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Das Gift Von Dorst II - Der Anfang War Nur Ein Vorgeschmack

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Astrid Hofferson Hicks der Hüne
12.11.2014
17.08.2019
103
192.793
25
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
23.06.2019 3.164
 
Erstmal danke an meine treuen Reviewschreiber :*
Heute gibt es als Belohnung mal ein längeres Kapitel :)
Viel Spaß

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Kapitel 96: Vertrauen und Reue

Als Astrid auf Johann´s Schiff war konnte sie nur mit ansehe wie Berk immer kleiner wurde und schließlich verschwand.
Sie wurde in einen Kerker gesperrt und irgendwann ließ die Betäubung ein wenig nach, doch ihr Bein fühlte sich immer noch seltsam an und sie konnte es nicht richtig belasten.
Sie mussten schon fast einen Tag unterwegs sein, als Johann vor ihre Zelle trat.
„Ich hoffe du bist nicht nachtragend, Astrid. Oder soll ich Mrs. Haddock zu dir sagen?“, höhnte er, „Du warst damals nicht dabei als Hicks und ich gegeneinander gekämpft haben also bringe ich dich auf den Stand.“
„Ich weiß was passiert ist. Du wurdest eingefroren. Vom König der Drachen.“, sie machte eine Pause, „Und du hast es auch nicht anders verdient.“
„Das wäre alles nicht passiert wenn Hicks mir das Drachenei einfach überlassen hätte. Ich wäre beinahe umgekommen! Und ich finde es als Wiedergutmachung nur fair wenn ich etwas quäle was ihm lieb ist.“, er lächelte, „Oder besser gesagt jemand.“
Er begann vor der Zelle auf und ab zu laufen.
„Sagt mir, junge Astrid, wann hast du euren Bastard empfangen? Ich habe gehört, dass es eine grauenvolle Schwangerschaft für dich gewesen sein muss. Ich wusste, dass Berkianer nicht so clever sind wie sie es immer alle glauben lassen wollen aber die Tatsache, dass du den Bastard in deinem Bauch nicht einfach umbringen lassen hast hat mich verwundert. Ich habe dich immer für eine schlaue, junge und starke Kriegerin gehalten.“
„Das Leben zu lieben ist keine Schwäche“, sagte Astrid wütend, „und meine Tochter ist kein Bastard. Sie wurde nach unserer Eheschließung gezeugt.“
Johann schien etwas überrascht:
„Eine Tochter. Das überrascht mich. Ich ging von einem Sohn aus. Schließlich wäre das doch angebracht für Männer in Hicks Position.“, er fuhr fort, „Außerdem, meine Teure, bezeichnet das Wort Bastard nicht nur die Bezeichnung eines unehelichen Kindes. So werden auch Kinder genannt die einen Vater von höherem Stand“, er blickte Astrid von oben bis unten abwertend an, „aber eine Mutter von niedrigem Stand haben.“
Astrid kochte innerlich:
„Menschen sind alle gleich. Es gibt keinen wertlichen Unterschied zwischen ihnen.“
„So mögt ihr das auf Berk sehen, aber die meisten Völker sehen das anders. Du glaubst gar nicht was ich schon alles gesehen habe. Männer die ihre Töchter verkauften, Könige die ihre Töchter ertränkt haben, Könige die ihre Prinzen mit Töchtern anderer Könige verheiratet haben – oh, ich könnte euch die ganze Nacht und den ganzen nächsten Tag davon erzählen. Und dann kommst du und willst mir gleich machen, dass alle Menschen gleich sind. Ich möchte dir etwas verraten, Astrid. Es sind nicht alle Menschen gleich. Auch du nicht. Was meinst du wie aufgewühlt Berk nun ist da sowohl ihr Oberhaut nicht da ist sowohl auch die Oberhäuptin und deren Nachfolger entführt wurde?“

