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Das Gift Von Dorst II - Der Anfang War Nur Ein Vorgeschmack

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Astrid Hofferson Hicks der Hüne
12.11.2014
17.08.2019
103
192.793
25
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10.08.2019 3.724
 
Kapitel 97: Pläne & Gespräche
 
Wie erwartet war Johann nicht erfreut gewesen, als er in dem Tragetuch nur eine Decke und Steine fand. Doch er war noch wütender geworden als Astrid es vermutet hatte.
Doch zum Glück war Skyla gesund und munter bei Heidrun auf Berk, denn so musste nur Astrid seine Wut und seine Folter zurück stecken.
Das Wissen, dass Johann sie nicht töten würde da er wollte, dass Hicks dabei zusah wie er ihr weh tat, beruhigte sie. Und wie sie Hicks kannte, war eine Rettungsaktion in Planung.
Das Astrid auf Johann´s Fragen keine Antworten gab, ärgerte den vermeintlichen Händler noch mehr.
Es war später Abend als Astrid in ihre Zelle zurück gebracht wurde. Ihr Magen knurrte und ihr tat alles weh. Und sie war unendlich müde.
Ihr wurde Brot und Wasser gebracht und dafür war sie dankbar.
Doch jetzt, wo sie nicht die ganze Zeit ausgefragt und gefoltert wurde, kamen ihre Gedanken zurück. Und das war mindestens genauso schlimm.
Sie musste an Akaya denken. Ob sie noch lebte? Auch wenn diese Frau Lena und ihr großes Leid angetan hatte – und noch schlimmeres vor hatte – hinterließ der Gedanke, dass sie tot war ein Loch in ihrer Brust und ein bitteren Geschmack in ihrem Mund.
Wenn Akaya wirklich tot war, würde Astrid sich ihr Leben lang vorwerfen daran mit Schuld zu sein. Ivar wäre am Boden zerstört. Wahrscheinlich würde er nie wieder der selbe sein. Wenn Akaya tot war, hatte er keine Familie mehr.
Das Spannungsgefühl in ihrer Brust riss sie aus ihren dunklen Gedanken – zog sie jedoch direkt in die nächsten.
Hoffentlich würde Johann niemanden schicken um Skyla zu holen. Astrid glaubte zwar nicht daran, aber sie fürchtete es.
Sie vermisste ihr Baby und wahrscheinlich vermisste Skyla sie auch. Natürlich hatte sie es gut bei Heidrun und Lena und all den anderen lieben Menschen die sich um sie kümmerten; dennoch glaubte Astrid, dass keiner eine Mutter ersetzten konnte. Skyla würde genau merken, dass sie nicht da war.
Ihr letzter Gedanke bevor sie einschlief galt Hicks.
Er hatte in der letzten Zeit so viel durchmachen müssen: erst ihre schwierige Schwangerschaft und Geburt, dann seine eigenen Verletzungen als er vor Übermüdung und Überarbeitung von Ohnezahn gefallen war, dann ihr Verletzungen die sie von Akaya gehabt hatte...und jetzt das.
So viel wie im vergangenem Jahr war Astrid noch nie in ihrem Leben zuvor passiert und noch nie war sie so oft verletzt oder krank gewesen.
Und sie hasste es.


*

Lena wippte Skyla sanft auf und ab und versuchte sie so ruhig wie möglich zu halten. Ein weinendes Baby wäre in einer Versammlung nur störend gewesen.
Lena durfte – so wie immer – bei der Reiterversammlung dabei sein – obwohl sie keine Drachenreiterin war. Diese Logik hatte sie noch nie verstanden, aber laut Hicks gehörte sie nun dazu – ob mit oder ohne Drache.
Lena glaubte ihm nicht wenn er sagte, dass sie ihre Ideen gebrauchen könnten – so viel sagte sie nun auch nicht. Sie glaubte eher, dass es eine Geste der Freundlichkeit war um sie nicht auszuschließen.
