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'Adam & Eve' by LilacsBloom

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Noel Kreiss Serah Farron
09.11.2014
07.02.2016
8
77.856
1
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2 Reviews
Dieses Kapitel
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09.11.2014 4.361
 
Hallo liebe Leser,

hier folgt dann nun auch das erste Kapitel zu der momentan letzten, noch zur Übersetzung freistehenden Geschichte auf meiner Liste. Eine, auf die ich mich auch besonders freue. Auch wenn ich weiß, dass es wohl ab und zu etwas anstrengend werden dürfte. Aber das ist diese schöne FF über Serah & Noel von LilacsBloom wert. :)
Und deswegen hoffe ich sehr, dass diese FF vielleicht auch ein paar Leser mehr, als nur mich begeistert. Ich wünsche viel Spaß!

And thank you LilacsBloom, for this really beautiful story!


- InvadedandTranslated


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Adam & Eve

Orginalautor: LilacsBloom
https://www.fanfiction.net/s/7873635/1/Adam-Eve  





Paradise
(Paradies)

Zeitreisen waren etwas, wovon Serah stets dachte, dass sie nur in der Vorstellungskraft der Menschen existierten. Über die Fähigkeit zu verfügen, in der Zeit zurückzugehen und die Vergangenheit zu verändern, war etwas, wovon Serah mehr als nur einmal in ihren Leben geträumt hatte; um so zu verhindern, dass ihr Vater im Dienst der Schutzgarde sein Leben ließ, um zu verhindern, dass ihre Mutter so furchtbar krank wurde… um so Lightnings Verschwinden zu verhindern. Aber der Wunsch, vergangene Geschehnisse zu beeinflussen, war wie dem Unmöglichen hinterherzujagen. Denn egal wie oft Serah die Dinge in ihren Kopf Revue passieren ließ, drüber nachdachte, was sie vielleicht anders gemacht hätten, wenn sie gewusst hätten was passieren würde… naja, es würde nichts ändern, denn genau wie damals, waren Zeitreisen einfach nicht machbar.
Und dann, in nur einen Nacht und als sie Noel kennen lernte; einen jungen Mann, der über 700 Jahre in der Zukunft lebte, veränderte sich alles. Und schon bald, begaben sie sich auf ihre Reise durch die vielen, künftigen Dekaden, stets in der Gesellschaft eines kleines Mogrys, von denen sie immer geglaubt hatte, dass es sie nur in Märchen gab. In der Tat fühlte es sich so an, als bestände ihr Abenteuer nur aus einer Ansammlung verschiedenster Mythen und Legenden, die zum Leben erwacht waren. Doch nichts von alle dem barg auch nur irgendwo eine Lüge in sich, sondern entsprach der vollen Wahrheit.
Ihr Ziel, durch all das am Ende auf Lightning zu treffen, war ein langer Weg gewesen; voller Höhen und Tiefen. Sie hatten so viel gemeinsam erlebt, Dinge, von denen Serah sich sicher war, sie nie in ihren Leben wieder zu vergessen, und auch nicht in ihren nächsten. Und es war nur eine Frage der Zeit, bis sie das Ende ihrer Reise erreichen würden und letztlich, taten sie es… oder vielmehr hatten sie es gedacht.
Als sie das Zeitportal in Academia wiederherstellten, sahen sie Walhalla, den Ort, an welchen Lightning auf sie wartete. Gewappnet für den alles entscheidenden Kampf gegen Caius, verabschiedeten sie sich von Hope und Alyssa und ließen sich ins Innere des Portals ziehen.
Serah erinnerte sich an ihre erste Reise durch die Sphären des Chronos, wie fasziniert sie von diesen fabelgleichen Wegkreuzungen gewesen war, durch die sie, sie, Noel und Mog schwebten, wie Gefangene in den kleinen Strudeln eines Windkanals. Auch wenn es dort keinen Wind gab, der sie auf diese Weise in der Luft hielt, war es jedes Mal wieder ein seltsames Gefühl, so als wenn sie in der Lage wären ohne Flügel zu fliegen. Die Aufregung nahm mit jeden Mal, das Serah diesen Weg von Neuem beschreitet, immer weiter ab, sodass es schnell zu einem Teil von ihr wurde. Aber dennoch konnten sie und Noel nicht der Versuchung wiederstehen, sich einfach in die Umdrehungen reißen zu lassen, durch die sie ab und zu trieben. Doch dieses Mal konzentrierten sich ihre Gedanken mehr auf das Ziel ihrer Reise, als auf das vergnügliche Gefühl der Schwerelosigkeit, waren sich sicher, dass sie drei auf der anderen Seite ein harter Kampf erwarten würde. Und auch ganz egal, wie glatt die Reise durch die Chronosphäre verlaufen mochte, das Verlassen des Portals war immer wieder der schwierigste Teil. Die plötzliche Veränderung der Schwerkraft, mit der man gleichzeitig heruntergezogen und auch aus dem Portal geschmissen wurde, hielt das sichere Landen auf beiden Beinen meist als Glückslos bereit… na gut, auf alle Fälle für Serah. Denn obwohl sie sich jedes Mal darauf vorzubereiteten versuchte, konnte sie ein Hinfallen nie abwenden, während ihr Partner sich mühelos und beinahe immerzu perfekt abfing.
Es schien, als wäre das Landen auf ihren Hinterteil zu einer schlechten Angewohnheit von Serah geworden, aber Noel war immer da, um ihr aufzuhelfen; wenn auch oft mit einer neckischen Bemerkung in der Hinterhand.