*

Obwohl der Kampf gewonnen war, hatte Hicks ein seltsames Gefühl.
Allerdings schien er der einzige zu sein, der einen bitteren Nebengeschmack des Sieges hatte. Die Beschützer des Flügels sah man ihre gute Laune an während sie bereits begannen die Schäden zu beseitigen.
„Warum das lange Gesicht?“, fragte Fischbein der neben ihn trat.
„Irgendetwas stimmt hier nicht. Warum schickt Johann seine Krieger ohne ihn los?“, überlegte er, „Keiner hat ihn gesehen und er hat sich auch nicht blicken lassen.“
„Vielleicht hat er sie vor geschickt um heraus zu finden wie stark wir sind.“, vermutete Fischbein.
„Aber das sieht ihm nicht ähnlich.“
„Aber das hier.“, kam die Stimme von Dagur der mit einer kleinen Papierrolle auf die beiden zu kam.
„Was ist das?“, fragte Fischbein.
Dagur sah besorgt aus, dennoch lag ein Ausdruck von Wut auf seinem Gesicht.
„Eine Schreckenspost von meiner Schwester.“, sagte er und hielt Hicks das Papierstück hin.
Er nahm es entgegen, rollte sie aus und erkannte sofort Heidrun´s Schrift:
´Johann hat uns angegriffen. Akaya ist schwer verwundet und Astrid verschwunden.´
Panik stieg in Hicks auf.
„Was schreibt sie?“, fragte Fischbein vorsichtig.
Hicks blickte auf:
„Trommel alle zusammen. Wir müssen sofort nach Berk zurück.“

*

Der Rückweg von der Berserkerinsel nach Berk kam Hicks noch nie so lang vor wie jetzt. Sein Verstand raste und sein Herz pochte.
Wie konnte er auf Johann schon wieder reinfallen?
Und warum erwischte es schon wieder Astrid?
Jetzt blieb sein Herz stehen.
Wenn Johann Astrid hatte...dann hatte er bestimmt auch Skyla. Er kannte Astrid gut genug um zu wissen, dass Astrid Skyla bei einem Angriff bei sich haben würde um sie zu beschützen – was auch logisch und vernünftig klang.
Doch wenn Johann Astrid entführt hatte, dann musste er zwangsläufig auch Skyla haben.
Natürlich erwischte es mal wieder Astrid...schließlich war Johann auf Rache aus. So, wie auch Akaya auf Rache aus gewesen war.
Und wie traf man jemanden am stärksten? Wenn man denjenigen weh tat die man liebt.
Und Hicks hatte genug Feinde die Rache üben wollten.
Aber Astrid war eigentlich in der Lage sich selbst zu verteidigen – besser als er.
Doch auch wenn sie wieder gut im Training war, war das wahrscheinlich noch nicht genug. Schließlich hatte sie immer noch nicht ihren alten Trainingsstand erreicht. Und Johann wird nicht allein gekommen sein. Aber Astrid war schließlich auch nicht alleine; Heidrun, Akaya und Ivar waren bei ihr gewesen.
Es musste etwas passiert sein, dass Johann es gelungen war Astrid zu entführen.
„Ich weiß, dass du dir Sorgen machst, mein Sohn.“, kam die Stimme seiner Mutter neben ihn, „Aber ich bin mir sicher, dass es Astrid und Skyla gut geht.“
„Sie ist eine Kriegerin, mein Sohn, vergiss das nicht. Wenn wir sie nicht zurück holen, wird sie sich selbst befreien.“
Auch wenn Hicks dankbar war, dass seine Eltern ihn trösten und Sicherheit geben wollten, so kam keine ihrer Worte bei ihm an.

