6 - Flying Doctors - Zeit der Angst

von mops1980
GeschichteAngst / P12
Dr. Chris Randall Dr. Tom Callaghan OC (Own Character)
20.11.2014
01.12.2014
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Als Kelly am nächsten Morgen erwachte, sah sie in zwei sanft dreinblickende, braune Augen.
„Guten Morgen, Prinzessin!“, flüsterte eine sanfte Stimme. Tom gab ihr einen Kuss auf den Haaransatz. Sie lag auf seiner Brust und seine Arme umfingen sie.
„Mmmh, guten Morgen. Daran könnte ich mich glatt gewöhnen!“, murmelte Kelly verschlafen.
„Hab ich dir schon mal gesagt, wie niedlich du aussiehst, wenn du gerade aufwachst?“, fragte Tom mit einem Lächeln.
Kelly antwortete darauf nicht und verschloss ihm den Mund mit einem leidenschaftlichen Kuss. Dieser wurde aber vom Klingeln des Telefons auf dem Nachttisch jäh unterbrochen.
Nur widerwillig löste Tom sich von Kelly. Er blickte ihr entschuldigend in die Augen und ging ans Telefon.
Kelly legte sich auf die andere Seite des Bettes. Sie wusste ja, dass er Bereitschaft hatte, aber manchmal hasste sie diesen Beruf. Er konnte einem manchmal wirklich die schönsten Momente verderben. Aber schließlich war der medizinische Beruf sehr wichtig, vor allem hier draußen im Outback. Sie war ja schon froh, dass gestern Abend kein größerer Notfall dazwischen gekommen war.
Die Krankenschwester war so in ihre Gedanken versunken, dass sie nicht mitbekam, wie Tom das Telefongespräch beendete. Erst als er mit seinen Händen vor ihrem Gesicht umher fuchtelte, kam sie in die Wirklichkeit zurück.
„Ich muss los. Auf Rocky Creek Station gibt es einen Notfall.“ Er stand schon komplett angezogen neben dem Bett.
„Ja okay, die Pflicht ruft!“
Tom gab ihr einen Kuss und schon war er verschwunden. Kelly hörte den Motor seines Wagens aufheulen. Sie drehte sich um und versuchte noch etwas zu schlafen.

Gegen Mittag fuhr Kelly zu ihrem Haus. Die letzten Tage hatte sie immer bei Tom verbracht, so dass bestimmt einiges zu tun war. Leider ließ der Staub sich ja auch nieder, wenn man gar nicht da war. Sie schaltete das Radio an, schnappte sich seufzend den Staubwedel und machte sich an die Arbeit.
Kelly wischte gerade den Couchtisch im Wohnzimmer ab, als sie hörte, dass sich die Hintertür öffnete. Sie ging in die Küche, um nachzusehen, wer da war. Ein erschöpft aussehender Tom Callaghan stand vor ihr.
„Hey Liebling! Du siehst erschöpft aus. Magst du einen Kaffee?“, fragte Kelly fürsorglich.
„Nein danke, halt mich einfach nur fest, ja?“, erwiderte Tom.
Kelly ging auf ihn zu und legte die Arme um ihn.
„So schlimm?“, fragte sie.
„Schlimm ist gar kein Ausdruck. Craig Armstrong ist gestorben. Er war schon tot, als wir ankamen.“, erzählte Tom traurig.
Kelly musste schlucken. Sie war schön öfter auf der Kliniktour bei den Armstrongs gewesen. Sie waren sehr nette Leute.
„Was ist denn passiert? Wie geht es seiner Frau?“, fragte sie entsetzt.
„Er ist einfach zusammengebrochen. Was genau es war, kann ich noch nicht sagen. Wir mussten ihn zur Obduktion nach Broken Hill fliegen. Jill Armstrong ist zusammengebrochen, als ich es ihr erzählte. Wir mussten sie mit nach Coopers Crossing nehmen. Sie liegt jetzt im Krankenhaus.“ Tom seufzte. „So hatte ich mir den Abschluss vorm Urlaub nicht vorgestellt.“
„Er war doch erst 52.“, sagte Kelly nachdenklich.
„Leider geht es nicht immer danach. Bei der letzten Untersuchung war er topfit.“, seufzte Tom.
„Hast du schon was gegessen?“, fragte Kelly jetzt.
„Nein, aber ich habe auch keinen Hunger.“, antwortete Tom.
„Du musst aber was essen! Ich mach dir ein Sandwich.“, erklärte Kelly bestimmt.
Tom wollte widersprechen, aber Kelly bedachte ihn mit einem Blick, der dies nicht zuließ.
Einige Minuten später hielt er ein Schinken-Käse-Sandwich sowie eine Tasse Tee in der Hand.

Tom und Kelly hatten es sich am späten Nachmittag auf der Couch bequem gemacht. Im Hintergrund spielte die Stereoanlage leise Klaviermusik.
„Und, fühlst du dich besser?“, fragte Kelly.
„Wenn ich bei dir bin, geht es mir immer gut.“, antwortete Tom lächelnd und spielte mit einer ihrer Locken. Langsam näherte er sich ihrem Gesicht.
Gerade, als sich ihre Lippen berührten, machte sich Toms Pieper bemerkbar.
„Das war’s dann mit der Gemütlichkeit.“, seufzte Tom frustriert und erhob sich von dem gemütlichen Lager.
‚Hoffentlich nicht noch so ein Notfall, wie heute Morgen!’, dachte er, als er in seinen Wagen stieg.