„Gebrauchen sie ein wenig Hilfe, Mylady?“

Noels Amüsant über ihre Ungeschicklichkeit bereitete Serah immer ein wenig Unbehagen. Sie wünschte, sie wäre nur halb so elegant wie Lightning dabei, doch ihre mangelnde Kontrolle über ihr Gleichgewicht hielt nichts weiter als Spott für sie bereit, sodass Serah sich nach jedem Sturz schnell abklopfte und eilig vorausmarschierte, bevor Noel den leicht dunklen, verlegenden Schimmer auf ihren Wangen bemerkten konnte.
Jedes Mal könnte er etwas dazu sagen. Noel war nicht blind. Sie reisten schon seit über drei Monate zusammen… oder vielleicht sogar noch viel länger. Nach einiger Zeit war es fast unmöglich, darüber einen Überblick zu wahren, denn auch so, im Laufe der Zeit und der vielen Tage, die sie gemeinsam verbrachten,  war es Noel möglich in ihr zu lesen wie aus einem Buch. Serah brachte nie ein Wort zu sagen; Er wusste es einfach, wenn es etwas gab, das sie beschäftigte, nur dadurch, wie sie sich dann verhielt, zumindest war es das, was er ihr gesagt hatte. Noel war gut darin, andere Personen zu analysieren, was es ihr mit ihren mühevollen, gescheiterten Versuch nicht hinzufallen, klar zukommen nur noch schwerer gestaltete, weil er wusste, dass es ihr peinlich war und er wusste auch, dass das Witze machen es nur noch schlimmer machte. Er war ständig solch ein Scherzbolz.
Und doch, was wurde Serah nicht dafür geben, um jeden anderen dieser Momente noch einmal wieder zu erleben, jeden, außer diesen hier.
Es war immer ein unvergesslicher Anblick, wie ihre Körper im warmen Licht schienen, wenn sie das Zeitportal verließen. Das funkelnde, abnehmende Leuchten von durchscheinenden, goldenen Strahlen, floss wie fließendes Wasser über ihre Haut, ihre Klamotten, war so faszinierend anzusehen, dass wenn Serah nicht so sehr auf ihre neue Umgebung fixiert wäre, dieser kurze, wundervolle Augenblick ihr den Atem rauben würde.
Als Serah dieses Mal beim Verlassen des Portals hinfiel, war Noel sofort neben ihr zu Stelle, um ihr aufzuhelfen, hatte es viel eiliger als sonst, in der Angst davor mitten in den ewigen Kampf zwischen Caius und Lightning, und somit in die Gefahr eines möglich unverhofften Todes geraten zu sein. Aber sie erkannten schnell, dass das hier nicht Walhalla war. Stattdessen waren sie in einer völlig anderen, doch ihnen sehr vertrauten Welt gelandet. Und als Noels Hand nach der ihren griff, sich seine blauen Augen urplötzlich stark weiteten und er erstarrte, wurden sie sich eines ganz anderen Problems bewusst.
Es hatte auch nicht lange gebraucht, um für Serah herausfinden, wieso. Die Berührung von Noels Hand mit ihrer war das erste Warnsignal gewesen. Es ging viel zu viel Wärme von Noels Berührung aus, als da kein Leder war, dass ihre Haut von seiner trennte. Sie vermisste ihre Handschuhe; und als das magische, goldene Licht auf ihren Körpern verblasste und der erste, warme Luftzug ihre Haut streifte, bemerkten sie-

