Neues Zeitalter

von SorajaXx
GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
Haji Kai Miyagusuku Saya Otonashi
18.11.2014
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18.11.2014 3.951
 
Hi meine lieben Leser =)
Hier hab ich mal was ganz anderes für euch. Ich habe den Anime erst vor kurzem gesehen und dennoch hat er mich so gefesselt, dass ich nicht anders konnte und sofort darüber schreiben musste *fg*
Ich hoffe es gefällt euch, wie sich meine Geschichte entwickelt =)
Viel Spass beim lesen
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Es war bereits weit nach Mitternacht, als es anfing zu regnen, doch war es kein normaler Regen. Denn dieser Regen war war wahnsinnig stark und wurde von einem unnatürlichen Wind begleitet, der die Tropfen regelrecht gegen die Scheiben der Häuser in Okinawa schlug und so einige Leute um ihren Schlaf brachte. Der Sturm wurde stärker und ein Gewitter gesellte sich dazu. Helle Blitze erleuchteten den wolkigen Nachthimmel und wurden schon kurz darauf von lautem Donnergrollen verfolgt.
Kai Miyagusuku war wach, er konnte nicht schlafen. Denn seit einigen Tagen wartete er auf etwas bestimmtes und er wusste, dass es nicht mehr allzu lange dauern würde. Er war mittlerweile 49 Jahre alt, hatte sich jedoch ziemlich gut gehalten für sein Alter. Man sah es ihm nicht an. Da er immer sehr darauf bedacht war im Training zu bleiben. Deshalb war sein Körper auch ziemlich muskulös und seine Haare waren noch immer braun, wurden jedoch von einzelnen grauen Strähnen durchzogen.
Er sass auf einem Stuhl am Fenster seiner Wohnung über seinem Restaurant, das er vor 30 Jahren wieder eröffnet hatte. Seine beiden Nichten lebten auch noch bei ihm. Doch obwohl sie selbst mittlerweile 30 Jahre alt waren, sahen sie keinen Tag älter aus als 16. Ausserdem waren es Zwillinge und sie sahen absolut identisch aus, bis auf ihre Augen. Sie hatten langes, schwarzes Haar und waren sehr schlank. Das eine Mädchen hatte rote Augen und das andere blaue. Sie schienen zu schlafen, so dachte Kai zumindest.
Er legte seinen Kopf in seine Handfläche und stützte den Ellenbogen auf die Fensterbank, ein Seufzen kam ihm über die Lippen, das ganz verdächtig wie ein Name klang. Seine Augen fielen ihm zu, sie waren schwer, er hatte die letzten Tage gar nicht geschlafen und war sehr erschöpft. Doch bevor Kai dem Schlaf nachgeben konnte, erhellte erneut ein greller Blitz den Himmel über der Stadt und ein Donnerschlag, laut wie die Explosion einer Bombe, riss ihn aus seinem tranceähnlichen Zustand. Er schreckte hoch und schaute sich verwirrt um.

"Es ist soweit!"

Die beiden Mädchen standen unweit von ihm entfernt und bewegten sich nicht. Sie starrten ihn an und hatten die Worte gleichzeitig gesagt.
Kai sprang auf und schien ganz aufgeregt zu sein.

"Seid ihr euch da sicher? Sera? Raika?", wollte er sich vergewissern.

Beide nickten synchron.

"Wir können es spüren!"

"Dann müssen wir sofort los!"

Jetzt schüttelten beide den Kopf und Kai hielt in seiner Bewegung inne und starrte sie ungläubig und verwirrt an.

"Wenn du bei diesem Sturm da raus gehst, wirst du weggeweht, Kai. Ausserdem ist er bereits dort."

Sie sprachen immer noch gleichzeitig und es klang seltsam monoton und doch hallend.

"Was? Woher wisst ihr das?", fragte er und war immer noch im begriff gleich die Wohnung zu verlassen und in den Sturm nach draussen zu verschwinden.

