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Das Gift Von Dorst II - Der Anfang War Nur Ein Vorgeschmack

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Astrid Hofferson Hicks der Hüne
12.11.2014
17.08.2019
103
192.793
25
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28.04.2019 2.268
 
Kapitel 91: Ein Abend Unter Freuden (?)

Es verging eine weitere Woche in der im Grunde nicht viel passierte. Hicks war seit dem vorigen Tag bei einem Oberhaupttreffen und Akaya und Eret begleiteten ihn. Es war das erste mal, dass er Astrid seit der Geburt von Skyla für mehr als ein paar Stunden verließ und es fiel ihm sichtlich schwer sich sowohl von seiner Frau als auch von seiner Tochter zu trennen.
Astrid musste gerührt Lächeln als sie an den Abschied zurück dachte.
Irgendwie kam es an diesem Abend dazu, dass Heidrun und Ivar den Abend in ihrem Haus am Feuer verbrachten. Heidrun hatte sich angeboten Astrid Gesellschaft zu leisten und ihr bei Skyla zu helfen. Ivar war einfach nur so aufgekreuzt.
Und so saßen die drei an der Feuerstelle und unterhielten sich über alles mögliche.
„Warum begleitest du Akaya nicht?“, fragte Heidrun schließlich den blonden jungen Mann.
„Dieses Oberhauptding ist Akaya´s Gebiet. Ich habe weder das politische Geschick noch die Lust darauf. Außerdem könnte ich euch beide das gleiche fragen.Du bist doch auch Oberhaupt, Heidrun. Und du Astrid bist – soweit wie ich es hier gehört habe - nicht nur Oberhäuptin sondern auch General.“
Heidrun war die erste die antwortete:
„Gisela hat mir die Reise verboten. Die Wunde ist immer noch entzündet und muss engmaschig neu verbunden und kontrolliert werden.“
„Und ich bin wegen Skyla hier geblieben. Sie ist noch zu klein und zu anfällig für eine Reise. Es wäre zu gefährlich für sie.“, meine Astrid.
„Du gibst dich besser als du dich eigentlich fühlst.“, meinte Ivar und nahm einen Schluck aus dem Kelch den Astrid ihm gerade gereicht hatte.
Astrid runzelte die Stirn:
„Was meinst du?“
Ivar antwortete eher beiläufig, da er die Flüssigkeit in seinem Krug betrachtete:
„Du willst nur alle glauben lassen, dass es okay für dich ist mit Skyla hier zu bleiben. Das stimmt aber nicht. Dir geht das ordentlich gegen den Strich und das setzt dich zu, dass du an das Haus und die Insel gefesselt bist.“, er roch an der Flüssigkeit, „Was bei Thor ist das? Es schmeckt mehr als nur gut aber es ist weder Bier noch irgendwas anderes.“
Astrid überging die letzte Frage.
„Wie kommst du darauf?“
Er sah sie aus seinen braunen Augen fragend an:
„Das es kein Bier ist? Es schmeckt süßlicher.“
Astrid rollte mit den Augen und antwortete genervt:
„Ich meinte nicht das Getränk du Idiot!“
„Oh. Okay. Kein Grund beleidigend zu werden. Ich komme darauf weil ich ziemlich gute Menschenkenntnisse besitze und ich deine Verzweiflung und deine Wut regelrecht in der Luft schmecken kann.“
„Das ist nicht wahr. Warum sollte ich nicht gerne bei meiner Tochter sein wollen?“
Kleinlaut begann Heidrun:
„Ich...muss Ivar recht geben. Mir ist es auch aufgefallen.“
Astrid sah sie überrascht aber auch verletzt an.
„Ich kenne dich lang und gut genug Astrid. Ich weiß, dass du eine Kriegerin bist, nicht die Frau die zuhause bleibt. Außerdem habe ich dich beobachtet als wir Hicks, Akaya und Eret verabschiedet haben. Du wärst beinahe auf Sturmpfeil gesprungen und hättest ihn begleitet. Und als sie los flogen stand dir der Schmerz in den Augen.“
„Selbst wenn es so wäre; es ändert nichts.“, meinte Astrid schließlich abweisend.
„Macht aber einiges mit einem Menschen.“, meinte Ivar.
