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Die Schokohexe

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Chocola Aikawa Kakao OC (Own Character)
16.11.2014
31.12.2016
8
28.507
4
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14.08.2016 1.990
 
Hallo zusammen! ^^ Dieses Kapitel schließt an das davor an, "Luftschokolade", also solltet ihr es gelesen haben, um alles zu verstehen. Viel Spaß!

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Der Spätsommer ging langsam in den Herbst über. Der Wald um Chocolat Noir herum legte sein grünes Kleid ab und schmückte sich stattdessen in leuchtenden Farben, in denen sich die letzten Reste der Sommerwärme zu fangen schienen. Auf den im Wald verstreuten Obstbäumen reiften die Früchte ihrer Vollendung entgegen, an den Sträuchern und Hecken im Wald hingen Blaubeeren, Brombeeren und sogar wilde Erdbeeren, über die die Waldbewohner, die nicht in wärmere Gefilde aufbrachen, sich glücklich hermachten.
Auch Chocola war auf der Jagd nach ihnen. Sie fand die Beeren und Früchte, die hier im Wald fernab von verpesteten Straßen und gedüngten Feldern wuchsen, am leckersten, und plante, Schoko-Beeren-Kuchen, Marmelade und eine neue Trüffelsorte daraus zu machen. So hatte sie sich heute Morgen mit einer langen Hose und einem Korb bewaffnet und war losgezogen; und zurzeit steckte sie in einem erbitterten Kampf mit einer Brombeerranke, die wohl Gefallen an ihrem Haar gefunden hatte.
„Kakao!“, brüllte sie, aber Kakao war offenbar zu Hause im Laden und hielt einen Mittagsschlaf. Mit einigen Flüchen, die sie normalerweise wohl nicht in den Mund genommen hätte, zerrte sie noch ein bisschen heftiger. Endlich, mit einem Ratschen und einigen ausgerissenen Haaren, konnte sie sich lösen und sank erschöpft auf einen Baumstumpf.
Über ihrem Kopf erklang das Zwitschern eines Vogels, es klang wie ein leises, freundliches Lachen, bevor es wieder zu einem munter plätschernden Lied wurde. Mit einem Lächeln blickte Chocola hinauf in die Baumkronen, wo sie den Sänger, oder eher die Sängerin, vermutete. Genüsslich schloss sie die Augen und lauschte. Mit Ausnahme des Nachtigallengesanges und des Rauschen der Blätter war alles so wunderbar ruhig und friedlich…
„Was machst du da?“
Erschrocken schlug sie die Augen wieder auf und fuhr auf die Füße. Glücklicherweise war es nur Kakao, der sich auf leisen Katzenpfoten an sie herangeschlichen hatte.
„Erschrick mich nicht so!“, empörte sie sich. Kakao kicherte und hob den Blick ebenfalls zum Blätterdach hinauf. Der Vogelgesang erstarb und ein leises Flattern war zu hören.
„Lauschst du dem Vogelgesang?“
„Nicht mehr, du hast sie ja verscheucht“, grummelte Chocola mürrisch. „Gibt es irgendeinen Grund für die Unterbrechung deines Mittagsschlafes? Ich hätte gerade Hilfe gebrauchen können, aber du hattest wohl keine Lust, zu kommen.“
„Wir haben Kundschaft“, informierte Kakao sie. Chocola begrub die Hoffnung auf einen friedlichen Herbsttag, sammelte ihren gefüllten Beerenkorb wieder ein und machte sich auf den Weg zurück.

