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Das Gift Von Dorst II - Der Anfang War Nur Ein Vorgeschmack

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Astrid Hofferson Hicks der Hüne
12.11.2014
17.08.2019
103
192.793
25
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12.06.2019 1.947
 
Kapitel 94: Aufbruch

„Johann nimmt mit seiner Flotte Kurs auf die Beschützer des Flügels.“
So stand es in der Schreckenspost. Fischbeins Schrift war so unordentlich wie Hicks sie noch nie gesehen hatte.
Logischerweise: wenn Johann gesichtet worden war und ein Angriff bevor stand war Eile geboten. Und wie Hicks Fischbein kannte war er jemand der dann in Panik verfiel.
Schnell versammelte er den Rat von Berk und die Reiter, inklusive Akaya, Ivar und seinen Eltern.
Er schilderte kurz worum es ging und zeigte ihnen die Schreckenspost.
Akaya war die erste die etwas sagte:
„Erstaunlich. Wir lagen mit unserer Vermutung also falsch.“
„Wir müssen ihnen zu Hilfe kommen.“, kam Hicks auf den Punkt.
„Ich werde zu ihnen fliegen.“, stellte Rotzbacke klar.
„Ich werde ihn begleiten.“, bekannte sich nun auch Valka.
„Dann sind wir schon mal zu dritt. Eret? Würdest du uns bitte auch begleiten? Außerdem wird das A Team uns auch begleiten.“, fuhr Hicks fort.
Außerdem ließen sich Haudrauf, Grobian und Kotzbacke die Chance auf einen Kampf nicht nehmen.
„Bereitet die Abreise vor. Wir fliegen in einer Stunde los.“, verkündete Hicks.

*

Während Hicks das notwendigste packte fiel ihm – genauso wie vorhin in der Besprechung – auf wie ruhig Astrid war.
Er sah zu ihr hinüber.
Sie wiegte Skyla sanft und legte sie in die Wiege. Dann stützte sie ihre Arme auf der Wiege ab und betrachtete ihre Tochter. Ihr Blick zerriss Hicks das Herz.
Es war als würde man einen Drachen in einem Käfig halten und ihm die Chance zum fliegen nehmen.
Plötzlich schien es als würde sie sich für ihre Traurigkeit schämen. Als würde sie sich schämen ihre Tochter als Hindernis zu sehen, denn sie senkte den Kopf und schloss die Augen.
Hicks hielt es nicht länger aus. Auch wenn Eile geboten war, so konnte er Astrid nicht einfach so zurück lassen.
Er legte das was er gerade in der Hand hatte zur Seite und ging auf sie zu. Er stellte sich neben sie und legte ihr eine Hand auf die Schulter.
„Ich weiß wie schwer das für dich ist hier bleiben zu müssen.“, sagte er sanft.
Ihre Stimme war genauso niedergeschmettert und traurig wie ihr Blick.
„Ich dachte immer es wäre leichter weil Skyla mich ja braucht aber...ich will meinem Platz als deine Gefährtin im Kampf nicht aufgeben. Wir sind so groß geworden, haben so unendlich viele Kämpfe gewonnen und...haben uns verliebt...ich habe das Gefühl als gäbe ich einen Teil von uns auf. Außerdem...wenn ich dir nicht den Rücken frei halte, wer macht es dann? Klar sind da noch die anderen Reiter und wir sind echt ein gutes Team geworden aber...“
„...aber wir beide sind ein besseres Team.“, vervollständigte er ihren Satz.
Sie nickte.
Schließlich sagte sie:
„Ich werde Heidrun fragen, ob sie solange auf Skyla aufpassen kann. Sie darf mit ihrer Wunde noch nicht kämpfen. Sie beginnt gerade zu heilen. Wenn sie die Wunde im Kampf dehnt und diese aufplatzt...“
„Astrid...“, unterbrach er sie, „Heidrun kann nicht auf ein neugeborenes Baby aufpassen.“
„So neugeboren ist sie auch nicht mehr.“
„Aber sie braucht noch ihre Mutter! Wie soll Heidrun sie füttern? Stillen kann sie Skyla nicht.“
„Skyla wird drei Tage mit normaler Milch auskommen. Als ich schwer verwundet war habt ihr es schließlich auch gemacht.“
Bevor Hicks etwas erwidern konnte klopfte es und Heidrun trat ein.
Zu Hicks Überraschung trug sie einen Beutel.
„Was hast du vor?“, fragte er sie.
„Ich fliege mit euch.“
„So viel zu meinem Plan...“, murmelte Astrid.
Hicks war ziemlich sprachlos:
„Hat Gisela nicht gesagt, dass du mit der Wunde nicht kämpfen darfst?“
„Es geht hier um meine Familie, Hicks. Ich werde nicht tatenlos hier herum sitzen während sie um ihr Leben kämpfen nur weil ein Schnitt – den man noch dem Kampf weiter behandeln kann – nicht heilen will.“
„Wo wir schon beim Thema sind.“, kam plötzlich die Stimme von Ivar der mit Akaya ebenfalls den Raum betrat, „Was ist mit uns? Wir würden euch auch gerne unterstützten.“
„Nein. Mala hat sich deutlich ausgedrückt. Sie will euch nicht auf ihrer Insel.“, stellte Hicks klar.
„Hicks bitte...wir sind wirklich gerne hier aber...eurem Nachwuchs Schwertkampf bei zubringen und Rotzbacke jeden Tag wieder zu schlagen ersetzt keine Schlacht. Wir rosten hier ein.“, sagte Ivar mit leicht flehendem Unterton.
„Nein. Auch wenn jeder Mann gebraucht wird seid ihr in den Augen der Beschützer des Flügels Feinde. Vor alldem für Mala. Ihr bleibt hier und verteidigt Berk.“
Die Grimborn Kinder sah man die Enttäuschung an – Ivar jedenfalls. Akaya war ernst und aus ihren Gesichtszügen konnte man keinerlei Gefühl lesen.
Sie nickte Hicks nur zustimmend zu.
Hicks drehte sich zu Heidrun um:
„Und ich möchte, dass auch du Berk verteidigst. Ich verstehe nur zu gut, dass du deiner Familie helfen willst, aber die Gefahr dass du verletzt oder getötet wirst weil du dich nicht richtig bewegen kannst ist zu hoch.“
Als Heidrun mit wutverzerrtem Gesicht das Haus verließ war Hicks sich nicht ganz sicher ob Heidrun auf ihn hören würde. Sie war stur und eigensinnig - wie Astrid. Aber im Gegensatz zu Astrid hatte sie kein Baby.

