Halbblutengel

KurzgeschichteAbenteuer, Drama / P16
20.11.2014
08.07.2015
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Die Story schwirrt mir schon eine halbe Ewigkeit im Kopf herum und endlich habe ich es geschafft sie nieder zu schreiben... puh!

Viel Spaß!

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"Hey, Sanzo!", aufgeregt sprang Goku von seinem Platz auf und beugte sich zwischen den vorderen Sitzen des Jeeps durch, "Was ist das?"
Die anderen drei folgten dem ausgestreckten Zeigefinger und entdeckten bald einen Punkt im Himmel. Aus Sicherheitsgründen stoppte der Heiler den Wagen.
"Es könnte sich dabei um einen Vogel handeln", meinte er nachdenklich und beobachtete das fliegende Objekt mit Argusaugen.
"Ist es für einen gewöhnlichen Vogel nicht etwas zu groß?", fragte Gojyo zweifelnd und legte eine Hand auf die Rückenlehne des Fahrersitzes um sich darüber zu beugen und das seltsame geflügelte Ding genauer unter die Lupe zu nehmen.
"Ein Shikigami?", schlug Sanzo mit zusammengekniffenen Augenbrauen vor und beobachtete argwöhnisch die Flugbahn des Wesens, welches den Berg hinab große Kreise zog, "Es fliegt auf die Stadt zu..."
"Was sollen wir tun, Sanzo?", wollte der Fahrer wissen und richtete seinen Blick auf den buddhistischen Mönch, der sich eine seiner Malboros ansteckte, "Immerhin könnte es sich auch um einen Dämon handeln."
Auch die Augen der hinteren Passagiere richteten sich auf den blonden Haarschopf des Sanzopriesters, der in Ruhe einen Zug nach dem anderen nahm.
"Wir werden hinfahren und eine Herberge suchen. Ich bin es leid eure Visagen zu sehen", bestimmte der Mann mit den violetten Augen und warf seinen abgebrannte Kippe aus dem Fahrzeug.
Goku grinste bei dem Gedanken an ein warmes Bett und eine ordentliche Mahlzeit von einem Ohr zum anderen.
Gojyo hingegen konnte den letzten Satz nicht auf sich sitzen lassen, "Als ob jemand von uns scharf drauf wäre deine Launen weiter zu ertragen."
Sein überhebliches Grinsen verging ihm allerdings, sobald der Lauf des Seelenzerstäubers auf ihn gerichtet war. Abwehrend hob er die Hände und schluckte schwer. Schnaubend setzte Sanzo sich wieder und verstaute seine Waffe im Ärmel.
Hakkai setzte ein Lächeln auf und startete den Jeep mit den Worten, "Na dann wollen wir mal!"

Auf halber Strecke begegneten sie einem alten Mann, welcher ebenfalls in Richtung Stadt unterwegs war. Er trug eine braune Wanderkutte, hatte einen weißen Haarkranz und buschige ebenfalls weiße Augenbrauen, welche seine Augen verdeckten. Sie hielten neben dem Herrn an, der ihr Gefährt neugierig musterte.
"Was für eine außergewöhnliche Fortbewegungsart...", überlegte er laut und betrachtete auch die Insassen - an einem von ihnen blieb sein Blick hängen, "Ihr jungen Leute habt nicht zufällig noch Platz für einen weiteren Passagier?"
Nach einem Blickwechsel ließen sie den harmlosen, alten Mann einsteigen und fuhren weiter.

Es dauerte eine halbe Stunde, dann passierten sie die Stadtmauern und suchten sich eine Herberge.
Als alle vor den Toren eines geeigneten Hauses ausstiegen bedankte sich der alte Mann lächelnd, " Vielen Dank für die Mitfahrgelegenheit. Es wäre mir eine Ehre, wenn Sie unseren Tempel am Gipfel des Berges mit Ihrer Anwesenheit beehren würden, Sanzo-sama."
Mit einer Verbeugung verabschiedete er sich ohne auf eine Antwort zu warten und verließ den bunten Haufen, der ihm verwundert hinterher schaute.
"So etwas ist noch nie passiert... wirklich eigenartig", meinte Hakkai erstaunt, während der Jeep sich in einen kleinen Drachen verwandelte, der auf seiner Schulter landete.
"Sonst sind diese Typen ganz heiß darauf unseren Sanzo-sama in die Finger zu bekommen, aber das klang nicht nach einer Einladung...", gab Gojyo zu bedenken und fuhr sich durch die Haare.
"Vielleicht hat Sanzo ihn irgendwie beleidigt...", überlegte Goku und verschränkte die Arme hinter dem Kopf.
Nachdenklich holte Sanzo seine Zigarettenschachtel hervor und klemmte sich einen mit Tabak gefüllten Papierzylinder zwischen die Lippen, "Wollt ihr wie die Waschweiber tratschen und hier Wurzeln schlagen oder endlich das Gepäck reinbringen?"
