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Das Gift Von Dorst II - Der Anfang War Nur Ein Vorgeschmack

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Astrid Hofferson Hicks der Hüne
12.11.2014
17.08.2019
103
192.793
25
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
11.08.2015 1.035
 
Kapitel 41: Der Feine Grad Zwischen Fehler Und Guter Tat

Als Hicks zu Giselas Haus zurück kehrte, wurde er bereits von Grobian und seinem Vater erwartet.
„Idas Eltern werden noch heute die Insel verlassen. Und ich werde dafür sorgen, dass sie nie wieder zurück kehren.“, ließ Hicks sie wissen.
Haudrauf legte seinem Sohn die Hand auf die Schulter.
„Hast du Beweise, dass sie es waren mein Sohn?“
„Sie haben es zugegeben. Außerdem hat Ida den blutbesudelten Dolch gefunden.“
Kurze Stille, dann sagte Haudrauf:
„Du hast richtig gehandelt, mein Sohn.“
Hicks sah seinen Vater an. Überrascht von seiner Aussage.
„Danke, Vater.“
„Ich unterbrech´ euren Vater-Sohn Moment nur ungern aber was wird aus dem klen´ Mädchen?“, warf Grobian ein.
„Sie wird hier bleiben. Astrid hat bereits Beweise dafür, dass ihre Eltern sie geschlagen und sowohl körperlich als auch seelisch misshandelt haben.“, er machte eine Pause, „Ich denke, dass war der ausschlaggebende Punkt der das ganze Schlamassel hervorgerufen hat. Ihr kennt Astrid. Sie hat nur versucht Ida zu helfen.“, er senkte den Kopf, „Ich hätte sofort handeln sollen als sie mir erzählt hat was die beiden ihr vorgeworfen haben. Als sie sie beleidigt haben. Ich hätte spätestens handeln sollen als ich zum ersten Gespräch bei ihnen war und sie so auffällig waren. Dann wäre das ganze vielleicht nicht passiert.“
„Du kannst es nicht rückgängig machen, mein Sohn, aber du hast alles richtig gemacht. Streit gibt es unter Wikingern und dass wir nicht gerade sanft miteinander umgehen ist ja wohl bekannt. Sie direkt wegen einer Unstimmigkeit zu verbannen wäre etwas hart gewesen.“
„Das waren nicht nur Unstimmigkeiten...“, murmelte Hicks, „Beleidigung und Verrat trifft es eher. Außerdem...auch wenn wir Wikinger sind...wenn Kinder geschlagen werden, dann geht das zu weit, Vater.“
Haudrauf ließ einen Moment verstreichen, dann klopfte er ihm auf die Schulter.
„Ida ist oben. Du solltest mit ihr reden. Sie war ganz aufgelöst. Und...Astrid könnte bestimmt auch eine wärmende Hand gebrauchen.“
Hicks nickte und ging die Treppe hinauf.

