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Die Schokohexe

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Chocola Aikawa Kakao OC (Own Character)
16.11.2014
31.12.2016
8
28.507
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08.02.2016 5.302
 
Diesen Vorsatz behielt Haru sich ganz fest im Herzen. Sie würde tapfer sein und den ersten Schritt wagen. Am nächsten Morgen stand sie extra früh auf, um selbst ein extragroßes Bento zu machen. Sie könnte Rei zu sich und Saki und Emi zum Mittagessen einladen. Dann wäre sie nicht allein und könnte mit ihr reden. Und Rei und Emi könnten sich vertragen. Es gab ja eigentlich nichts zu streiten zwischen den beiden, oder? Emi war doch nett. Es würde sicher klappen.
Du meine Güte, sie war so aufgeregt. So etwas Großes hatte sie noch nie vorgehabt.
„Haru-chan? Was machst du denn da?“
Mit einem glücklich-aufgeregten Grinsen drehte sie sich zu ihrer Mutter um.
„Bento!“
Ihre Mutter umarmte sie von hinten und blickte ihr dabei über die Schulter. Es sah nicht schlecht aus, fand Haru. Sie hatte mehr Schokoerdbeeren gemacht, eine Extraportion diesmal. Und auf ihre Onigiri hatte sie glückliche Gesichter gemacht.
„Wofür denn so viel?“, erkundigte ihre Mutter sich und Haru erzählte ihr von Emi, Saki und Rei.
„Wirklich?“
Sie machte ein erstauntes Gesicht, als Haru erklärte, dass sie Rei zum Essen einladen wollte, aber dann lächelte sie, breit und glücklich, und umarmte Haru noch fester.
„Du suchst dir also Freunde, mein Schatz. Das ist prima! Ich bin so stolz auf dich!“
Haru lachte mit ihr. Komisch, heute war sie nicht so nervös wie gestern.

Auf dem Weg zur Schule rannte sie ein bisschen, aber nur ein bisschen. Nur so viel, dass niemand es bemerken würde. Sie erreichte den Schulhof, und nachdem sie nervös allen „Guten Morgen!“ schreienden Schülern ausgewichen war, machte sie sich auf die Suche nach Emi, Saki und Rei. Ihr Herz klopfte ganz unglaublich fest bei dem Gedanken daran, sie alle zusammenzuführen. Aber das zitternde Ding in ihrer Brust war nicht da.
Leider fand sie auf dem Schulhof keinen von ihnen und sie sah ein, dass sie wohl schon am Klassenzimmer waren. Also eilte sie die Treppen hoch an allen anderen Schülern vorbei, bis sie an ihr neues Zimmer kam. Auf dem Gang stand keiner mehr. Hm, sie mussten wohl schon drinnen sein.
Sie rannte auch hinein und wollte schon (ganz leise) nach Emi und Saki rufen, aber da erstarrte sie.
Die ganze Klasse drängelte sich vor die Tafel und schien irgendetwas zu lesen. Ganz oben hatte jemand mit dicken Kreidestrichen etwas geschrieben…
„KAGEYAMA IST EINE SCHLAMPE!“
Aber wer tat so etwas denn?
Eilig drängte Haru sich nach vorne an die Tafel, wo alle standen und wild diskutierten. Ein Zettel hing dort, mit unsauberer Schrift bekritzelt, aus einem Schulheft gerissen und mit Klebeband aufgehängt. Der Text war ähnlich freundlich wie die Kreideschrift.

„Kageyama hat gestern in der großen Pause Sakai-kun bedrängt und belästigt!“

…Was?
Haru wurde auf einmal ein bisschen übel. Wie gemein…! Wie konnte jemand so etwas tun? Es stimmte doch noch nicht einmal!
„Dieses Flittchen!“
„Kommt hier rein und glaubt, alles gehöre ihr!“
„Der arme Sakai-kun!“
Die Gesprächsfetzen schlugen Haru nur noch mehr auf den Magen, als sie aus der Masse heraustaumelte und zu ihrem Platz hinüberschlich. Saki und Emi schienen die Nachricht auch gelesen zu haben. Sie saßen an Emis Tisch und unterhielten sich leise. Oh, Sakai-kun war auch bei ihnen… Er musste doch genauso geschockt wie sie sein, richtig? Er hatte es doch aus erster Hand miterlebt! Er hatte doch Rei angesprochen und nicht umgekehrt.
Trübselig ließ sie sich auf ihrem Platz nieder. Rei war auch schon da. Ihr schien die Situation recht egal zu sein.