"Weil wir auch ihn spüren können!", war die prompte Antwort der Zwillinge.

"Mach dir keine Sorgen, Kai. Er wird sie herbringen, sobald er sie versorgt hat", sagte Sera, das Mädchen mit den roten Augen und lächelte.

Kai seufzte und liess die Schultern hängen. Da hatte er nun so lange auf diesen Augenblick gewartet und nun konnte er nichts tun, um dabei zu sein.

"Du kannst eh nichts tun, Kai", meinte Raika.

"Sie braucht ihn und das weisst du."

Ein abfällig zischendes Geräusch verliess die Kehle des Mannes und er wandte den Kopf von seinen nicht alternden Nichten ab, um wieder aus dem Fenster zu starren, verschränkte dabei aber die Arme vor der Brust.

"Das weiss ich auch. Aber ich wär gern dabei gewesen. Allerdings habt ihr wohl recht, denn das Wetter ist nicht gut. Und ihr seid euch sicher, dass er sie herbringen wird?"

Seine Stimme war bemüht ruhig, doch konnte man das unterschwellige Zittern der Nervosität heraushören. Er drehte sich aber nicht um und starrte weiter aus dem Fenster, im Zimmer war es dunkel, denn sonst war es schwer auch draussen was zu erkennen.

"Natürlich sind wir das. Er weiss, dass sie genauso gern hier her zurückkehren wird, wie sie ihn selbst sehen möchte."

Diesmal redeten die beiden wieder gleichzeitig, was Kai dazu veranlasste sich wieder umzudrehen und sie anzusehen. Ein mildes Lächeln legte sich auf seine Lippen.

"Ihr seid wirklich faszinierende und schräge, sowie verrückte Mädchen, wisst ihr das?"

Beide grinsten zufrieden und tauschten einen kurzen Blick.

"Ja das wissen wir. Das hast du uns so oft gesagt. Aber weisst du was Kai? Wir sind froh, dass wir bei dir sein können und wir dich als Vater ansehen können, auch wenn du unser Onkel bist."

Diese Worte berührten Kai's Herz, dass er sich nicht mehr halten konnte und auf die Mädchen zuging. Er stellte sich vor sie und legte um beide je einen Arm, um sie sanft an sich zu drücken. Sie gingen auf die Umarmung ein und erwiderten sie auch.

"Ich bin auch glücklich, dass ich euch bei mir habe. Ihr seid doch meine Töchter, auch wenn wir nicht blutsverwandt sind."

"Das wissen wir. Jetzt beruhige dich und warte. Er wird schon bald mit ihr hier her kommen."

Kai blieb wohl nichts anderes übrig, als auf seine Nichten zu hören und ihnen zu vertrauen. Denn sie waren keine Menschen. Das war auch der Grund weshalb sie nicht alterten und auch diverse Dinge im Umkreis spüren konnten.

Am Strand tobten die Wellen ziemlich hoch und schlugen gegen eine Klippe. Doch diese war selbst für die Sturmwellen zu hoch, so dass sie den Gipfel nicht erreichen konnten. Auf dem Gipfel war ein grosses und massives Steingebäude mit einer kleinen Tür. Davor war ein weiter Platz, der eine quadratische Form aufwies und eine lange Treppe am Ende hatte, die nach unten ins Tal und somit zum Strand selbst führte, von dem aus man nach Okinawa gehen konnte.
Ein Mann stand vor der Tür des Steingewölbes im Regen und rührte sich nicht. Der Wind umspielte seine Kleidung, die schwarz war und sowohl vorne als auch hinten eine Art Frackschösse aufwies. Seine Haare waren etwa schulterlang, doch hatte er sie mit einem blauen Band zu einem Zopf zusammengebunden. Auf seinem Rücken trug er einen schwarzen Sarg. Der Sturm liess ihn völlig kalt, es störte ihn nicht im geringsten.

