beobachtet und erhobenen Hauptes war Charlie dann gegangen.
Als er wiedergekommen war, war sein Vater an seiner Seite gewesen. Die anderen Jungen hatten sich bei dem Anblick des stolzen Mannes augenblicklich auf ihre Zimmer zurückgezogen, Cameron war ohnehin nicht in der Nähe gewesen.
Als Todd wieder aus seinem Zimmer gesehen hatte, waren Charlies Vater und Charlie selbst am Ende des Ganges gewesen, sämtliche von Charlies Sachen bei ihnen. Charlie hatte sich noch einmal herumgedreht und Todd wusste nicht, warum, aber Charlie hatte gegrinst, kaum hatte er seinen Blick eingefangen. Dann war er fort gewesen.
Sie hatten seitdem nichts mehr von ihm gehört.
„Nuwanda“, verbesserte Todd, weil er wusste, dass Charlie dasselbe getan hätte. Alle lächelten kurz und schwach.
Meeks erhob wieder die Stimme: „Wir werden es wohl leider erst erfahren, was mit ihm passiert ist, wenn wir nach Hause kommen. Sie werden kaum Briefe von ihm durchlassen.“ Einen Moment zögerte er, dann: „Oder von Mr. Keating.“
Natürlich war Todd nicht der einzige, der auch gerne noch einmal von Mr. Keating hören wollte. Er wusste nicht, was der ehemalige Lehrer noch für ihn tun könnte, warum es wichtig für ihn war, aber er wollte am liebsten noch einmal richtig mit ihm sprechen.
„Ich finde es gut, dass du es angefangen hast“, sagte Knox unvermittelt und sah Todd an.
Die anderen beiden nickten leicht und Todd musste nicht fragen, um zu wissen, was sie meinten.
Er sah vor sich auf den Boden, ihm war solche plötzliche und ungeteilte Aufmerksamkeit noch immer unangenehm. „Er sollte wissen, dass er durchaus auch etwas verändert hat.“
Kurz dachte Todd wieder als Neil, als würde er seitdem überhaupt an etwas anderes denken. Und er wusste, auch wenn sie es alle anders sahen, Mr. Keating gab sich selbst die Schule an Neils Tod.
In Todd nagten ja sogar Schuldgefühle und er überlegte zu oft, ob er es nicht irgendwie hätte verhindern können.
Mr. Keating ging es sicherlich nicht anders und gerade deswegen war es Todd auch wichtig gewesen, ihm zu übermitteln, dass er nicht nur in Neil etwas verändert hatte – und dort auch keineswegs etwas zum Schlechten -, sondern dass er auch in ihm ein Feuer entzündet hatte, auch wenn er es kaum hatte zeigen können.
Er konnte kaum beschreiben, wie viel es ihm bedeutete, dass die anderen es ihm gleichgetan hatten. Und nicht nur die anderen drei, die ebenfalls im Club der toten Dichter gewesen waren, sondern auch noch weitere Mitschüler, die teilweise den Unterricht so passiv über sich ergehen lassen hatten. Offenbar war bei wahrhaftig vielen mehr angekommen.
„Doch was ist davon geblieben?“, fragte Knox. „Ich meine... Wir können nicht einmal den Club fortsetzen.“
Tatsächlich war alleine der Gedanke daran für sie alle lächerlich. Nicht nur, weil der Gedanke an den Club schon schwer fiel, weil immer auch Neil dann in der Nähe war, sondern weil es ihnen niemals mehr möglich sein würde, das Gebäude weit genug zu verlassen, um zu der Höhle zu kommen.
Das war wohl eine Änderung, die es durch das Stellen auf die Tische gegeben hatte: Sie wurden mehr überwacht.  Mr. Nolan hatte sie falsch eingeschätzt und geglaubt, es sei durch die Unterschrift vor den Eltern erledigt und ihnen allen wäre dadurch der Kopf genug gewaschen worden. Dass sie danach noch ein so eindeutiges Zeichen gesetzt hatten, ließ ihn eventuell befürchten, dass sie mehr planten.
Zumindest war es ein Wunder, dass sie nun hier nur zu viert im Gepäckraum saßen und bisher noch kein Lehrer hereingeplatzt war.
„Aber wir denken jetzt anders, beziehungsweise trauen uns, anders zu denken“, merkte Meeks an. „Das ist schon viel.“
Und das war wirklich schon viel. Wobei Todd ohne Zweifel auch Knox Recht geben musste, als dieser sagte: „Es ist nicht genug. Ich kann das hier nicht mehr. Nach Hellton geht es weiter mit straff organisierter Universität und dann dem Job, den sie ausgesucht haben.“
Er machte eine Handbewegung, als wollte eine Fliege verscheuchen, vielleicht um auszudrücken, dass es nicht einmal konkret um seine Eltern dabei ging, die ihm einen Job aussuchten, sondern um sie alle. Um die ganze Gesellschaft, um die ganze Schicht, in die er zufällig geboren war.
„Wir können etwas für die Zukunft verändern. Für die nächste Generation“, sagte Meeks. Wenn sie die Schule abgeschlossen hätten, wenn sie erwachsen wären... dann könnten sie womöglich selbst an der Schle mitwirken, selbst wie Mr. Keating lehren oder anderweitig etwas ändern.