Den Vormittag über blieb alles einigermaßen ruhig. Die Luft im Klassenraum schien so dick, dass man sie schneiden könnte, und ständig warf jemand böse Blicke in Reis Richtung, aber niemand sagte etwas. Die Schrift an der Tafel verschwand mit dem ersten Lehrer, der ihnen eine Matheaufgabe erklären wollte.
Aber als es zur Mittagspause läutete, war es mit der Ruhe vorbei. Haru klammerte sich erschrocken an ihre Tasche, die sie bei sich auf den Schoß gelegt hatte. Der Lehrer verließ das Klassenzimmer und schon war alles Freiwild.
Alle möglichen Köpfe drehten sich auf einmal zu Rei um, die in aller Seelenruhe ihre Tasche einpackte. Haru fühlte, wie ihr Herz schmerzhaft kräftig zu schlagen begann und ein Haufen Espenlaub, zitternd im Wind, lag in ihrer Brust.
Saki und Emi standen auf und nahmen ihre Taschen.
„Kommst du, Haru?“, fragte Emi.
Aber Haru konnte doch Rei jetzt nicht alleine gegen den Rest der Klasse lassen. Die würden sie doch massakrieren!
Die Jungen verließen den Raum. Die Mädchen standen schon auf und drehten sich zu Rei um, mit mörderischen Gesichtern. Rei sah weiterhin völlig unbeeindruckt aus. Jetzt stand sie auf und holte ihr eigenes Mittagessen aus ihrer Tasche, musste dann aber feststellen, dass der Weg nach draußen blockiert war.
„Kann ich euch helfen?“
Für einen Moment herrschte Stille.
Und dann brach die Menge in ein ohrenbetäubendes Geschrei aus. Haru verstand nicht einmal, was sie alle sagten, sie schienen einfach blind vor Wut Rei niederschreien zu wollen. Sie musste sich auf ihre Seite stellen, ihnen sagen, dass die Anschuldigungen nicht stimmten, denen sie so blind glaubten…!
Aber sie konnte nicht.
Ihre Füße, ihre Zunge, ihr ganzer Körper schien aus Stein, und sie bewegte sich erst, als Emi sie packte und aus dem Klassenzimmer schleifte.

Sobald sie sicher auf dem Schulhof saß, neben Emi und Saki, die glücklich plauderten, begannen Tränen, Harus Wangen herabzukullern. Ihr tat Rei leid, so unglaublich leid! Sie war vollkommen unschuldig, und trotzdem schon auf der Abschussliste der ganzen Klasse… dabei war sie doch gar nicht so schlimm!
Sie musste an gestern denken, als Rei selig und ruhig Unkraut gejätet hatte, und an ihr Lächeln, das so fern von jeglicher Bosheit war, die man ihr entgegenbrachte.
Das war so falsch, und sie war so hilflos. Ein paar neue Tränen kullerten ihre Wangen herunter.
„Du meine Güte, Haru, was ist denn los?“
Saki klang genervt. Vielleicht war sie zu laut gewesen.
„M-m-mir tut Rei l-leid…“, schluchzte Haru. Beschämt über ihre Tränen senkte sie den Blick auf ihre Bentobox, aber dann erinnerte sie sich, dass Rei eigentlich jetzt hier bei ihnen sein und zu Mittag essen sollte und sie wurde noch viel trauriger.
„Ts“, machte Saki.
„Das muss sie nicht“, antwortete Emi. „Sie hat es doch verdient! Hast du den Zettel nicht gelesen?“
Haru schüttelte den Kopf und nickte und gab dann auf, ihre Antwort per Gestik zu übermitteln.
„Aber das ist doch falsch, das wisst ihr doch, o-oder? W-wir haben es doch gesehen…!“
Saki und Emi wechselten einen recht ungläubigen Blick.
„Ja, wir haben es gesehen. Wir haben gesehen, wie Rei Sakai-kun angemacht hat, und danach war sie auch noch frech zu uns!“
Was…? Wie konnten sie das glauben… das musste ein Missverständnis sein. Saki und Emi waren doch so lieb, das würden sie niemals glauben!
„A-Aber… aber…“
Doch Saki unterbrach sie. Haru war für einen Moment… sie wusste es nicht, genervt? Aber dann froh, dass sie ihre Freundschaft nicht durch etwas Unüberlegtes gefährdet hatte.
„Schaut mal, wer da kommt!“