*

Berk kam in Sicht.
Getroffen aber auch mit einem Seufzen sah Hicks, dass der Kampf – mal wieder – Verwüstung und Zerstörung über das Dorf gebracht hatte. Doch das war jetzt die kleinste Sorge – schließlich waren sie das immer wieder neu aufbauen gewöhnt.
Kaum waren sie gelandet, erkannte er Heidrun die auf sie zu kam.
„Hicks! Thor sei dank, ihr seit hier und es geht allen gut.“
„Das gleiche könne wir auch über dich sagen.“, meinte Haudrauf erleichtert.
„Was ist passiert?“, fragte Hicks und Heidrun´s Gesicht wurde ernst.
„Sie haben uns überrascht und sie waren in der Überzahl. Auch wenn wir sofort den Gegenangriff und die Verteidigung begonnen haben, wurden wir überrannt. Wir konnten sie letztendlich zum Glück abwehren, doch es gab ein paar Verletzte und Astrid ist nicht aufzufinden. Ich nehme an Johann hat sie.“, sie sah ihn schuldbewusst und mitleidig an, „Es tut mir leid.“
Valka ging auf sie zu und legte ihr eine Hand auf die Schulter:
„Mach dir keine Vorwürfe. Du hast alles getan was in deiner Macht stand.“, sagte sie sanft und aufbauend.
„Warum war Astrid alleine?“, fragte Hicks vorwerfend und etwas lauter.
„Sie war nicht alleine!“, widersprach Heidrun, „Akaya war bei ihr. Wir hatten uns getrennt um -“
Hicks unterbrach sie:
„Warum habt ihr euch getrennt?! Du wusstest genau so gut wie ich worauf Johann aus war! Du bist hier geblieben um sie zu beschützen und Berk zu verteidigen!“, er wurde besorgt und traurig, „Wer weiß was er Astrid und Skyla antut.“
„Ich wusste was Johann vor hat und deswegen -“
„Du hast sie im Stich gelassen!“
Valka, die immer noch neben Heidrun stand, sagte:
„Hicks...sei nicht so hart zu ihr...sie kann nichts dafür. Johann hätte sie getötet wenn sie bei Astrid und Skyla gewesen wäre. So wie Akaya...“
Heidrun machte einen Schritt auf ihn zu, ihre Stimme wurde wieder wärmer:
„Außerdem hatten wir uns aus einem guten Grund getrennt. Wie du schon sagtest wusste ich was Johann vor hatte. Und das wusste Astrid auch.“, sie blickte ihm tief in die Augen, „Johann mag Astrid haben, aber Skyla hat er nicht. Bevor der Kampf los ging hat Astrid mir Skyla gegeben und ich habe sie in Sicherheit gebracht. In Astrids Tragetuch sind nur Decken und Steine.“
Hicks Gesicht wirkte überrascht und überglücklich.
„Wo ist sie?“, fragte er.
„In ihrer Wiege. Und auch Astrid werden wir zurück holen.“
„Wir sollten noch heute aufbrechen.“
„Aber vorher sollten wir nach der Kle´nen sehen.“, meinte Haudrauf.

*

Valka, Haudrauf, Hicks und Heidrun gingen zu Astrid´s und Hicks´ Haus während die anderen zu ihren Häusern gingen.
„Geht zu Skyla.“, meinte Valka als sie durch die Haustür kamen, „Ich mach in der Zeit Milch für sie warm.“
Ohne etwas darauf zu erwidern gingen die beiden die Treppe hinauf.
Valka sah den beiden wehmütig hinterher. Sie spürte die Hand ihres Mannes auf ihrer Schulter:
„Wir müssen es ihnen sagen, Val.“, meinte Haudrauf sanft und leise.
Sie nickte.
„Du hast ja Recht. Aber...ich habe Angst davor es ihnen zu sagen. Sie werden beide furchtbar wütend und enttäuscht sein und vielleicht werden sie uns hassen für das, was wir getan haben.“
„Aber je länger wir es ihnen verschweigen umso schlimmer wird es. Und sie werden die Wahrheit irgendwann heraus finden.“
Sie sah ihn mit ihren großen traurigen Augen an:
„Aber was werden sie von uns halten? Ich kann sie nicht beide verlieren, Haudrauf. Nicht nochmal.“
„Unsere Kinder sind vernünftige und gütige Erwachsene. Wenn wir es ihnen erklären, werden sie zunächst wütend und traurig sein aber dann werden sie es verstehen.“
Sie schmiegte sich an ihn, er legte seine Arme um sie und während er ihr einen Kuss auf den Scheitel hauchte hoffte er, dass er Recht hatte.

