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Die Schokohexe

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Chocola Aikawa Kakao OC (Own Character)
16.11.2014
31.12.2016
8
28.507
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31.12.2016 2.043
 
Hallo, ihr tollen Menschen! ^^ Hier ein obligatorisches, leicht verspätetes Weihnachtskapitel. Ihr solltet das erste Kapitel, "Schokolinsen" vorher gelesen haben! Es ist auch nicht so schlecht!

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Nur wenige Stunden bevor Chocolat Noir den Diebstahl einer Tüte Schokolinsen zu verzeichnen hatte, war noch ein weiterer Kunde da gewesen. Chocola stand gerade in der Küche und bereitete eine neue Creme mit Pistazien vor, als die Ladenglocke klingelte, also hing sie eilig ihre Schürze an die Tür und eilte hinüber in den Verkaufsraum.
„Willkommen“, begrüßte sie ihren neuen Kunden, „ich bin die Chocolatierin Chocola Aikawa. Wie kann ich Ihnen helfen?“
Der Kunde, ein junger Mann mit kurzem, karamellfarbenem Haar und angenehm grasgrünen Augen, drehte sich verdutzt zu ihr um, als wüsste er selbst nicht richtig, wo er war. Ja, das kam schon einmal vor.
„Oh, ich habe eigentlich nur einen Spaziergang gemacht und plötzlich war ich hier…“
„Kommen Sie doch erst einmal herein“, bot Chocola an, „ich mache Ihnen auch einen Tee.“
     
Wenig später saßen sie an einem der gemütlichen Tische und hielten beide eine dampfende Tasse in der Hand. Der junge Mann – er hatte sich ihr als Haruto Kobayashi vorgestellt – hatte seine eigene schon halb geleert, als Chocola beschloss, zum Geschäftlichen überzugehen.
„Und? Was ist Ihr Wunsch?“
Haruto bedachte sie mit einem verwirrten Blick.
„Was meinen Sie?“
Chocola kicherte vergnügt und stand auf. Haruto setzte seine Tasse ab und folgte ihr, zurück in den Verkaufsraum, wo sich Schokolade in allen möglichen Formen und Farben stapelte. Mit leichtem Stolz registrierte Chocola den staunenden Blick des jungen Mannes.
„Jede einzelne dieser Schokoladen erfüllt einen Wunsch“, erklärte sie, „und Sie haben ganz bestimmt einen, den Sie sich gerne erfüllen lassen möchten. Man findet meinen Laden nicht einfach aus Zufall. Also – welchen Wunsch kann ich Ihnen erfüllen?“
Haruto zögerte für einen Augenblick.
„Da wäre schon etwas“, murmelte er schließlich. Seine Wangen färbten sich leicht rötlich, als wäre es ihm peinlich, aber Chocola wartete geduldig, bis er mehr erzählte.
„Sehen Sie, eigentlich geht es mir gut. Ich arbeite als Arzt in einem Krankenhaus und verdiene gutes Geld, und über zu wenig Freizeit kann ich mich auch nicht beschweren. Aber nun ja, wie soll ich sagen… Ich fühle mich irgendwie einsam.“
„Ich verstehe…“, murmelte Chocola und drehte sich zu den Tischen um. Halb überlegte sie schon, ob sie Haruto Brownies verkaufen sollte, aber der war offensichtlich noch nicht fertig.
„Ich meine, ich habe Freunde und alles“, erklärte er und Chocola stellte die Brownies halb enttäuscht zurück, „aber es ist einfach nicht dasselbe… ich glaube, was ich mir wünsche…“
Er geriet ins Stocken, und auf einmal machte er wirklich einen sehr einsamen und verletzbaren Eindruck, als würde er tatsächlich jeden Abend ins Bett gehen und sich wünschen, dass noch jemand da wäre.
„Ich wünsche mir… jemanden, um den ich mich kümmern kann.“

Chocola brachte ihm schließlich eine Praline, eine völlig unscheinbare kleine Schokokugel.
„Das ist Marzipanschokolade“, erklärte sie, „süßes, weiches Marzipan, umhüllt von dunkler Schokolade. Es wird Ihnen Ihren Wunsch erfüllen.“
„Was kostet sie?“, wollte Haruto wissen und wühlte schon in seiner Tasche nach Geld.
„Sie hat keinen Preis, den man mit Geld begleichen kann“, antwortete Chocola, „ich hole mir meinen Lohn selbst, wenn die Zeit gekommen ist – das kann alles Mögliche sein… Lassen Sie sich darauf ein?“
„Ja, klingt fair“, meinte Haruto und griff zu.