Diesmal ging Haru freiwillig mit, als sie zu Rei hinübergingen. Vielleicht konnte sie vermitteln, und dann würde doch noch alles gut. Hoffentlich… bitte, bitte. Sie schickte ein Stoßgebet irgendwohin, hoffentlich hörte sie jemand.
Rei sah ihnen entgegen und hob eine Augenbraue. Sie sah nicht so aus, als hätte sie eben noch ein Rudel wütender Furien abwehren müssen. Sie sah vollkommen normal und unbeeindruckt wie üblich aus, und sie hörte nicht einmal auf, zu essen, als Saki und Emi ihr gegenüber standen.
„Hey, Rei!“
Oh, Emi klang unerwartet freundlich. Vielleicht wurde ja doch alles gut! Saki kicherte.
Rei blickte auf und ihr Blick verdunkelte sich. Es sah aus, als hätte sich eine Gewitterwolke vor ihr sonniges Gesicht geschoben, das eben noch glücklich über das Mittagessen gewesen war.
„Hast du schon neue Freunde gefunden?“
Haru war für einen Moment verwirrt, für eine höfliche Frage klang Emis Ton zu… unhöflich. Rei schien das genauso zu sehen. Ohne ein Wort beugte sie sich wieder über ihr Mittagessen. Ihr Omelett schien interessanter als Emi und Saki zu sein.
„Wie haben die anderen dich genannt, huh?“, fragte Emi, „ich fand, „blöde Schlampe“ war kein schlechter Anfang! Na los, erzähl doch!“
Etwas war ganz furchtbar falsch. Wollten sie sich doch streiten? Das war nicht gut! Das war ganz übel!
„Das ist nicht nett, Emi“, murmelte sie, aber zu leise, als dass irgendjemand sie gehört hätte.
Rei schwieg weiter. Emi und Saki schienen von ihrer Ignoranz nur angestachelt.
„Du hast es verdient, weißt du?“, verkündete Saki, „du bist wirklich eine blöde Schlampe! So wie du gestern mit uns geredet hast!“
„Hey…“, machte Haru. Rei blickte auf und hob eine Augenbraue.
„Ich hatte mich schon gefragt, wer die Tafel verschönert hat.“
Beschuldigte Rei etwa Emi und Saki? Aber die waren es doch bestimmt nicht, oder?
„Glaubst du wirklich, sie waren es? Ich denke nämlich… nicht…“
Alle drei starrten Haru an. Sie wurde rot und schrumpfte. Tränen brannten in ihren Augen. Ihre Freundinnen sahen so wütend aus… und Rei schnaubte.
„Sei nicht so naiv.“
Sie wandte sich wieder Emi und Saki zu.
„Und ihr beiden, lasst mich einfach in Ruhe, okay? Ich sagte es bereits, aber ich will keinen Ärger!“
Emi fauchte.
„Du hast schon welchen, dumme Kuh!“
Wirklich, diese Aggressivität machte Haru ganz übel. Sie fühlte ihre Augen schon wieder brennen. Das war schon das zweite Mal, dass sie in dieser Pause weinen musste.
„Geht weg. Wirklich, ihr seid so kindisch.“
Da rollten die ersten Tränen. In einer Ecke ihres Kopfes regte sich ein dumpfer Schmerz. Das Ding in ihrer Brust zitterte.
„Du kannst uns gar nichts befehlen!“
„Schau uns gefälligst an!“
Es gab ein dumpfes, klatterndes Geräusch. Reis Mittagessen landete auf dem Boden.
Das Ding in Harus Brust zitterte nicht mehr. Es schrie und wollte heraus. Sie begann, laut zu schluchzen; alles geriet außer Kontrolle und sie hatte Angst.
In Reis Augen brannte der Zorn.
Emi und Saki bebten vor Hass.
Sie sollte dazwischen gehen, sie stoppen, einen Lehrer holen, vielleicht einfach nur laut schreien – aber sie konnte nicht. Sie hatte einfach nicht den Mut.
Ein Donnerwetter brach aus Reis Mund; wie schwarze Kugeln prasselten ihre Worte auf Emi und Saki ein und trafen Haru mitten ins Herz. Emi und Saki wurden zu wütenden Drachen mit weit aufgerissenen Mäulern, aus denen heißes Feuer strömte und Rei und Haru verbrannte.
Sie ließ die Taschen fallen, die sie getragen hatte und rannte um ihr Leben.

Es dauerte lange, bis der Panikschleier um sie herum sich lüftete, und ihr angstgetriebener Körper ermattete. Ihre Beine zitterten und knickten ein, doch anstelle von hartem Asphalt landete sie auf weichem Moos.
Verwirrt blickte sie sich um. Wo war sie hier gelandet? Es musste der Wald sein, der an den Stadtpark grenzte, aber ein Teil, den sie noch nie betreten hatte. Die Bäume standen so dicht hier, es war ein Wunder, dass sie zwischen ihnen hindurchgeschlüpft war, ohne gegen einen von ihnen zu rennen. Sie lauschte, aber nur Vogelgezwitscher und Blätterrauschen drangen an ihr Ohr. Die Stimmen anderer Menschen, das Rauschen der Stadt und die läutenden Schulglocken mussten weit weg liegen. Hier war sie erst einmal sicher.
Müde zog sie die Knie an ihr Kinn und lehnte sich gegen die raue Rinde eines besonders großen und alten Baumes. In was für ein Schlamassel sie nur hineingeraten war… nicht nur, dass sie sich verirrt hatte. Ach verdammt, am liebsten wollte sie nie mehr zurück! Saki und Emi würden wütend sein, weil sie etwas gegen sie gesagt hatte, und da war Rei, vor der sie nun Angst haben müsste…
„Sei nicht so naiv“, hatte sie gesagt. Aber Haru verstand nicht, warum. Ihre Freundinnen waren doch so lieb, wenn sie das Mittagessen von Harus Mutter teilten oder die Hausaufgaben abschreiben wollten und sie anbettelten. Sie würden das Rei nicht antun. Und Rei hatte bestimmt nicht gelogen, als sie von Sakai-kun geredet hatte. Jetzt war sie auch noch verwirrt. Was sie wohl brauchen würde, um sich hier im Wald ein neues Leben aufzubauen? Sie hatte keine Lust mehr auf Streitereien…
„Miau!“
Erschrocken fuhr sie hoch. Zwei gelbe Schlitzaugen starrten sie aus dem Unterholz vor ihr an – eine schwarze Katze.
„Was machst du denn hier?“, murmelte sie. Egal. Sie war weich und bestimmt gut zum Anlehnen und Schmusen. Dachte sie zumindest, denn die Katze wich schnell zurück, als Haru ihre Hände nach ihr ausstreckte.
„Warte!“, rief sie, aber das Tier flitzte fort, sprang elegant über Äste und schlüpfte unter Wurzeln hindurch. Ächzend richtete Haru sich auf und folgte ihr stolpernd. Ihre Augen waren fest auf den tanzenden Schweif vor ihr geheftet. Bald schon brannte der Atem wieder in ihrer Kehle und feine Schweißtropfen standen auf ihrer Stirn. Sie wollte anhalten – aber da stoppte auch die Katze und drehte sich mit erwartungsvollem Blick zu Haru um.
„Was willst du denn bloß von mir?“, wunderte sie sich, doch dann hob sie den Blick und ein überraschtes „Oh!“ entkam ihr.
Sie stand auf einer weiten Lichtung, auf der eine schöne, cremeweiße Villa gebaut war. Ein süßer, einladender Duft wehte aus den geöffneten Fenstern zu ihr hinüber… Schokolade? Haru sog ihn genussvoll ein, während ihre Augen über den Schriftzug wanderten, der über dem Tor geschrieben war. „Chocolat Noir“, murmelte sie leise vor sich hin.