„Aaaah!“
„Aaarh!“

… dass ihre Kleidung verschwunden war.

Irgendwo zwischen ihrer Reise durch die Chronosphäre und dem hier, muss die Materialisierung von jedem ihrer Besitztümer an ihnen, zur anderen Seite, massiv danebengegangen sein. Und um das Ganze noch viel schlimmer zu machen als ohnehin schon, war weit und breit kein anderes Zeitportal in Sicht, um so wieder nach Academia zurückzukehren. Sie waren dazu gezwungen, sich mit dieser miesen Situation zurechtzufinden; eine der schlimmsten, an die sie sich neben ihr Verwandeln in Kristall oder die Aussicht auf das Ende der Welt erinnern konnte; es kam alldem fast gleich.
Heute war ein furchtbarer Tag.

„Serah?“

Sie konnte sich vorstellen, was Noel zu sagen hatte, sie konnte es aus dem schwachen Seufzer heraushören, den er machte, als er ihre Umgebung absuchte, wusste, dass es keine gute Nachrichten sein konnten. Sie befanden sich in den weiten Auenwäldern von Sunleth, mitten in der Uferflora. Serah wusste so aus dem Kopf, dass es hier weit und breit keine menschliche Zivilisation gab. So gab es wirklich nur eins, was sie tun konnten, und trotzdem weigerte Serah sich von einem der Stämme der großen Bäume um sie herum, an dem sie saß, zu entfernen. Nur der Gedanken daran, sich von der Stelle zu rühren, erfüllte sie mit Angst.
Ihre Augen schlossen sich fester bei Noels Nähern, ihre Arme wickelten sich enger um den zappelnden Mog, der ihr als einzige Möglichkeit diente, ihre Nacktheit vor dem jungen Mann zu verbergen. Der arme Mogry genoss die Nähe ihres Körpers jedoch kein bisschen, noch weniger, dass das Leben dabei war, aus ihm zu entweichen.

„K-Kupo…!“

Im Gras liegende, alte Blätter raschelten unter Noels Füßen, als er sich auf sie zubewegte, kurz vor ihr stehen blieb.
Er nahm einen tiefen Atemzug. „Serah-“

„Nein!“, schrie sie, schüttelte wild ihren Kopf. „Nein! Nein! Nein! NEIN!”