Der Mann, der vor ihrem Laden wartete und ungeduldig an der Tür ruckelte und durchs Fenster spähte, war äußerst gut gekleidet. Er machte den Eindruck, als würde er konstant von einem Meeting ins andere hetzen und sich ausschließlich mit wichtigen Leuten treffen. Seine Krawatte saß ordentlich vor seinem blütenweißen Hemd, sein Jackett war ohne ein Stäubchen, selbst nach einem langen Weg durch das dichte Gestrüpp im Wald. Alleine an seiner Hose saßen ein paar Erdkrümel, ansonsten war sein Auftreten makellos.
„Guten Mittag“, begrüßte Chocola ihn, als sie aus dem Wald heraus und auf ihn zu trat.
„Ah, endlich kommt jemand.“
Hektisch kam er auf sie zu, aber sie ließ sich durch seine Eile nicht stören und ging einfach an ihm vorbei zur Ladentür. Er folgte ihr hartnäckig.
„Könnten Sie mir vielleicht den Weg aus diesem Wald zeigen? Die Mittagspause endet gleich, und ich habe eine Pressekonferenz, zu der ich dringend erscheinen muss…“
„Kommen Sie doch erstmal herein“, bot Chocola an. Er schien unzufrieden damit, folgte ihr dann jedoch mangels besserer Alternativen. Sie wies ihn einem Tisch zu und brachte Tee.
„Milch oder Zucker?“, erkundigte sie sich höflich.
„Dafür habe ich keine Zeit!“, beschwerte er sich, „ich muss um Punkt drei in der Polizeiwache sein, das ist schon in zehn Minuten!“
„Zu welchem Zweck?“, fragte Chocola unbeeindruckt, setzte sich und trank einen Schluck von ihrem eigenen Tee. Der Mann schien einzusehen, dass Chocola ihm nicht verraten würde, wie er zurück in die Stadt käme, solange ihre Neugierde nicht gestillt wäre.
„Haben Sie von der verschwundenen Sängerin gehört? ToTo? Ich bin ihr Manager. Auf der Konferenz geht es um den Stand der Ermittlungen.“
Ein Funke Erkenntnis blitzte in Chocolas Augen auf. Interessiert setzte sie die Teetasse ab.
„Ihr Verschwinden ist bestimmt unschön für Sie, nicht wahr?“
„Und wie!“, raunzte der Manager schlecht gelaunt. „Mir entgehen Gewinne in Millionenhöhe! Ich hatte Konzerte und Werbeaufnahmen für sie angesetzt!“
Etwas leiser fügte er „Diese kleine Ratte wird noch mein Ruin sein!“ hinzu. Chocola hörte es trotzdem und warf einen scheinbar beiläufigen Blick aus dem Fenster.
„Wünschen Sie sie sich zurück?“
„Natürlich!“, blaffte der Mann. Chocola lächelte hinterlistig.
„Bitte warten sie kurz.“

Als sie zurückkam, trug sie einen Teller mit einem kleinen Würfel, der scheinbar aus Schokolade zu bestehen schien. Der Mann zog ein verdattertes Gesicht, als sie ihn vor ihm absetzte.
„Wenn Sie Tori zurückhaben möchten, dann essen Sie!“, forderte Chocola ihn auf, „das ist Guimauve. Es wird jeden finden können, den Sie suchen.“
Seine Verwirrung wich und wurde von einem boshaften Lächeln ersetzt.
„Sind Sie verrückt geworden, Lady?“
Da sie solche Aussagen gewohnt war, lächelte Chocola nur milde.
„Meine Schokolade erfüllt Wünsche zu einem Preis. Aber ich verspreche, wenn sie nicht funktioniert, dann werde ich Ihnen nichts berechnen.“
Das wirkte. Der Mann griff nach dem kleinen Würfel und hatte ihn in einem Bissen verschlungen.
Die Luft über dem Tisch begann zu flimmern. Erschrocken sprang er auf. Aus dem Flimmern wurde ein silbriges Leuchten, als hinge dort ein kleiner Stern in der Luft. Alles wurde in das helle Licht getaucht, und beide mussten die Hände über die Augen legen, so sehr blendete es. Ein lautes Rauschen und ein Windstoß fegten durch den Raum.
Und dann war alles still – mit Ausnahme des panischen Trillerns einer gefangenen Nachtigall.