Und auch wenn seine Beweggründe die er sagte andere waren als die wahren Gründe, war sie dankbar dafür.
Aber es waren nicht nur die Berkianer anwesend. Heidrun und Dagur nahmen auch an der Versammlung teil. Dagur war ein Mensch für sich, dennoch ein interessanter und – mittlerweile – aufrichtiger Mann. Auch wenn seine Art Lena manchmal zu laut war, sah sie ihn als wertvoller Verbündeter und Freund.
Lena versuchte der Versammlung zu folgen, doch entweder lag ihre Aufmerksamkeit auf Skyla oder sie musste an Astrid denken. Ihr wurde ganz flau im Magen als sie daran dachte, was ihre Freundin gerade in diesem Moment vielleicht erleiden musste.
Sie wollte es Hicks nicht sagen, aber da wo sie her kam wurden Frauen die entführt wurden oft vergewaltigt. Lena wusste nicht, ob das hier genau so war, aber sie hoffte inständig, dass es nicht so war. Als hätte sie in letzter Zeit nicht schon genug durch gemacht.
„Ich werde diesem elendigen Verräter den Kopf mit einer Axt spalten!“, es war Haudrauf´s laute, einzigartige Stimme und die Faust die auf den Tisch krachte was Lena zusammen schrecken ließ.
„Wir sollten uns dieses mal nicht aufteilen.“, meinte Heidrun und sah Hicks an, „Johann wird nicht nochmal Berk angreifen. Er will dich treffen und dieses Ziel hat er jetzt erreicht.“
„Er könnte zurück kommen um die Kle´ne zu holen.“, warf Grobian ein.
„Das glaube ich nicht. Er würde nicht das Risiko eingehen sich gegen ganz Berk und seine Reiter zu stellen und uns eine Chance bieten Astrid zu befreien.“, entgegnete Heidrun.
„Vielleicht rechnet er genau damit, dass wir das denken.“, meinte Eret mit gerunzelter Stirn.
„Ich weiß was du meinst, Eret, aber ich sehe das so wie Heidrun. Er rechnet damit, dass wir angreifen, aber ich behaupte dass er denkt wir würden ihn frontal angreifen. Deswegen will ich nicht, dass wir ihn mit feuer spuckenden Drachen angreifen. Außerdem wird auch er nicht alleine unterwegs sein. Und ich will nicht, dass Astrid oder einer von uns verletzt oder getötet wird.“
Taffnuss hob die Hand:
„Ähm...also ich bin voll dafür, dass keiner von uns getötet wird.“
„Es wurden in letzter Zeit zu viele verletzt. Ich finde es wird Zeit, dass wir all dem ein Ende setzten und wieder Normalität eintritt.“, meinte Hicks.
„Und wie gehen wir vor?“, fragte Valka.
Hicks lächelte:
„Überraschungsangriff.“


*

Johann sah hinauf zum Horizont.
Kein Drache oder Drachenreiter zu sehen.
Er runzelte die Stirn.
„Ungewöhnlich...“, murmelte er.
Johann hätte gedacht, dass Hicks und die Berkianer innerhalb der ersten Stunden angreifen würde. Doch jetzt waren schon fast eine Woche vergangen und noch kein Anzeichen von einer Rettungsaktion.
Er ging den Weg zurück den er gekommen war und grübelte weiter.
Wenn er ehrlich war, war er überrascht.
Er war davon ausgegangen, dass Hicks sofort all seine Drachenreiter zusammen trommeln würde um seine Geliebte zu retten.
Das er eine Woche verstreichen ließ sah ihm gar nicht ähnlich.
Er blieb gehässig lächelnd vor Astrid´s Zelle stehen.
Die junge Frau war vom Staub verdreckt, hatte hier und da Blutflecken, ein paar blaue Flecken und aufgesprungene Fingerknöchel. Letzteres war sie selber Schuld: sie hatte sich bei dem Versuch sich aus der Zelle zu befreien die Fingerknöchel aufgeschlagen.