“Wir können nicht hier bleiben.”, sagte Noel zu ihr, in Anbetracht ihres kleinen Problems klang seine Stimme überraschend ruhig.
„Dieser Ort ist voller Monster und wir haben nicht die leiseste Chance uns zu verteidigen. Wie länger wir hier rumstehen, umso mehr laufen wir Gefahr, hier nicht heil rauszukommen.“
Genauso wie ihre Kleidung und Habseligkeiten, so waren auch Noels Waffen verschwunden, bis hin zu dem kleinen Jagdmesser, das er an seinem Gürtel geschnallt hatte. Sie hatten zwar noch Mog, der sich in ein Schwert oder einen Bogen verwandeln konnte, wenn Serah das wollte. Doch Noel musste bewusst sein, dass sie den Mogry zu handhaben, dazu jetzt nicht in der Lage sein würde, nicht ohne einen Streit.
„Ich bewege mich nicht von der Stelle, Noel!“, meinte Serah, hielt Mog noch fester an ihren Körper, während sie sich nur noch enger in sich zusammenkauerte. „Ich k-kann nicht… Ich kann das nicht!“
Wäre Lightning hier, würde sie ihr sagen, dass sie sich gefälligst zusammenreißen und damit abfinden solle. Nackt sein war sicherlich nichts, was die Gefährdung des eigenen Lebens, oder das anderer entschuldigende. Dennoch war es überraschend, wie viel Zeit und Raum Noel ihr gab. Aber das war etwas, das, zusammen mit seiner Geduld, schnell vergehen würde, da war Serah sich sicher.
„Serah, Ich weiß das ist hart für dich, doch wir können hier nicht einfach sitzen bleiben und auf irgendjemandes Hilfe warten. Niemand wird kommen. Die einzigen, die uns aus all dem herausbringen können, sind wir selbst. Wir sollten gehen; je eher, umso besser, denkst du nicht auch so?“, meinte Noel mit solch einer ehrlichen Ernsthaftigkeit zu ihr, dass es etwas in Serah’s Brust zubewegen anfing.
Sie biss sich hart auf ihre Lippe, versuchte es zu vertrieben.
„Ich weiß, a-aber…“
Wieso ließ Noel es sich wie die leichteste Sache auf der ganzen Welt anhören? Es war nicht so, dass Serah es gewöhnt war, nackt zu sein. Sie und Snow hatten sich immer nur geküsst; sie waren nie wirklich übers Schlafzimmer hinaus gekommen, sie waren ja auch nicht einmal richtig verheiratet. Wie alles andere in Serah’s Leben, wurde ihre Hochzeit nach Lightnings Verschwinden aufs Eis gelegt. Die Zeit lief weiter, aber für sie stand sie still, und sie wartete darauf, dass die Sandkörner weiterfielen, denn so wie es für Serah lief, ging es nicht. Sie könnte nie richtig glücklich werden, nicht ohne ihre Schwester. Und Snow, er hatte es gewusst…
Während andere aus ihrer kleinen Gesellschaft sich verliebten; heirateten, Kinder kriegten und ihr Leben mit ihrer besseren Hälfte verbrachten, konnte Serah nur neidisch dabei zusehen, sie war nicht dazu in der Lage gewesen, das Glück der Gründung einer eigenen Familie, oder die Intimität der Liebe mit ihren Helden zu erfahren. Das war’s, warum Serah nicht an die nackte Haut eines anderen gewöhnt war. Und gerade hatte sie Angst vor dem, was sie sehen würde; vor dem, was Noel sehen würde, wenn er nicht bereits sowieso genug gesehen hatte.
Wie sehr wünschte Serah sich, dass dies gerade nicht passierte. Sie wünschte, sie wäre mit ihrer Schwester in Walhalla, nicht hier, und erstrecht nicht so.
„Du hast Angst, ich könnte hinsehen.“, sagte Noel. Es war keine Frage.
Mit einem leichten, hörbaren Jammern, nickte Serah schwach mit ihren Kopf.
„Ich verstehe…“, Noel war für den Moment, den er kurz angestrengt nachdachte, still, ehe er fragte, „Wenn wir ein für uns  funktionierendes System ausarbeiten, wirst du dann weitergehen?“
Kurz öffnete Serah ihre Augen, gerade lang genug, um einen kurzen Blick auf Noels gebräunten Beine zu erhaschen, bevor sie sie wieder zwanghaft schloss, ihre gerötetes Gesicht in Mog‘s Kopf vergrub. Sein kleiner, roter, juwelähnlicher Baumel kitzelte ihre Wange. „S-System, was für ein System?“
“Na gut…” Noel setze sich auf den Boden, brauchte etwas Zeit, um sich etwas zu überlegen. „Wie wäre es hiermit? Egal wohin wir gehen, ich werde stets vorausgehen und du brauchst mir nur zu folgen. Solange du hinter mir bleibst, werde ich nichts sehen können. Hört sich das soweit gut an?“
Serah’s Herz pochte unkontrolliert gegen ihre Brust, sodass es schwierig war, genauer drüber nachzudenken. Ob sie es wollte oder nicht, sie musste die ganze Sache auf einer rationalen Ebene betrachten. Sie konnte nicht hierbleiben und die Suche nach einem Zeitportal ganz allein Noel überlassen. Sie waren dieses unglaubliche Risiko schon einmal eingegangen. Wenn sie drei überleben wollten, blieb Serah gar keine andere Wahl. Sie mussten zusammenarbeiten.
Es ließ Serah sich nur kein kleines bisschen besser fühlen.