"Es ist Zeit ...", sagte er zu sich selbst und nahm den Sarg von seinem Rücken.

Es war mittlerweile das Jahr 2029!

Der Mann ging in die Hocke und öffnete den Sarg, daraus nahm er ein Cello und fing an zu spielen. Die Melodie war deutlich und klar und schien die Geräusche des Sturms abzuschwächen. Seine Augen waren geschlossen und er konzentrierte sich voll und ganz auf die Musik. Das Wetter schien ihm vollkommen egal zu sein, denn er hatte ein bestimmtes Ziel und er wartete schon so lange auf diesen Moment.
Nachdem er eine Weile gespielt hatte, verstaute er das Streichinstrument wieder in dem Sarg und stellte diesen Aufrecht in der Nische vor der Tür zu dem Gewölbe ab. Dann blieb er stehen, schloss seine Augen und atmete tief durch, als wollte er etwas bestimmtes in sich aufnehmen. Sein Spürsinn war scharf und er wusste genau, dass der Augenblick gekommen war. Seine Augen öffneten sich ruckartig und er starrte einen Moment lang die Tür an, die ebenfalls aus Stein war.
Der Mann ging zu der Tür und öffnete sie langsam. Er spürte eine leichte Aufregung in sich, liess sich jedoch nichts davon anmerken, als er die Tür wieder hinter sich schloss, nachdem er das Gewölbe betreten hatte.
Im Inneren befanden sich mehrere Urnen, es war ein Familiengrab. Jedoch war in der Mitte des Grabs eine Art riesiger Kokon, der gerade Risse bekam und aufsprang. Heraus fiel ein Mädchen, das selbst nicht älter als 16 Jahre schien. Sie wirkte schwach und orientierungslos, lag am Boden und blickte nach oben. Kleidung trug sie keine. Ihr langes schwarzes Haar verdeckte den grössten Teil ihres Körpers und ihre Augen waren rot. Sie lächelte als sie den Mann erblickte.

"Haji!", sagte sie mit erstickter Stimme und wollte sich aufrichten, aber ihre Kraft reichte nicht aus.

Der Mann eilte schnell zu ihr, ging in die Hocke und hob sie sanft auf, so dass er sie auf einen Arm stützen konnte, dann entfernte er den Verband seiner rechten Hand, die nicht die eines Menschen war, sondern einer merkwürdigen Tierklaue glich und lange Krallen aufwies. Mit dieser strich er dem Mädchen die Haare aus dem Gesicht und lächelte selbst auf sie hinab.

"Saya! Endlich bist du wieder wach!", flüsterte er.

Dann setzt er sich nieder und platzierte sie auf seinem Schoss, zog sich selbst den langen, schwarzen Mantel aus und ihr über, da sie immer noch völlig entblösst war. Haji zog einen silbernen Dolch aus seiner Tasche und schnitt sich in die unnatürlich aussehende Klaue. Blut quoll aus der Wunde und er reichte die Hand Saya.
Sie schaute ihn einen Moment lang an, dann griff sie nach seiner Hand trank das austretende Blut. Ihre Augen fingen dabei an zu leuchten und sie spürte wie ihre Kräfte zurückkehrten. Leider schloss sich die Wunde an Haji's Hand schnell wieder, da er eine enorme Selbstheilung besass, aber es reichte aus, dass Saya stark genug war, für den nächsten Schritt.
Sie richtete sich auf und schlang einen Arm in den Nacken ihres Chevalier, mit der anderen Hand zog sie sein Hemd bei Seite um seinen Hals zu entblössen, ehe sie ihre Zähne darin versenkte und so noch mehr von seinem Blut trinken konnte. Haji störte das nicht, denn es war seine Aufgabe seine Königin zu stärken, ausserdem hegte er unglaublich starke Gefühle für sie und würde alles für sie tun. Geduldig wartete er, bis sie von selbst aufhörte.