Astrid stand auf und fuhr ihn an:
„Was geht dich das überhaupt an?“, sie sah Heidrun an, „Und warum fällst du mir in den Rücken? Seit ihr beide etwa nur hier her gekommen um mir vorzuwerfen eine schlechter Mutter zu sein? Was wollt ihr überhaupt hier?“
Astrid wollte die beiden, die sie durchschaut hatten, einfach nur los werden. Sie wollte alleine sein, dann hätte sie ihre Fassade fallen lassen können. Denn sie hatten recht. Sie hatte Hicks die letzten male immer begleitet und es war fast das erste mal, dass er ohne sie irgendwo hin flog über ein paar Tage.
„Ich bin hier weil ich deine Freundin bin, schon vergessen?“, fragte Heidrun etwas verletzt.
„Und ich bin hier weil es hier warm ist, ich nette Gesellschaft wollte und hier etwas leckeres zu trinken gibt – wobei ich immer noch nicht weiß was das ist.“, erwiderte Ivar.
Astrid dankte den Göttern als von oben ein Wimmern und ein leises weinen ertönte.
Also schnellte sie die Treppe hinauf und ging in Skyla´s Zimmer.
Sie hob das Baby hoch und drückte sie an sich.
„Danke mein Schatz...du hast Mama gerettet.“
Sie wiegte Skyla sanft und setzte sich mit ihr in den gemütlich ausgepolsterten Stuhl.
Sie zog den Träger ihres Oberteils hinunter und Skyla hörte auf zu weinen und begann zu trinken.
Und obwohl es Glücksgefühle in Astrid auslöste wenn sie ihr Baby stillte so kamen ihr jetzt die Tränen.
Ivar und Heidrun hatten recht.
Ihr war von Anfang an klar, dass sie Schwierigkeiten damit haben würde als kümmernde Mutter mit Skyla zuhause zu bleiben und Abstriche machen zu müssen, aber das es so hart wird hätte sie nicht gedacht.
Nicht nur die Tatsache, dass sie Hicks ungern alleine ziehen ließ weil er ihr fehlte – es war eher die Tatsache, dass er los flog und sie ihm keine Rückendeckung geben konnte.
Sie war nicht nur seine Frau sondern auch sein General und seine Vernunft.
Tränen suchten sich einen Weg über ihre Wangen und ein ganz leises schluchzen entfuhr ihr.
Um sich abzulenken versuchte sie an das letzte Oberhaupttreffen zu erinnern. Es war Sommer und Hicks und sie waren seit zwei Wochen verheiratet gewesen.
Das Treffen wurde auf einer der größeren Inseln der östlichen Umgebung abgehalten. Einige Stammesoberhäupter hatten ihre Frauen mitgebracht, aber die meisten hatten ihre Stellvertreter oder Generäle mitgebracht. Dementsprechend war Astrid die einzige Frau bei der Versammlung, doch außerhalb war sie es nicht. Schnell hatte Astrid bemerkt, dass sie und Hicks mit Abstand die jüngsten waren und so meinten die älteren Frauen es gut und wollten ihr andauernd ´gute Ratschläge´ geben. Irgendwann, als es ihr fast zu viel wurde, hatte Hicks sie erlöst und sie an das andere Ende der Insel gebracht – fern ab von allem. Sie gingen in eine heiße Quelle und – wie es als frisch verheiratetes Paar nun mal war – liebten sie sich dort.
Astrid musste leicht lächeln als sie daran dachte. Sie genoss es wenn sie es in der Öffentlichkeit taten – es hatte etwas gefährliches und dieser Nervenkitzel heizte sie noch mehr an.
Sie dachte an das heiße Wasser, seine Hände die jeden Zentimeter ihrer Haut streichelten, das Gefühl seiner Haare in ihren Händen als sie lustvoll in sein braunes Haar griff, das sanfte aber leidenschaftliche auf und ab, das plätschern des Wassers das durch diese Bewegung entstand.
Das Gefühl auf dem höchsten Hügel zu stehen und herunter zu springen als sie ihren Höhepunkt erreichte.
Ein Lächeln zauberte sich in ihr Gesicht.
Ein Klopfen holte sie aus ihrer Erinnerung.
Sie atmete tief ein und aus und sagte schließlich:
„Komm rein.“
Die Tür ging auf und Heidrun stand im Türrahmen.
„Hey...darf ich rein kommen?“, fragte sie leise und sanft.