„Du versprichst, nicht zu luschern?“
Noel zögerte keine Sekunde. „Ich schwör‘s.“
Serah nagte an ihrer Lippe.
„Hand auf’s Herz?“
„Und soll der Teufel mich holen, sollt‘ ich lügen.“, antworte Noel.
„Steck dir eine Nadel in dein Auge.“
„Steck… das ist ein wenig heftig, findest du nicht?
„Sag es einfach!“ Serah wandte sich unruhig, umfasste den verzweifelten Mog nur noch fester.
„Haha, okay, ich schwöre feierlich, mir so viele Nadeln in die Augen zu stechen, wie du es für nötig hältst.“, lachte Noel, atmete einmal kurz aus. „Ich gab dir schon mein Leben drauf, mich selbst zu erblinden, sollte da das kleinste Übel sein.“
Auch wenn Serah wollte, dass er ernst blieb, konnte sie ein schwaches Lächeln nicht verhindern. Selbst zur schlimmsten Zeit ihrer Reise, positiv denken war immer ein Teil von Noels Strategie, sei es kurz vor einem bevorstehenden, harten Kampf oder die Auseinandersetzung mit Fragen über die Vergangenheit oder Gegenwart. Wo auch immer sie waren, ob durch ermutigende Worte oder einfach nur er selbst war… er half immer, mehr als Noel sich wahrscheinlich selbst bewusst war.
„Das musst du nicht tun“, sagte Serah Richtung Boden. „alles was ich von dir erwarte, ist das du nur nicht hinguckt, oder ich werde NORA auf dich ansetzen. Und Snow. U-und Lightning!“
„Kein Grund zur Sorge. Wenn ich ein Versprechen gebe, werde ich es nicht brechen.“, sagte Noel ehrlich. „Als Jäger und Wächter: Du hast mein Wort.“
Serah’s Griff um Mog lockerte sich, sehr zur Erleichterung des Mogrys, als ein wenig der ängstlichen Anspannung aus ihren Muskeln schwand.
„Danke.“, antworte sie. Mit noch immer geschlossenen Augen, legte Serah ihren Kopf leicht in die Richtung des jungen Mannes.
„Doch was ist mit dir, Noel?“
„Was soll mit mir sein?“
Die Verwunderung in seiner Stimme, ließ Serah’s Gesicht wieder heiß werden. „Wenn du vorausgehst, dann…“, sie konnte es nicht zu Ende aussprechen, sogar in einer Million Jahre nicht. Glücklicherweise beende auf eine Art und Weise ihr Schweigen das, was sie nicht über sich bringen konnte. Er verstand, was sie meinte.
„Ich bin da nicht all so prüde, ich komme klar.“, sagte Noel mit solch einer Gelassenheit, für die sie ihn  beneidete. Serah konnte fast das Lächeln aus seiner Stimme heraushören. „Nur lass dich nicht allzu sehr von der Landschaft ablenken, klar soweit?“
Serah war nicht naiv, doch sie brachte einen Moment, um dahinterzukommen, dass Noel nicht von den möglichen Aussichten im Sunleth Auenwald sprach.
„Oh! Ja klar, ich schwör‘!“, sie nickte, fühlte Mog in ihren Armen tat es ihr gleich. „Kupo, kupo!“
„Gut“, stimmte Noel ein und er näherte sich ihr ein paar Schritte, ging an ihr vorbei. „Also sollen wir?“
Sie hielt ihren Atem an; sie konnte spüren, wie alle ihre Glieder sich versteiften, und im genau selben Moment, stand sie auf. Ihr Kopf sagte ihr, dass sie endlich bewegen sollte, doch ihr Körper weigerte sich. Stattdessen kauerte sich noch ein wenig mehr zusammen, kämpfte noch immer innerlich mit sich.
„Ich sagte doch, dass du mir vertrauen kannst.“, beruhigte Noel sie und sie hörte, wie er sich ihr etwas näherte. „Siehst du? Kein Luschern.“
Vorsichtig öffnete Serah ein Augenlid, zögerlich gefolgt von dem anderen und ihr Herzschlag erhöhte sich einmal mehr. Noel kniete direkt vor ihr und ein ganzes Stück näher, als sie erwartet hatte, so sehr, dass es sie überraschte.
Nicht, dass sie ihn nicht schon viel früher einmal nackt gesehen hätte. Unglücklicherweise war es dazu schon viel früher gekommen, ein Tag, nachdem der Meteorit des Nachts in Neo Bodhum eingeschlagen war. Sie war den Morgen früh aufgewacht, hatte nicht allzu viel Schlaf abbekommen, denn die Geschehnisse der Nacht waren noch einfach zu präsent in ihren Kopf gewesen. Sie dachte, eine Dusche würde ihr helfen, um schneller wieder etwas wacher zu werden, doch hatte nicht erwartet, dass sie nicht die einzige war, die schon auf war. Lebreau war bereits in der Küche und bereitete das Frühstück für das Team vor, das man noch immer laut in ihren Zimmern schnarchen hören konnte, genauso wie die-