Als Tom sich auf den Weg gemacht hatte, begann Kelly mit den Vorbereitungen für das Picknick am nächsten Tag.
Sie machte sich daran, Lamingtons zu backen. Aus ziemlich sicherer Quelle, nämlich Sarah Callaghan, wusste sie, dass das Toms Lieblingskuchen war.
Kelly hatte gerade die kleinen Kuchen in den Ofen geschoben, als ihr Telefon klingelte. Als sie sich meldete, war da aber nur ein Stöhnen zu hören.
„Hallo? Hallo, wer ist denn da?“, fragte sie, aber wieder war nur ein Stöhnen zu hören.
Ärgerlich legte sie auf. Scheinbar erlaubte sich da jemand einen üblen Scherz mit ihr. Sie widmete sich wieder den Vorbereitungen für das Picknick und hatte den Anruf bald vergessen.

Tom kam nachts wieder in Coopers Crossing an. Er hatte einem neuen Erdenbürger auf die Welt geholfen. Schon merkwürdig, wie nah Freud und Leid doch beieinander lagen.
Nachdem die junge Mutter mit ihrem Neugeborenen gut versorgt in einem Krankenhauszimmer untergebracht war, sah Tom noch kurz nach Jill Armstrong. Sie schlief tief und fest, was wohl auf die starken Beruhigungsmittel zurückzuführen war, die Tom ihr geben musste. Es lag jetzt ein harter Weg vor ihr. Tom hoffte nur, dass sie die Farm irgendwie halten konnte.

Am Sonntagvormittag war Tom ausgeschlafen. Er zog sich eine bequeme blaue Jeans, ein hellblaues Poloshirt und Turnschuhe an. Dann schwang er sich auf sein Fahrrad und fuhr noch einmal zum Krankenhaus, um mit Chris, die jetzt Dienst hatte, eine kurze Übergabe zu machen. Als das erledigt war, fuhr er zu Kelly.
Diese packte gerade die Köstlichkeiten, wie Ciabatta-Brot, Parmaschinken, Tomaten, geschnittene Gurken und Paprika zusammen mit dem Kuchen und allerlei anderer Leckereien in eine Kühltasche, als Tom durch den Hintereingang die Küche betrat.
„Hallo schöne Frau!“, begrüßte er Kelly gut gelaunt.
„Hallo schöner Mann! Gut geschlafen?“
Tom umarmte sie und gab ihr einen Kuss.
„Nach dem Erfolgserlebnis von heute Nacht, sehr gut! Helen Mitchell hat einen Sohn zur Welt gebracht.“
„Oh wie schön. Dann hattest du ja doch noch einen guten Abschluss vorm Urlaub.“
„Ja! Wie sieht’s aus, können wir starten?“
„Kann losgehen.“, erklärte Kelly. „Du nimmst die Kühltasche.“
Sie schnappte sich noch die Picknick-Decke und einige Minuten später saßen sie auf ihren Fahrrädern und fuhren zu dem Billabong, der etwas außerhalb der Stadt lag.

Als sie dort ankamen, schwammen sie ein wenig im Billabong.
Jetzt lagen sie auf der Decke und fütterten sich gegenseitig, als plötzlich von einem der Büsche ein Rascheln zu hören war.
Kelly setzte sich erschrocken auf. „Was war das?“
„Was denn?“, fragte Tom.
„Da war ein Rascheln im Gebüsch. Da, schon wieder!“
Es war noch einmal etwas zu hören.
„Eine Maus oder so was. Komm, leg dich wieder zu mir.“, wollte Tom sie beruhigen.
„Das hätte sich anders angehört. Ich geh mal nachsehen!“
Die Krankenschwester wollte aufstehen, aber Tom zog sie an sich und küsste sie leidenschaftlich. Als der Kuss endete sah Kelly noch einmal zum Gebüsch. Just in diesem Moment trottete ein kleiner Wombat von dannen.
Tom, der das Tier auch gesehen hatte, begann zu lachen.
„Hey, lachst du mich an oder aus?“, wollte Kelly wissen.
„Ich würde dich niemals auslachen!“, erklärte der Arzt.
„Na, dann ist ja gut. Sag mal, was wollen wir eigentlich nächste Woche unternehmen?“, wechselte Kelly das Thema.
„Ich weiß nicht, was möchtest du denn machen?“, fragte Tom.
„Ich würde gerne mal nach Corinda Bella fahren.“, erklärte sie.
„Sehr gerne. Aber wie kommst du ausgerechnet auf Corinda Bella?“, fragte Tom erstaunt.
„Na ja, ich bin jetzt schon so lange hier in Coopers Crossing und war noch nie dort. Mal abgesehen von dem kurzen Besuch auf der Landebahn, als du den Reitunfall hattest.“
„Na, dann wird es mal Zeit. Lass uns am Dienstag hinfahren.“
„Warum nicht schon morgen?“, fragte Kelly ein wenig enttäuscht.
„Die Farm ist sehr weit draußen. Da will ich vorher einmal den Wagen von Emma durchchecken lassen. Ich habe nämlich keine große Lust, wegen einer Panne im Outback festzusitzen.“
„Okay, das ist ein Argument.“, meinte Kelly lächelnd.
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