6 - Flying Doctors - Zeit der Angst

von mops1980
GeschichteAngst / P12
Dr. Chris Randall Dr. Tom Callaghan OC (Own Character)
20.11.2014
01.12.2014
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20.11.2014 1.514
 
Tags darauf hatte Kelly wieder Dienst im Krankenhaus, während Tom die Funksprechstunde übernahm.
„Guten Morgen!“, wurde Kelly von Chris begrüßt, die ihren Dienst schon angetreten hatte.
„Guten Morgen, wie läuft’s?“, fragte Kelly.
„Also, ich bin seit fünf Minuten hier und bis jetzt ist es ruhig.“, lachte Chris.
„Schön zu hören.“, stimmte die Krankenschwester in das Lachen mit ein. „Hast du was von Violet gehört?“
„Sie wird heute operiert, dann werden wir weiter sehen. Jedenfalls fällt sie erst mal für länger aus.“
„Ja, wird wohl so sein.“
„Und, ist Tom die Überraschung gestern gelungen?“
„Oh ja, kann man wohl sagen.“ Schlagartig wurde Kelly an den vorigen Abend erinnert.
„Das klingt komisch, wie du das sagst.“, meinte die Ärztin und sah die Krankenschwester fragend an.
„Du wirst es auch komisch finden, wenn du hörst, was passiert ist. Ich hätte ihn fast mit dem Fön erschlagen, weil ich dachte, er wäre ein Einbrecher.“
Chris brach in schallendes Gelächter aus.
„Du lachst, aber die Sache hat einen ernsten Hintergrund.“, erklärte Kelly.
„Was ist denn los? Hat es etwas damit zu tun, dass ihr gestern bei Jack gewesen seid?“
Kelly sah ihre Freundin fragend an. Woher wusste sie davon?
„Ich hab gesehen, wie ihr wieder raus gekommen seid.“, erklärte Chris, die den Blick richtig gedeutet hatte.
Kelly nickte. Sie knabberte an ihrer Unterlippe und überlegte, ob sie Chris alles erzählen sollte.
‚Warum eigentlich nicht ? Schließlich ist sie meine beste Freundin.’, dachte sie und fing an, Chris davon zu erzählen.
„Verständlich, dass du so panisch reagiert hast.“, erklärte Chris, als Kelly ihren Bericht beendet hatte.
„Na ja, ich wollte, dass auch du es weißt. Bis jetzt wissen nur Tom und Jack davon. Du erzählst es ja niemandem oder?“
„Das versteht sich doch wohl von selbst! So gut solltest du mich inzwischen kennen.“, erklärte die Ärztin.
„Es ist schön, eine Freundin wie dich zu haben. Aber ich glaube, so langsam sollten wir uns wohl an die Arbeit machen, oder?“
„Es wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben.“, meinte Chris.

Tom hatte einige Stunden später die Funksprechstunde beendet und sah jetzt nach dem Patienten, mit dem er gestern von der Farm her geflogen war.
Auf dem Rückweg von diesem Patienten ging er beschwingt den Flur entlang und blieb vor einem Zimmer stehen, in dem Kelly gerade ein Bett neu bezog. Er lehnte sich an den Türrahmen und beobachtete sie einen Moment.
Die Krankenschwester stand mit dem Rücken zu ihm und bemerkte ihn nicht. Irgendwann schlangen sich zwei kräftige Arme von hinten um sie.
Kelly zuckte zusammen und drehte sich um.
„Hätte ich mir ja denken können. Du verstehst es im Moment wirklich, mir einen Schrecken einzujagen.“
„Entschuldige bitte. Ich wollte dich nicht erschrecken.“, erklärte Tom und sah sie niedergeschlagen an.
„Jetzt schau nicht so. Das geht auch wieder vorbei.“, lächelte Kelly ihren Freund an und gab ihm einen Kuss. „Wie geht es deinem Kopf?“, fragte sie und deutete zu seinem Auge, das ein schönes Veilchen zierte.
„Es ist alles okay. Du hast einen kräftigen Schlag, das muss man dir lassen.“
„Kann dich ein Abendessen bei mir vielleicht aufmuntern?“, fragte sie gleich danach.
Tom hielt sie immer noch im Arm.
„Das hört sich sehr gut an. Sobald ich hier mit dem Papierkram fertig bin, würde ich zu dir fahren.“
„So machen wir’s. Bei mir sieht es auch nach pünktlichem Dienstschluss aus.“
„Okay, ich freu mich!“, sagte Tom lächelnd und verließ das Zimmer.
Kelly sah ihm nach. Sie liebte diesen Mann so sehr. Dann besann sie sich wieder auf ihre Arbeit, schließlich wollte sie ja pünktlich nach Hause.