Von ihrer Wildheit und Entschlossenheit war nicht mehr viel übrig. Sie saß in der hinteren Ecke und schien sich genauso wie Johann zu fragen warum nichts geschah.
Ihre Verzweiflung war tröstend für Johann. Mit einem verhöhnenden Lächeln meinte er:
„Sieht so aus als würde dich niemand vermissen, Lady Astrid.“
Sie sah hoch und schenkte ihm einen Blick der hätte töten können.
„Freu´ dich nicht zu früh.“
„Eher das Gegenteil ist der Fall. Ich würde mich freuen wenn dein Gemahl und sein Gefolge endlich angreifen würde. Du bist diejenige die sich freuen sollte, dass Hicks nicht kommt. Denn sobald er hier ist werde ich dich vor seinen Augen foltern und quälen. So lange, bis er mir euren Bastard überreicht im Austausch für dein Leben.“
„Das wird er nicht tun.“
„Das wird er. Er tut alles für die Leute die er liebt; das ist seine Schwäche.“
„Liebe ist keine Schwäche.“
„Das sehe ich anders. Würde er dich nicht lieben, würde er nicht in diesen Zwiespalt geraten der durch meine Forderung entstehen wird.“
„Ich nehme es dir nicht übel, dass du denkst Liebe wäre eine Schwäche. Wie soll ein Mann wie du wissen was Liebe ist?“, meinte Astrid.
„Da täuscht du dich meine Teuerste. Ich weiß, dass Liebe eine Schwäche ist weil auch ich weiß wie sich Liebe anfühlt.“
„Das kann ich mir kaum vorstellen.“
„Glaubst du etwa ich war schon immer der lästige Händler für den ihr Berkianer mich gehalten habt? Ich war nicht immer der, der ich jetzt bin. Nachdem du Akaya Grimborn und ihre Geschichte kennen gelernt hast müsstest du wissen, dass man von jetzt auf gleich die Seite wechseln kann. Es muss nur etwas passieren was einen tief im Inneren trifft: Bei Akaya war es der Tod ihres geliebten Vaters.“
„Und was war es bei dir?“, fragte Astrid.
„Warum sollte ich jemanden wie dir das erzählen? Ich frage mich, was würdest du tun, wenn ich Hicks und euren Bastard töten würde?“
„Ich würde dich zunächst umbringen. Quälend langsam. Und dann würde ich mich um Berk kümmern.“, versuchte Astrid so taff wie möglich zu sagen.
Allein bei dem Gedanken wurde ihr übel vor Verzweiflung und Trauer.
Johann lächelte und sagte:
„Ihr seit naiv, Lady Astrid.“
Damit drehte er sich um und ging.


*

Hicks saß bei seinen Eltern am Tisch und während seine Eltern und Grobian aßen fütterte er Skyla.
Es war still am Tisch bis auf die Geräusche die Skyla beim trinken machte.
Doch dann begann Valka mit besorgter Stimme:
„Hicks, du musst essen.“
„Ich bin noch beschäftigt. Außerdem habe ich keinen Hunger.“, sagte er ohne den Blick von Skyla zu nehmen.
Valka, Haudrauf und Grobian blickten sich an.
„Du solltest aber für morgen bei Kräften sein. Wann hast du das letzte mal etwas gegessen?“, fragte Valka.
Hicks seufzte leise.
„Ich esse gleich.“
Eine kurze Pause entstand, dann fragte Grobian:
„Wer wird auf die Kle´ne aufpassen solange wie wir alle weg sind?“
„Lena.“, beantwortete Hicks seine Frage.