Als der Kunde wieder zwischen den Bäumen des Waldes verschwunden war, beschloss Chocola, sich auf die Suche nach Kakao zu begeben. Es war eher ungewöhnlich, dass er ein Geschäft verpasste, und sie wollte sichergehen, dass er nichts im Schilde führte.
Sie fand den Kater im ersten Stock der Villa, an einem Fenster sitzend und mit zusammengekniffenen Augen in den Wald starrend.
„Was hast du?“, wollte sie wissen. Kakao drehte sich kurz zu ihr um, fand dann aber offenbar die Bäume wieder interessanter.
„Ich schwöre dir, da ist irgendwer“, knurrte er, „irgendwer schleicht in den letzten Tagen die ganze Zeit um den Laden herum. Das gefällt mir nicht.“
Chocola schmunzelte wissend.
„Bestimmt nichts, was dir Sorge bereiten muss… möchtest du die neue Pistaziencreme probieren?“

Haruto musste nicht lange auf die Erfüllung seines Wunsches warten.
Gleich am nächsten Vormittag, bei der Arbeit im Krankenhaus, hetzte ein Kollege auf ihn zu, als er gerade von seiner morgendlichen Visite kam.
„Morgen, Kobayashi“, begrüßte er ihn, „kannst du mir einen Gefallen tun? Kommst du in der Mittagspause zu Zimmer 109?“
„Klar. Warum?“, fragte Haruto, aber da war er schon weg.
Trotzdem tat er wie ihm geheißen, und als seine Mittagspause begann, kaufte er sich einen Schokodonut und kam danach artig zu Zimmer 109. Leise klopfte er an, und als ein ebenso gedämpftes „Herein“ ertönte, öffnete er die Tür. In dem Zimmer war nur ein einziges Bett belegt, das ganz hinten am Fenster stand. Wer darin lag, erkannte er nicht, weil sein Kollege im Weg stand.
„Wer ist das?“, fragte er. Er erntete lediglich ein Schulterzucken. Schnell kam er näher, und sein Herz brach fast entzwei.
Ein winziges Mädchen lag in dem Krankenhausbett, offensichtlich ohnmächtig und eingehüllt in mehrere Decken. Sie konnte erst fünf oder sechs sein, und trotzdem war sie in einem jämmerlichen Zustand – überall hatte sie Pflaster oder Verbände, die auf zahlreiche Verletzungen hindeuteten. Ein Blick unter die Decken verriet Haruto außerdem, dass mindestens zwei Rippen gebrochen waren.
„Was ist passiert?“
„Das wissen wir auch nicht“, antwortete sein Kollege, „wir haben die Jugendbehörde informiert, sie recherchieren gerade, wo die Kleine herkommen könnte. Aber sie braucht eine Vertrauensperson, bis wir mehr wissen.“
Haruto nickte. Vorsichtig streckte er eine Hand aus, um dem Mädchen durchs Haar zu streicheln.
„Armes kleines Ding“, murmelte sein Kollege, „ein paar Fußgänger haben sie im Wald gefunden.“
„Ich denke, ich kann mich um sie kümmern“, meinte Haruto.