*

Ein Tag war seit der Abreise von Hicks und den anderen vergangen und sie hatten noch keine Schreckenspost von ihnen erhalten.
Astrid wusste, dass das nichts Schlimmes bedeuten musste, dennoch machte es sie nervös.
Zum Glück fand sie Ablenkung über Tag; schließlich musste sie – da Hicks nicht da war – als Oberhäuptin agieren. Da sie nicht die einzige war die Ablenkung brauchte, war Heidrun ebenfalls viel im Dorf unterwegs – sehr zu Gisela´s Missfallen.
„Wozu versorge ich die Wunde jeden Tag dreimal neu wenn sie nicht selbst an der Heilung interessiert ist und sich nicht schont!“, hatte die Heilerin heute bei Astrid gewettert.
Astrid hatte die Heilerin selten so wütend gesehen. Dennoch verstand Astrid Heidrun.
Sie brauchte – genauso wie Astrid – Ablenkung. Sie machte sich wahnsinnige Sorgen um Mala, ihre Nichte und die Beschützer des Flügels. Außerdem machte sie sich Sorgen um Eret. Astrid wusste noch nicht genau was zwischen den beiden lief (außer das, was Heidrun ihr den einen Abend erzählt hatte), aber jeder Blinde sah, DASS da etwas lief.
Astrid hatte Gisela versprochen mit Heidrun zu reden und hatte ihr aber auch gesagt, dass Heidrun es bestimmt nicht tat um sie zu ärgern; und dass Heidrun wusste, dass es nicht fördernd für ihre Genesung ist.
Ivar und Akaya beteiligten sich ebenfalls bei Arbeiten und Dingen die getan werden mussten. Auch wenn Astrid immer noch ein Auge auf die beiden Grimborn´s legte, teilte Astrid ihnen Aufgaben zu die sonst die anderen Reiter erledigt hätten. Doch Astrid´s Restsorge schien unbegründet: die beiden taten das was sie sagten und verhielten sich nicht auffällig. Im Gegenteil: Sie waren Astrid eine große Hilfe.
Es war beginnender Abend als Astrid schließlich nach Hause ging. Normalerweise endete ein Tag als Oberhäuptin nicht vor den späten Abendstunden, doch sie musste sich um Skyla kümmern. Außerdem war morgen auch noch ein Tag.
Sie fütterte Skyla und anschließend ließ Astrid warmes Wasser in eine kleine Wanne.
Baby´s mussten nicht so oft gebadet werden wie Kinder, Heranwachsende oder Erwachsene. Schließlich waren sie keinem bis wenig Dreck ausgesetzt. Das hatten Valka und Gisela ihr jedenfalls erzählt. Sie meinten zu oftes baden würde die Haut reizen. Zum Glück hatten die beiden erfahrenen Frauen ihr beim ersten mal baden geholfen.
Was man bei einem Baby nicht alles beachten musste...
Sie stellte die kleine Wanne auf den Tisch vor sich ans wärmende Feuer und testete erneut die Wassertemperatur. Skyla protestierte als ihr jegliche Kleidung und die wärmende Decke genommen wurden. Astrid musste schmunzeln als sie ihre Tochter mit den Füßen voran in die Wanne setzte und Skyla bei der Wasserberührung ihre Füßen ganz nah an sich zog.
„Du bist keine Freundin des Wassers, stimmt´s?“, schmunzelte sie, „Das ist deine Mama auch nicht.“
Die Gesichtszüge die Skyla machte während Astrid sie vorsichtig wusch, heiterten Astrid auf und ließen sie alles andere vergessen.
Sie wurde aus ihrer heilen Welt gerissen als es klopfte.
Als sie „Herein“ rief, trat Heidrun durch die Tür und schloss sie wieder hinter sich.
„Störe ich?“, fragte die schwarzhaarige.
Astrid lächelte:
„Nein. Setzt dich. Wenn du etwas trinken möchtest weißt du ja wo es steht.“
„Ich komme später auf das Angebot zurück.“, damit setzte Heidrun sich, „Gibt es schon etwas neues?“
„Leider nicht.“, beteuerte sie, „Aber das muss nichts schlechtes heißen. Sie werden alle Hände zu tun haben gegen Johann zu kämpfen. Wir werden einfach abwarten müssen.“