Zwei Stunden später schob Kelly ihr Fahrrad auf die Hofeinfahrt. Sie hörte ein Auto und drehte sich zur Straße um.
Es war Jack, der wie versprochen Streife fuhr. Sie winkte ihm zu. Irgendwie beruhigte es sie, dass er regelmäßig an ihrem Haus vorbei fuhr. Mit einem aufmunternden Lächeln grüßte er zurück.
Kelly ging durch den Hintereingang ins Haus. Bevor sie unter die Dusche sprang, wollte sie schnell noch ein Glas Wasser trinken.
Sie hatte sich gerade was ins Glas gegossen, als sie die Hintertür klappen hörte. Sie stand mit dem Rücken zur Tür.
„Hey, du bist aber früh dran. Hat dich mein Angebot so angespornt?“, fragte sie und drehte sich um. Im selben Moment schrie sie laut auf.
Da stand nicht Tom vor ihr, wie sie dachte, sondern ein mit einer Skimaske maskierter Mann. Er war mit einem Messer bewaffnet.
Für einen Moment war Kelly wie erstarrt. Der Mann sagte nichts, ging auf sie zu und drängte sie an die Küchenzeile. Plötzlich löste sich Kellys Erstarrung und sie rammte ihm geistesgegenwärtig ihr Knie in den Schritt.
Kelly nutzte das Überraschungsmoment und rannte in den Flur. Dort stieß sie den kleinen Tisch mit der Vase um, um dem Angreifer ein Hindernis in den Weg zu stellen.  Die Vase ging mit einem lauten Scheppern zu Bruch. Kelly wollte durch die Vordertür aus dem Haus rennen. Entsetzt musste sie feststellen, dass die Tür ja noch verschlossen war und ihr Hausschlüssel wohl noch von außen in der Hintertür steckte.
‚Verdammt, wie konnte ich nur so dumm sein?’, dachte sie.
Im selben Moment hatte der Angreifer sie erreicht und riss sie zu Boden. An den Haaren zerrte er sie ins Wohnzimmer und hielt ihr dabei das Messer an die Kehle. Kelly schrie laut und panisch um Hilfe, in der Hoffnung, jemand würde sie hören. Sie wagte nicht, sich zu wehren, da ihr das Messer zu dicht an ihrem Hals war. Der Angreifer stieß sie auf die Couch und holte eine Rolle Klebeband aus einer Tasche, die er dabei hatte. Mit dem Klebeband fesselte er ihre Hände auf den Rücken. Kellys Hilfeschreie erstickte er, indem er sie, ebenfalls mit dem Klebeband, knebelte.
Tränen der Angst liefen Kelly über die Wangen. Sie hoffte inständig, dass dies alles nur ein Alptraum war und sie gleich aufwachen würde.
Der Angreifer hatte die ganze Zeit noch keinen Ton gesagt. Er kniete sich vor Kelly hin und begann langsam die Knöpfe ihrer Schwesterntracht mit dem Messer abzutrennen.
Kellys einzige Hoffnung war, dass Tom bald auftauchte.