Und so verbrachte er seine Mittagspause in Zimmer 109, an der Seite des kleinen Mädchens. Eine seiner Hände lag immer auf ihren Decken, und schließlich, nach einer halben Stunde, fühlte er, wie sich etwas darunter bewegte.
„Hey, bist du wach?“, fragte er mit gedeckter Stimme. Ein leises Stöhnen erklang als Antwort. Besorgt beugte er sich über sie, um zu überprüfen, ob sie Schmerzmittel bekam – tat sie, alles okay – und just da öffneten sich ihre Lider und zwei himmelblaue Augen blickten in seine eigenen.
„Guten Morgen“, begrüßte er sie, besorgt, dass sie in Panik geraten würde, wo sich doch ein großer, fremder Mann über sie beugte. Schnell zog er sich zurück und wollte auch die Hand vom Laken nehmen, aber da hatte sich schon eine zweite, viel kleinere hineingeschlichen und hielt sie fest.
„W-w-wo bin ich?“, stotterte sie.
„In einem Krankenhaus“, erklärte Haruto mit gedeckter Stimme, „alles ist okay, hier bist du sicher…“
Sie versuchte, sich aufzusetzen, aber er drückte sie sanft in ihre Matratze, damit sie sich nicht wehtat. Sie wehrte sich nicht, sondern umklammerte seine Hand wie ein Stofftier.
„Wie heißt du?“, wollte Haruto wissen.
„A-Akemi.“
„Was für ein schöner Name. Ich bin Haruto“, stellte er sich selbst vor. Akemi schaute ihn einige Sekunden lang stumm an, als würde sie eine unsichtbare Linie zwischen „Haruto“ und seinem Gesicht knüpfen.
„Ich gehe jemanden holen, okay?“
Haruto hatte sich schon halb erhoben, aber die Hand der Kleinen hielt ihn mit erstaunlich starkem Griff zurück. Ihre Augen waren groß geworden, und auf einmal war doch Angst darin zu sehen.
„B-Bitte geh nicht!“, flehte sie.
Eilig nahm Haruto seinen Platz wieder ein und streichelte ihr beruhigend das Köpfchen. Die Angst schwand, und sie versuchte, näher zu ihm zu rücken, was ihr aber erst mit etwas Unterstützung gelang.
„Hast du Angst ohne mich?“, fragte er sanft. Sie nickte.
„Aber vor mir hast du keine Angst?“
Diesmal zögerte sie, und auf ihrem Gesicht las er, dass sie sich selbst darüber wunderte, aber sie nickte wieder.
„Du bist lieb“, sagte sie schlicht, als wäre damit alles gesagt. Haruto fühlte ein breites Lächeln, das über sein Gesicht strich wie Sonnenschein, und in seiner Brust breitete sich ein warmes, flauschiges, durch und durch erfüllendes Etwas aus. Er konnte praktisch fühlen, wie die Kleine sich in seinem Herz einnistete, in eine schöne, weiche Decke gewickelt.
„Dann bleibe ich“, versprach er. Sie schien sich zu freuen. „Brauchst du noch irgendwas außer mir?“
Sie zögerte, bevor ihr ein leises „Hunger“ entkam. Daran hatte er gar nicht gedacht, sie hatte bestimmt ewig nichts gegessen.
„Schokodonut?“, bot er ihr an und hielt ihr den Teigkringel mit glänzendem Schokoguss hin. Ihre Augen wurden kugelrund… aber gleichzeitig schlich sich Traurigkeit hinein, als würde sie mit Schokodonuts unangenehme Erfahrungen verbinden.
„…darf ich…?“
„Klar, hau rein.“
Sie nahm einen großen Bissen, kaute, und ihre Augen begannen zu glänzen. Zum ersten Mal breitete sich ein Lächeln auf ihrem blassen, vernarbten Gesicht aus.
„Schmeckt es?“
„Mehr!“, verlangte sie. Haruto lachte und schenkte ihr den Rest des Donuts.
„Soll ich dir morgen wieder einen bringen?“
Sie war hellauf begeistert.