Nicht auf eine Erwiderung wartend drehte er sich um und betrat die Herberge. Hinter sich hörte er das Gemaule der anderen, während er sich um die Zimmer kümmerte.

Nachdem jeder sein Zimmer bezogen hatte, trafen sie sich wieder am Empfang und betraten gemeinsam das Haus eigene Restaurant. Sie verbrachten eine durchschnittliche Mahlzeit mit den gewöhnlichen Futterkämpfen und Verletzungen und nach der Raubtierfütterung war es Zeit für die Einkäufe. Da sie glücklicherweise am frühen Nachmittag angekommen waren, blieb dafür jede Menge Zeit. Hakkai hielt seine Einkaufsliste bereit und überzeugte Goku und Gojyo davon mit ihm zu gehen. Auf Gokus Betteln und Gojyos Sticheleien hin schloss auch Sanzo sich an. Nur Hakuryuu blieb in Hakkais Zimmer, wo er sich auf einem Kissen zusammengerollt hatte und sich von den Eskapaden der letzten Stunden erholte.

"Zu freundlich von Ihnen, dass Sie uns ebenfalls Gesellschaft leisten, oh großer Heiliger", stichelte der Halbdämon weiter und spürte wenig später die zarte Liebkosung des Klingenfächers, "Aua! Fuck, was ist dein Problem?!!"
"Deine Klappe", knurrte der Blonde und schwang seinen Fächer bedrohlich, woraufhin Gojyo Sicherheitsabstand nahm und auf der anderen Seite des Heilers weiter marschierte, der sein Lachen hinter einem künstlichen Hüsteln verbarg.
Ganz im Gegensatz zu dem goldäugigen jungen Mann der laut lachte und sich auf die Seite des Blondschopfs rettete um der Rache des Rothaarigen zu entgehen.
"Ich bin umzingelt von Idioten", murmelte Sanzo und massierte sich den Nasenrücken.
Die beiden Streithähne streckten sich inzwischen hinter den Rücken der "Erwachsenen" die Zunge heraus und zogen Grimassen.

Einige Wutausbrüche und Fächerhiebe später, waren alle Einkäufe erledigt und die vier waren vollbepackt wieder auf dem Weg zu ihrer Unterkunft.
Sanzo und Gojyo rauchten mit je einer Papiertüte im Arm, während Hakkai und Goku je zwei trugen. Die Straßen waren voller als noch wenige Momente zuvor und langsam aber sicher wechselte die Geschäftigkeit des Tages in das rege Treiben der Nacht.
Über den gewöhnlichen Lärm der Stadt erklang ein eindringlicher Ruf. Die jungen Männer kümmerten sich nicht daran. Eine Stimme rief immer und immer wieder einen Namen und kam stetig näher, in wenigen Sekunden würde derjenige an ihnen vorbeilaufen und damit hatte sich die Geschichte, doch zu ihrer aller Überraschung wurde Gojyo herumgerissen.
"Ito! Ich hab schon die ganze Zeit... nach dir gerufen...? Du bist nicht Ito..."
Neugierig geworden sah der Halbdämon zu dem Kerlchen herunter, dass ihn gepackt hatte und jetzt gequält zu ihm hochschaute. Es handelte sich dabei um einen jungen Novizen mit großen braunen Augen und wild abstehenden kurzen dunkelbraunen Haaren. Der Knirps reichte ihm gerade einmal bis zum Bauchnabel. Er fixierte Gojyo noch einpaar Sekunden und verbeugte sich dann eine Entschuldigung murmelnd, nur um im nächsten Augenblick wieder in der Menge zu verschwinden.
"ITOOO! IIITOOOOO!"
"Was war denn das?", fragte Goku verwirrt hinter den Tüten hervorlugend und fixierte seinen rothaarigen Reisegefährten und dann den Jungen, der ganz offensichtlich verzweifelt auf der Suche nach einem Freund war.
"Ganz offensichtlich handelte es sich hierbei um eine Verwechslung", warf Hakkai ein, ließ den jungen Burschen aber auch nicht aus den Augen.
"Hey, Sanzo!", rief der junge Mann mit den goldenen Iren, als der Sanzo-Priester ihre kleine Gruppe verließ und an den Burschen herantrat.
"ITO!!!"
Der blonde Mann packte den Novizen bei der Schulter und drehte ihn zu sich herum. Das anfängliche freudige Strahlen wechselte in einen traurigen Schimmer, sobald die braunen Augen seine violetten fixierten.