"Geht es dir gut?", fragte Saya und klang dabei leicht besorgt, nachdem sie sich wieder von ihm gelöst hatte und ihn ansah.

"Ja mir geht es gut. Doch wie fühlst du dich?", gab Haji zur Antwort und legte ihr eine Hand an die Wange.

"Noch etwas verschlafen, aber mir geht es gut. Ich bin froh, dass du da bist, Haji ... Ich dachte ... damals ... Die Trümmer ..."

Sie sprach nicht weiter und schloss die Augen, eine einzelne Träne lief ihre Wange hinab und sie lehnte ihre Stirn gegen die Schulter ihres Chevalier.

"Es hat einige Zeit gebraucht bis ich wieder herauskam, aber ich habe es geschafft. Du weisst doch, dass mich nichts und niemand davon abhalten kann zu dir zurückzukommen, dich zu finden und dich zu beschützen. Du hast mir gefehlt."

Seine Stimme klang ruhig und fast schon schnurrend, doch wies sie etwas sehnsüchtiges auf, was in seinen letzten Worten verdeutlicht wurde.
Saya starrte ihn an, seine letzten Worte überraschten sie, jedoch konnte sie sich diesmal an alles erinnern, was vor ihrem Schlaf gewesen ist und darüber war sie sehr froh, deshalb legte sie ihm eine Hand an die Wange und lächelte leicht, wobei es ein bisschen gequält wirkte.

"Ja ich weiss. Ich danke dir, Haji. Ich ... ich wünschte, ich könnte das selbe sagen ...", sagte sie fast flüsternd.

Er wischte ihr die Träne aus dem Gesicht und erhob sich dann, wobei er sie auf ihren Armen trug.
Sie schämte sich ein bisschen dafür, dass sie während ihres langen Schlafs keinerlei Gefühle hatte, dies war allerdings immer so und Haji war sich dessen bewusst, aus diesem Grund war er auch keinesfalls böse, oder betrübt, über ihre Worte. Er war einfach froh, dass er wieder an ihrer Seite sein konnte.

"Das macht nichts. Alles was zählt ist, dass ich nun wieder an deiner Seite sein kann. Wollen wir dann?", fragte er.

"Haji ...", hauchte sie.

"Ja ... ich wette er wartet schon ..."

"Natürlich tut er das."

Sie schlang ihre Arme in seinen Nacken und lehnte ihren Kopf gegen seine Schulter. Haji trug sie nach draussen und wollte nach dem Sarg greifen.

"Nicht ... lass ihn noch hier, bitte. Ich würde gerne fliegen ...", sagte sie leise und schaute ihn leicht von ihrer Position her an.

"Wenn das dein Wunsch ist, werde ich es tun."

Es regnete noch immer in Strömen, jedoch hatte das Gewitter aufgehört und auch die Stärke des Windes war etwas abgeflaut, sonst hätte der Chevalier sicher auch Probleme gehabt die Richtung zu halten und nicht vom Wind davon getragen zu werden.
Haji konzentrierte sich kurz und spannte sich an, aus seinem Rücken kamen gewaltige, drachenartige, schwarze Flügel. Dann schwang er sich in die Luft und flog am Strand entlang Richtung Stadt. Saya genoss das Gefühl der Freiheit sehr und vor allem aber genoss sie es in den Armen ihres Chevalier zu sein, der sie trotz seiner Klauenhand so behutsam trug, da sie für ihn das wertvollste auf der ganzen Welt war.
Es dauerte nicht lang, bis sie Okinawa erreichten und schliesslich landete Haji vor der Tür des Restaurants.

"Lass mich bitte runter, Haji", forderte sie ihn auf.