„Ist jemand in der Dusche?“
„Oh, das war ich. Ich muss vergessen haben, sie wieder auszustellen. Tut mir leid.“, hatte Lebreau unschuldig erzählt, während sie die Töpfe und Pfannen auskramte. „Wieso nimmst du dir nicht auch eine? Ich bin mir sicher, das wird dir nach all den harten Kämpfen letzter Nacht wirklich gut tun.“
Obwohl sich da etwas hinterhältiges in Lebreau Lächeln verbarg, Serah war einfach noch viel zu benommen, um noch weiter darüber nachzudenken und begab sich auf ihren Weg… und erfuhr den größten Schreck ihres Lebens, als sie das Badezimmer betrat, genau dann, als Noel plötzlich aus der Dusche stieg. Serah war noch nie so schnell aus dem NORA Haus geflüchtet, noch hatte sie in ihren ganzen Leben je zuvor so laut geschrien.
„Lebreauuu!“
„Immer wieder gern!“

Es gab keinen besseren Weg, als gleich zu Beginn ihrer Reise, ihren Begleiter auf diese Art zu sehen, und kurz danach Gadot davon überzeugen zu müssen, dass Noel nichts mit ihr angestellt hatte, und ihn somit von seinen Entschluss abzubringen, den Jäger zu erwürgen, in nichts weiter als einem Handtuch. Wobei, dass sein Würgegriff Noel kalt gelassen hatte, am meisten dazu beigetragen haben musste, auch wenn Gadot ihm das nie verzeihen würde.