"Es tut mir leid, wenn ich Sie und Ihre Freunde belästigt habe, Sir, aber ich muss wirklich weiter", drängte der Junge und wollte sich aus dem Griff befreien, doch dann besah er sich den Mann vor sich genauer, "I-Ihr seid ein Sanzo-Priester, nicht wahr?! Bitte ehrenwerter Sanzo-sama, Ihr müsst mir helfen! I-ich muss Ito finden und ihn schnell zum Tempel zurück bringen! Es ist wirklich wichtig!!"
Perplex hob Sanzo eine Braue und sah auf den jungen Novizen herunter, "Was ist los?"
"B-bitte! Es ist nicht genug Zeit um Euch alles zu erklären! Helft mir Ito zu finden! Nur er kann im Moment helfen! Er hat genauso rote Haare und Augen wir Ihr Freund dort drüben!", eindringlich zeigte er auf Gojyo, der vor Schreck beinahe die Tüte in seinem Arm fallen ließ - die Zigarette in seinem Mund hatte kein derartiges Glück und landete unbeachtet am Boden.
Erstaunt hafteten grüne und goldene Iren auf dem Halbdämon, der wie gebannt zu dem Jungen starrte, welcher ungeduldig von einem Fuß auf den anderen trat.
"Sanzo-sama! Helft Ihr mir?!"
"Nagi? Was tust du denn hier unten in der Stadt? Solltest du nicht im Tempel deinen Pflichten nachgehen?"
Aus der Menge trat eine großgewachsenen Gestalt mit einem rot-schwarz-weiß karrierten Holzfällerhemd mit bis zu den Ellenbogen hochgekrämpelten Ärmeln über einem weißen Tanktop, enganliegenden blauen Jeans und dunkelbraunen knöchelhohen Cowboystiefeln. Lange Haare waren zu einem hohen Pferdeschwanz zusammengebunden aus dem sich einige Strähnen gelöst hatten und verspielt ins Gesicht fielen. Silberne Ohrringe blitzten im Licht der sinkenden Sonne.
Der Junge wand sich sofort mit einem erleichterten Lächeln um, "Ito!", und sprang dem jungen Mann in die Arme.
Dort klammerte er sich in das Oberteil des Größeren und begann wenig später zu schluchzen. Vollkommen überrumpelt legte der neu auf der Bildfläche erschienene Halbdämon seine Hände auf die zitternden Schultern.
"Woah! Was ist denn mit dir los?", unsicher darüber was den kleineren so aufgewühlt hatte, sah der junge Mann auf um bei denjenigen nach zu fragen, die bei seinem kleinen Freund gewesen waren und erstarrte.
Vier Augenpaare hatten sich auf seine Erscheinung geheftet, einer davon genauso tiefrot wie sein eigener.
"Woah! Du bist ein-...", Goku stoppte mit seiner Aussage sofort, als er sah wie der Neuankömmling sich verspannte. Eine unangenehme Still breitete sich trotz des üblichen Stadtlärms und der deutlich hörbaren Schluchzer aus.
"Dann sind Sie Ito-san?", versuchte Hakkai die Spannung zu lösen und trat einen Schritt heran, "Dieser junge Mann hat sie gesucht, es klang recht dringend."
Die roten Augen lösten sich von ihrem Gegenstück und fixierten den Grünäugigen mit einem Nicken, bevor sie auf die Gestalt vor sich sanken.
Sanft schob er den bebenden Körper von sich und ging auf die Knie, um in das noch recht kindliche Gesicht sehen zu können, "Was ist passiert, Nagi? Du bist doch sonst nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen..."
Beruhigend massierte er die schmalen Schultern bis der Jüngere sich soweit unter Kontrolle hatte um hoch zu sehen.
"D-der Mei-m-m-meister i-i-i-ist wieder zu-zurück...", schniefte der Novize und brach in einen weiteren Weinkrampf aus.
Die Muskeln des Rothaarigen verspannten sich sofort wieder und er riss die Augen weit auf.
"Wann?!", er schüttelte den Jungen vor sich eindringlich, "Wann ist er zurück gekommen?! Ist alles in Ordnung? Wie geht es den anderen? Rede, verdammt!!"
"V-v-vor einer halben Stunde. I-ich weiß nicht... I-i-ich hab mich so-sofort raus geschlichen, u-um dich zu holen", schluchzte der Junge weiter, ein Schluckauf schüttelte ihn plötzlich.
"Verflucht noch 'mal!", knurrend richtete er sich auf und ballte die Hände zu Fäusten, "Gerade als wir dachten, wir wären den Misterkerl los!"
"Verzeihen Sie bitte mein Einmischen, aber können wir irgendwie helfen?", alarmiert von dem Gespräch der beiden Fremden machte Hakkai auf sich und seine Freunde aufmerksam.
Der junge Mann mit dem roten Pferdeschwanz schüttelte den Kopf und wand sich ab, hielt aber dann inne.