Auf dem Tisch, wo eben noch ihre Teetassen gestanden hatten, war ein silberner Vogelkäfig erschienen, und darin saß ein kleiner, unauffälliger, brauner Vogel. Ängstlich schlug er mit den Flügeln, hatte aber kaum Platz, sie auszubreiten.
„Ah, da ist sie.“ Chocola wies auf den Käfig. „Da ist Tori.“
Der Mann starrte den Käfig stumm an. Sein Gesicht färbte sich langsam pink, dann rot. Chocola bemerkte eine Vene, die an seiner Stirn zu pochen begann.
„Wollen Sie mich für dumm verkaufen?“, fragte er, leise und bedrohlich.
„Nein“, erklärte sie entschieden, „auch Tori hatte einen Wunsch an mich. Sie wollte das Leben als ihre Puppe beenden, und dafür nahm ich ihre menschliche Gestalt.“
„Miststück!“, keifte der Mann. Es war unklar, ob er Tori oder Chocola meinte.
„Ich lass mich doch nicht verarschen! Ich…“
Er hielt kurz inne, durchbohrte die arme Nachtigall mit seinem Blick und ihm wurde wohl klar, dass Chocola die Wahrheit sagte.
„Ich brauch kein hässliches Hühnchen!“, brüllte er wütend, „wie kann sie es wagen…?! Wie…!“
Ihm schienen vor Wut die Worte zu fehlen, er stolperte über seine Zunge und stotterte. Plötzlich holte er aus und donnerte seine Faust gegen den Käfig, er wurde mitsamt Tori vom Tisch gefegt. Mit einem lauten Scheppern schleuderte er zu Boden. Kakao sprang und stoppte ihn, bevor er weiterrollen konnte.
„Wenn Sie randalieren wollen, verlassen Sie mein Geschäft bitte.“
Mit einem kühlen Gesichtsausdruck schob Chocola sich zwischen den Manager und den Käfig. Er wirkte verdutzt, aber nicht wesentlich weniger wütend, als sie sich ihm in den Weg stellte. Offenbar war er das nicht gewohnt.
„Schön!“, blaffte er sie an. Er drehte sich um, stürmte zur Tür hinaus, und als er sie zuknallte, klirrte das Glas in den Fenstern.

„Was für ein unangenehmer Mensch“, stellte Chocola fest. Kakao trat neben sie, er hatte seine Menschengestalt angenommen und reichte ihr Toris silbernen Käfig.
„Ist alles bei ihr in Ordnung?“, erkundigte sie sich und nahm ihrem Dämon den Vogel ab.
„Sieht so aus“, antwortete Kakao und trat ans Fenster, um zu überprüfen, ob der Manager auch tatsächlich verschwand. Chocola öffnete unterdessen die Käfigtür, und eine zerzauste, aber unverletzte Nachtigall hüpfte auf ihre Hand.
„Ich entschuldige mich für die rohe Behandlung, Tori. Ich habe damit gerechnet, dass er mir nicht glaubt.“
Tori zwitscherte, sie schien Chocola zu vergeben.
„Falls du eine Entschädigung möchtest… du kannst mit zur Pressekonferenz kommen, das wird sicher lustig.“