*


Heidrun ging hinter Hicks die Treppe hinauf und folgte ihm ins Skyla´s Zimmer.
Er sprintete regelrecht und blickte in die Wiege. Sein Gesicht entspannte sich als er seine Tochter unversehrt darin liegen sah.
Heidrun blieb auf gewissem Abstand während Hicks Skyla aus der Wiege nahm und an sich drückte.
Das Baby gab ein paar knötternde Laute von sich, als wäre sie unzufrieden damit dass sie nicht in ihrer Wiege liegen bleiben durfte.
Hicks wippte mit ihr leicht auf und ab und als Skyla anscheinend erkannte, dass ihr Vater sie auf dem Arm hatte hörte sie auf mit den knötternden Geräuschen.
Auch wenn Heidrun ein schlechtes Gewissen hatte und Schuldgefühle sie prägten weil sie Astrid nicht vor der Entführung bewahren konnte, so tröstete der Anblick von Hicks und Skyla ein wenig ihre Seele. Wenigstens hatte sie Skyla beschützen können.
Hicks Gesichtsausdruck wurde traurig und schuldbewusst. Er löste den Blick von Skyla und sah Heidrun an.
„Es tut mir Leid, was ich vorhin gesagt habe. Das war nicht fair. Ich weiß, dass du niemals zugelassen hättest, dass Astrid etwas geschieht. Du und Astrid wolltet Skyla beschützen. Das war eure höchste Priorität. Und auch wenn ich das etwas anders sehe...und für mich Astrid UND Skyla die höchste Priorität sind, so bin ich froh, dass ihr es getan habt.“
Heidrun machte ein paar Schritte auf ihn zu und legte ihm die Hand auf die Schulter:
„Wir werden sie finden. Zusammen.“
Hicks versuchte seinen rasenden Verstand zu beruhigen. Es würde niemandem helfen jetzt die Fassung zu verlieren und sich Hals über Kopf in eine unorganisierte Rettungsaktion zu stürzen. Früher hätte er das gemacht. Doch er war reifer geworden und hatte gelernt, dass man mit Organisation und Planung immer besser beraten ist.
Also atmete er einmal tief ein und aus und fragte Heidrun:
„Was ist mit Akaya?“
„Sie ist schwer verletzt. Gothi kümmert sich um sie, zusammen mit Gisela. Sie wissen nicht ob sie die Nacht überlebt..“
Hicks senkte getroffen den Blick.
Auch wenn Akaya viel angerichtet hatte, so hatte sie das auch nicht verdient. Dennoch fragte Hicks sich, wie es passieren konnte das Akaya so schwer verletzt wurde.
„Weißt du was passiert ist?“, fragte er Heidrun, „Akaya ist eine ausgezeichnete Kriegerin – wie konnte es dazu kommen, dass sie lebensbedrohlich verletzt wird?“
„Mir wurde gesagt, dass sie und Astrid gegen Johann gekämpft hat. Und als Johann mit seinem Schwert ausholte und auf den Tragegurt auf Astrid´s Rücken zielte hat sie sich dazwischen geworfen.“
„Ihre Reue...“, murmelte Hicks traurig.
„Was?“, fragte Heidrun.
Hicks blickte Heidrun an:
„Akaya hat versprochen, dass sie irgendwann ihre Reue, ihr Bedauern und ihren guten Willen beweisen wird.“
„Das hat sie nun.“, bestätigte Heidrun.
„Aber nicht so...“, meinte Hicks traurig.
Heidrun verschränkte die Arme vor der Brust:
„Die Götter werden über Akaya´s Schicksal entscheiden. Wie gehen wir weiter vor?“
„Wir holen Astrid zurück.“, er blickte Heidrun an, „Aber dafür brauche ich deine Hilfe.“
Heidrun zog eine Augenbraue hoch.
Hicks lächelte leicht:
„Du weißt selber wie...wie ich Astrid als Rückhalt brauche. Ich wäre ohne sie nicht so weit gekommen. Ohne sie hätte ich viele Dinge nicht geschafft. Ich brauche sie und ihre Art an meiner Seite. Doch jetzt...jetzt bin ich alleine. Versteh mich nicht falsch; ich bin ohne sie nicht verloren oder aufgeschmissen aber...es ist schön jemanden bei sich zu haben den man vertraut, der einem hilft und der einem gute Ratschläge gibt.“
„Und der bin ich?“, fragte Heidrun, „Warum nicht Fischbein? Er ist schlau und dein langjähriger Freund.“
„Schon aber ich...ich habe bei dir ein besseres Gefühl. Ein vertrauteres. Es ist nicht so wie bei Astrid aber...ein anderes tiefliegendes Gefühl.“
Seine Worte rührten Heidrun und sie lächelte ihn dankbar an:
„Danke.“, eine kurze Pause entstand bis Heidrun fragte, „Na schön. Wie kann ich dir helfen?“
„Wir sollten eine Reiterversammlung einberufen, inklusive Lena, meinen Eltern und Grobian und darüber sprechen wie wir vorgehen. Ich will nicht, dass Astrid oder einer von uns verletzt wird bei einem ungeplanten und nicht organisiertem Angriff und das dadurch entstehende Durcheinander.“
Heidrun schmunzelte:
„Die Zeit auf der Klippe und deine Jahre als Oberhaupt haben dich reifen lassen.“
Jetzt schmunzelte auch er:
„Du kannst mir nicht erzählen, dass du das als Anführerin nicht auch schmerzlich erfahren musstest.“
„Leider ja. Aber manchmal ist das die beste Schule.“
„Und das wird auch immer so bleiben.“