Er schob dem Quartett den verheulten Novizen entgegen, "Passt bitte auf ihn auf und lasst ihn auf keinen Fall aus den Augen! Ich werde ihn holen, sobald alles vorbei ist, versprochen!"
Sich das Hemd aufknöpfend machte er auf dem Absatz kehrt und scheuchte die Leute aus dem Weg, "Platz da! Sofort!!"
Zur Verwunderung der Sanzo-Bande hetzten die Leute vom Marktplatz, während der Rothaarige sein Tanktop über den Kopf zog und schließlich oben ohne auf der geräumten Straße stand. Sein Rücken war überseht von tiefen Narben, die hell und unterschiedlich lang über seine Haut verteilt waren. Es gab kaum einen unversehrten Flecken Haut.
"Was treibt der da?", wollte Goku mit großen Augen wissen und beobachtete, wie die anderen das eigenartige Schauspiel.
"Ito...", schluchzte der Junge und rieb sich über die Augenlider.
Dann plötzlich schrie der junge Mann auf und krümmte sich. Erschrocken machten alle einen Schritt zurück und beobachteten mit einer Mischung aus Faszination und Ekel, wie seine Schulterblätter hervortraten und sich verlängerten. Knochen, Fleisch und Haut verformten sich, blutrote Federn wuchsen aus den langsam entstehenden Gliedern und innerhalb weniger Momente ragten gigantische Schwingen aus seinem Rücken.
"Was zum Geier...!"
Mit offenen Mündern standen die vier da und schauten auf die Flügel, die vorher nicht da gewesen waren.
"Nagi, du bleibst bei diesen Männern, hast du verstanden?", warf der Geflügelte über seine Schulter und lief nach einem Nicken des Jungen los.
Seine Schwingen bewegten sich stetig auf und ab, während er seinen Schritt beschleunigte und schließlich abhob.
"Dann war er das Ding, dass wir vorhin gesehen haben?", fragte Goku ungläubig.
Fassungslos nickte Hakkai, "Es scheint fast so..."
"Hey", wand Sanzo sich an den braunhaarigen Jungen, der sich wieder etwas beruhigt hatte und seine Finger in seine Kutte gekrampft hatte, "Erzähl mir was hier los ist!"
Der Bursche drehte sich mit geröteten Augen zu dem Mönch.
"M-m-meister Gi- er ist ein sehr, sehr grausamer Mensch, Sanzo-sama...", begann Nagi mit zitternden Händen, stoppte aber als eine warme Hand auf seiner Schulter zu liegen kam.
Hochsehend blickte er in das freundliche Gesicht des Heilers.
"Erzähl uns bitte alles auf dem Weg zum Tempel. Du möchtest doch bestimmt wissen was dort oben geschieht", mit einem Lächeln quittierte der Grünäugige den entschlossenen Blick des jungen Novizen, "Hakuryuu!"

Kurz darauf saßen alle im Jeep, der durch die Stadt Richtung Berg raste.
"Rede", befahl Sanzo vom Beifahrersitz aus, "Was ist hier los."
Der Braunhaarige schluckte einen Kloss herunter und richtete seinen Blick auf die Bergspitze, wo sich der Tempel befand, "Ich weiß nicht viel von dem was geschehen ist, bevor ich zu den Mönchen kam... aber Meister Gi benutzt ungewöhnlich brutale Methoden um Novizen zurecht zu weisen..."
"Hast du auch solche Narben wie Ito-san?", fragte Hakkai gefährlich leise ohne die Straße aus den Augen zu lassen.
Die Frage traf erst auf eisernes Schweigen.
Dann nach einer Weile, "Ito ist viel schlimmer dran als jeder andere von uns... nicht weil er ein Halbdämon ist, sondern weil er dem Meister ständig Parouli bietet und für die jüngeren Mönche und Novizen eintritt", ergänzte er, als Gojyo unruhig auf seinem Sitz herum rutschte.
"Dann wissen die Mönche um Ito-sans Abstammung?", fragte Hakkai im Plauderton um sich selbst einwenig ab zu lenken.
"Ja", bestätigte Nagi, "Es wurde nie ein großes Geheimnis drum herum gemacht."
Der Jeep schlitterte und blieb schließlich vor den Treppen stehen, die hinauf zum Tempel führen würden. Die Insassen saßen hinauf.
"Das ist allerdings ein Problem..."
"Gibt es einen anderen Weg nach oben?", fragte Sanzo gereizt und zündete sich eine Malboro an.
"Nein... Die Stufen sind der einzige Weg nach oben...", erwiderte der Kleinste niedergeschlagen und senkte das Haupt.
"Dann hilft es wohl nicht... bist du bereit, Hakuryuu?", fragte der grünäugige Dämon und trat nach einem zustimmenden "Kyuu!" aufs Gaspedal.