Heidrun lächelte bitter:
„Ich bin leider nicht so geduldig.“
Astrid blickte ihre langjährige Freundin an:
„Mach dir keine Sorgen. Eret ist ein guter Kämpfer. Er hat sich schon gegen mehr Feinde gewehrt als wir bekämpft haben. Und das soll schon etwas heißen. Und Mala und den Kleinen wird es auch gut gehen. Dagur lässt nicht zu, dass ihnen etwas passiert und Hicks wird es auch nicht zulassen.“
Heidrun blickte sie nachdenklich an:
„Die Schwangerschaft hat dich verändert.“
„Wie meinst du das?“
„Die Astrid die ich von früher kenne wäre nicht so ruhig geblieben.“
„Glaube mir; ich bin alles andere als ruhig. Nur dem Dorf ist nicht damit geholfen wenn die Oberhäuptin panisch hin und her läuft. Außerdem bleibt mir keine andere Wahl.“
„Du wärst genauso gerne wie ich mitgeflogen.“, stellte Heidrun fest, „Und ich bewundere dich dafür, dass du es nicht getan hast.“
Astrid lächelte sie an. Ihre Worte waren Balsam für ihre Seele.
„Danke Heidrun.“
Heidrun lächelte zurück:
„Wenn ich mal ein Kind bekomme, musst du mir unbedingt Tipps geben.“
„Denkst du es wird bald so weit sein?“, schmunzelte Astrid.
„Nicht in nächster Zeit.“
„Glaub mir: Das geht schneller als du denkst. Du siehst ja wie lange bei mir ´wir passen auf´ angehalten hat.“, sie lächelte verschmitzt, „Wie steht es um Eret und dich?“
„Astrid...“, stöhnte Heidrun, „Müssen wir dieses Thema schon wieder besprechen?“
Astrid lachte:
„Ja müssen wir. Du hast mich damals auch nicht in ruhe gelassen. Also. Hast du ihm von deinen Gefühlen erzählt?“
Heidrun wurde rot und sah zu Boden:
„Nicht direkt...aber ich denke wir brauchen es nicht zu sagen...wir wissen es einfach.“
„So einfach weiß man es aber nicht.“, warf Astrid ein.
„Bei uns schon...wir zeigen uns unsere Gefühle. Wir küssen uns schließlich auch...“
„Also seit ihr ein Paar?“, fragte Astrid.
„Ich denke schon.“
Astrid hob Skyla aus der kleinen Wanne und legte sie auf das vom Feuer angewärmte Tuch neben der Wanne. Vorsichtig begann sie das Baby abzutupfen was von der Kleinen mit ein paar glucksenden Geräuschen kommentiert wurde.
„Ihr müsst Tacheles miteinander reden. Glaube mir. Hicks und ich haben wie du weißt auch so lange um den heißen Brei geredet...beziehungsweise nicht geredet. Es ist einfach ein gutes Gefühl wenn man weiß wo man dran ist. Du bist eine starke, unabhängige Frau. Das schüchtert vielleicht auch einen Mann wie Eret ein.“
„Du hast Recht.“, meinte Heidrun, „Wenn er wieder kommt rede ich mit ihm.“
Astrid lächelte.
Skyla war trocken und somit begann Astrid sie zu wickeln und anschließend zog sie sie an.
Heidrun nahm einen neuen Gesprächsfaden auf:
„Möchtest du eigentlich noch ein Kind?“
Etwas überrascht über die Frage, antwortete Astrid:
„Erstmal nicht. Skyla ist gerade erst auf der Welt und ich habe alle Hände mit ihr zu tun. Außerdem bin ich froh meinen Körper wieder für mich zu haben.“
„Ist es so furchtbar?“
„Eigentlich nicht. Es ist ein schönes Gefühl die Bewegungen des aus Liebe gezeugten Kindes in sich zu spüren. Selbst für mich war es ein schönes Gefühl. Nein...schön ist untertrieben. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl.“, Astrid lächelte, „Du wirst das erst verstehen wenn du selber in der Situation bist.“
Heidrun wollte gerade etwas erwidern als die Tür aufgerissen wurde.
Ivar und Akaya standen in den Tür, beide in ihren Rüstungen und mit ernster Miene.
„Wir bekommen Besuch...“, sagte Ivar ernst.
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