„Ich bin immer noch der Meinung, dass wir nicht alle gehen sollten.“, warf Haudrauf ein, „Was ist wenn Johann das selbe vor hat wie beim letzten mal? Lena ist ein friedliebendes Mädchen. Sie wird Skyla und sich nicht beschützen können.“
„Johann ist kein Mensch, der den gleichen Plan zweimal hintereinander anwendet. Außerdem weiß er, dass wir diesen Trick jetzt von ihm kennen.“
„Aber vielleicht wird er es deswegen nochmal tun: Weil er weiß, dass wir meinen er wird die Nummer nicht zweimal durchführen.“, meinte Grobian.
„Wir reden hier von Johann – nicht von Viggo.“, sagte Hicks, „Außerdem ist Lena ja nicht alleine. Das Dorf besteht schließlich nicht nur aus Drachenreiter.“
Skyla war fertig mit trinken. Sie drückte mit ihren winzigen Händchen gegen seine Hand um die Flasche von ihrem Mund zu schieben. Hicks stellte die Flasche auf den Tisch, wischte dem Baby die Milch vom Gesicht, hielt sie senkrecht an seine Schulter und wippte sie gleich so, wie Astrid es ihm gezeigt hatte.
Haudrauf blickte ihn und seine Enkelin an:
„Bist du dir wirklich so sicher, dass du bereit bist Skyla´s Leben in Gefahr zu bringen?“
Hicks fühlte sich von der Art und Weise wie sein Vater es sagte angegriffen. Glaubte sein Vater wirklich, dass er das Leben seiner Tochter so leichtsinnig riskieren würde?
Mit angesäuerter Stimme sagte er:
„Ich würde am liebsten selber hier bleiben um sie zu beschützen. Aber das kann ich nicht. Ich würde meine Tochter doch nicht mit Lena alleine zurück lassen wenn ich nicht genau wüsste, dass ihr Leben nicht in Gefahr ist! Johann wird nicht zurück kommen! Er hat was er wollte um mich zu treffen. Und wenn wir morgen auf ihn treffen und der Versuch Astrid zu befreien scheitert, wird er sie töten!“, zum Schluss wurde seine Stimme brüchig. Es tat gut seine Befürchtung endlich auszusprechen. Deswegen wollte er auch, dass alle verfügbaren Drachenreiter ihn begleiteten: Wenn sie den Kampf nicht gewinnen, würde Johann Astrid umbringen. Das war für Hicks die logische Schussfolgerung. Johann hatte Astrid nur aus diesem Grund entführt: um ihn anzulocken und Astrid zu töten wenn er sich sicher war, dass Hicks ihn nicht überwältigen konnte. Somit lag der Ablauf dieser Rettungsaktion anders als sonst. Sie mussten erst Astrid befreien und dann einen Kampf auslösen um Johann zu schlagen. Wenn der Kampf begann bevor Astrid frei war würde Johann sie als Geisel nehmen und selbst wenn Hicks und die Drachenreiter ihn besiegen würden, würde Johann Astrid mit in den Tod reißen.
Hicks konnte Heidrun nicht genug danken Skyla gerettet zu haben: Hicks war sich sicher, dass Skyla in keiner der Möglichkeiten überlebt hätte.
Ein leises Rülpsen holte ihn aus seinen Gedanken. Er nahm Skyla von seiner Schulter und wiegte sie sanft. Doch auch ohne seine Bemühungen war Skyla innerhalb von Sekunden eingeschlafen.
Plötzlich spürte er eine Hand auf seiner Schulter.
Er blickte hoch und sah in das Gesicht seiner Mutter. Sie kniete sich neben ihn und sagte:
„Wir werden alles tun, dass das nicht passiert.“
Die Art und Weise wie sanft und tiefgründig sie das sagte beruhigte Hicks ein wenig. Es war etwas, was er im Leben immer vermisst hatte ohne es zu wissen: Die Sanftheit und Aufopferung seiner Mutter.
„Danke.“, sagte er.