Ohne zu zögern liess er sie sanft von seinen Armen auf die Füsse gleiten, vergewisserte sich aber noch ob sie alleine stehen konnte, ehe er sie ganz losliess. Dann liess er seine Flügel wieder verschwinden, da sie, obwohl stockdunkel war und bei diesem Wetter ohnehin niemand auf der Strassen sein würde, sehr auffällig waren und er mit diesen auch durch keine Tür passen würde.
Beide standen da und waren klatsch nass, doch das störte weder Haji noch Saya. Mit grossen Augen wandte sie den Blick nach oben und entdeckte am Fenster eine Silhouette.

"Kai?!", flüsterte sie und streckte ihren Arm nach oben aus.

"Ja, er wartet sicher. Willst du nicht reingehen?", fragte Haji.

"Doch ... sicher. Aber du kommst mit."

"Ich folge dir überall hin Saya", gab er mit ruhiger und fast schon unterwürfiger Stimme zurück.

In diesem Moment drehte sich Saya zu ihm um, die Hände verschränkte sie auf dem Rücken. Sie schaute ihn an mit ihren grossen, roten Augen und dann lächelte sie und schloss dabei einen kleinen Moment ihre Augen.
Diese Geste überraschte den Chevalier so sehr, dass er für einen Augenblick die Fassung verlor und sie auch so anstarrte. Lange Zeit hatte er sich nichts sehnlicher gewünscht, als das unschuldige, unbekümmerte Lächeln seiner Königin wieder zu sehen, doch wurde ihr Weg stets von Blut und Trauer begleitet.

"Lächle Haji!"

"Was?"

Er war so perplex über ihre Aufforderung, dass er dachte sich verhört zu haben.

"Du hast mich schon verstanden. Ich bitte dich zu lächeln."

Sie kicherte kurz und lächelte ihn immer noch so unschuldig und unbekümmert an. Ein Seufzen verliess Haji's Kehle, doch er konnte nicht anders. Saya's Lächeln war ansteckend, also erwiderte er es.

"Geht doch!", sagte sich erfreut und wandte sich wieder von ihm ab.

"Komm gehen wir rein, ehe Kai noch denkt, dass es uns im Regen gefällt."

"Saya?", hielt er sie noch kurz auf und fasste sie sanft am Handgelenk.

"Du solltest dir bewusst sein, dass 30 Jahre vergangen sind, seit du ihn das letzte mal gesehen hast. Er wird sich im Gegensatz zu uns ziemlich verändert haben."

"Ich weiss. Aber das macht mir nichts. Ich will ihn trotzdem sehen. Er ist doch mein grosser Bruder."

"Ja, du hast recht. Dann lass uns gehen."

Mit diesen Worten liess Haji seine Königin wieder los und folgte ihr in das Innere des Gebäudes. Saya's Haar war so lang dass es ihr bis in die Kniekehlen fiel, es war in den letzten 30 Jahren ziemlich gewachsen, obwohl sie in der ganzen Zeit nur geschlafen hatte.
Ausser Haji's Mantel trug sie nichts, aber dieser war so gross, dass er bis zum Boden fiel und so ihren Körper gänzlich einhüllte. Zusammen durchquerten sie das Restaurant und gingen durch eine Hintertür wieder raus, wobei sie in zu einem Treppenaufgang führte. Saya stieg die Stufen langsam nach oben, ihr Körper war zwar gestärkt, aber musste sich doch erst wieder an Bewegung gewöhnen nachdem sie so lange geschlafen hatte.
Sie knickte kurz ein und drohte zu stürzen, doch Haji packte sie sofort und stützte sie.

"Alles in Ordnung Saya?", fragte er besorgt.

"J-Ja ... mir gehts gut. Danke Haji ... es geht schon ...", antwortete sie ihm und drehte sich halb, um ihn anzusehen, da er hinter ihr stand.

Sie starrten sich eine ganze Weile einfach nur an, bis Saya ihre Hand auf die Wange ihres Chevalier legte.

"Saya was-?", wollte Haji fragen.