Und so verbrachte Haruto ab jetzt jede freie Minute an Akemis Seite. Er brachte ihr Süßes mit – schnell lernte er, dass sie eine große Liebe für Schokolade besaß – las ihr vor, spielte mit ihr, und wenn sie müde war, saß er manchmal einfach nur da und sah ihr zu, wie sie auf seinem Schoß friedlich schlummerte.
Als sie entlassen wurde, durfte sie bei Haruto einziehen. Sie bekam ein eigenes Zimmer mit einem eigenen Bett und eigenes Spielzeug, und sie schien im Glück geradezu zu schwelgen. Nächstes Jahr würde sie in die Grundschule gehen dürfen. Und als das Jugendamt sie zur Adoption freigab, weil nirgend Hinweise auf ihre Herkunft zu finden waren, bekam sie ganz offiziell einen Papa.
Haruto war nicht weniger glücklich mit seinem Töchterchen. Sicher, sie bedeutete eine Menge Arbeit, sie konnte nie lange alleine bleiben und der ein oder andere Kinoabend mit Freunden hatte für sie schon ausfallen müssen. Nach einigem Nachdenken war er zu dem Schluss gekommen, dass es wahrscheinlich seine Freizeit war, mit der er die Schokoladenfrau damals bezahlt hatte. Aber das war okay… wenn er jetzt nach Hause kam, erwarteten ihn Wärme und ein Lächeln und Spiele und Lachen, und das war wichtiger als alles andere auf der Welt.

Ein paar Monate lebten sie jetzt schon zusammen. Weihnachten war gekommen, ein Fest, das Akemi sofort liebte. Es hatte Geschenke gegeben – Akemi hatte eine sehr gute Ausbeute gehabt – und die Familie war da gewesen. Harutos Eltern wohnten auf dem Land, sie hatten ihre neue Enkeltochter zum ersten Mal getroffen und sofort war beidseitig sehr viel Liebe entstanden.
Jetzt, am späten Abend, waren jedoch wieder alle weg, und nur sie beide saßen noch auf der Couch, in eine warme Decke gekuschelt und die letzten Weihnachtskekse verputzend. Das Marzipan hatte Haruto sich bereits rausgepickt, aber Akemi mochte das schokoladige Zeug eh viel lieber.
„Du, Haruto?“, murmelte Akemi plötzlich.
„Was ist, mein Schatz?“
Sie klang, als hätte sie ein schlechtes Gewissen. Beruhigend streichelte Haruto ihr Haar. Sie bekam wegen seltsamer Sachen ein schlechtes Gewissen, andere würden sie nicht einmal erwähnenswert finden.
„I-Ist es… schlimm, d-d-dass… ich kein G-Geschenk für dich hatte?“
„Was?“ Haruto lachte leise. „Natürlich nicht!“
Sie schien nicht beruhigt, blickte wieder auf ihre Händchen und knetete sie beschämt. Haruto hob sie auf seinen Schoß und umarmte sie ganz feste, damit sie wusste, wie lieb er sie hatte.
„Dass ich Weihnachten mit dir feiern kann, ist das größte Geschenk überhaupt. Weißt du… bevor ich dich traf, da hab ich mir dich gewünscht.“
„Wirklich?“
Mit großen, glänzenden Augen blickte sie zu ihm auf. Haruto nickte und lächelte.
„Ich hab sogar eine gute Fee darum gebeten.“
Jetzt lächelte sie auch und kuschelte sich durch und durch glücklich in Harutos furchtbaren, aber sehr weichen Weihnachtspulli.
„Ich hab mir dich auch gewünscht“, murmelte sie. „Du bist mein Lieblingsgeschenk.“

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Es tut mir so leid, ich war ewig weg! Aber in letzter Zeit war einfach sehr viel los! Bitte vergebt mir! Hoffentlich schaffe ich jetzt wieder etwas mehr!

Ich hoffe, das Kapitel hat euch gefallen! Ich mochte es, weil ich Fluff so gerne mag. Und weil Haruto so ein sympathischer Charakter ist, der geht einem leicht von der Hand. Was denkt ihr? Ich freue mich über Kommentare, Kritik, oder ein simples Bekunden eurer Anwesenheit!

Als nächstes setze ich mich dann entweder an ein Kapitel für die Todesfee (liest keiner, ist aber Lieblingsprojekt), oder ich schreibe einen der Wünsche, die in den Kommentaren geäußert wurden. Hoffe ich zumindest.

Bis bald!
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