Die Schreie der hinteren Passagiere waren deutlich zu hören, als der Wagen eine Kurve hinlegte und dann mit Vollgas auf die Steintreppen zu schoss. Die ersten Stufen war ein echtes Hindernis, doch sobald der Wagen die ersten Paar hinter sich hatte, bemerkten die Insassen das Rumpeln kaum noch.
"Wo war dieser Meister Gi?", hörte man Sanzos Stimme klar und deutlich über den Fahrtwind hinweg.
"Vor drei Jahr ging er auf eine Reise und alle haben gehofft, dass er nicht zurückkommen würde, jetzt wo die Dämonen die Kontrolle über ihr Selbst verloren haben...", nervös knetete Nagi seine Hände, "Ihr haltet mich und die anderen sicher für frevelhaft, weil wir als Buddhisten so denken..."
"Dann wissen die Mönche hier, dass die Dämonen nicht schuld sind an dem was passiert?", wollte Goku neugierig wissen und umging das Unbehagen des Jüngeren.
Der schaute überrascht auf und grinste erleichtert.
"Ja. Einpaar unserer erfahrensten Mönche waren Dämonen und sehr friedliebend. Sie hätten niemals jemanden grundlos verletzt!", beharrte er und schaute durch das Frontfenster, "Da ist das Tor!"
Kurz darauf verließ der Jeep den Boden und flog einpaar Meter, ehe er mit quietschenden Reifen auf einem gepflasterten Weg zum Stehen kam.
"Verdammt Hakkai! Willst du uns alle umbringen?!", fauchte Sanzo und war kurz davor dem Dämon eine über zu ziehen, der verlegen auflachte und sich unbewusst an den Hinterkopf griff.
Nagi sprang sofort aus dem Fahrzeug, als er sich von dem Schock erholt hatte und rannte auf die große Holztür zu, welche in das Innere des Tempels führte.
"Nagi!", rief Gojyo ihm nach und sprang dem Jungen hinterher, "Verdammter Bengel!"
Die anderem folgten seinem Beispiel.
Kurz vor den Toren bekam der Halbdämon den Kleinen zu fassen und zog ihn zurück, "Hast du sie noch alle?! Du bleibst gefälligst hier! Hast du vergessen, dass Ito dich uns anvertraut hat?"
Zerknirscht schüttelte der Novize den Kopf.
Schnaubend wuschelte der Rothaarige durch die braunen Zotteln, "Dann bleib gefälligst da wo wir ein Auge auf dich werfen können. Ohne dich wären wir immerhin aufgeschmissen."
Der junge Bursche lächelte dem aufmunternden Grinsen tapfer entgegen und deutete der Sanzo-Bande ihm zu folgen. Gojyo und Goku ließen ihre Waffen für den Fall der Fälle erscheinen und auch Sanzo zog seinen Revolver heraus. Zusammen gingen sie einen langen Korridor entlang und kamen schließlich in einen großen Saal, in welchem viele Mönche versammelt waren. Sie redeten aufgeregt und schickten nervöse Blicke durch den Raum. Auf der anderen Seite befand sich eine Meter hohe, dunkle, massive Holztür. Einige der Älteren versuchten sie mit Hilfe eines Rammbocks auf zu stoßen.
"Nagi! Buddha sei Dank! Es geht dir gut!", ein älterer Mönch kam auf sie zugestürmt und untersuchte den Novizen eingehend, "Wir haben uns furchtbare Sorgen gemacht! Wo warst du?"
"Ich habe Hilfe geholt! Wo ist Ito? Ist er noch nicht da?!", verzweifelt versuchte der Junge mit den braunen Iren den jungen Mann ausfindig zu machen, der sich in die Lüfte erhoben hatte.
"Ito?", Verwunderung zeichnete sich auf dem alten Gesicht ab, "Ich habe ihn nicht gesehen, seit er vor einpaar Stunden in die Stadt ging. Weiß er, dass der Meister zurück gekehrt ist?"
"Ich hab ihm davon erzählt und er hat sich sofort auf den Weg gemacht! Er müsste schon lange da sein!", Panik schlich sich in Nagis Stimme und sie überschlug sich.
"Er hat den Saal komplett abgeriegelt", erklang die Stimme des Halbdämons hinter ihnen, seine roten Schwingen lagen zusammengefaltet an seinem Rücken, "nicht einmal eines der Fenster ist offen."
Alle Anwesenden wandten sich um und Nagi rannte erleichtert zu ihm.
"Ito...", tadelte der ältere Mönch und blickte dem Rothaarigen besorgt entgegen.
"Ich weiß, aber ich hatte keine Wahl...", wehrte der die Strafpredigt ab und stellte sich zu ihnen, Nagi an seiner Seite, "Wen hat er bei sich?"