Eine junge Frau wartete an dem schmiedeeisernen Gatter auf sie. Die schwarze Katze sprang ihr auf den Arm, und als sie ihren Blick wieder Haru zuwandte, zuckte die unwillkürlich zusammen. Sie hatte tiefe, geheimnisvolle Augen in einem schönen, blassen Gesicht, das von violettem Haar umrahmt war. Ihre Kleidung hätte in ein Puppenhaus passen können, so rüschig und süß war sie; und doch ging etwas Gefährlich-mysteriöses von ihr aus.
„H-Hallo“, begrüßte Haru sie unsicher. Ihre Schüchternheit war wieder da. Wunderbar.
„Haru Akari.“
Ihre Stimme war für einen Moment rauchig und wie Nebel, der etwas Verborgenes umhüllte. Woher kannte sie überhaupt Harus Namen?
„Du siehst erschöpft aus. Komm doch rein! Möchtest du einen Milchshake? Er geht aufs Haus!“
Und schon klang sie wieder ganz normal. Haru fühlte ihre Befangenheit dahinschmelzen im Angesicht eines schönen, leckeren Getränks, das ihre brennende Kehle kühlen würde.
„Ja, gerne…“
Sie folgte der Frau in die Villa. Es war ein Laden, wie sie bei näherer Betrachtung feststellte, ein Schokoladen-Laden. Die Schaufenster waren voll mit aufwendig verzierten Torten und Schokolade in Form von Tieren und kleinen Eiern und Schlössern und Schlüsseln. Drinnen stapelten sich Gläser mit Konfekt und Pyramiden von Pralinen und kleinen, runden Kuchen in braun und rosa, die sie noch nie gesehen hatte.
Ein flauschiger Sessel wartete auf sie, in den sie sich erschöpft fallen ließ, und einige Minuten später stellte die Frau einen großen Milchshake vor ihr ab und setzte sich ihr gegenüber hin. Gierig trank sie die ersten Schlucke – das tat wirklich gut.
„Was hat dich hierhin verschlagen?“, erkundigte sich die Frau. Ihr durchdringender Blick, mit dem sie Haru eindringlich musterte, war unangenehm, aber sie würde nicht die Frechheit besitzen, sich bei jemandem zu beschweren, der sie eingeladen hatte.
„Ich habe einen Spaziergang gemacht“, log sie. Ihre Wangen wurden rot, hoffentlich würde die Dame denken, es sei noch wegen der Erschöpfung.
„Während der Schulzeit?“
Beschämt senkte sie den Blick. Die Frau kicherte.
„Wer meinen Laden findet, der hat einen Grund, hier zu sein… rennst du vor Rei Kageyama weg?“
Was? Überraschung und Schreck machten sich in Haru breit. Woher wusste die Frau das? Hatte sie sie verfolgt?
„Woher…?“
„Rei Kageyama“, unterbrach die Frau sie, „war eine Kundin von mir. Ich führe keinen normalen Laden, musst du wissen. Ich erfülle Wünsche.“
„Wünsche…?“, begann Haru. Drei Sätze hatte sie gesagt, und die dreifache Anzahl an Fragen in ihr aufgeworfen.
„In der Tat. All das hier…“
Sie wies mit einer weiten, ausladenden Geste auf die Regale und Tische und Vitrinen.
„…sind Zauberschokoladen. Jede erfüllt ein anderes Verlangen.“
Sie stützte den Kopf auf die Arme und musterte Haru wieder mit diesem durchdringenden Blick, mit dem sie direkt in ihr Herz zu schauen schien, um all ihre Geheimnisse zu lesen.
„Also, warum bist du hier?“
„Was hat Rei sich gewünscht?“, platzte es aus Haru heraus. Die Frau lächelte geheimnisvoll.
„Das sind vertrauliche Kundendaten, die kann ich nicht herausgeben… du musst sie schon selbst fragen!“
Aber das ging doch nicht! Plötzlich brodelte Wut in Haru hoch, für einen kurzen Moment nur verfluchte sie diese komische Frau  mit ihrem provokanten Lächeln und ihrem mystischen Getue.
„Das will ich ja!“, rief sie. „Ich will ja mit Rei sprechen! Aber ich kann nicht! Ich traue mich einfach nicht!“
Da, jetzt war es raus. Jetzt könnte sie auch gleich weitermachen.
„Ich will ja wissen, was mit ihr ist, und warum sie so kalt und abweisend ist, warum sie Blumen so sehr mag, und warum ihr egal ist, was andere von ihr denken! Aber Emi und Saki werden sauer sein, wenn ich das tue, weil sie sauer auf Rei sind, weil jemand Lügen über sie an die Tafel geschrieben hat, und ich weiß, dass sie nicht stimmen und möchte ihr beistehen, aber…“
Sie holte Luft.
„Rei verdächtigt Emi und Saki, und das würden sie niemals machen und jetzt streiten sie sich und… ich kann einfach nicht mit ihr reden! Ich habe Angst vor ihr!“
Endlich war sie fertig. Ihr Gesicht brannte, und sie war ganz außer Atem. Tränen standen ihr in den Augen. Schnell nahm sie noch einen Schluck von dem köstlichen Milchshake, um sich hinter dem Glas zu verstecken.
„Ich verstehe.“
Das war bestimmt eine glatte Lüge. Kein Mensch hätte verstehen können, was sie gerade für einen Mist von sich gegeben hatte. Aber die Frau stand auf und marschierte zielstrebig zum anderen Ende des Ladens. Als sie zurückkam, hielt sie ein Silbertablett in den Händen – mit einem kleinen, unscheinbar aussehenden Schokoladenstück.
„Iss. Das wird dir helfen“, erklärte sie. Haru zögerte.
„Muss ich das nicht bezahlen?“
Ein weiteres von diesen glockenhellen Lachen war die Antwort.
„Ich nehme kein Geld, Haru Akari… ich nehme mir etwas anderes von dir. Vielleicht sind es deine Freunde, vielleicht deine Schönheit, vielleicht deine Arme oder Beine… meine Schokolade ist nicht billig. Möchtest du sie trotzdem essen?“
Das klang schaurig. Andererseits, was sollte das schon… ihr Drang nach Wissen über Rei wuchs mit jeder Minute, und ihre Angst vor dem Verlust eines Körperteils war auf einmal so viel kleiner als der Mut, den sie bräuchte, um einfach zu fragen.
„Ja“, antwortete sie, griff danach und biss zu. Der Geschmack nach Kokosnuss füllte ihren Mund vollkommen aus.