Seine Mutter lächelte ein wenig, legte ihm eine Hand auf die Wange und strich mit dem Daumen sanft darüber:
„Du solltest etwas essen und dann versuchen ein wenig zu schlafen.“, damit fuhren ihre Arme zwischen Hicks und Skyla und sie nahm das kleine Bündel von seinem Arm, „Ich kümmere mich so lange um sie.“
Valka setzte sich mit Skyla wieder auf ihren Platz neben Haudrauf.  Hicks entfuhr ein Lächeln als er sah wie sein Vater sich mit einem stolzen Lächeln über Skyla beugte und ihr über die Wange strich.
Also begann er ohne Appetit zu essen.

*

Es war schon dunkel als Heidrun und Eret spazieren gingen. Sie kamen an einer kleinen Bucht an und setzten sich auf einen der flacheren Felsen um auf´s Meer hinaus zu blicken.
„Wie nah standen Astrid und du euch eigentlich? Ich weiß, dass ihr Freundinnen wart – also seit – aber mehr nicht.“
„Astrid und ich haben einen holprigen Start gehabt.“, damit erzählte Heidrun von der Zeit als sie zwangsläufig für Alwin arbeiten musste und Sturmpfeil gestohlen hatte und wie Astrid ihr geholfen hatte ihre Eltern zu befreien. Dann erzählte sie Eret von der Drachenklippe und das was sie dort erlebt hatten.
„Das hört sich nach wahrer Freundschaft an.“, meinte Eret.
Heidrun lächelte:
„Das ist es. Wir haben viele Gemeinsamkeiten und sind beide Kriegerinnen.“
„Gute Kriegerinnen.“, ergänze Eret.
„Naja...wenn dem so wäre hätte Johann sie nicht entführt.“
„Du hast Schuldgefühle deswegen.“, sprach Eret das offensichtliche aus, „Aber das solltest du nicht. Astrid und du habt die richtige Entscheidung getroffen. Und du musstest sie dafür alleine lassen – um Skyla zu retten. Astrid wird die Gefangenschaft überleben – Skyla hätte es nicht überlebt. Dafür hätte Johann gesorgt. Somit hast du alles getan, was man von einer Freundin verlangt.“
„Das weiß ich.“, sagte Heidrun bedrückt, „Trotzdem hätte ich...irgendwas tun sollen.“
„Hast du. Du hast Akaya damit beauftragt die Rückendeckung für Astrid zu sein.“
„Und jetzt ist die dem Tod näher als dem Leben.“, warf Heidrun ein.
„Und das ist erstaunlich. Wer hätte gedacht, dass sie von jetzt auf gleich vom Feind zur Verbündeten wird und sich für Astrid opfert. Aber auch das ist nicht deine Schuld. Sondern Johanns.“
Als er sah, dass seine Worte sie nicht wirklich überzeugen konnten, legte er einen Arm um sie und zog sie an sich. Sie legte ihren Kopf auf seine Schulter und zusammen blickten sie auf das dunkle Meer hinaus.
Ein paar Augenblicke genossen sie den Augenblick und sagten nichts. Dann begann Heidrun leise:
„Ich möchte dich etwas fragen.“
„Nur zu.“, meinte Eret.
Heidrun biss sich auf die Lippe. Dann nahm sie ihren Kopf von seiner Schulter und er löste den Griff.
Sie sahen sich an und schließlich fragte Heidrun nervös:
„Was ist da zwischen uns?“
Er sah sie etwas irritiert an, dann lächelte und legte seine Hand auf ihre womit sie sich auf dem Boden abstützte.
„Ich dachte ich hätte dir genug Hinweise gegeben.“
Heidrun strich sich mit der freien Hand eine Strähne hinter das Ohr:
„Die habe ich auch wahrgenommen aber...ich wusste nicht ob du es ernst meinst mit mir.“
Jetzt runzelte er die Stirn:
„Warum sollte ich es nicht ernst meinen?“
„Ich habe gehört, dass du schon öfters mit Frauen geflirtet hast.“
„Schuldig im Sinne der Anklage.“, gab er zu, „Aber...bei den anderen habe ich dabei nichts tiefgründiges gefühlt.“
„Und das mit Astrid?“, fragte Heidrun.