Unwillig sah der Mönch über seine Schulter zu dem Tor, seufzte dann schwer und blickte fest in die roten Iren, "Mako, Hiro, Kai, Li und Matsu. Wir konnten nichts dagegen tun. Als wir es bemerkten, war es bereits zu spät und er hat sich mit ihnen eingeschlossen... Ito, wir können ihnen im Moment nicht helfen-"
"Das werden wir noch sehen!", Itos Augen funkelten vor Zorn in einem hellen Zinnoberrot.
Die Federn seiner Schwingen stellten sich bedrohlich auf und raschelten. Mit festen Schritten ging er an den am Boden kniehenden und murmelnden Mönchen vorbei und gesellte sich zu den Rammbock schwingenden Männern.
"Wir helfen! Komm Goku!", machte Gojyo sich bemerkbar und schritt mit dem Goldäugigen ebenfalls durch die Massen.
Viele Blicke folgten den beiden auf ihrem Weg.
"Was zur-?", erst jetzt bemerkte er die Gäste und drehte sich zu den verbleibenden jungen Männern an seiner Seite. Beim Anblick von Sanzo fiel ihm die Kinnlade herunter.
"Sa-sa-sa-sa-sanzo-sama!", brachte er nach einer Weile heraus und fiel ungalant auf die Knie um sich tief vor dem ranghöchsten Mönch zu verbeugen, "Welche unerwartete Ehre Euch in unserem bescheidenen Tempel begrüßen zu dürfen! Verzeiht mir meine Unachtsamkeit!!"
"Ich denke, dass es im Moment wichtigeres gibt als mir den Hintern zu küssen", von den barschen Worten des Blonden aus dem Konzept gebracht, kam der ältere Mann wieder auf die Beine, "Was zum Teufle ist hier los?"
"Ehrenwerter Sanzo-sama, Ihr kommt zu einem höchst unpassenden Zeitpunkt...", versuchte er auszuweichen und verbeugte sich ehrfürchtig.
"Das sehe ich...", Sanzo tauschte einen Blick mit Hakkai, der sich daraufhin zu den anderen gesellte um daran zu arbeiten diese vermaledeite Tür auf zu bekommen, "Warum erlaubt man diesem Gi den Zutritt zum Tempel?"
"Wir wurden von seiner Rückkehr überrascht, ehrenwerter Sanzo-sama", bestätigte der Mönch mit einem bedauerlichen, bitteren Tonfall unwissend Nagis Geschichte.
Der grünäugige Dämon kam zurück und machte mit einem Räuspern auf sich aufmerksam, "Sanzo, es scheint, dass ein Bannkreis errichtet wurde. Was sollen wir tun?"
"Tz", schnaubend richtete der Blonde seinen durchdringenden Blick zur Tür und dann auf den Mönch, "Mit Ihrer Erlaubnis kümmere ich mich um das Problem."
"Tut was auch immer Ihr für nötig befindet, ehrenwerter Sanzo", gab der alte Mann sein Einverständins ohne zu zögern und erhob seine Stimme, "Brüder! Sanzo-sama ist gekommen um uns zu helfen. Tut was auch immer er verlangt!"
Die versammelte Mannschaft beäugte den blonden Sanzo-Priester und verbeugte sich dann wie eine kleine Armee.
"Ihr verschwendet eure Kräfte mit diesem Ding!", ließ er gleich verlauten und deutete auf den Rammbock, "Weg damit!"
Sofort wurde seinem Befehl folge geleistet. Mit Hakkai an seiner Seite ging er auf die Tür zu und kam bald neben Ito, Nagi, Gojyo und Goku zum Stehen, die anderen Mönche hatten ihm erführchtig Platz gemacht und sich weitgehend entfernt.
"Goku, Gojyo, kommt ihr mit euren Waffen gegen den Bannkreis an?"
"Keine Chance, Sanzo", antwortete der junge Mann mit den goldenen Augen und legte sich seinen Stab über die Schultern.
"Jede Attacke kommt wie ein Boomerang zurück", meinte Gojyo und warf einen giftigen Blick auf das dunkle Holz.
Mit einem Nicken zog Sanzo seine Waffe hervor und entsicherte sie, "Dann versuchen wir das hier."
Jeder der bei ihm stand nahm schnellstmöglich Abstand und ging in Deckung. Er feuerte drei Schüsse ab, die zurückgeschleudert wurden und nur knapp den Schützen verfehlten.
"Das hat wohl auch keine Wirkung...", gab der Heiler zu bedenken, während sich die Herzen der anderen beruhigten.
"Moment mal!", sprang Goku auf, "Heißt das, dass ich mich wieder von Sanzo mit Mantras bekleben lassen muss?!!"
"Wann hat er denn das gemacht?", wollte Gojyo wissen und beäugte den Kleineren neugierig.