Aber würden sie es jetzt so stehen lassen... Würde es nicht bedeuten, sie hätte aufgegeben? Würde es Neils Andenken nicht beschmutzen, der letztlich so sehr unter den ganzen Anforderungen und Regeln gelitten hatte, dass er keinen anderen Auswegs als den Tod mehr gesehen hatte?
Würden sie sich nun schweigend anpassen... Würde das aussagen, dass sie nicht mehr an Neil dachten und nichts mehr von Mr. Keating wüssten?
„Wir müssen jetzt etwas tun“, sagte Todd unvermittelt und seine Stimme war fester, als er gedacht hätte.
Er sog an der Zigarette, die ihm soeben gereicht worden war.
Wie sollten sie aber tatsächlich etwas tun? Er dachte an seine Eltern und an seinen Bruder. Er dachte an Mr. Nolan. Er erzitterte innerlich.
Doch Knox sah ihn intensiv an, dann beschloss er entschieden: „Ich werde meine Eltern anrufen.“
„Was?“, fragte Meeks und blickte Knox an, als sei er soeben wahnsinnig geworden.
Endlich meldete sich auch Pitts wieder zu Wort: „Knox denkt nur an Chris, die er unter den neuen Bedingungen nie sehen kann.“
Wieder mussten tatsächlich kurz alle lächeln ob der kleinen Neckerei von Pitts gegenüber Knox. Aber es war nicht stark genug, um die Last von ihnen allen zu nehmen. Wie konnte es?
Knox‘ Blick blieb aber entschlossen und Todd wusste, Knox würde es tun. Er würde seine Eltern anrufen und ihn sagen, dass er die Schule verlassen würde. Sofort. Nicht erst, wenn er den Abschluss in den Händen halten würde.
Todd schluckte und ihm wurde beinahe ohnmächtig, alleine bei dem Gedanken, seinen eigenen Eltern gegenüber zu stehen, aber wenn er nun Knox ansah und an Charlie, Mr. Keating und nicht zuletzt Neil dachte, wusste er, er würde es zumindest auch versuchen.

Todd hatte es durch Vortäuschen einer Krankheit geschafft, für ein Wochenende nach Hause zu gelangen, um dort seinen Hausarzt besuchen zu können. Sein Herz hatte ihm bis zum Hals geschlagen, als er das Gespräch begonnen hatte, mit dem er bestimmen wollte, nicht mehr zurückzukehren und sein Leben selbst in die Hand nehmen zu können. Denn es ging nicht nur um Welton, es ging um alles, was auch folgen würde.
Todd hatte erst gestottert, doch je öfter sein Vater gesagt hatte, dass er natürlich auf der Welton bleiben würde, dass sie lange darum gekämpft hatten, um ihn dorthin schicken zu können, dass er danach auch auf die gleiche Universität gehen würde wie sein Bruder, dass er genauso erfolgreich sein würde, desto deutlicher war Todd geworden.
Und niemals hatte er es geglaubt oder erwartet, aber letztlich war sein Bruder, der ebenfalls zu Besuch gewesen war und das Gespräch eine Weile verfolgt hatte, für ihn eingeschritten und hatte mit ihrem Vater gesprochen. Sein Bruder, der so brilliant war und immer die besten Zensuren eingefahren hatte, selbst auf Welton, hatte den enormen Druck gekannt, hatte verstanden, was Keating eigentlich getan hatte, was mit Neal geschehen war und wie wichtig es für Todd war, aus der Situation genommen zu werden. Wie wichtig es war, dass Todd aus alledem befreit wurde, obwohl sie auch nie jemand um Jeffreys eigene Befreiung gekümmert hatte. Aber Jeffrey war stark genug, dass er nun aber zumindest für seinen jüngeren Bruder eintrat.
Todd und Knox hatten am Ende beide nur wenige Wochen nach Charlie die Schule verlassen, während Meeks und Pitts dort noch ihren Abschluss gemacht hatten.
Sie hatten danach aber sofort den Kontakt zueinander gesucht und man sah sich nicht häufig, aber man sah sich.
Regelmäßig luden sie auch Mr. Keating zu den Treffen ein, der die ersten Male nicht auftauchte, aber eines Tages war er endlich auch da und ließ sich von den Jungen, die mittlerweile alle zu gestandenen Männern geworden waren, erzählen, wie er ihre Leben tatsächlich verändert hatte, was aus ihnen geworden war.
Denn auch Meeks und Pitts hatten zwar Welton noch erfolgreich beendet, hatten aber nie die eingepflanzten Gedanken über Individualität und Freiheit und Kreativität vernichtet, hatten nach der Welton und einer deutlichen Aussprache mit ihren Eltern, eigene Wege eingeschlagen.
Die Welt war bei weitem nicht perfekt. Sie hatten noch genug Mühe. Aber sie hatten es hinaus aus dem Kreislauf des Drucks und der Anforderungen geschafft, hatten sich ein freieres Lebens aufgebaut und waren bereit, der nächsten Generation wirklich einen noch besseren Weg zu ebnen.
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