Ihren Rückweg fand sie überraschend einfach. Plötzlich war ein Pfad vor ihr, genau vor dem schmiedeeisernen Gatter, durch das sie gekommen war. Ein letztes Mal drehte sie sich um, winkte der jungen Frau und machte sich auf den Rückweg. Sie würde hoffentlich noch rechtzeitig zum Gartenklub kommen.
Chocola Aikawa und Kakao standen am Fenster ihres Ladens und blickten ihr hinterher.
„Wie ich es mir gedacht habe“, meinte Chocola. „Eine wirklich interessante Geschichte, die die beiden da spinnen.“
„Hat das etwas mit dieser Kundin von letzter Woche zu tun?“, wollte Kakao wissen. Chocola nickte und marschierte zurück zu den Gläsern, die sie aus dem Regal genommen hatte. Eines war mit den kleinen, harmlos aussehenden Stückchen gefüllt, die sie Haru gegeben hatte, aber das andere enthielt Konfekt, das mit einem gefährlich aussehenden, roten Pulver bestäubt zu sein schien.
„Rei Kageyama hat einen Wunsch geäußert, der sich durch diese Schokolade erfüllte.“
Chocola hob das Glas mit dem roten Konfekt und betrachtete es kurz, bevor sie es in das passende Regalfach schob.
„Chilischokolade. Etwas, das nicht viele Menschen genießen möchten – der scharfe Geschmack ist abschreckend. Nur wenige bemerken die Süße, die darunter liegt. Haru Akari hingegen…“
Sie griff nach dem zweiten Glas, aber Kakao hielt es schon in der Hand und schnupperte daran.
„Kokosnuss“, stellte er fest. Seine hellgelben Augen huschten fragend zu Chocola, die nicht gerne unterbrochen wurde.
„Haru Akari wünschte sich etwas, das im Widerspruch zu Rei Kageyamas Wunsch stand. Diese Schokolade passt am besten zu ihr.“
Kakao wollte probieren, aber Chocola war schneller und zog ihm das Glas weg.
„Du musst wissen… wenn du auf etwas Scharfes gebissen hast, und dir brennt der Mund, dann wird Kokosnuss Milderung schaffen. Sie nimmt die Schärfe weg.“
Verärgert schubste sie Kakao von den Pralinen weg, denen er sich zugewandt hatte, als Chocola ihm das Glas weggenommen hatte.
„Du hast gefragt, also hör mir auch zu!“, schimpfte sie, „und jetzt komm, in der Küche ist ein neuer Kuchen, den du probieren kannst. Lass die Verkaufswaren in Ruhe.“