"Als wir gegen 'Gott' kämpfen mussten", erklärte Hakkai hilfsbereit mit einem Lächeln, dass Gojyo unbehaglich schlucken ließ.
"Das dauert zu lange", stellte Ito klar und ging vor der Tür auf und ab.
Seine Augenbrauen hoben sich nach einer Weile und er betrachtete die Holztore eingehend. Nachdenklich schritt er darauf zu und legte eine Hand darauf. Zischend zog er sie sofort wieder weg.
"Ito!", rief Nagi ängstlich und zog ihn von der Tür weg.
Die Handfläche des Halbdämons war gerötet und kleine Brandblasen bildeten sich, als er sie studierte. Mit entschlossener Miene ballte er sie zur Faust und verzog vor Schmerz leicht das Gesicht.
"Lassen Sie mich das sehen", verlangte Hakkai und begutachtete die Verletzung, bevor er etwas von seinem Chi in die wunde Haut fließen ließ.
Die Rötung verschwand augenblicklich. Probehalber schloss und öffnete der Halbdämon die Hand, dann lächelte er dem Heiler dankbar zu.
"Ich weiß, wie wir durchkommen", sagte er laut, "Macht den Platz frei!"
Unschlüssig was der Geflügelte vorhatte, traten alle beiseite, sodass eine Schneise entstand. Er durchquerte den Raum, trat auf den Korridor davor und bog um die Ecke. Es dauerte eine Weile, dann hörte man kräftige Flügelschläge und im nächsten Moment schoss der Halbdämon an ihnen vorbei. Geschockt wurde jedem bewusst, was er vorhatte und ein Geschrei ging durch den Raum.
"ITO, NICHT!!!", schrie Nagi kurz bevor der Körper mit dem Holz und somit mit dem Bannkreis kollidierte.
Gleich als er mit dem Schwung, welchen er aus dem Flug bezog, die Tür berührte, entstand eine gewaltige Druckwelle. Das Holz barst, der Bannkreis löste sich mit einer statischen Entladung auf und er flog wie eine Kanonenkugel in den bis dahin verschlossenen Raum.
Aus ihrer Schockstarre erwachend rannten die Sanzo-Bande, Nagi und einpaar der Mönche hinterher.
Innerhalb des Raumes fiel der Blick zuerst auf den Halbdämon der sich mühsam aufrichtete. Feine Blitze zuckten um seinen Körper herum, Blut rann aus einzelnen Schnittwunden und einer seiner Flügel hing schlaff und in einer unnatürlichen Position herunter.
Vor ihm stand ein alter Mann mit einer braunen Wanderkutte und einem weißen Haarkranz, hinter welchem fünf junge Novizen bewusstlos und bluten auf dem Boden lagen. Ihre Rücken waren von langen Schlieren überzogen.
"Verdammt! Das ist der Typ, den wir mitgenommen haben!", rief Goku aus und fletschte die Zähne.
"Ich wusste doch, dass an dem Typen etwas faul ist!", knurrte Gojyo und packte seine Sichelklinge fester.
Sanzo und Hakkai richteten ihre Waffen lautlos auf den alten Mann, der die Eindringlinge neugierig und verblüfft musterte.
"Was für eine Überraschung!", rief er aus und blickte auf den verwundeten Halbdämon, der ihn voller Hass fixierte.
Ein beinahe liebevoller Ausdruck erschien in Gis Blick.
"Ito... du bist groß geworden, Junge", lobte er und besah die Gestalt des jungen Mannes, "und hast Flügel bekommen... Ich wusste schon immer, dass du ein Engel bist. Endlich sehe ich dich in deiner vollen Pracht."
"Ich werde das Letzte sein, dass du siehst", versprach der Verwundete und richtete sich unter viel Anstrengung auf.
Erstaunen breitete sich in den Zügen des Weißhaarigen aus, "Bist du etwa hier um mir meine gerechte Strafe zu erteilen?"
"Ich werde dich dahin schicken, wo du hingehörst!"
"Ito! Ito, bitte hör auf!", drang Nagis Stimme durch den Raum.
Er rannte auf den Rothaarigen zu und legte seine zitternden Finger um Itos Handgelenk.
Der Blick des Meisters landete sofort auf der zierlichen Gestalt des Jungen, "Sieh mal einer an, da ist ja doch noch jemand..."
"Lass deine dreckigen Finger von ihm!", drohte der junge Mann und drückte den Novizen hinter sich, welcher sich bereitwillig versteckte.
Dies sendete eine buschige weiße Augenbraue die Faltige Stirn hoch, "So ist das also? Du hast mich ersetzt? Dabei hatten wir so eine schöne Zeit zusammen..."
"Du perverses Schwein!", brauste der Rothaarige auf, "Ich werde nicht zulassen, dass du jemals wieder ein Kind anfasst!"
