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Das Gift Von Dorst II - Der Anfang War Nur Ein Vorgeschmack

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Astrid Hofferson Hicks der Hüne
12.11.2014
17.08.2019
103
192.793
25
Alle Kapitel
308 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
18.05.2019 1.355
 
Danke für eure lieben Reviews :)
Heute geht es ans eingemachte!

LG

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Kapitel 92: Die Wahrheit

Den Nachmittag danach entschied Astrid sich dazu ihre Schwiegermutter zu besuchen.
Das mit Heidrun wollte ihr einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen.
Da Heidrun einen kleinen Ausflug machte, hatte sie genügend Zeit ohne gestört zu werden.
Valka begrüßte sie herzlich und bat sie rein um sich ans warme Feuer zu setzten.
Skyla fand sich schnell in den Armen von ihrer Großmutter wieder.
Nach einem kurzen Gespräch über dieses und jenes begann Astrid:
„Schon seltsam, dass Gisela Heidrun nicht gehen lässt. Schließlich hat sie ein Volk, dass auf sie wartet.“
„Gisela sagte mir, dass sie die Heilung bis zum Ende begleiten will aufgrund der Komplikationen die sich ergeben haben. Die Heiler auf der Berserker Insel sind zwar auch gut aber Gisela ist nun mal eine der besten Heilerinnen im Inselreich. Außerdem scheint es Heidrun gut zu tun - abgesehen davon, wie Eret und sie sich ansehen...“
„Ist es für dich und Haudrauf denn in Ordnung, dass sie jetzt schon länger in eurem Haus wohnt?“
Valka wippte Skyla auf und ab:
„Es ist vollkommen in Ordnung für uns. Sie ist eine nette junge Frau. Und wo soll sie sonst hin?“
Astrid entschloss sich dazu auf den Punkt zu kommen:
„Heidrun hat mir erzähl, dass Haudrauf angeordnet hat, dass sie so lange bleiben soll bis die Wunde verheilt ist.“
Valka erstarrte kurz. Dann strich sie Skyla über die weichen Haaransätze und begann:
„Ihm ist es wichtig, dass Heidrun wieder gesund wird und sie keine Folgen von dieser Wunde trägt. Und Gisela ist die beste Heilerin.“
„Irgendetwas stimmt hier nicht, Valka. Heidrun ist für euch eine Fremde und ihr sorgt euch so um sie, gebt ihr essen und Unterkunft...und dann die Sache mit Gisela...“
„Das würden wir auch für jeden anderen tun der in Heidruns Situation wäre.“
„Aber nicht so intensiv.“, widersprach Astrid.
Valka setzte sich mit Skyla auf die Bank vor dem Feuer.
Obwohl sie es nicht gewollt hatte, hatte Astrid etwas bei Valka ausgelöst. Ihre Schwiegermutter blickte Skyla an. Doch in ihrem Blick lag etwas...es war bedauern, Verlust und unendliche Traurigkeit.
„Du bist jetzt selbst Mutter Astrid...darum brauche ich dir die Frage eigentlich nicht stellen...“
„Welche Frage?“, fragte Astrid aber dieses mal mit sanfter Stimme.
„Wie viel...ist dir die Sicherheit deines Kindes wert?“
Astrid verstand nicht.
„Natürlich alles! Ich würde alles tun wenn Skyla´s Leben bedroht wäre. Aber ich verstehe nicht was das mit Heidrun zu tun...“, Astrid unterbrach sich selbst. Sie ahnte schlimmes, doch ihre Vermutung konnte doch nicht wahr sein...oder?
„Valka...“
„Versprich mir, dass du es weder Heidrun noch Hicks erzählst..bitte Astrid...“
„Ich habe keine Geheimnisse vor Hicks...“, stellte Astrid klar, „und wenn es wirklich das ist was ich befürchte solltet ihr es ihnen sagen.“
„Was befürchtest du denn?“, fragte Valka.
„Sag du es mir.“, verlangte Astrid.
Valka atmete tief ein und aus.
„Heidrun ist Hicks ältere Schwester.“
Astrid schloss die Augen.
Genau das hatte sie befürchtet.
„Verdammt...“, murmelte sie, dann sah sie in Valka´s Gesicht, „Warum?“, war nur ihre Frage.
„Heidrun wurde in schwierigen und gefährlichen Zeiten geboren. Unser damaliger Feind – Haudrauf´s langjähriger Erzfeind - wollte ihn schon seit Jahren treffen. Mir konnte er nichts tun, weil ich nicht hilflos war und mich zu verteidigen wusste. Aber als ich Heidrun gebar, hatte er das perfekte Ziel. Wir haben alles versucht um sie zu beschützen...doch all unsere Mühe hielt ihn nicht auf. Eines nachts, als Heidrun fast ein Monat alt war - gelang es ihm sie zu entführen. Haudrauf gelang es mit viel Mühe und einem gefährlichen und langen Kampf Heidrun zurück zu holen aber...wir wussten er würde es immer wieder versuchen. Also...sahen wir keinen anderen Weg als Heidrun woanders hinzubringen...an einem Ort wo der Feind nicht nach ihr suchen würde. Auch wenn das hieß, dass sie ohne uns aufwachsen muss.“