Haru kam unterdessen gerade noch rechtzeitig zum Gartenklub. Alle saßen wieder an ihren Beeten, sie setzten die Arbeiten der letzten Stunde fort und jäteten Unkraut. Ein paar waren schon fertig und holten neue Setzlinge aus dem Schuppen, aber Rei kniete noch vor ihrem Beet und pflückte kleine, grüne Pflänzchen.
Entschlossen plusterte Haru sich auf. Diese Schokolade hatte ihr echt gut getan. Sie würde Rei jetzt zur Rede stellen. Egal, was passierte.
Aber erst holte sie sich eine kleine Harke und eine kleine Schaufel. Dann schritt sie entschlossen hinüber zu ihrem Beet. Rei schaute nicht auf, als sie sich neben sie kniete – aber sie lächelte glücklich. So wie sie es schon  gestern getan hatte, sobald sie die Blumen vor sich hatte.
Haru schluckte.
„Kageyama-san!“
Ihr Kopf fuhr hoch und zu Haru herum. Ihre Augen verengten sich, als sie sie erkannte, aber Haru würde nicht aufhören, zu reden.
„I-Ich bin Haru Akari, aber bitte nenn mich Haru! Darf ich dich Rei nennen?“
Sie antwortete nicht gleich, doch als sie es tat, ging sie auf die Frage nicht ein.
„Bist du nicht das naive kleine Mädchen, das mit Kato-san und Tanaka-san befreundet ist?“
„Emi und Saki. Ja.“
Haru nickte übertrieben heftig.
„Aber ich…“
„Was willst du dann von mir?“
Haru beschloss, in die Offensive zu gehen. Rei dachte von ihr nicht anders als von Emi und Saki, sie erinnerte sich daran, wie sie mit den beiden aufgetreten war.
„Was hast du dir bei Chocolat Noir gewünscht?“
Rei wurde kreidebleich, und Schweiß trat auf ihre Stirn. Ihre Hände zitterten, sie erzeugten ein leises Rascheln in den Blättern, die sie gepackt hatte. Es war das erste Mal, das Haru sah, wie ihr Lächeln – sei es spöttisch oder glücklich – aus ihrem Gesicht verschwand.
„Sei still!“, zischte sie und blickte sich panisch um, „woher weißt du davon?“
„Ich werde es niemandem erzählen“, versprach Haru hastig, „ich… ich bin doch heute weggerannt, als du dich mit Emi und Saki gestritten hast, und da bin ich in diesen Laden gekommen, und da war diese Frau… sie hat gesagt, sie kennt dich!“
Rei wandte sich zitternd ab. Sie hatte Angst. Warum? Doch nicht vor Haru, oder?
„Es geht dich nichts an, was ich wollte! Lass mich in Ruhe!“
Sie würde nicht lockerlassen. Reis harte Hülle schien Risse zu bekommen, und Haru wollte weiterbohren und sehen, was dort war.
„Aber ich mache mir Sorgen um dich, ähm, Rei-san! Ich will wissen, was mit dir los ist! Du bist immer so alleine, ich dachte… vielleicht würdest du dich einsam fühlen!“
Reis Spaten fiel ihr klirrend aus der Hand. Fahrig tastete sie danach, und mit der anderen Hand fuhr sie sich über die Stirn. Kleine Erdkrümel blieben auf ihrer blassen Haut kleben.
„Warum kümmert es dich überhaupt?“, murmelte sie. Haru zog ein Taschentuch aus der Tasche ihrer Weste und fuhr ihr damit über die Stirn.
„Ich glaube“, sagte sie, „dass du eigentlich gar nicht so sein willst, Rei-san. Und wenn du irgendwelchen Kummer hast, dann sag es mir, okay? Was hast du dir bei Chocolat Noir gewünscht?“
Reis Finger fanden Spaten und umklammerten ihn ganz fest, als müsste sie sich dringend irgendwo festhalten. Sie wirkte plötzlich ganz zerbrechlich und klein, als hätte sie Angst. Plötzlich war Haru die Stärkere, und sie fühlte einen Beschützerinstinkt in sich aufkeimen. Warum hatte sie jemals vor Rei Angst gehabt?
„Rei, ist schon gut, du musst nicht…“
„Ich wollte alleine sein“, antwortete Rei endlich. „Ich wollte, dass alle mich alleine lassen.“
Haru ließ ihre Gartengeräte liegen und rutschte zu Rei herüber.
„Aber warum denn, Rei?“, wollte sie wissen. Rei schüttelte den Kopf.
„Menschen sind gemein. Warum sollte ich mich mit ihnen abgeben wollen?“
Haru schlang ihre Arme fest um Rei. Überrascht taumelte diese, fing sich aber wieder.
„Was machst du? Lass mich los!“
„Ich bin nicht gemein!“, versprach Haru und ignorierte Reis Protest, „ich bin deine Freundin, wenn du willst! Ich habe eine Idee; wir gehen gleich zusammen in ein schönes Café, in Ordnung? Da kannst du mir dann alles erzählen!“