Astrid nickte, Heidrun trat ein und schloss die Tür.
Dann ging sie zu Astrid und hockte sich neben sie.
„Es tut mir leid, dass ich dich verletzt habe. Ich...ich wollte dir helfen. Ivar mag zwar gute Menschenkenntnis zu haben aber ich bin deine Freundin - und das schon ziemlich lange. Es tut mir weh dich verletzt zu sehen.“
„Mir tut es leid..,ich habe überreagiert. Ich sollte dankbar für deine Sorge sein.“
„Schon okay...ich versteh dich, Astrid. Du bist eine Kriegerin, keine Mutter oder Hausfrau.“
Astrid blickte auf Skyla hinab die friedlich trank.
„Aber ich muss es werden.“
„Zum Teil, ja. Aber nicht zu viel. Du solltest deiner Tochter ein gutes Beispiel sein. Sie sollte sehen, dass Frauen genauso gute Krieger sein können wie Männer, trotz Kind und Haushalt.“
„Aber wie schaffe ich es die richtige Mitte dazwischen zu finden?“, fragte Astrid leicht verzweifelt.
„Da ich dich lang genug kenne kann ich behaupten, dass du deine Kriegerin nie ablegen wirst. Deswegen habe ich vollstes Vertrauen, dass du da eine gute Mitte findest ohne es zu wollen oder zu steuern.“
Astrid blickte ihre langjährige Freundin an.
„Danke Heidrun.“
Sie lächelte zurück.
Astrid lächelte:
„Auch wenn ich nicht gewollt hätte, dass du so stark verletzt wirst, finde ich es schön, dass du länger hier bei uns bist.“
„Die Umstände hätten besser sein können - das ist wahr. Aber es ist auch schön bei euch zu sein - es hat mir die letzten Jahre gefehlt.“
„Und die Berserker kommen wirklich so lange ohne dich aus?“, fragte Astrid.
Heidrun nickte.
„Was haben sie auch schon für eine Wahl? Gisela ist die einzige Heilerin die mir wirklich helfen kann.“
Astrid runzelte die Stirn,
„Das habe ich mich schon länger gefragt: habt ihr auf der Berserkerinsel keinen Heiler?“
„Doch aber Gisela macht ihre Sache überdurchschnittlich gut und sie möchte eine Behandlung die sie beginnt auch zu Ende bringen, was ich vollends verstehe und -“
„Trotzdem ist es ungewöhnlich. Gisela weiß, dass ein ganzes Volk auf dich wartet. Warum lässt sie dich also nicht von einem anderem Heiler behandeln?“
Heidrun zögerte und rieb sich über den rechten Oberarm.
„Haudrauf hat es so veranlasst.“
Astrid runzelte die Stirn,
„Haudrauf? Aber warum? Gerade er müsste doch wissen, dass ein Oberhaupt gebraucht wird.“
Heidrun zuckte mit den Schultern.
„Die Wunde ist wirklich stark entzündet und...er möchte einfach dass ich bestmöglich versorgt werde.“
Astrid kam das alles sehr merkwürdig vor.
Diese neue Information warf Tatsachen auf die ihr vorher nicht aufgefallen waren - zum Beispiel dass Valka und Haudrauf sich so sehr um Heidrun kümmerten.
Sie entschied sich dazu, die Sache vorerst in diesem Gespräch ruhen zu lassen - schließlich schien Heidrun so als wüsste sie auch nicht mehr dazu. Also entschloss sie sich ein anderes Thema aufzugreifen:
Mit einem verschmitzten Lächeln fragte Astrid:
„Oder hat dein verlängerter Aufenthalt etwas mit einem großen, muskulösen, schwarzhaarigen Mann zu tun?“
Heidrun wurde rot.
„Ich hab keine Ahnung wovon du redest.“
„Heidrun - ich habe gesehen wie ihr euch anseht - und zwar schon öfters.“
Heidrun zog eine Augenbraue hoch:
„Du musst gerade reden. Das gleiche Gespräch hatten wir vor ein paar Jahren nur umgekehrt. Da hast du mir einen vorgespielt von ‚nur Freunde‘ und jetzt soll ich die Karten offen legen?“
Astrid lachte.
„Du hast es selbst gesagt: ich bin eine Kriegerin. Und Kriegerinnen reden nicht gerne offen über ihre Gefühle. Du bist gerade das beste Beispiel. Also - was läuft da zwischen dir und Eret?“
Heidrun holte tief Luft.