*

Als Hicks zur großen Halle ging, machte er einen Umweg über Gisela´s Haus.
Er wollte nach Akaya sehen und wie es um sie stand. Ihr Verlust lag ihm komischerweise schwer auf den Schultern.
Gisela machte ihm die Tür auf. Die Heilerin war allen Anschein gerade dabei blutige Tücher auszukochen.
„Chef.“, grüßte sie ihn, ernster und bedrückter als sonst, und ließ ihn herein.
„Wie geht es Akaya?“, fragte er.
„Sie ist dem Tode näher als dem Leben.“, sagte Gisela. In ihrem Ton lag eine seltsame Mischung aus Trauer aber auch ein wenig neutral. Als würde sie nicht genau wissen was sie von Akaya halten sollte; ob es ihr Leid tun sollte oder ob es ihr gleich sein sollte.
„Wird sie es schaffen?“, fragte Hicks.
Gisela wittmete sich wieder der Wanne mit den blutbefleckten Tüchern.
„Ich weiß es nicht. Wir müssen sehen wie die Nacht wird.“
Hicks musterte sie kurz. Dann fragte er vorsichtig:
„Möchtest du denn, dass sie es schafft?“
„Ich bin Heilerin, Hicks. Natürlich möchte ich so viele Leben wie möglich retten!“, antwortete sie streng und man hörte ihr an, dass sie wütend und verletzt über die Tatsache war, dass er anscheinend etwas anderes glaubte, „Aber du hast Recht: Ich bin hin und her gerissen. Einerseits muss ich immer an das denken, was sie Astrid und Lena angetan hat und was sie mit der süßen Skyla vor hatte. Aber andererseits hat sie sich als eine clevere und engagierte junge Frau herausgestellt während der letzten Zeit. Eret hat mir von ihrem Vater erzählt und ihres schweren Schicksals....das arme Mädchen. Trotzdem hat sie Astrid fast umgebracht – nur für Rache.“
„Aber sie hat sie auch gerettet.“, warf Hicks ein.
„Ja....das habe ich gehört. Deswegen bin ich in diesem Konflikt. Ich bin es nicht gewohnt, dass Leute ihre Einstellung und ihre Seite so schnell wechseln. Erst bringt sie sie fast um und jetzt opfert sie sich für sie. Und das in so einem kurzen Zeitraum.“, sie blickte Hicks an, „Egal wie der Konflikt in mir ausgeht; ich werde trotzdem alles versuchen um ihr Leben zu retten.“
Hicks blickte sie dankbar an:
„Danke.“
„Das ist mein Beruf. Dafür braucht man mir nicht danken.“, sie lächelte und es kam wieder ein Funke von der Gisela zurück die Hicks kannte, „Aber es ist trotzdem schön es zu hören.“
„Kann ich zu ihr?“, fragte Hicks.
„Ivar ist bei ihr. Der arme Junge hat ihr Bett nicht einmal verlassen seit sie hier ist. Versuch aber bitte nicht so viel Krach zu machen. Sie braucht viel Ruhe.“
Hicks nickte und ging die Treppen hinauf.
Schwere Erinnerungen überkamen ihn. Wie oft war er schon diese Treppe hinauf gelaufen? Und jedes mal hatte er ein schweres Herz dabei und zittrige Beine.
Oben angekommen ging er in das Behandlungszimmer.