Harus Plan funktionierte prima. Als die Lehrerin sie entließ, gingen sie, ohne auf irgendjemanden zu warten. Sie wohnten nah beieinander, stellten sie fest, und wählten ein kleines Straßencafé, in das sie sich setzten, um zu reden.
Über einem Stück Schokoladenkuchen taute Rei schließlich auf. Sie erzählte Haru von ihrer alten Schule und ihren alten Freunden, die sie verraten hatten. Sie war anders gewesen, und hatte ein Beet voller Blumen einem lauten Karaokeabend vorgezogen; und dafür war sie plötzlich gehasst und gemobbt worden. Damals hatte ihr das so wehgetan, dass sie jeden Tag weinend nach Hause gerannt war. Ihre Noten waren abgesackt und sie hatte ihre Hausaufgaben vernachlässigt. Irgendwann war sie so schlecht geworden, dass sie beschloss, zum Jahresanfang die Schule zu wechseln.
Sie hatte furchtbare Angst gehabt, dass es wieder passierte. Am Tag vor dem Schulwechsel hatte sie weglaufen wollen, doch anstatt sich tief im Wald zu verkriechen, hatte sie dort Chocolat Noir gefunden und war nach ihrem Wunsch gefragt worden. Sie hatte darum gebeten, nie wieder verletzt werden zu können.
Also hatte die Frau sie kalt und erhaben gemacht, eine Schneekönigin, an die niemand sich herantraute. Sie hatte Rei eine Persönlichkeit gegeben, der es egal war, was andere von ihr dachten, und eine scharfe Zunge und ein spöttisches Lachen. Sie war auf Distanz zu anderen gegangen, hatte Sakai-kun abgewiesen, und hatte sich mit einer einsamen, aber unverletzten Existenz abgefunden. Bis Haru sie am Blumenbeet ansprach.
„Der Preis, den ich bezahlen musste, war die Fähigkeit, selbst Freunde zu finden“, erklärte Rei. „Das war okay für mich. Ich dachte, das würde bedeuten, dass ich nicht mehr in die Falle von falschen Freunden tappe, und dass wenn tatsächlich jemand an meinem bedrohlichen Äußeren vorbeisieht, es eine echte Freundin sein muss.“
Lächelnd blickte sie zu Haru hinüber, die ihr gebannt zugehört hatte und nicht bemerkt, dass sie ihren Kuchen noch nicht einmal angerührt hatte.
„Ich hatte Recht.“
Geschmeichelt lächelte Haru zurück. Rei war lieb und viel süßer, als man es erwartet hätte. Sie würde gerne ihre Freundin sein, mit ihr das Mittagessen teilen und die Hausaufgaben voneinander abschreiben.
„Klar hattest du Recht. Wir werden die besten Freundinnen sein. Du kannst nachher noch mit zu mir kommen, dann können wir die Hausaufgaben gemeinsam machen, wie wäre das?“
Sie lachten und schmiedeten Pläne, aber plötzlich legte Rei den Kopf schief und ihr Gesicht nahm einen nachdenklichen Ausdruck an, als sei ihr etwas gerade erst aufgefallen.
„Haru-chan… wenn du auch bei Chocolat Noir warst… hast du dort Schokolade gegessen?“
Haru nickte und erzählte von der süßen Schokolade und der cremigen, nach Kokosnüssen schmeckenden Füllung.
„Mit was hast du bezahlen müssen?“
„Ich weiß es nicht…“
Daran hatte sie gar nicht mehr gedacht… es stand ja noch eine Bezahlung aus. Für einen Moment fühlte sie sich unheilvoll und beklommen. Hatte sie etwa schon bezahlt, oder kam das noch?
„Mach dir keine Sorgen“, beruhigte Rei sie. „Du hättest es sicher schon gemerkt.“
„Hoffentlich hast du Recht“, murmelte Haru, aber dann ließ sie ihre Sorgen von Reis Lächeln fortwischen und verlor sich erneut in einem Gespräch über ein Treffen, das sie am Wochenende vereinbaren wollten.