Der Manager stapfte unterdessen immer noch rauchend vor Wut durch den Wald. Er hatte den Pfad zurück gefunden – endlich! – und er war viel zu spät dran.
Er schnaubte, als er an die Verrückte in ihrer Drecksbude dort hinten dachte. Wie kam es, dass sie ein Recht hatte, hier zu wohnen und einen Laden zu betreiben? Wahrscheinlich wäre er besser dran gewesen, wenn er einfach daran vorbeigegangen wäre. Sobald er diese dämliche Pressekonferenz hinter sich gebracht hatte, würde er sich bei der Polizei nach ihr erkundigen.
Endlich erblickte er den Stadtpark wieder zwischen den Bäumen, und da stand auch schon sein Wagen. Der Chauffeur stand daneben und rauchte in aller Seelenruhe eine Zigarette.
„Legen Sie das weg! Zur Polizeiwache!“, blaffte er ihn an. Wohl dem Zorn seines Bosses aus dem Weg gehen wollend, schmiss der Chauffeur die Kippe schnell weg und tat, wie ihm geheißen.
Die Pressekonferenz hatte schon lange angefangen, als er endlich da war. Eilig sprang er aus dem Wagen und ging in die Polizeiwache hinein. Er kannte den Weg zu den Konferenzräumen.
„Sir?“, fragte die Polizistin am Schalter, sie klang verdutzt.
„Ich bin im Fall ToTo hier“, erklärte er ungehalten und ging an ihr vorbei.
An der Tür, hinter der die Konferenz stattfand, hielt er inne und lauschte. Gedämpfte Stimmen drangen hinaus. Es sollte nicht zu sehr auffallen, wenn er hineinkam und sich an seinen Platz schlich, er würde seine Sekretärin um eine Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse bitten müssen.
So leise wie möglich öffnete er die Tür und versuchte, unauffällig hineinzutreten. Doch sobald er einen Fuß in den Raum setzte, breitete sich plötzlich Totenstille aus. Jeder einzelne Kopf drehte sich zu ihm um.
Nervös hielt er inne. Ihre Mienen verunsicherten ihn, einige schienen überrascht, ihn zu sehen, andere wirkten sogar feindselig. Was war denn los? Das war nicht das erste Mal, dass er zu spät kam.
Und dann sah er es. Hinter dem leitenden Ermittler und seiner Gruppe, auf die Wand war sein Foto projiziert – und darüber, in dicken, roten Buchstaben das Wort „Hauptverdächtiger“.
„Was hat das zu bedeuten?“, fragte er scharf. Die Polizisten am Ende des Raumes erhoben sich.
„Sir, wir müssen Sie festnehmen…“
Entsetzt stolperte er rückwärts.
„Was werfen Sie mir vor?“, wollte er wissen. Doch nicht etwa das Verschwinden von ToTo?
Die Journalisten in den ersten Reihen drehten sich um und ließen ein Blitzlichtgewitter los. Er hob den Arm vors Gesicht und stolperte rückwärts. Was sollte das? Morgen würde er in allen Zeitungen erscheinen… Sein Ruf war ruiniert!
Er wollte weg, fliehen, aber von hinten legte sich eine Hand auf seine Schulter. Es war die Polizistin vom Schalter am Eingang, und sie hatte Verstärkung mitgebracht.

Die Verhaftung verlief wenig würdevoll. Der Manager schrie zunächst und verlangte einen Anwalt. Mehrere Polizisten mussten ihn festhalten. Dann, als er die Aussichtslosigkeit seiner Situation bemerkte, sank er in sich zusammen und wimmerte beinahe, immer gefangen vor den Linsen der Kameras und in den Blicken der Reporter. Vor dem Fenster, in den Ästen einer Linde, war noch eine weitere Zuschauerin.
„Ist doch amüsant, nicht wahr, Tori?“, erkundigte sich Chocola, die unten am Baum stand, aber natürlich trotzdem von den Vorgängen im Inneren des Gebäudes wusste.
„Selbst, wenn sich seine Unschuld herausstellt, wird die Meute ihn doch nie alleine lassen… wer die Freiheit anderer so gering achtet wie er, der kann mir auch die eigene als Bezahlung geben.“
Zufrieden grinsend spielte sie mit der kleinen Kristallflasche in ihrer Hand.
„Arrogantes Wesen, das andere in seine Ketten schlägt – stürze hinab in die schwarze Finsternis!“

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Ja, ich weiß - die Guimauve gab es im Manga schon. Ich hoffe, das macht niemandem etwas aus. Das hier ist auch nur ein kleines Kapitel, weil ich fand, der Typ aus dem letzten Kapitel sollte noch irgendwie bestraft werden. Ich hoffe, es hat euch gefallen! Wenn ihr Lust habt, freue ich mich natürlich über eine Rückmeldung! ^^
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