Eret kratzte sich verlegen den Hinterkopf:
„Oh...du hast davon gehört, ja?“
„Die anderen haben es mir erzählt an dem Tag als wir uns das erste mal gesehen haben in der großen Halle. Ich habe sie gefragt wer du bist und wo du warst.“
„Wer hat es dir erzählt?“
„Astrid. Sie sagte, dass es eine schwere Zeit für sie und Hicks war und du ein guter Freund der beiden bist. Und das du sie eines abends als ihr etwas getrunken habt geküsst hast.“
Eret nickte leicht und sagte:
„Ja...das stimmt und ich bin nicht stolz darauf. Hicks ist ein guter Mann, ein guter Anführer und ein guter Freund. Mein Verhalten war eigentlich unverzeihlich.“
„Wie kam es dazu, dass du es trotzdem getan hast?“
„Wie Astrid dir schon erzählt hat war es keine leichte Zeit für die beiden. Hicks versank in Arbeit und Stress und Astrid trat für ihn immer mehr in den Hintergrund. Er sah nicht, was sie alles für ihn tat und wie sehr sie ihm half. Aber er nahm es als selbstverständlich an. Je mehr Astrid versuchte ihm näher zu kommen desto mehr Abstand nahm er. Astrid ist keine Frau die viel Aufmerksamkeit und öffentliche Zuneigung braucht, das weißt du, aber das machte sie fertig. Da Astrid mich trainierte und unterrichtete was mein neues Dasein als Drachenreiter anging und ich auch oft Hicks half bekam ich es am meisten mit wie sehr sie sich auseinander lebten. Und eines Tages erzählte Astrid mir alles und schüttete ihr Herz aus. Die arme tat mir richtig leid. Ich sah ja, was sie alles für ihn tat und ich sah wie kalt er ihr gegenüber war. Und es machte mich auch wütend. Das hatte sie nicht verdient. Und Hicks hatte mit seinem Benehmen Astrid nicht verdient. Ich verstand, dass er viel um die Ohren hatte und sich erstmal an diese neue gigantische Aufgabe und Verantwortung gewöhnen musste aber...“, er schüttelte den Kopf, „Das zog sich über Wochen und Monate. Ehrlich gesagt habe ich nicht daran geglaubt, dass die beiden je wieder zueinander finden würden.“
„Und dann hast du die Situation direkt für dich ausgenutzt?“, fragte Heidrun empört und wütend.
„Nein. Astrid ist eine starke Frau. Und wenn eine starke Frau wie Astrid in so ein Loch fällt und so...fertig und traurig ist heißt das schon was. Ich habe ihr immer Ratschläge gegeben und tröstende Worte, aber das half nicht. Andersherum habe ich Hicks auch immer wieder vor Augen geführt wie froh er sein kann Astrid zu haben – und zum Schluss habe ich ihm auch gesagt, dass er sich Astrid gegenüber nicht erkenntlich genug zeigt und er bedenken sollte, dass sie nicht nur sein General sondern auch seine zukünftige Frau sei. Aber er nahm sich davon nichts an. An dem besagten Abend veranstalteten wir ein Fest. Wir hatten an dem Tag das letzte Eis und die letzten Beschädigungen von dem Angriff von Drago und des Alphas befreit und das musste gefeiert werden. Es feierten auch alle...außer Hicks und Astrid. Hicks war damit beschäftigt sich mit den vielen Dörflern zu unterhalten die seine Aufmerksamkeit wünschten. Irgendwann entdeckte ich Astrid. Sie saß alleine und niedergeschlagen an einem der Feuerkörbe. Du kannst dir nicht vorstellen wie unsagbar traurig und niedergeschlagen sie dort saß. Bevor ich auf sie zu ging, hob ihr Blick sich und sie sah in die Richtung wo Hicks stand. Und irgendetwas in ihrem Blick war anders als sonst wenn sie ihn ansah. Sie war gebrochen und...sie hatte Hicks aufgegeben. Sie schien ausweglos. Und sie gab auf.