"Shhh ... bitte sag nichts", unterbrach sie ihn flüsternd.

Dann näherte sie sich leicht seinem Gesicht, während sich ihre Augen langsam schlossen. Haji wusste was sie wollte und freute sich sehr über diese Geste, da er sie in den letzten 30 Jahren sehr vermisst hatte. Sanft zog er sie in eine engere Umarmung, legte seine menschliche Hand an ihren Hinterkopf und kam ihr entgegen, um die wenigen Zentimeter zwischen ihren Gesichtern zu überbrücken, bis sich ihre Lippen endlich vereinten.
Saya's Herz schlug schnell und wild gegen ihre Rippen, erinnerte sie sich noch zu gut an die letzte Berührung dieser Art, weshalb sie es nun einfach genoss, es wieder spüren zu können. Auch Haji gefiel der Kuss sehr, da er Saya schon fast sein ganzes Leben lang liebt. Unendliche Sekunden lang hielt die Berührung und schliesslich trennten sie sich wieder voneinander. Sanft lehnten sie ihre Köpfe aneinander, so dass sie sich an der Stirn berührten.
Saya's Wangen waren gerötet und ihre Hand wanderte in Haji's Nacken, sie bekam kein Wort heraus, denn noch immer schlug ihr Herz ihr bis zum Hals, was ihr fast die Luft zum Atmen nahm.

"Saya? Ich werde dich hochtragen. Wir sollten hier nicht verweilen, ehe er womöglich noch vor Ungeduld runterkommt."

"In Ordnung, ich weiss."

Haji hob seine Königin hoch und sie schlang ihm die Arme in den Nacken und lehnte erneut ihren Kopf gegen die starke Schulter ihres Chevalier. Oben angekommen, liess er sie nicht wieder runter und Saya bat ihn auch nicht darum, denn sie genoss es gerade in seinen Armen zu sein.
Haji wollte an die Tür klopfen, doch da ging sie von selbst auf und Kai stand im Türrahmen. Er schien etwas konfus und doch erfreut zu sein.

"Haji?! Saya!", sagte er tonlos und blockierte noch immer den Weg in die Wohnung.

"Ich bin auch erfreut dich nach so vielen Jahren wiederzusehen Kai", meinte Haji höflich.

"Kai!", rief Saya flüsternd und musterte ihren Bruder mit grossen Augen.

Die Zeit hatte doch ziemlich an ihm genagt, während sie weder an ihr noch an Haji irgendeine Spur hinterlassen hatte.

"Haji? Du kannst mich wieder runterlassen."

"Natürlich ..."

Er liess sie langsam runter und sie entfernte sich einen Schritt von ihrem Chevalier auf ihren Bruder zu, der im Verhältnis zu früher, doch ziemlich alt wirkte.

"Kai? ... Bist ... bist du das wirklich?", fragte Saya immer noch flüsternd.

Der Mann ihr gegenüber nickte und Tränen sammelten sich in seinen Augen.

"Ja, ich bin es Saya! Ich hab dich so vermisst!"

"Ich freu mich dich zu sehen und dass es dir gut geht."

Sie konnte nicht mehr an sich halten und warf sich ihrem Bruder an den Hals, umarmte ihn stürmisch und konnte selbst die Tränen nicht mehr zurückhalten.
Haji stand einfach hinter ihr und beobachtete die Szene, er freute sich für Saya, denn er mochte es sehr, wenn sie glücklich war.

"Kai? Würdest du die beiden auch hereinbitten, oder soll Haji die ganze Zeit vor der Tür stehen bleiben?", konnte man eine Stimme aus dem Hintergrund hören, wobei sie amüsiert klang.

Überrascht darüber, löste sich Saya von ihrem Bruder und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, aber sie strahlte ihn glücklich an.