*

Als Hicks gegen die Behandlungstür klopfen wollte, machte Gisela bereits auf.
„Ich hoffe du hast diesen Menschen das gegeben, was sie verdienen.“, sagte sie und ihr Ton hatte immer noch Wut in sich. Die Heilerin stand mit einem Nudelholz vor ihm, welches sie in ihre Handfläche schlug, „Wenn nicht kann ich das gerne nachholen.“
Hicks war überrascht. Solche Wut und vor all dem die Gewaltbereitschaft hätte er der sonst so gütigen und warmherzigen Dorfheilerin nicht zugetraut.
„Eigentlich war eine Verbannung nicht Strafe genug für sie.“, er machte eine kurze Pause, „Ich muss mit Ida reden.“
„Welches Schicksal hat du für sie gewählt, Häuptling?“, fragte Gisela ernst und versperrte ihm den Weg.
„Hier auf Berk zu bleiben. Hier ist sie in Sicherheit. Und hier wird ihr nie wieder jemand etwas so furchtbares antun wie ihre Eltern. Ich weiß zwar noch nicht wie wir all das anstellen sollen, wo sie unterkommen soll und wer sie erziehen soll aber...wir werden einen Weg finden.“
Die Heilerin nickte, ging zur Seite und sagte:
„In dem Fall erlaube ich dir einzutreten und mit dem Mädchen zu reden. Ich werde in der Zeit ein paar Kräuter sammeln gehen die ich für Astrids Wundversorgung benötige. Oh.“, Giselas Hand umfasste sein Handgelenk, zog es hoch und begutachtete es, „Und so wie es aussieht sollte ich noch ein paar Kräuter für Prellungen besorgen. Ich nehme an dein Beschützerinstinkt ist mit dir durchgegangen?“, vermutete Gisela lächelnd.
Er nickte.
„So ungefähr.“
Jetzt glitt wieder das typische warme Lächeln auf ihr Gesicht.
„Guter Mann.“
Die Dorfheilerin verschwand - inklusive Nudelholz - und Hicks ging in das Zimmer.
Ida saß neben der Behandlungsliege auf der Astrid – immer noch bewusstlos und reglos – lag.
In dem jungen Gesicht des Mädchens stand Schock, Trauer, Angst aber auch...ein Hauch Wut.
Aus den grün-grauen Augen der gerade mal 11 jährigen liefen Tränen.
Sie sah hoch als Hicks eintrat. Doch dann senkte sie den Blick wieder beschämt.
Hicks nahm sich einen Stuhl und setzte sich neben die Schülerin seiner Frau.
Eine Weile lang schwiegen sie. Dann begann Ida:
„Es tut mir so...unendlich Leid.“
„Es ist nicht deine Schuld.“, sagte Hicks sanft, „Es war die Tat deiner Eltern, nicht deine.“
Ohne aufzusehen sagte Ida:
„Wahrscheinlich haben sie nicht ein Funken Reue gezeigt, stimmt´s?“
„Nein.“
Ida sah auf ihre Hände. So, als würde über sie gleich ein Urteil gefällt werden.
„Was hast du mit ihnen gemacht?“
„Ich habe sie von dieser Insel verbannt. Sollten sie jemals wieder ein Fuß auf Berk setzten, wird es ihnen das Leben kosten.“
Ida ließ die Schultern noch mehr sinken als vorher.
„Hicks, ich...ich will nicht...“, sie atmete tief ein und aus, „Ich werde dann gleich wieder nach Hause gehen...ich sollte meine Eltern nicht warten lassen.“, sie lächelte ihn bitter an, „Du solltest sie mittlerweile ja kennen.“
„Nein, warte Ida.“, hielt Hicks sie auf bevor sie aufstehen konnte, „Du wirst nirgendwo hingehen.“
Ida sah ihn fragend an.
Plötzlich war Hicks sich nicht mehr sicher ob er das Richtige getan hatte.
Trotz all dem waren sie ihre Eltern.
Er hatte nicht das Recht ein Kind von seinen Eltern zu trennen, egal was vorgefallen war.
„Dich trifft diese Verbannung nicht, Ida. Astrid...Astrid hat mir erzählt was...sie dir antun. Und wie du darunter leidest. Ich habe schon vorher versucht mit ihnen zu reden aber...ihre Ansichten in Sachen Erziehung standen fest. Nach all den Ereignissen die sich entwickelt haben hielt ich es für das Beste wenn du...hier bleibst.“
Gebannt wartete Idas Reaktion ab.
Das Mädchen sah ihn emotionslos an.
„Du meinst ich werde meine Eltern nie wieder sehen? Dass sie Berk verlassen müssen, nie wieder kommen und ich hier bleiben werde?“
Als er in Idas emotionsloses aber dennoch irgendwie geschocktes Gesicht sah wusste er, dass all das ein Fehler war.
Ein großer Fehler.
„So ungefähr habe ich es deinen Eltern klar gemacht.“
Und plötzlich hellte das Gesicht des Mädchens auf, ihre Augen strahlten und ihr Lächeln war so freudig, wie er es bei ihr noch nie gesehen hatte.
Sie stand auf, warf ihre kleinen Arme um ihn und sagte glücklich, den Tränen nahe:
„Danke!“
Erleichterung durchströmte ihn.
Doch kein Fehler.
Sondern eine gute Tat.
Er hatte die richtige Entscheidung getroffen.
Und, was noch wichtiger war:
Er hatte richtig gehandelt.
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