Die Situation, in der sie sich jetzt befanden, war viel schlimmer, als irgendwelche Missverständnisse es je sein könnten, so viel mehr schlimmer. Sie steckten fest irgendwo im Nirgendwo, ohne etwas  anzuziehen oder sonst was, dass sie an oder bei sich trugen und ohne Antwort drauf, warum;  Allein die Zeit würde ihnen sagen, wann alles wieder in Ordnung kam, vorausgesetzt sie alle drei würden morgen auch noch leben. Doch eine Sache, über die Serah sich sicher sein konnte, war dass sie keine Angst vor Noel haben musste. Er war kein so ein fieser Typ oder auch kein Betrüger, für den Gadot ihn hielt. Serah hatte das während ihrer Reise gelernt und schließlich waren sie zu Freunden geworden, hatten hier und jetzt genau dasselbe Ziel.
Nach alldem, was sie durchgemacht hatten, respektierte Noel sie. Und auch, wenn sie sich gerade fürchtete, Serah wusste, dass sie drauf vertrauen konnte, dass er sein Wort nie zurückziehen würde, genauso sehr, wie sie ihm ihr Leben anvertraute.
„Kein Luschern…“, wiederholte Serah, sah zu Noel, der weithin im Gras saß. Sein Kopf abgewandt, seine Augen auf irgendeine andere Stelle gerichtet. Wie versprochen, glotze er kein einziges Mal, nicht so, wie es vielleicht jeder andere Mann es an seiner Stelle getan hätte. Sie konnte sehen, wie diese unglaublich blauen Iriden seine Haltung wahrten, ihren Fokus auf den Wald hielten, in den er ununterbrochen blickte, und dabei kein einziges Mal zu ihr aufschaute.
Noel hielt seine Hand ausgestreckt, wartet darauf, dass sie nach jener griff.
Mit einigen, tiefen Atemzügen, nahm Serah all ihren Mut zusammen. Zitternd legte sie ihre Hand in die größere, ruhige Noels, fühlte einen Schauer ihren Rücken herunterlaufen, als seine Finger sich fest um ihre Hand schlossen, mit der gleichen, angenehmen Wärme, wie kurz zuvor. Und mit nur ein klein wenig, bis fast keinen Widerstand in ihr, erlaubte Serah Noel, sie mit sich in die Höhe zu ziehen.
„Kupooo!“
Mittendrin alledem, realisierte Mog, dass ihn nur noch ein Arm gefangen hielt und nutze dies zur  Gelegenheit, um zu entkommen, wand sich aus Serah’s Fingern, ehe sie ihn davon abhalten konnte.
„Nein Mog! M-Mog!“, schrie sie hilflos und der Mogry floh aus ihrer Nähe. Trotz ihrer Bitte, blieb Mog fern von ihr, schwang seinen Baumel wild in der Luft umher.
„Ich bin kein Spielzeug, kupo! Bin ich nicht, bin ich nicht, kupo!“, rief er in seiner hohen, schrägen Stimme, schimpfte immer weiter, gefolgt von viel mehreren Kupo’s. Serah kämpfte hart damit, überhaupt zuzuhören, denn mit dem letzten Schutz, der ihr geblieben und jetzt auch weg war, fühlte sie sich plötzlich nur noch angreifbarer. Wenn Noels Hand nicht die ihre halten würde, sie aufrecht hielt, wäre sie vermutlich wieder zurück ins Gras gefallen.
„Whoa, wirklich jetzt Mog. Das ist ein wenig forsch angesichts der Dinge, oder nicht?, sagte der junge Mann, unterbrach den Mogry und streckte ihn vorwurfsvoll einen Finger aus. „Warst es du oder warst es nicht du, der sagte, dass Serah sein Liebling sei?“
Serah hatte den schüchternen Kommentar Mog’s in den Bresha Ruinen fast wieder vergessen, den er leise äußerste, während sie sich unsicher darüber waren, was sie gegen Atlas, welcher sich im Regen hoch über den Ruinen erstreckte, tun sollten. Es kam ihr vor, als läge es bereits Jahre zurück. In gewisser Weise, mit all den Zeiten, durch die sie sprangen, tat es das auch.
Mog sank leicht in der Luft nach unten, schwang den winzigen Edelstein auf seinen Kopf nervös umher. „Doch, kupo.“
„Warum gehst du dann nicht brav ein wenig spielen und gibst ihr etwas Freiraum.“, schlug Noel vor und einer seiner Mundwinkel hob sich leicht nach oben. „Nicht jeder Mensch auf diesen Planten kommt so schön und gut damit klar, so nackt zu sein, wie du es bist, Mog.“