Akaya lag auf dem Bett, ihr Gesicht war blass – noch blasser als sonst - und mit kleinen Wunden übersät. Ihr Oberkörper war in weiße Verbände eingewickelt. Es roch nach der Wundsalbe die Gisela immer anrührte bei Wunden die sich entzündeten. Man hätte meinen können, dass sie bereits tot war, doch das ganz leichte heben und senken ihres Brustkorbes verriet, dass sie diesen Kampf noch kämpfte.
An ihrem Bett saß Ivar.
Stumm.
Er trug immer noch seine Sachen die er im Kampf getragen hatte. Sie waren dreckig und blutverschmiert. Sein Schwert hing an seiner Hüfte.
Doch in seinem Gesichtsausdruck lag keine direkte Trauer. Er schien getroffen über die Verletzung, aber nicht traurig oder verzweifelt oder ängstlich genug als das er um Akaya´s Leben bangte.
Hicks setzte sich zu ihm.
Als Ivar nichts sagte, begann Hicks:
„Es tut mir Leid.“, sagte er leise.
Ivar sah ihn an:
„Es ist nicht deine Schuld, sondern Johann´s alleine.“
„Aber ich bin auf seinen Plan herein gefallen.“
„So wie wir alle.“
Eine Pause entstand. Dann sagte Ivar:
„Aber wenn sie wieder aufwacht wird sie um eine Schuld erleichtert sein. Das was sie Lena und Astrid angetan hat lag ihr im Nachhinein sehr auf dem Herzen. Sie fühlte sich schuldig...und elendig. Auch wenn ihre Mühe nicht verhindern konnte, dass Johann Astrid mitnimmt aber...sie konnte wenigstens verhindern, dass Johann Skyla tötet.“
„Ivar...“, begann Hicks, doch unterbrach sich. Sollte er Ivar sagen, dass Akaya wahrscheinlich nicht mehr aufwachen würde?
Zu Hicks Überraschung lächelte Ivar ihn an.
„Du glaubst auch, dass Akaya sterben wird?“, fragte er als würde Hicks behaupten, dass am Tag der Mond scheint.
Hicks sah ihn fragend an. Er verstand Ivar´s Reaktion nicht.
Ivar lachte leise:
„Hast du noch nie von den Selbstheilungskräften der Grimborn´s gehört?“
„Nein.“
„Hast du dich nie gewundert, dass Viggo die Verbrennung seines fast halben Gesichts überlebt hat?“
„Ehrlich gesagt nein.“
„Alle Heiler haben gesagt, dass die Oberfläche der Verbrennung zu groß sei und er sie nicht überleben würde. Zwei Tage später hat er wieder die nächsten Pläne ausgeklügelt und war wieder auf See. Und solch Geschichten ziehen sich durch unsere gesamte Familie und Stammbaum. Akaya wird sich wieder erholen. Davon bin ich überzeugt. Und zwar viel schneller als Gisela es sich erträumen kann.“
„Ich hoffe du hast Recht.“
Ivar stützte seine Arme auf seine Oberschenkel:
„So. Hast du schon einen Plan wie wir Astrid zurück holen und Johann in den Allerwertesten treten?“
„Noch nicht. Aber ich denke ich werde deine Hilfe brauchen.“
Ivar lächelte:
„Mit Vergnügen.“
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