"Natürlich will ich sie hereinbitten ... ich war nur gerade etwas überwältigt. Verzeiht mir Mädchen", entschuldigte er sich und wandte sich zu den wartenden Zwillingen um, die auf der anderen Seite des Raumes am Fenster standen.

Licht brannte noch immer keines.

"Bitte kommt rein. Du auch Haji."

Haji schloss einen Moment die Augen, dann folgte er der Geste von Kai und betrat die Wohnung, wobei er die Tür wieder hinter sich schloss.
Saya war unterdessen auf die Mädchen zugegangen, wobei sie es langsam tat.

"Ihr ... seid ... Mein Gott ich fass es nicht ...", hauchte sie und hielt sich eine Hand vor den Mund.

"Hallo Tante Saya! Wir hoffen, dass du gut geschlafen hast", antworteten sie fröhlich im Chor und lächelten Saya an.

"Sie wussten, dass du sie herbringen würdest ...", meinte Kai zu Haji, während Saya sich mit ihren Nichten unterhielt.

"Natürlich wussten sie das ... Ich habe sie mehrmals besucht, während Saya schlief. Aber Kai? Du hast sicher was zum Anziehen für sie. Sie kann schlecht so bleiben, oder?", gab er zurück und nickte leicht mit dem Kopf in Saya's Richtung.

Kai zuckte zusammen und schaute zu den drei Mädchen. Erst jetzt fiel ihm auf, dass seine Schwester nur Haji's Mantel trug und er wurde leicht rot dabei, dann nickte er und verschwand in einem Nebenzimmer. Einige Minuten später kam er wieder raus und hatte ein paar von Saya's alten Kleidern dabei.

"Ich hab die aufgehoben. Ich wusste sie würde sie gebrauchen können, wenn sie wieder aufwacht."

Haji nickte nur und trat dann langsam hinter Saya, ehe er ihr eine Hand von hinten auf die Schulter legte, sich nach vorn beugte und ihr etwas ins Ohr flüsterte. Sie wurde selbst leicht rot und blickte an sich hinab, warf dann einen Blick zu Kai und nickt Haji zu, ehe sie sich von den Mädchen abwandte und zu ihrem Bruder zurückging um die Kleidung in Empfang zu nehmen.
Danach begab sie sich in einen Nebenraum und zog sich um. Als sie zurückkehrte gab sie Haji den Mantel wieder. Zusammen liessen sie sich in der Sitzecke nieder und fingen eine angeregte Unterhaltung an. Kai erzählte was sie in den letzten 30 Jahren gemacht hatten, während Haji und Saya zuhörten. Doch dann unterbrach ein seltsames Geräusch die Runde und Saya wurde abermals rot, faltete beschämt die Hände in ihrem Schoss und blickte nach unten. Aller Augen richteten sich auf sie.

"Entschuldigung ...", sagte sie leise.

Doch Kai fing an zu lachen.

"Ich dachte mir schon, dass du Hunger haben könntest. Deshalb habe ich schon einiges vorbereitet. Also mach dir keine Gedanken. Wenn man so lange geschlafen hat, muss man doch Hunger haben."

Saya lächelte beschämt, freute sich aber über die Fürsorge ihres Bruders, der sich gleich aufmachte die vorbereiteten Gerichte zu holen. Alles in allem war es eine schöne Nacht des Wiedersehens. Wenn nicht plötzlich morgens um fünf Uhr das Telefon geklingelt hätte, mit einer Nachricht, die die Freude schon bald wieder trüben sollte ...
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So das war hier erstmal an der Stelle. ich hoffe doch, dass es euch gefallen hat und dass ihr nun auch gewillt seid weiterzulesen. Im nächsten Kapitel gibt es natürlich noch ein paar mehr Details. Ich wollte hier erstma nur die Beziehung zwischen Haji und Saya verdeutlichen und ihr Erwachen beschreiben. Aber ich denke, dass das so passt =)
Also dann bis zum nächsten mal ^^
GLG eure Sora
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