Wahrscheinlich lag es daran, dass ich nicht mehr ganz nüchtern war aber...ich war so wütend. Sie tat alles für Hicks, verzieh ihm alles und machte sogar mehr als er mitbekam. Ohne sie hätte er all das nicht geschafft und...Astrid ist keine Frau die viel Bestätigung und öffentliche Zuneigung braucht. Und aus Vorigen Gesprächen wusste ich, dass sie öfters seine Nähe und Zuneigung gesucht hat wenn sie alleine waren aber...er ging nicht darauf ein. Und obwohl er ihr gegenüber ein so kalter Klotz war trauerte sie ihm hinterher und machte alles für ihn. Also setzte ich mich zu ihr und das Gespräch nahm seinen Lauf wie Astrid es dir erzählt hatte. Es war nicht so, dass ich Astrid für mich gewinnen wollte. Ich fand es unfair ihr gegenüber...Sie hatte was viel besseres verdient. Nicht mich, um Gottes Willen - aber was besseres als die Beziehung die sie gerade erlebte.“, er sah Heidrun an, „Ich wollte wirklich keinen Keil zwischen die beiden drängen. Und ich bin froh, dass sie wieder zueinander gefunden haben...“, sein Blick wurde traurig, „Astrid erinnert mich sehr an meine jüngere Schwester. Und als Hicks so kalt zu ihr war...das gleiche hatte meine Schwester auch durch machen müssen.“
„Du hast eine jüngere Schwester?“
„Ja. Sie ist tot. Die Klippe schien für sie hoffnungsvoller als die Ehe in der sie lebte.“
Getroffen sagte Heidrun:
„Das tut mir leid...“
„Kurz danach habe ich mich entschlossen mich den Drachenjägern anzuschließen. Ich konnte nicht mehr länger auf dieser Insel bleiben.“
Heidrun überlegte kurz, dann legte sie ihm eine Hand auf seine und sagte:
„Ich denke Hicks weiß, dass du es nicht böse gemeint hast. Sonst hätte er es dir nicht verziehen. Er ist ein gütiger Mann, aber wenn es um Astrid geht sieht das ganze anders aus.“
Eret lächelte.
„So soll es doch auch sein, oder nicht?“
Sie lächelte warm zurück.
Eret´s warmes Lächeln wurde zu einem schmunzeln:
„Aber...ich habe auch Geschichten von dir gehört...Astrid hat mir erzählt dass du früher, als du das erste mal hier auf Berk aufgetaucht bist, Hicks schöne Augen gemacht hast.“
Heidrun lachte leise:
„Das ist wahr. Aber ehrlich gesagt war das reine Taktik um alles übers Drachen trainieren heraus zu finden und das Buch der Drachen zu stehlen. Die Verbannten hielten meine Adoptiveltern gefangen und zwangen mich für sie zu arbeiten und zu spionieren.“, sie schmunzelte, „Astrid war grün vor Neid und Eifersucht.“
„Also hattest du es nicht auf Hicks abgesehen?“, fragte Eret.
„Nein. Er ist mir ein guter Freund und er bedeutet mir sehr viel aber...eher wie ein Bruder als wie ein Liebhaber. Außerdem sind Astrid und er wie füreinander geschaffen und...“, sie blickte zu ihm hoch, „ich denke es ist gut wie es ist.“
Sie schwiegen kurz, dann ergriff Heidrun wieder den ursprünglichen Gesprächsfaden:
„Also...bekomme ich heute noch eine Antwort auf meine Frage was zwischen uns ist?“
Als Antwort beugte er sich zu ihr hinunter und legte seine Lippen auf ihre. Und die Art und Weise wie sanft und liebevoll er sie küsste wusste sie, dass er es mit ihr ernst meinte und das zwischen ihnen mehr war, als nur Liebeleien.
Er meinte es ernst mit ihr.
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