Sonnenfinsternis

GeschichteHumor / P12
Kimi Räikkönen
11.11.2014
11.11.2014
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Hallo ihr Lieben!
Ich habe mal einen ganz alten Oneshot für euch ausgegraben. Vielleicht habt ihr ein wenig Spaß damit. :-)






Sonnenfinsternis




Er hasste sie.
Er hasste sie wirklich.
Er hasste sie aus vollem Herzen.

Er wusste nicht genau wann sie angefangen hatte, ihn so sehr anzukotzen.
Er hatte sich nie für sie geschämt, aber…

Sie war billig.
Sie war klein.
Sie war hässlich.

Er konnte sie nicht länger ertragen. Er konnte sie einfach nicht mehr sehen.
Ihr bloßer Anblick machte ihn aggressiv.
Er wünschte, er hätte sie nie bekommen.
Warum um alles in der Welt hatte er sich auf sie eingelassen?
Warum hatte er zugelassen, dass sie da war?
Das war mit Alkoholkonsum und jugendlichem Leichtsinn auch nicht mehr zu rechtfertigen.

Sie sollte endlich verschwinden. Ein für alle Male.
Er war bereit jeden Preis zu zahlen, nur um sie endlich los zu sein. Nur, um sie nie wieder ertragen zu müssen.
Sie widerte ihn an.

Er hatte den Termin bereits vor zwei Wochen gemacht.
Er würde schon dafür sorgen, dass er sie nie wieder ansehen musste. Es würde eine Weile dauern, sie restlos aus seinem Leben zu entfernen und keine Spuren zu hinterlassen. Es würde sehr schmerzhaft werden, aber das war ihm völlig egal, wenn sie nur endlich unsichtbar wurde.
Niemand sollte sie je wiedersehen.

Er konnte nicht leugnen dass er sowas wie Vorfreude empfand, als er eintrat.
Es war keine Freude auf das, was ihn erwarten würde, sondern darauf was hinter ihm lag, wenn er wieder ging.

Ein breitschultriger Mann erwartete ihn bereits.
Noch einmal ließ er sich den genauen Ablauf erklären.
Noch einmal sprachen sie durch, was gemacht werden sollte.
Noch einmal wurde er über die Risiken und eventuelle Folgen aufgeklärt.
Aber das konnte ihn nicht abschrecken. Es war an der Zeit sie endlich zu entfernen.

Kommentarlos unterschrieb er die Einverständniserklärung. Dann folgte er dem bulligen Kerl in den hinteren Bereich.
Er setzte sich und beobachtete stumm wie alles vorbereitet wurde.
Er kannte das schon.
Es war nicht sein erstes Mal.
Er hatte es schon getan als er jünger war.

Er versuchte sich zu entspannen während er darauf wartete, dass es endlich los ging. Dass ihr endlich ein Ende gemacht wurde.
Er warf ihr noch einen letzten, grimmigen Blick zu. Nicht mehr lange, dann war er diese Abscheulichkeit endlich los.
Für immer.
Er konnte ein diabolisches Lächeln bei dieser Vorstellung nicht unterdrücken.

Er spürte für einen kurzen Moment Kälte auf seiner Haut.
„Gut, dann legen wir los“, sagte man ihm.
Er nickte und ohne mit der Wimper zu zucken spürte er dem ersten Stich nach.

Der Schmerz ging ihm unter die Haut, aber er wendete den Blick nicht von ihr ab.
Zufrieden sah er dabei zu, wie dieses hässliche Gesicht langsam verschwand.

Diese widerlichen, fröhlichen Augen.
Dieser breit lächelnde Mund.
Alles verschwand in Finsternis. Nichts von diesem lachenden Gesicht sollte verschont bleiben.
Es sah jetzt schon deutlich besser aus.


In der nächsten viertel Stunde verschwand auch der Rest.
Nichts von ihr sollte übrig bleiben.
Wenn alles gut ging, dann würde er sie nie wieder ansehen müssen.
Dann würde sie nur noch auf Fotos existieren.



„Das wär’s dann.“
Obwohl ihm der ganze Unterarm brannte, war er mehr als zufrieden mit dem Ergebnis.
Sie war weg!
Endlich!
Und was nun an ihrer Stelle zu sehen war gefiel ihm deutlich besser.

„Nur… eins verstehe ich nicht…“
Der große Mann klang skeptisch, schien zu überlegen ob es klug war, ihn darauf anzusprechen.

„Wie ist ausgerechnet der ‚Iceman‘ auf die Idee gekommen, sich eine lachende Sonne aufs Handgelenk tätowieren zu lassen?“

Kimi sah seinen Tätowierer leicht gereizt an.
Er wusste selbst, wie albern das wirkte und er hatte keine Lust mehr auf sie angesprochen zu werden. Er hasste diese Sonne. Darum war er ja auch hier her gekommen.
Jetzt zierte ein großflächiges, schwarz-schattiertes Tribal seinen Unterarm und verbarg diesen wirklich dämlichen Smiley für immer.

Seit er seine Karriere begonnen hatte sagten alle, er würde zu wenig lächeln, dass er sich nie richtig freute. Bullshit! Aber da brauchte er nun wirklich keine lachende Sonne auf dem Arm.
Das neue Tattoo passte deutlich besser zu ihm.

„Sie war eben älter als der Spitzname.“





Und für alle, die ‚sie‘ noch nicht kennen: Sonne
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