„Nichts wirklich ernstes...“
„Und was versteht man unter ‚nichts wirklich ernstes‘? Hat er schon etwas über seine Gefühle dir gegenüber erwähnt?“
Heidrun strich sich eine Strähne hinter das Ohr.
„Könnte man so sagen...“
Astrid sah sie an und zog eine Augenbraue hoch.
Heidrun zögerte und gestand schließlich leise:
„An dem Abend bevor er mit Hicks und Akaya los ist hat er mich...geküsst.“
Astrid fielen fast die Augen aus dem Kopf:
„Bitte was? Ihr habt euch geküsst und du verlierst kein Sterbenswörtchen darüber?!“
„Ich bin mir ja selber noch nicht sicher was ich davon halten soll...also bin ich mir schon aber...ach ich weiß auch nicht...es ist alles so verwirrend...einerseits habe ich es sehr genossen und ich fühle mich in seiner Nähe wohl und geborgen aber andererseits...würde eine Beziehung mit ihm vieles verkomplizieren...“
Astrid lächelte:
„Du bist verliebt. Das hat vorher zwar schon jeder Blinde gesehen aber jetzt...wie du da sitzt und es erzählst ist es mehr als klar. Du solltest deine Gefühle nicht zurück halten nur weil es irgendetwas verkomplizieren könnte. Das habe ich zu Beginn auch gemacht. Und was hatte ich davon? Wir haben Zeit verschwendet - wie du es damals gesagt hast. Wir haben kostbare Zeit verschwendet. Und wenn ich eines gelernt habe in den Jahren als Frau des Oberhauptes ist es, dass man für alles eine Lösung findet. Also. Hör auf Zeit zu verschwenden und zeig ihm seine Gefühle.“
Heidrun lächelte.
„Danke Astrid.“
Astrid lächelte:
„Hey, so wie du mir so ich dir.“
Astrid war nicht aufgefallen, dass Skyla mit dem trinken fertig war. Also zog sie sich das Oberteil wieder über die Schulter und wischte dem Baby Milch vom Gesicht.
Heidrun sah verträumt Skyla an:
„Sie ist wunderschön. Ich glaube ich habe noch nie so ein schönes Baby gesehen. Und sie ist so brav.“
Astrid lachte:
„Ja, das gibt sie immer vor zu sein. Nachts treibt sie mich manchmal in den Wahnsinn...dann weint sie und weint sie und ich weiß nicht warum.“
Astrid sah Heidrun an:
„Möchtest du sie mal halten?“
Heidrun nickte.
„Gerne.“
Astrid übergab Heidrun Skyla. So vorsichtig und unbeholfen wie Heidrun sie annahm hatte sie entweder noch nie oder nur ganz selten ein Baby gehalten.
Skyla schlug auch die Augen auf und blickte ihre Mutter irritiert an.
Dann blickte sie in Heidruns Gesicht.
Grün traf auf grün.
Astrid runzelte die Stirn.
Plötzlich ertönte eine Stimme von unten:
„Hey...Ähm ich weiß das war gerade etwas grob und ungeschickt von mir aber...kommt ihr nochmal wieder?“
Ivar´s Stimme war entschuldigend und verunsichert. Ja fast sogar verängstigt.
Heidrun und Astrid lachten.
„Wir kommen.“, erwiderte Heidrun.
„Er hat zwar eine seltsame Art Menschen zu helfen aber er ist ein guter Kerl.“, meinte Astrid.
„Ja. So ganz anders als Ryka.“
„Er ist ohne ihn groß geworden. Ich denke, dass das eine große Rolle spielt.“
„Er scheint generell viel von seiner Mutter zu haben. Ich meine er sieht Ryka auch nicht sonderlich ähnlich.“
„Das ist wahr. Ich weiß zwar noch nicht wirklich, was ich von alldem halten soll aber ich denke er ist ein guter Kerl.“
„Das glaube ich auch.“
„Komm. Wir gehen runter. Bevor er die Metvorräte findet.“, lächelte Astrid.
„Nimmst du Skyla dann wieder...?“
Astrid schüttelte den Kopf.
„Nein. Nimm sie ruhig. Sie scheint sich bei dir wohl zu fühlen.“
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