"I-ito... wovon redet er?", ängstlich flackerten braune Augen zwischen dem gruseligen Alten und seinem älteren Freund hin und her.
Zähneknirschend fixierte der den alten Sack vor sich und sah kurz zu den am Boden liegenden Novizen, die sich immer noch nicht rührten.
"Nagi, du musst hier raus", sagte er leise und drückte den Jüngeren Richtung Ausgang, aber der klammerte sich an ihm fest und schüttelte wehement den Kopf.
Gi machte einen Schritt nach vorne, seine Mundwinkel wanderten hoch, "Wieso willst du ihn fortschicken? Er sollte es erfahren, meinst du nicht auch?"
Ein Schuss hallte unvermittelt durch den Raum.
"Wir haben genug von deinen abartigen Neigungen gehört", hallte Sanzos Stimme durch den Raum.
"Sanzo-sama! Was für eine nette Überraschung. Leider habe ich keine Zeit und würde es begrüßen, wenn Ihr an einem anderen Tag wieder kommen würdet."
"Als ob ich scharf darauf wäre mich mit Perversen abzugeben", der Blondschopf entsicherte seinen Revolver erneut und richtete den Lauf auf den Mönch, "Ich lasse dir die Wahl: verlass den Tempel und komm nie wieder oder stirb."
"Das ist nicht sehr freundlich Sanzo-sama", beklagte Meister Gi sich und stürzte die Lippen, "Ich würde es bevorzugen zu bleiben und meine Pflichten wieder auf zu nehmen. Ein paar Dinge wurden in meiner Abwesenheit grob vernachlässigt."
Kaum hatte er zu Ende gesprochen versank eine Kugel im Boden neben ihm.
"Das nächste Mal schieße ich nicht daneben", warnte der gereizte Mönch.
"Es wäre bestimmt klug zu tun, was Sanzo verlangt", meinte Hakkai mit einem kalten Lächeln, "Ich selbst wäre bestimmt nicht so gnädig..."
Beschwichtigend hob der alte Mann seine Hände und seufzte theatralisch, "Ich werde gehen... aber zuerst werde ich mir ein Souvenir mitnehmen", während er sprach, griff er in seinen Kragen und zog etwas heraus.
Ohne weitere Reden warf er ein Mantra nach Nagi. Wie von ihm geplant, zog Ito den kleineren von der Stelle und das Mantra heftete sich auf einen Flügel des Halbdämons, der in der nächsten Sekunde vor Schmerzen schreiend zu Boden ging.
Von dem Papierstück aus breiteten sich Funken aus. Innerhalb weniger Augenblicke fraßen sich Flammen die Federn seiner Schwingen entlang.
Eine Kugel bohrte sich in die Stirn des hysterisch lachenden Mannes und schickte ihn ins Jenseits.
"Verdammt, so ein Psycho! Finger weg, Kleiner!", rief Gojyo aus und zog den hysterischen Nagi von dem sich am Boden krümmenden Halbdämon weg, "Hakkai, kannst du da nichts tun?!"
Ratlos stand der Heiler daneben und schüttelte den Kopf, "Dagegen kann ich leider nichts ausrichten, Gojyo."
"Wir müssen die Flügel entfernen", meinte Sanzo und schickte Gojyo einen vielsagenden Blick.
"Hast du sie noch alle?!"
"Es ist seine einzige Chance. Wenn die Flügel ab sind, kann das Feuer nicht auf seinen restlichen Körper übergehen. Er wird es verkraften."
"Fuck! Goku, bring den Kleinen raus!", bestimmt schob der Rothaarige den widerspenstigen Knirps in die Arme seines jüngeren Reisegefährten, der den panischen Jungen packte und aus dem Raum buchsierte.
"Bereit, Hakkai?", fragte er mit einem Seitenblick auf seinen besten Freund und atmete auf dessen Nicken hin tief durch, dann holte er mit der Sichelklinge seiner Waffe aus.
Das Metall beschritt einen weiten Bogen bevor es sauber durch Haut, Fleisch und Knochen schnitt und die entflammten Körperteile abtrennte. Ito schrie und bäumte sich wegen des Schmerzes ein letztes Mal auf, dann sackte er bewusstlos zusammen. Sofort war der Heiler an seiner Seite und verschloss die blutenden Wunden.
Einpaar Meter entfernt kokelten die letzten Reste der einst roten Flügel vor sich hin und hinterließen den Geruch verbrennenden Fleisches und ein Häufchen Asche.

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Falls jemand Fehler findet darf er sie gerne behalten. Ich werd noch mal drüber lesen um gravierende Fehler aus zu bessern, aber jetzt bin ich hundemüde und werd mich für einpaar Stunden aufs Ohr haun.

Habe alles sinngemäß ausgebessert!
Gute Nacht!

See ya!
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