Eine halbe Stunde später verließen sie das Café. Die Sonne hatte noch nicht die Kraft erreicht, mit der sie im Sommer scheinen würde, und versank bereits langsam am Horizont, aber sie würden noch ein oder zwei Stunden haben, um sich bei Haru ins Zimmer zu setzen und bei einer Tasse Tee ihre Hausaufgaben zu machen.
Sie liefen nebeneinander die Straße entlang, ein paar weitere Cafés säumten sie und es gab auch einige Imbissbuden. Sie wären in ein paar Minuten da gewesen – aber da entdeckte Haru Emi und Saki. Sie hatten Sakai-kun dabei…
„Warte, Rei!“
Rei drehte den Kopf und ihre Züge erkalteten und verhärteten sich.
„Was willst du denn von denen?“, knurrte sie. Ihre Erhabenheit war zurück. Sie war wieder die spöttisch-grimmige Schneekönigin.
„Mir ist gerade etwas klar geworden. Lass uns eben mit ihnen reden. Ich mache das schon, ja?“
„Du solltest dich nicht mit ihnen abgeben, sie sind nicht gut für dich“, wandte Rei ein, aber Haru zog sie schon zu den dreien herüber.
„Hey! Emi-san! Saki-san!“, rief sie und lenkte ihre Aufmerksamkeit an sich. Dieselbe Ablehnung, die auf Reis Gesicht geschlichen war, erschien auch bei ihnen.
„Ich wollte nur wissen, ob ihr vielleicht meine Tasche aus dem Klassenraum mitgenommen habt?“
„Was machst du denn mit der da?“, antwortete Emi. Natürlich hatten sie die Tasche nicht mitgenommen. Das war zu viel erwartet gewesen. Wut breitete sich in Harus Brust aus, sie war schon ganz lange dort aufgespart gewesen. Wie hatte sie sich noch nie vorher bemerkbar gemacht?
„Du hintergehst uns!“, fauchte Saki, „halt dich von der Schlampe fern!“
„Lasst sie in Ruhe“, kam es gleichzeitig aus Reis und Harus Mund. Uh, Rei klang so eisig, daran musste Haru noch arbeiten. Trotzdem schob sie sich zwischen die beiden und ihre neue Freundin; sie wollte das hier friedlich mit Worten lösen.
„Immer nennt ihr Rei-chan eine Schlampe.“
Haru tat ihr Bestes, einen anklagenden Ton anzunehmen.
„Ihr habt es auch heute Morgen an die Tafel geschrieben, oder? Ihr beide, und Sakai-kun hat euch geholfen.“
„Was für ein Quatsch!“
„Unsinn!“
Haru hob die Stimme, um gegen den Lärm anzukommen.
„Deshalb wart ihr früher als sonst da, nicht wahr? Ihr wart sauer auf Rei-chan und wolltet ihr eins auswischen. Ihr alle drei.“
Emi und Saki sahen fassungslos und ganz schön wütend aus, aber Haru war es egal. Sakai-kun lachte, aber es klang nervös.
„Warum sollte ich so etwas nötig haben? Verleumdung ist was für Mädchen!“
Haru lächelte liebreizend, nahm Reis Hand und wandte sich zum Gehen.
„Du konntest es ja nicht so stehen lassen, als wärst du abgewiesen worden. Du musstest es so aussehen lassen, als hätte sie dich angemacht. Sonst wäre ja dein Ego verletzt gewesen.“

„Es ist unglaublich, dass ich nie bemerkt habe, wie verdorben die beiden sind.“
Rei blickte von ihrem Heft auf und bot der betrübt neben ihr hockenden Haru ein tröstliches Lächeln.
„Jetzt hast du es, ist doch alles gut…“
„Ich war jahrelang mit ihnen befreundet“, muffelte Haru. „Ich war so naiv.“
„Tja, ich schätze, das ist der Preis, den du bezahlen musstest.“
Fragend blickte Haru auf und zu Rei hinüber.
„Es macht nur Sinn“, erklärte sie, „seit du in dem Schoko-Laden warst, hast du deine rosa Brille verloren. Du siehst die Dinge eher so, wie sie sind. Das macht die Welt hässlicher, aber echter. Du gewöhnst dich daran. Ich helfe dir.“
„Du bist lieb“, antwortete Haru dankbar.
Draußen, in dem milden Frühlingsabend, wanderte Chocola über die Straße in Richtung Park, auf dem Weg zurück in den Wald.
„Rei Kageyama ist ein schlaues Mädchen“, erklärte sie niemand besonderem; am ehesten Kakao, der neben ihr trottete und hungrig ein junges Paar auf der anderen Straßenseite betrachtete. In ihren Händen hielt sie eine kleine Kristallflasche, in der frisch gewonnene Herzessenz schwappte.
„Was ich mir von Haru Akari nahm… war ihr naives Herz.“
Der Wald lag düster und bedrohlich vor ihr, aber unbeirrt schritt sie voran und war nach ein paar Sekunden im Zwielicht verschwunden.

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Endlich habe ich das auch geschafft. Es tut mir Leid für diese ewige Verspätung.

Vielen Dank fürs Lesen, und vielen Dank für eure lieben Rückmeldungen! Ich freue mich sehr darüber, und auch diesmal fände ich es klasse, wenn ihr mir kurz sagen könntet, woran ich noch arbeiten sollte und wie ihr es fandet. Ich weiß, dass das Fandom nicht groß ist, also bin ich glücklich mit jedem Fan, den ich kennenlerne!
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