Fröhlich pfiff Tom das Lied im Autoradio mit, als er auf dem Weg zu Kelly war. Mit dem Papierkram war er schneller fertig geworden, als erwartet.
Der Arzt stellte seinen Wagen in Kellys Auffahrt ab und betrat das Haus wie immer durch die Hintertür. Er wunderte sich, dass der Hausschlüssel von außen im Schloss steckte. Das sah Kelly gar nicht ähnlich. Vor allem nicht in der momentanen Situation. Auf der Küchenzeile stand ein Glas Wasser. Die Wasserflasche stand geöffnet daneben.
Er ging in den Flur. Dort sah er den umgestürzten Tisch und die zerbrochene Vase.
‚Irgendwas stimmt hier nicht!’, dachte er besorgt und ging ins Wohnzimmer, von wo er meinte, etwas gehört zu haben. Was ihm dort vor die Augen kam, ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren.
Tom stürzte auf die Couch zu und packte den Übeltäter. Er riss ihn hoch und schleuderte ihn gegen die Wand. Es entstand ein Handgemenge.
Kellys Tränen der Angst wichen jetzt Tränen der Erleichterung. Tom war gerade rechtzeitig gekommen, der Angreifer wollte ihr gerade den Slip ausziehen. Sie sah hinüber zu den beiden Kämpfenden.
Tom setzte gerade zu einem Schlag an, der den maskierten an der Schläfe traf. Er sackte bewusstlos zusammen. Tom nahm das Klebeband, was er auf dem Boden entdeckt hatte und fesselte den Unbekannten, für den Fall, dass er wieder zu sich kam.
Dann ging Tom auf Kelly zu und befreite sie von dem Knebel und den Fesseln. Kelly schluchzte laut auf. Tom nahm sie in den Arm.
„Schhhh, ganz ruhig, es ist vorbei!“, sprach er beruhigend auf sie ein. „Ist sonst alles okay? Bist du verletzt?“, fragte er jetzt.
„Nein, ich glaube nicht.“, erklärte Kelly mit leicht brüchiger Stimme und löste sich ein wenig aus Toms Umarmung.
Entsetzt stellte sie fest, dass sich auf Toms Hemd im Bereich des Bauches Blut befand.
„Tom, aber du bist verletzt!“
Der Arzt sah an sich herunter. „Das muss wohl beim Handgemenge passiert sein.“, meinte Tom und sah zum Angreifer, der noch immer bewusstlos war. Neben ihm lag das Messer, es war blutverschmiert.
Tom war wohl so mit Adrenalin vollgepumpt gewesen, dass er nicht gemerkt hatte, wie der Übeltäter ihm das Messer in den Bauch gerammt hatte. Inzwischen wurde der Blutfleck immer größer. Tom schien eine Menge Blut zu verlieren.
„Los, leg dich hin!“, Kelly hatte die Fassung wieder erlangt. Tom, dessen Anspannung allmählich nachließ, legte sich auf die Couch. Kelly nahm ein Sofakissen und drückte es auf seinen Bauch.
Sie merkte, wie Tom immer schwächer wurde. Er verlor wirklich viel Blut. Kelly griff zum Telefon, das auf einem kleinen Beistelltisch stand. Sie brauchte dringend Geoff oder Chris und einen Krankenwagen.
„Royal Flying Doctor Service Coopers Crossing?“, meldete sich DJ, als sie in der Zentrale anrief.
„Kelly hier! Schick mir sofort Geoff oder Chris mit einem Krankenwagen her!“, schrie sie aufgebracht ins Telefon. Mit der anderen Hand drückte sie weiterhin das Kissen auf Toms Bauch.
„Was ist denn passiert?“, wollte DJ wissen.
„Frag nicht, mach einfach! Und verständige Jack Carruthers, er muss auch schnell herkommen!“, rief Kelly und legte auf.
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