„Kupo…“, das Gesicht des Mogry nahm eine Spur Traurigkeit an, und ohne, dass er sich bei ihr entschuldigte, wandte er sich wie ein zurechtgewiesenes Kind von ihnen ab.
Es war nicht sein Fehler. Die Schuld allein lag bei ihr, in der Art und Weise, wie sie reagiert hatte. Wenn sie aus der ganzen Sache jeweils lebend rauskommen sollten, war Serah sich sicher, dass sie das dem kleinen Mogry klar machen würde.
Noels Griff um ihre Hand festigte sich ein wenig mehr, sorgte dafür, dass ihre Wangen noch einmal zu glühen anfingen.
„Geht es dir gut?“, fragte er.
„Ja, j-ja, mir geht es gut.“, log Serah, sich völlig bewusst darüber, wie sehr ihr Körper unkontrolliert zitterte. In ihrem Kopf herrschte ein wildes Durcheinander und sie verschränkte ungeschickt ihren freien Arm vor ihrer Brust. „So… ähm, wohin sollen wir gehen?“
„Ganz ehrlich? Ich habe nicht die leiseste Ahnung, noch nicht.“ Noel legte seine Augen auf Mog, welcher mit unschuldiger Neugier über die ruhige Wildnis der Wälder trieb. „Ich würde sagen, wir folgen erst mal einfach nur unseren geflügelten Freund, mit etwas Glück, führt er uns auch zu einem Portal.
„Okay…“, Serah folgte seinem Blick. „Und was, wenn es nicht funktioniert?“
Noel fuhr sich mit einer Hand durch sein Haar, schaute zielbewusst. „Dann gehen wir dorthin, wohin der Wind uns führt. Wir werden einen Weg finden.“
Selbst durch die Zuversicht, mit der er sprach, Serah konnte nicht verhindern, dass sie sich bei diesen Worten nicht wohl fühlte. Gehen, wohin der Wind sie führt, es klang wie etwas, was Snow sagen würde, wenn er hier wäre. Serah versuchte sich vorzustellen, dass er jetzt hier wäre, ihre Hand haltend, sowie Noel es tat… und sie verspürte das Bedürfnis, sich loszureißen, doch sie konnte es nicht.
Für solange Zeit schon, wünschte sie sich Snow an ihre Seite zurück, nicht in der Mitte der Nacht wach dazuliegen und sich darüber sorgen zu müssen, ob es ihren Helden gut ging. Doch genauso, wie all ihre Hoffnungen und Träume nach und nach verwelkten, wurde es auch immer schmerzhafter an Snow zu denken. Trotzdem vermisste Serah ihn, sogar nach dem, was geschehen war, als sie sich das letzte Mal trafen. Doch sie konnte darüber jetzt nicht nachdenken. Sie kam auch gut ohne Snow oder Lightning klar, und konnte damit auch umgehen. Serah vertraute Noel, und das reichte ihr, fürs erste.
„Der Wind“, wiedeholte Serah, grub ihre Zehen ins Gras. „Damit… damit komm ich klar.“
„Das ist gut.“, antworte Noel mit einem Lächeln und deutete mit einem zeigenden Daumen in den Wald vor ihnen. „So, wollen wir drei uns nicht beeilen und nach einen Weg aus alledem hier heraus suchen?
Serah nickte behutsam, versuchte ebenfalls zu lächeln, auch wenn Noel es nicht sehen konnte.
„Ja, lass uns gehen…“
Erst eine kurze Zeit später, während sie durch die schöne Wildnis von Sunleth streiften, bemerkte Serah, dass sie noch immer die Hand des anderen hielten. Sie blieb stehen, als sie das tat; brachte so auch Noel zum stehen, während sie schweigend und unsicher zu ihm aufsah. Erst als Serah langsam ihren Griff lockerte, ließ auch Noel sie endlich los. Das Gefühl der Berührung seiner Hand lag noch leicht auf ihrer Hand, ehe es sich völlig auflöste.
Nebenbei sprachen sie kein einziges Wort untereinander, und als sie sich danach bald wieder in Bewegung setzten, sagte noch immer niemand etwas. Aber auch noch eine lange Zeit danach, konnte Serah noch immer das leichte Brennen auf ihrer Hand fühlen, dort, wo Noel sie festgehalten hatte.
Und egal wie sehr sie nun für sich auszuwiegen versuchte, Serah konnte den Knoten an Empfindungen in ihnen Herzen nicht gut genug entwirren, um herauszufinden, ob sie diejenige war, die sich geweigerte loszulassen, oder Noel…
Jedoch war da eine Empfindung, der Serah sich mehr als bewusst war, eine, die sie bereits viel zu oft in den letzten Wochen gespürt hatte.
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