Astrid war erstmal geplättet - wie furchtbar das für Haudrauf und Valka gewesen sein musste. Doch wenn sie sich in die Lage versetzte...würde sie ähnlich handeln?
Wenn es keinen anderen Weg gäbe - dann ja.
„Und dann habt ihr sie zu Oswald gebracht.“, schlussfolgerte Astrid.
Valka nickte.
„Ja. Seine Frau hatte am Vortag eine Fehlgeburt erlitten - sie war schon in der 38. Woche gewesen als das Unglück geschah. Also nahmen sie Heidrun auf und präsentierten dem Volk und der Welt ihre neugeborene Tochter.“
„Das...das ist echt unfassbar...und was war mit Hicks? Er war doch dann auch in Gefahr oder nicht?“
„Hicks kam ziemlich knapp hinter Heidrun zur Welt. Das war eigentlich nicht so geplant da wir die gleiche Sorge hegten die du gerade ausgesprochen hast und wir immer noch mit dem Verlust von Heidrun kämpften. Die Schwangerschaft war schwierig und ich hatte oft Beschwerden. Wie du weißt war Hicks bei seiner Geburt sehr klein und schwach. Ich nehme an, dass er kein Ziel deswegen war - so klein und schwach wie er war glaubten sowieso alle, dass er nicht überlebt. Kurz bevor ich zu den Drachen ging hat Haudrauf den Mann getötet, der so viel Leid über uns gebracht hat.“
Astrid sagte nichts mehr. Sie musste all das erstmal verarbeiten. Was ein Durcheinander.
Und was ein Durcheinander das bei Hicks und Heidrun auslösen würde...
„Astrid...bitte sag etwas.“, bat Valka flehend.
„Einerseits versteh ich euer Handeln aber...“, sie wollte fragen ob sie auch wirklich alles versucht hätten - aber wenn sie bereit waren sich von ihrer Tochter zu trennen musste es ja so sein.
Wer würde so eine drastische Maßnahme sonst durchziehen wenn man nicht vollkommen verzweifelt war, „andererseits ist das schwer zu verkraften.“
Valka nickte.
„Das glaube ich dir.“
„Wann wollt ihr es Hicks und Heidrun erzählen?“
Valka sah sie traurig und verzweifelt an:
„Ehrlich gesagt wissen wir noch gar nicht ob wir es ihnen überhaupt erzählen.“
Astrid war entsetzt und geschockt:
„Aber ihr müsst es ihnen erzählen! Sie haben ein Recht darauf es zu wissen!“
„Hicks – und auch Heidrun – haben mir erzählt was für einen schweren Weg sie hatte. Und es tut mir in der Seele weh, dass sie ein so schweres und einsames Leben hatte. Aber jetzt steht sie mitten im Leben; ist Anführerin der Berserker und hat eine Familie.“
„Die aber nicht ihre Familie ist.“
„Sie hat bereits zwei mal eine Familie verloren – wenn wir ihr die Wahrheit sagen wird sie die dritte Familie verlieren. Und wie wird es weiter gehen? Die Berserker werden sie nicht weiterhin als Anführerin dulden wenn sich herausstellt, dass sie keine Berserkerin ist.“
Astrid sah ein, dass Valka Recht hatte, aber sie wollte nicht einsehen, dass diese Wahrheit unausgesprochen blieb.
Skyla begann zu weinen, doch beruhigte sich schnell wieder als Valka sie weiter wiegte und sie beruhigte.
Und obwohl sie all das als furchtbar verzwickt und verrückt empfand, glaubte sie Valka, dass sie nur an Heidrun´s Wohl dachte. Schließlich könnte sie – wenn sie die Wahrheit sagen würde – die Zeit die sie verloren hatte aufholen.
So wie mit Hicks.
Wenn Astrid genauer darüber nachdachte wurde ihr flau im Magen.
Zu Beginn hatte Astrid Valka nicht leiden können, da sie Hicks und Haudrauf mit ihrer Entscheidung bei den Drachen zu bleiben so verletzt hatte.
Doch jetzt, wo sie die ganze Wahrheit wusste, musste Astrid zugeben, dass Valka viel Leid in ihrem Leben erfahren hatte.
Zuerst verlor sie Heidrun, dann die schwere Schwangerschaft mit Hicks und die Angst, dass er nicht überleben würde und schließlich hatte sie auch ihn verlassen.
Sie sah Valka an.
„Es tut mir Leid.“, beteuerte sie, „Ich habe nicht das Recht darüber zu Urteilen oder dir vorzuschreiben was du tun musst. Ich...ich habe nur an Hicks und Heidrun gedacht...“
Valka lächelte:
„Schon in Ordnung, Liebes. Du bist mit Hicks aufgewachsen – du hast miterlebt wie er unter meinem Verschwinden gelitten hat. Du willst nur dass er glücklich ist; und das macht mich als Mutter glücklich. Aber du hast nicht unrecht. Sie haben ein Recht darauf.“, sie atmete tief ein und aus, „Vielleicht...ich muss in ruhe darüber nachdenken.“
„Ich werde es ihnen nicht erzählen. Auch wenn es mir schwer fällt und ich es hasse Geheimnisse vor Hicks zu haben ist euer Geheimnis bei mir sicher.“
Dankbar blickte Valka sie an:
„Danke.“
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